Etwas mehr im Gleichgewicht

So langsam kommt mein Seelenleben wieder ins Gleichgewicht…

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Wie immer hilft die Routine meines eigenen Lebens dabei. Nicht das es das Leid eines anderen Menschen schmälert oder meine Anteilnahme verschwunden ist…das nicht, aber ich kann jetzt wieder besser damit umgehen.

Ich kann nicht helfen – außer meine Anteilnahme zum Ausdruck zu bringen…und das hab ich getan. Mehr kann ich aktuell nicht tun. Auf meine WhatsApp hab ich keine Antwort bekommen…aber ich erwarte hier auch gar keine. Gegen den Krebs muss er selber ankämpfen…seine eigenen Kräfte mobilisieren und unterstützen können die Menschen, die ihm jetzt nahe sind…. Ich bin es nicht mehr.

Das ich zuerst ein schlechtes Gewissen hatte, ist im nachhinein auch für mich komisch und mit jetzt wieder klarem Verstand weiß ich, das ich mich nicht schuldig fühlen muss (DANKE an dieser Stelle für die lieben Kommentare)….das Mitgefühl ist bei mir weiterhin da- und das ist gut so.

Wie immer bringen mich solche Nachrichten dazu, auch auf mein eigenes Leben zu blicken und zu hinterfragen….und ich fühle eine Dankbarkeit, das ich mein Leben bislang so gesund leben darf.

Denn wenn ich etwas aus den letzten Monaten an Erkenntnis gewonnen habe, dann ist es, das es in vielen Fällen einfach Glück ist ob man krank wird oder nicht,,,und man die Gesundheit zwar ein wenig mit Fitness und gesunder Ernährung beeinflussen kann…aber das sich z.B. eine Mutation von Zellen eben NICHT damit generell ausschließen lässt…es ist immer auch ein stückweit Glück.

Das ist schrecklich, weil es zeigt wie wenig Einfluss wir im Einzelfall tatsächlich auf unser Leben haben….

unerwarteter Anruf und düstere Aussichten

Da hab ich heute Vormittag einen unerwarteten Anruf erhalten….

und jetzt…jetzt hab ich meine unbekümmerte Freude für den Moment etwas verloren.

Der beste Freund meines Ex-Freundes hat mich angerufen…und wir haben NIE miteinander telefoniert oder Kontakt gehalten….und nach ein paar Minuten Smalltalk hab ich nach dem Grund seines Anrufs gefragt…

Meinem Exfreund geht es nicht gut….um nicht zu sagen, es geht ihm  schlecht. Der Krebs ist zurück…vor 10 Tagen wurde er erneut operiert und seine Chancen stehen 50/50…. so zumindest die Aussage des Freundes….es ist bereits das 4. Mal das der schwarze Hautkrebs angreift…und dieses Mal hat der Krebs  wohl auch gestreut.

Der Freund meint, er ist schmal geworden und er ist wohl auch ruhig geworden…was überhaupt nicht seinem Naturell entspricht. Seine Mutter hat ihn zu sich geholt, so ist er  jetzt nach der OP und während der weiteren Therapie nicht alleine…Autofahren darf er wohl auch nicht mehr….aber warum nicht, das konnte er mir nicht sagen.

Die OP war dieses Mal wohl am Bauch…aber so richtig wusste der Freund auch das nicht…aber er wollte ,das ich das wenigstens weiss das es ihm nicht gut geht… dafür bin ich ihm auch dankbar.

Ich hab eine Weile gebraucht, um die Info zu begreifen….und  jetzt kreisen meine Gedanken ständig im Kopf und ich muss überlegen, wie ich damit umgehe.

…und immer wieder sage ich mir, es ist nicht meine Schuld das der Krebs wieder da ist…als ich mich getrennt habe, hatte er einen festen Job, war seit einiger Zeit gesund, hat Sport gemacht…seine sonstigen organisatorischen Probleme waren soweit gelöst….ich hab ihn also nicht hängen lassen, als es ihm schlecht ging….sondern bin gegangen, als es ihm gut ging…

… und trotzdem regt sich mein tief verwurzeltes Verantwortungsbewusstsein und verbreitet in meinem Innersten eine Art Schuldgefühl…ich versuche das Gefühl klar zu erkennen und umzuwandeln in noch mehr Mitgefühl und Anteilnahme…denn ich wünsche ihm ja nichts Schlechtes.

Im Gegenteil, ich wünschte es ginge ihm gut und er könnte mit seiner oft übersprudelnden jungenhaften Unbekümmertheit seinem Leben nach unserer Trennung eine positive Wendung geben…einen Neuanfang starten….eine neue Liebe finden …und es bekümmert mich – nein es schockiert mich, das es ihm jetzt schlecht geht…

… … … ich hoffe er findet die Kraft weiter gegen den Krebs anzukämpfen und bin froh, das seine Mutter und sein bester Freund für ihn da sind…

Ich hab ihm dann erst einmal eine WhatsApp geschrieben …. 

