Unsichtbar machen

Unsichtbar machen

Mein Job in dieser Firma ist damit BEENDET….

Die letzten Tagen waren echt zäh. Nicht nur das ich ja in einen Büro-Schichtdient von 13.15 – 19.15 Uhr arbeiten musste und das nicht mal an meinem eigenen Schreibtisch, sondern in einer extra-Etage…und sie es bis zum Schluß nicht geschafft haben, den Laptop an einen Bildschirm anzuschließen oder es Homeoffice-fähig zu machen, sondern ich hatte schlichtweg auch keine Lust mehr mich mit den internen Problemen dieser Firma auseinander zu setzen.

Also hab ich versucht mich unsichtbar zu machen…und nur noch meinen normalen Job auszufüllen….Gestern hab ich dann für meine Kollegen einen Ausstand gegeben. Da mir vom Kuchen-Backen abgeraten wurde (Corona), hab ich diverse einzeln verpackte Süßigkeiten gekauft und auf die verschiedenen Büros und Etagen verteilt. Den Kollegen aus der 1. Schicht, die mir wichtig waren, habe ich eine kleine Karte geschrieben und einen kleinen Schoko-Osterhasen hingestellt…bei den Kollegen der 2. Schicht die mir wichtig waren ,habe ich mich natürlich persönlich verabschiedet. Der Rest ist mir ziemlich egal.

Erst nach meiner Aktion mit den Süßigkeiten hab ich erfahren, das ich heute in der 1. Schicht arbeiten soll…aber eben nicht bei den anderen, sondern in dieser Extra-Etage für die 2. Schicht…..das ist mir natürlich sehr entgegen gekommen…so war ich FAST allein auf dieser Etage….und da es sonst Niemand wusste, hab ich es auch nicht publik gemacht…mich also wirklich unsichtbar gehalten… Lach.

Ein Student der dort für das Legal einige manuelle Arbeiten machen sollte, hat sich genau so gelangweilt wie ich…und so haben wir uns bestimmt 1,5 Stunden unterhalten…Es hat richtig Spaß gemacht zu erfahren, was so ein junger Mensch für Ansichten über Corona-Virus, Politik, AFD und Flüchtlinge hat und darüber zu diskutieren…. Das war echt leicht und locker und ein amüsanter Zeitvertreib und interessanter Informationsautausch…der Junge Mann wird nämlich mal Anwalt.

Sooo also nach der Tagesarbeit und verschiedenen Verabschiedungsmails an einige auswärtige Kontakte, hab ich dann alles gelöscht und vernichtet was ich mir selber an Anleitungen und Arbeitsanweisungen zusammen geschrieben habe.

Meine Chefin hatte zwar danach gefragt, aber ganz ehrlich…nööööö. Es wäre ihre Aufgabe gewesen, mir zu den diversen Themen Anleitungen zu geben….aber das Meiste musste ich mühselig an vielen Stellen erfragen und mir selber zusammenstellen. … hier bin ich vielleicht gemein…und normalerweise gebe ich gerne solche Informationen weiter…aber sorry, nicht in dieser Firma.

Und ich hab heute schon Kontakt zur neuen Firma gehabt…Also weiter geht es am 1.4. direkt in Hamburg….und bis dahin hab ich URLAUB…ähmmm also Quasi-Quarantäne…. Egal…ich werde mich auf jeden Fall gut beschäftigen können… Ach ja und heute ist Frühlings-Anfang….

der letzte Arbeitstag des Jahres

..war für mich mal wieder richtig gut. Und das obwohl ich mehr als 10 Stunden gearbeitet habe. Woran liegt es, das ich die Zufriedenheit beim Arbeiten in dieser Firma so extrem unterschiedlich wahrnehme?

Es liegt auf jeden Fall an den Kollegen…und die haben durch die Jahresend-Rallye einfach weniger Zeit zum Quatsch-machen, lästern und nörgeln….so war es also von Außen ruhig…auch die Telefone standen fast still…hab mit dem Controlling mehr geredet, als mit meinen eigenen Kollegen, die sind irgendwie lockerer und freundlicher.

