Weite und himmlische Ruhe

Weite  und himmlische Ruhe

Meistens wenn ich von schönen Ausflügen berichte, geht es um Stille, friedliche Atmosphäre, um Freiheit und um Weite. Sei es im Wald, am Wasser oder an Feldern entlang.

Nach einer erholsamen Nacht ging es heute (Freitag und damit meineme 2.Urlaubstg) am frühen Morgen alleine ins Wattenmeer. Mein Kaffeebecher war gefüllt, der Rucksack gepackt und als Fühstücks-Ersatz für unterwegs gab es eine Packung Butterkekse.

Butterkekse hatten wir früher schon in der Familie immer mit, wenn wir unterwegs waren ….die sind nahrhaft, süß und haben trotzdem keine Schokolade…also perfekt für heiße Tage mit Kindern (und auch ohne grins).

Direkt am Strand von Duhnen angekommen, hab ich das Auto im Schatten kostenfrei abstellen können, und bin die ca 300m bis zum Strand gelaufen….Es war 6:43 Uhr als ich mit den bloßen Füßen den Wattboden betrat…und es war nur eine Dreiergruppe die seitlich vor mir ebenfalls zu einer Wanderung ins Watt aufbrachen.

Mein Zweiter Blick galt dann den Pricken…also den Holzbüscheln imWattboden, die den sicheren Weg markierten….ich blieb ein Stück davon entfernt, habe aber Beides (also den Weg und die Dreier-Gruppe schräg vor mir ) immer wieder ins Auge gefasst.

Und dann bin ich einfach immer geradeaus gelaufen….und es war geradezu himmlisch…

so eine Ruhe …so ein friedlicher Morgen…keine Geräusche, diese unglaubliche Weite, das schöne schon 23Grad warme Wetter…der blaue Himmel, die noch leichte Kühle des feuchten Bodens und die kleinen Pfützen durch die ich gelaufen bin….alles an dieser Wanderung war einfach überwältigend.

Um die Weite einzufangen, hab ich meinen Kaffeebecher auf den Boden gestellt…immer weiter bin ich gelaufen.

Oftmals bin ich den kleinen Wasserläufen gefolgt und ich wusste inzwischen, das diese kleinen Wasserrinnen von den Prielen gefüllt werden. Priele sind die Wasseradern, die das Watt durchziehen und die auch bei Ebbe meistens Wasser führen.

Abolut gefährlich wird ein Priel für Wanderer bei aufkommender Flut. Denn die Priele füllen sich als erstes mit Wasser. Ein ungeübter Wanderer erkennt eventuell nicht einmal, das er bereits einen Priel durchschritten hat und er vom Rückweg zum Strand abgeschnitten ist, weil er bereits vom Wasser in den Prielen eingeschlossen wurd….und für normale Menschen ist die Strömung innerhalb eines volllaufenden Priels viel zu stark, um diesen zu durchschwimmen.

Es gibt noch weitere Gefahren, deshalb ist es wichtig für Alleingänger wie mich und Ungeübte sowieso sich an die Pricken (ungefährlihe Wattwege) zu halten.

Meine Wanderung führte mich knapp 3,5 km geradeaus bis an ein gößeres Priel heran….das Wasser ist glasklar und ging mir bis knapp an die Kniee.

Und obwohl das Niedrigwasser noch nicht erreicht war, hab ich es vermieden weiter durch das Priel zu gehen…ich habe an dieser Stelle kehrt gemacht und bin wieder in Richtung Strand gelaufen.

So eine wunderbar Tour, so himmlisch friedlich und beeindruckend ….ja das war ein schöner Morgen und als ich nach insgeamt knappen 7,4 km wieder am Stand ankam, füllte sich dieser gerade mit den Sonnenhungrigen. Also genau die richtige Zeit für mich wieder zu gehen.

An einem der überall stehenden Häuschen u.a. mit Toiletten und Fußwasch-Becken…hab ich Schlamm und Sand abgespült, die Füße ordentlich getrocknet und bin wieder in meiner Schuhe geschlüpft. Auch für meine Füße ist das Laufen auf dem Wattboden phantastisch.

Nun ging es zu einem deftigen Frühstück in die Stadt….genau dorthin, wo ich einen Tag zuvor Mittags war…. man kann gemütlich draußen im Schatten sitzen, das Essen ist gut und die Bedienungen sind nett.