 

 

 

 

 

 

Pause – beendet

Mein internes Reparaturprogramm hat gewirkt und so konnte ich meine Kommunikationspause beenden OHNE  gleichzeitig meine Beziehung zu beenden. 

Nicht dass es mir jetzt schlagartig gut geht, aber es geht mir besser….und ich hab wieder das Gefühl zu Leben. Das ist mir gerade sehr wichtig.

Vor ein paar Wochen hab ich erfahren das eine liebe Kollegin mit 52 Jahren gestorben ist…ich wusste zwar das sie krank ist, nicht aber das es dieses Mal etwas anderes ist. KREBS ….und es hat nur 4 Wochen gedauert von der Diagnose bis zum Tod….

Es traf mich unvorbereitet und hat mich erschüttert.

Sie arbeitete an einem anderen Standort der mehr als 2 Stunden mit dem Auto entfernt ist und wir haben uns vor ein paar Monaten zum Weinfest im Taunus verabredet und es war ein schöner Abend. Obwohl wir uns nur selten getroffen haben,  haben wir uns immer  gut verstanden.

ABER ….ich hab auch ein echt schlechtes Gewissen…sie hat mir noch eine firmenbezogene E-Mail geschickt…und ich hab diese nicht beantwortet….hab nur gedacht…jaaaaa – das mache ich noch…und dann ist es unter gegangen. Und nun ist es zu spät. Das tut mir im Nachhinein sehr leid, wenigstens DANKE hätte ich sagen können, das sie mir diese Mail weiter geleitet hat, obwohl sie schon krank war.

Sie hat mir bei unserem letzten Zusammentreffen einen „Sorgenfresser“ geschenkt …so ein Kuscheltier mit riesigem Reissverschluß als Mund.

Ich würde den Sorgenfresser hoffnungslos überfüttern, wenn ich all meine Sorgen auf Zettel schreiben und das Kuscheltier damit füttern würde…

Von Tag zu Tag werde ich unausgeglichener, reizbar wie zu meinen „Besten Zeiten“ und reagiere impulsiv agressiv auf meine Umgebung. Nun konnte ich mich endlich in den Urlaub retten…

Arbeiten für Umsonst und gute Worte

Da sitze ich nun hier und überlege was ich eigentlich schreiben möchte….zu schreiben gäbe es eigentlich genügend…aber über einige Themen möchte ich mir einfach keine Gedanken machen…

…ich bin heute früh am Nachmittag in den Feierabend gegangen….trotz meiner 130 Überstunden der letzten Monate (nicht mit gerechnet die mehreren Hundert die ich im Laufe der letzten Jahre gemacht habe und nie auch nur ansatzweise abfeiern konnte) hatte ich mal wieder ein schlechtes Gewissen, weil ich früh gegangen bin.

Warum eigentlich?

Vertrauensarbeitszeit ist selten zum Vorteil der Arbeitnehmer, auch wenn es erst einmal gut klingt zu sagen: es gibt keine Zeiterfassung. Und obwohl ich genügend Arbeit habe, gehe ich heute früher als die Anderen, denn die Zeit kann ich mir ja selber einteilen, wann ich das erledige, Hauptsache die ist fertig, wenn sie fertig sein muss.

Schon muss ich mich wieder rechtfertigen warum ich neue Projekte ablehne oder nicht noch andere Aufgaben übernehme….ich muss ja Zeit haben, sonst würde ich nicht früher gehen. Das ich aber i.d.R.  täglich mehr Stunden arbeite, als ich eigentlich muss und dazu noch zusätzliche Überstunden während der Abschlüsse mache, das sieht kaum einer….

Das ist doch ein blödes Gefühl sich immer schuldig zu fühlen….so ganz ohne Grund…na klar kann ich mir alles selber einteilen, aber die Blicke und so manche Äußerung der Kollegen zeigen ein anderes Bild…Und es macht ja überhaupt keinen Sinn ständig bei den Kollegen zu sagen: ich habe genügend Überstunden…lach….

Und dann meine eigenen Gedanken: also eigentlich könntest Du Dich jetzt damit und damit und damit beschäftigen…aber das reicht auch bis Ende der Woche,  Ende nächster Woche oder Ende des Monats…also nichts ist dringend…..aber alles ist wichtig.

Meine Chefin hat erst letzte Woche gefragt ob ich noch ein Projekt zusätzlich in diesem Jahr übernehmen kann…. NEIN – kann ich nicht….und dann der kritische Blick wenn ich sage ich gehe früher…. Lach….da wäre mir eine überprüfbare Zeiterfassung, die jederzeit von den Chefs eingesehen werden kann, fast lieber….denn dann würden Überstunden auch mal  sichtbar und vor allem auch ausbezahlt werden können…so arbeite ich quasi für „umsonst und gute Worte“.