Ich hab mich mit der Chefin gut abgestimmt…und ansonsten das gemacht, was ich an meinem Job so liebe: still die notwendigen Arbeiten erledigt…viel per Mail zur Klärung in die Wege geleitet…

…hahaha UND meine Chefin hat irgendwie eingesehen, das EINE dieser tollen Arbeiten, die jeder angelernte Azubi erledigen könnte,  evtl. doch nicht notwendigerweise von mir gemacht werden sollte ..immerhin gibt es andere, die immer pünktlich nach Hause gehen. Also hat sie heute bekannt gegeben, das ab 1.1. einen Großteil dieser Arbeit von einer anderen Kollegin übernommen wird….ob sie die Kollegin allerdings vorher informiert hat, kann ich nicht sagen….diese Kollegin ist nach der Bekanntgabe genauso abweisend, überheblich und versucht mich möglichst zu ignorieren wie vorher…lach….also alles in Ordnung.

Die Haupt-Unruhequelle in meinem Rücken (hinter der Wand) wurde in den letzten Tagen dagegen sogar freundlicher zu mir…also zumindest wenn die anderen es nicht mit bekommen.

Ich hatte mich darüber geärgert, das es niemanden interessiert, wenn etwas nicht korrekt läuft….ungefragt hatte ich mich in eine Unterhaltung eingeklinkt und auf einen Sachverhalt hingewiesen (eigentlich wollte ich ja Schweigen….aber ich kann so etwas einfach nicht falsch im Raum stehen lassen, wenn die anderen es nicht klarstellen). Das kam wie immer nicht gut an…lach…Niemand lässt sich gerne sagen, das er etwas falsch macht…auch ich nicht…

Ich hab mich also darüber geärgert ,wie wenig Bilanzwissen es in meiner Abteilung gibt…und hier rede ich vom normalen Grundwissen eines Buchhalters für seine tägliche Arbeit und nicht von irgendwelchen exotischen Ausnahmeregelungen. ..Weder die Bilanzbuchhalter, noch die anderen Buchhalter kennen sich in einigen der  normalen jährlich wiederkehrenden Themen  wirklich aus….allenfalls oberflächlich. Ich sag ja nicht, das sie es nicht können, sie können ihr Wissen aber auf jeden Fall nicht abrufen und entsprechend anwenden…oder haben aufgehört bei der Arbeit  nachzudenken:

  • wann ist ein Sachverhalt eine Verbindlichkeit oder eine Rückstellung
  • was ist der Unterschied zwischen echtem und unechtem Schadensersatz mit welchen Rechtsfolgen
  • wie lauten die Regeln zur Überprüfung der Steuerfreiheit bei Betriebsveranstaltungen
  •  in welchen Fällen darf  man die Vorsteuer am Jahresende ziehen, wann nicht

Zugegebenermaßen sind das Themen, die außerhalb unseres Berufsstandes keinen interessieren…muss auch nicht…dafür gibt es ja so langweilige ungeliebte Jobs wie meiner. Aber WER sich für so einen Job entscheidet, sollte die notwendigsten Regeln kennen….oder Leute fragen, die es wissen…Wenn also ein Kollege schon fragt, sollten die Fachpersonen im Raum zumindest in der Lage sein, diese Frage auch entsprechend zu beantworten….und selbst wenn sie es  nicht können, dann können sie die Frage entweder in den Raum stellen oder an die Chefin verweisen.

Nun gut…ich hab mich also  ungefragt eingemischt…es wurde erstaunt zur Kenntnis genommen, aber der Inhalt meiner Worte passte nicht ins Weltbild…also: ahhhhrrrr kenn ich nicht…kenn ich anders…kann nicht sein…haben wir noch nie so gemacht…mach ich so nicht… Daraufhin hab ich  ein paar Minuaten später mit den Worten: „falls es dich interessiert, hier zum Nachlesen “ einen Auszug aus der Fachliteratur (frisch aus dem Internet gezogen) vorgelegt und bin gegangen. Was daraus jetzt gemacht wird ist mir egal.

Später hat dieser Kollege dann gelauscht, als ich mich mit den Kollegen der freundlichen 4er Gruppe darüber unterhalten habe…ich hab ihn gesehen und er hat bemerkt, das ich ihn bemerkt habe…lach…ich glaub das war ihm etwas unangenehm…aber da kann ich mich auch täuschen…Zumindest ist er seitdem etwas freundlicher zu mir…immerhin ein Fortschritt.