Nachbar-Plausch

Nachbar-Plausch

Nach den schönen erholsamen Ostertagen hatte ich zuerst einmal ein Motivationsproblem…und durch das Homeoffice bekam ich auch zuerst mal keinen Anschub….ein Glück waren die Meisten eh noch im Osterurlaub und ich konnte mich gaaaaanzzzz laaaaaangsam einigen leicht monotonen Arbeiten widmen: etwas, das keine geistigen Höhenflüge erwartet, still ausgeführt werden kann und bei jeder Gesellschaft auf die gleiche Art und Weise wiederholt werden muss.

Vorteil: das erfordert nichts weiter als die Konzentration auf die Sache – ohne mich geistig wachzurütteln.

Nachteil: So finde ich meinen Arbeitsschwung bestimmt nicht wieder

….und so blieb es auch am Mittwoch. Jaaa ich hab viel geschafft und damit auch schon gut vorgearbeitet…aber es fehlte mir weiterhin der Elan, den auch die Walkingrunden nicht brachten.

Aber dann klingelte es an meiner Tür….

Vor ein paar Tagen hab ich meinen Parkplatz-Nachbarn an den Mülltonnen getroffen….und der ist gut befreundet mit dem Nachbarn aus dem Nebenhaus, mit dem ich vor einiger Zeit mal einen netten Plausch im Waschkeller hatte.

Bei dem Plausch im Waschkeller hatte mich der Nachbar gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei den regelmäßigen Feierabend-Treffen der Beiden mal dazukommen zu wollen. Er hatte mir gleich das Du angeboten und es war lustig mit ihm zu plaudern, also sagte ich ja – sag einfach mal Bescheid wann…dann komme ich gerne.

Dieses Einladung hat nun mein Parkplatz-Nachbarn wiederholt…sie würden sich Oster-Sonntag Treffen und ob ich nicht dazu kommen wolle…da vom Abend die Rede war, sagte ich erst einmal zu…..Einen Tag später fand ich dann einen Zettel in meinem Briefkasten: es sollte bereits Mittags losgehen weil der Grill angeworfen wird ( Momentmal – Grillen ist doch in der gesamten Anlage verboten….ist vielleicht nicht schlecht, mal ein paar Insider-Informationen zu gekommen hihi), dazu noch einmal die schriftliche Bestätigung, das sie sich freuen würden und die Handy-Nummer vom Waschkeller-Plausch-Nachbarn…

Ostersonntag Mittag ging bei mir ja gar nicht, also hab ich nun per Whatsapp absagen müssen…weil terminlich verhindert…..immerhin ist der Sommer ja noch lang…da wird sich schon mal eine Gelegenheit ergeben.

Am Mittwoch klingelte nun mein Parkplatz-Nachbar (ich nenne ihn jetzt: Klausi)..sie würden jetzt gerade auf der Terrasse zusammen sitzen, ob ich nicht spontan Lust hätte dazuzukommen….Spontan habe ich ja gesagt, auch wenn dieser Nachbar schon nicht mehr ganz nüchtern war….bin also ein paar Minuten später mit einer Flasche Wein und einem Schokoladen-Osterhasen (der Waschkellerplausch – ich nenne ihn jetzt Mirko – hatte bei unserem Plausch eine Tochter erwähnt) ums Haus herum und habe mich dazugesellt.

Nachbar Mirko war überrascht, als ich um die Ecke kam und hat sich tatsächlich gefreut…auch über den Schoko-Osterhasen für seine 9jährige Tochter, die aber gerade bei der Mutter ist (geteiltes Sorge-und Aufenthaltsrecht, wenn ich es richtig verstanden habe).

Soooo – da saß ich also bei meinen beiden Nachbarn, Beide so Anfang bis Mitte 40Jahre und hatte einen feucht-fröhlichen Abend und lustigen Abend, der auch sehr lang war..so wenig hab ich schon lange nicht mehr geschlafen…immerhin musste ich am nächsten Morgen früh raus und ins Büro.

Berühmt? – oder nicht?

Der Samstag war so ganz nach meinem Geschmack….erst lange schlafen (also  bis 8.30 Uhr anstatt 5.45) dann im Schlafanzug auf die Couch und bis zum Mittag einfach mal NICHTS tun….dann Duschen, Wohnung putzen, mein Schatz hat Brötchen geholt und dann den Rest des Nachmittags locker vertrödeln…ich hab den Balkon mal wieder vom Dreck befreit…brrrrrrrr ist das kalt…aber es hat Spaß gemacht.

Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust das Haus zu verlassen…aber mal ehrlich  – es ist schon eine Ewigkeit her, dass wir einen entspannten Abend in der Stadt verbracht haben und wir waren mit einem Freund verabredet.

Beim Wagner haben wir uns getroffen….eine  dieser sehr typischen traditionellen Apfelwein-Wirtschaften. Es war laut, voll und lustig… und es gab Appelwoi, Frankfurter Schnitzel mit Grie`-Soß und Mispelchen…..hmmm lecker. So kann ein Abend beginnen.

Lustig war es vor allem weil der Freund von einer Gruppe junger Menschen an einem der Nebentische für eine „Berühmtheit“ gehalten wurde…Sie wussten zwar nicht, wer er sein sollte…aber irgendwie kam er ihnen „bekannt“ vor und weil dieser auch eine extrem lockere und pointierte Art hat, mit Menschen zu reden, also so eine „Kodder-Schnauze“ hat, rätselten sie, ist er nun bekannt oder nicht..

Eine junge Frau kam an unseren Tisch und bat ihn dann um ein Autogramm…ich hab mich kaum halten können vor Lachen, aber der Freund hat den Spaß dann mit gemacht und sogar ein Widmung geschrieben…durch mein Lachen und unsere Äußerungen haben sie dann wohl aber mit bekommen, das er KEINE Berühmtheit aus Funk und Fernsehen ist…und als sie dann später aufbrachen haben alle Personen des Tisches IHM ein Autogramm mit all deren Unterschriften gegeben…..leider ohne die Telefonnummer der jungen Frau, die ihn angesprochen hatte…schade für ihn.

Lustig waren auch die 3 jungen Italiener die neben uns am langen Holztisch saßen….sie waren genauso, wie man sich Italiener immer vorstellt, schlank und nicht zu groß, aber ständig am Reden…und das nicht nur mit dem Mund, sondern vor allem auch mit den Händen…viel Gestik und leichte Theatralik….Als ich dann kurzzeitig mal ohne meinen Schatz und seinen Freund am Tisch saß, fragte mich einer der Drei auf Englisch ob sie zu laut seien…ich verneinte…nein eher waren WIR zu laut….ich hab ihnen erzählt das ich das mit den Gesten beim Reden sehr interessant finde und wir haben uns  kurz unterhalten das einer von Ihnen schon seit 3 Jahren in Deutschland lebt und die anderen zu Besuch sind und das typische Essen hier sehr lecker fanden…das war auch irgendwie nett und lustig…

Diese unkomplizierte Art in solchen Wirtschaften finde ich klasse… vor allem wenn ich gerade mal selber in einer kommunikativen Phase bin kann ich das sehr genießen….