und noch ein Nackenschlag

Etwas weniger erfreulich war dann eine Nachricht, die ich noch gestern erhalten habe.

Die gute Nachricht…mein Freund kommt heute schon zurück (dabei ist heute erst Mittwoch, und normalerweise kommt er ja erst freitags). Hmmm? WARUM?

Er hat noch einmal mit der Klinik telefoniert…die hatten wohl schon versucht ihn zu erreichen, deshalb kommt er heute…

Wir hatten uns zu früh gefreut und die ambulante OP hat wohl alles Sichtbare entfernt, aber jetzt ist sein Turmormarker noch zu hoch….und er muss jetzt Morgen noch einmal in die Klinik, zur Untersuchung…und am Montag wird er dann stationär aufgenommen…es folgt jetzt kurzfristig noch eine weitere OP.

Ich könnte kotzen, wir hatten uns auf die Aussage verlassen: wenn nach 14 Tagen keine Rückmeldung kommt, ist alles i.O….und ich könnte heulen, weil jetzt fängt es an ernst zu werden….

Und ich Sorgentier und Kümmerer konnte mit der Nachricht erst einmal nicht so gut umgehen und fing erst mal an ihn etwas anzumosern….aber nur weil er mir mal wieder die Wahrheit nur scheibchenweise erzählt hat….das mag ich ja gar nicht….es ist aber, wie immer, die Sorge um ihn.

Aber so ist das Leben, man darf sich einfach nicht zu sicher sein, sollte immer alles so intensiv leben und genießen wie nur möglich….Niemand weiß was Morgen kommt….

Ein neuer Lebensabschnitt

Eine neue Wohnung ist ein neuer Lebensabschnitt…

Schon seit ich die Küche eingeräumt hab, habe ich Lust hier zu kochen….auch wenn der Herd nicht die gleiche Qualität und Fähigkeiten hat, wie mein bisheriger…aber ich habe mehr Platz….

Und ich habe den Eindruck mich aus eingefahrenen Abläufen und Strukturen leichter lösen zu können…jetzt ist der Zeitpunkt neue Muster zu schaffen, neue Abläufe….ich habe das Gefühl freier zu sein…freier agieren zu können. Endlich wieder öfter Fahrrad fahren, mal wieder schwimmen gehen, meine neue Umgebung zu Fuß erkunden….mehr für mich tun…

…ich werde auch real tatsächlich mehr Zeit haben, denn wir brauchen jetzt nicht mehr ständig zu pendeln …jetzt sind wir im gleichen Haus…ich bin näher bei der Arbeit…nur wenn ich nach Frankfurt hinein will, dann dauert es länger…

Letzte Nacht war die 1. Nacht in dieser Wohnung und ein alter Aberglaube sagt, das was du in der 1. Nacht träumst, das wird in Erfüllung gehen. Zu meinem Leidwesen hab ich aber gar nichts wirklich geträumt…aber doch erstaunlich gut geschlafen, was aber auch an der physischen und psychischen Erschöpfung liegen mag.

Ich liebe die Stille hier….es sind kaum Geräusche im Haus und auch vom Straßenverkehr höre ich fast gar nichts (bei geschlossenen Fenstern)…. Und am Morgen, vor allem bei geöffneten Türen oder Fenstern hört man überall Vogelgezwitscher…

Okay es gibt aber auch ab und an Dinge die nicht so leise sind:

Auf der einen Seite ist ein Kindergarten und auf der anderen Seite ist eine Schule, aber die stören mich gar nicht….Direkt neben mir ist eine evangelische Kirche, die ist nur manchmal laut…vor allem wenn mal wieder eine Chor-oder Orchesterprobe stattfindet und meine Nachbarin über mir hört gerne klassische Musik und spielt auch noch selber Klavier. Lach….zum Glück bin ich leidenschaftliche Kopfhörer-Trägerin für Fernsehen und Musik hören….da kann ich mich also abschotten, wenn es mich stört.

 

 

 

Änderst Du Dein Leben?

Jetzt nach dem Anschlag in Paris? Ich werde nichts ändern sage ich, glaub ich zumindest. Aber das stimmt wahrscheinlich nicht ganz. Denn schon gestern Abend am Bahnhof in FFM hab ich mich etwas unwohler gefühlt.

Es kann immer und überall geschehen…warum sollte Deutschland eine Ausnahme sein?…warum sollte ich glauben, dass es mich nicht treffen kann? Weil ich mit all dem Terrorismus nichts zu tun habe. Genau, aber all die Menschen in Paris, die vom Attentat betroffen sind, gestorben sind oder verwundet wurden, doch auch nicht. Warum also sollte ich mich sicherer fühlen.

Und schon bin ich gedanklich in der Spirale in der sich wahrscheinlich viele befinden.

Nein ich habe nicht mehr Angst vor den Flüchtlingen, aber ich fühle mich nicht ganz wohl an so zentralen Orten wie einem Bahnhof. Nein ich bin nicht ängstlicher in meinem Wohnviertel (mit einem hohen Anteil an Ausländern), aber ich fühle mich verunsichert, wenn ich darüber nachdenke ein Fest oder eine Disco zu besuchen. Trotzdem möchte ich mein Leben nicht verändern…ich will mich der Angst nicht hingeben und trotzdem habe ich meinem Freund beim Abschied Sonntagabend gesagt, er solle auf sich aufpassen.

Wenn also immer und überall ein Anschlag passieren könnte, könnte doch auch immer und überall ein Unfall passieren, ein Zug- oder Flugzeugunglück, ein Auto-Crash…also heißt doch die Konsequenz nicht ängstlicher Leben, sondern bewusster.

Ich lasse mir mein Leben nicht so einfach vermiesen, weder von den notorischen Debatten über zu viele Flüchtlinge, zu hohe Überfremdung , noch von Terroristen.

Ach ja…und na klar schaffen wir das, es bleibt uns doch auch gar nichts übrig. Wir sind ein Land welches sich auf seine christlichen Werte beruft, da können wir doch schon aus Humanitätsgründen die Menschen nicht verhungern oder erfrieren lassen…oder wer will sich mit Waffengewalt an der Grenze gegen die Flüchtlinge „wehren“. Welche Wahl haben wir also…

…eben…uns nicht unterkriegen lassen. Soooo, das wollte ich mal sagen.

Ein Kokon um das „Wir“

Ein wirklich schönes Wochenende geht nun zu Ende. Und anstatt leise auszuklingen, nimmt es wieder einmal abrupt den Charme eines gemütlichen Abends und endet am Bahnsteig.

Ich winke und bleibe zurück. Komme nach Hause in die jetzt leere Wohnung und muss mich erst mal wieder an die Stille anpassen. Zurück in der Wirklichkeit nach 2 Tagen Auszeit vom Leben drum herum.

Wir leben sehr auf uns bezogen…genießen den Kokon den wir um das „WIR“ errichten…und harmonieren in unseren Bedürfen mal mehr oder weniger….eben sehr unterschiedlich. Nicht jeder bekommt immer das, was er will oder braucht…. Und dieses Mal war ich Diejenige die gesagt hat, ICH bin dran…denn das brauch ich jetzt …