Gegen Mittag hab ich dann den Weg nach Bremerhaven angetreten…das sind knappe 43km mit dem Auto….heute wollte ich, als weiteres Highlight, noch ins Auswanderermuseum.

Das erste Mal im Watt

Das erste Mal im Watt

Die Wattführungen richten sich natürlich nach den Gezeiten….in der Regel starten die Führungen ungefähr 2-3 Stunden vor Erreichen des Niedrigwassers. Ebbe und Flut finden 4x am Tag statt und dauern je zwischen 6-7 Stunden…je nach Windstärke und MondPhase.

Doch von all diesen Infos hab ich aber erst später – während der Wattführungen – erfahren. Als ich ankam wusste ich nur, an diesem Donnerstag ging es um 17.30 uhr los. Die Parkplatzsuche gestaltete sich bei diesem tollen Wetter und den dadurch ins Watt strömenden Menschenmassen, als ziemlich schwierig….Aber bereits am nächsten Tag wusste ich, wo ich am Besten kostenfrei und sogar im Schatten parken konnte…für den ersten Abend kostete es mich dafür 8 EUR Parkgebühren….aber okay – hinterher ist man immer schlauer.

So war ich aber immerhin pünktlich am Treffpunkt und es war eine große Gruppe von ca. 50 Personen inclusive vieler Kinder….die staatlich geprüfte Wattführerin war sehr nett und mitteilsam…so das wir viel über die tierischen Bewohner des Watts gelernt haben, dabei aber nicht einmal die Hälfte der vorher angekündigten 4 km weit gelaufen sind….es ging immer nur ein paar Meter vorwärts….dann blieben wieder stehen und es gab die nächste tierische Exkursion.

Das Weltnaturerbe Wattenmeer bei Cuxhaven ist riesig und man kann kilometerweit ohne Probleme laufen….also könnte….ich blieb natürlich auch stehen, wenn alle stehen blieben…. aber langes Stehen mag ich nicht und kann ich nicht so gut, ich blieb also meistens in leichter Bewegung, wähend ich aus dem Hintergrund den ausführlichen Erläuterungen der Wattführerin lauschte.

So hatte ich es mir allerdings nicht vorgestellt…aber okay …gelernt hab ich eine Menge über den Artenreichtum im Boden des Meeres. Die für mich spannenderen Infos, worauf man im Watt achten muss, wo und wie man gefahrlos laufen kann…wie weit die Fahrrinne entfernt ist, wo die Priele anfangen usw. das hab ich zum Teil erst bei der 2. Wattführung am Samstag mit bekommen….denn da gab es die wesentlich spannendere Führung „mit der Flut zum Strand“ …und die Tour war wirklich aufregend und aufschlußreich zugleich.

Aber jetzt hab ich erst einmal nur die Grundlagen über das Watt mitbekommen….es ist schon beeindruckend wenn man hört, das sich das Wasserr hier bei Cuxhaven bis zu 25km zurückzieht ( es gibt andere Teile des Watt wo es 40km sind)….und man kann hier gefahrlos 3,5 km geradewegs in Richtung Wasser laufen, bevor man überhaupt zur ersten Priele kommt….

und die Schiffe, die man in weiter Ferne trotz Ebbe vorbei fahren sieht,sehen kann, sind mindestens 10km entfernt….und die Insel Neuwerk ist ca.13km entfernt, kann also auf keinen Fall auf dem direkten Weg durch das Watt angesteuert werden…dafür gibt es ausgewiesene Wege die bei Ebbe durch die sogenannten Pricken (Priggen) gekennzeichnet werden. Das sind Baumzweige die gebündelt in regelmässigen Abständen im Wattboden stecken und zeigen, wo man gefahrlos durch das Watt laufen kann…am Ende solcher Wege gibt es auch Rettungsbaken.

Ich bin fasziniert vom Wasser und als Kind hab ich mich nicht um Ebbe / Flut gekümmert…aber hier und jetzt, war ich begeistert. Jaaaaa auch die Tiere im Watt sind interessant, aber sorry, aber ich finde die Kraft des Wassers und die Kraft von Erde und Mond wesentlich spannender….und Laufen auf dem Meeresboden…barfuß ….einfach klasse….

…nach Abschluss der 2stündigen Tour bin ich noch dort geblieben und bin noch etwas weiter gelaufen…und für den nächsten frühen Morgen hab ich gleich mal den Gezeiten-Kalender geprüft….ja um 6.30 Uhr passt es prima um mit einer richtigen Wanderung durch das Watt zu starten…