Frauen und die Gewichtsfrage

Ich hab mich entschieden: Ziege

Es ist schon ein paar Jahre her, da hat eine Kollegin von mir einen wunderbaren Ausdruck geprägt….

„Irgendwann im  Leben muss sich jede Frau entscheiden ob sie Kuh oder Ziege sein möchte“

Sie sagte es einmal sehr schnippisch und um das zu verstehen muss man wissen das diese Kollegin  unglaublich Dick war, dabei aber Storchenbeine besaß. Despektierlich gesagt: eine Tonne auf Stelzen. Aber sie war (fast) immer gut drauf, hatte unglaubliche Energien, ein Plappermaul und hat die ganze Abteilung mitgerissen. Sie hatte sich für „Kuh“ entschieden….dick aber liebenswert und wollte  niemals  Ziege sein (was in diesem Fall auf eine große schlanke  ältere Kollegin zielte, die  nicht sehr freundlich war).

Aber sie hatte ein gestörtes Verhalten zum Essen…und auch zu Lebensmitteln. Sie hat immer ihr Schwarzbrot einfach auf ein Stück Papier auf den Tisch gelegt, aus der Schublade eine Scheibe  fettreduzierten Käse gezogen und immer mal wieder davon abgebissen…Süßigkeiten und Kuchen hat sie dann abends zuhause vertilgt…

Mit dem Ende meines Sports als Turniertänzer hatte ich endlich wieder Zeit für Muße und gleichzeitig kamen auch die Wechseljahre. Also wesentlich weniger Bewegung, dafür Zeit für´s Faulenzen und Zeit um mehr zu kochen und zu backen….Und mein Gewicht ging hoch.

Irgendwie war ich jetzt lange davon überzeugt das ist so und das wird sich auch nicht mehr ändern, weil die Wechseljahre mir einen Strich durch meine Figur machen…oder so ähnlich…ich hab es als gegeben hingenommen…ist ja auch eine nette Erklärung. Und so sind in den letzten 2 Jahren tatsächlich 2 Kleidergrößen dazu gekommen: von 36 auf 40/42. Ich hab mich dem ergeben, es erst hingenommen und dann als unausweichlich akzeptiert.

Aber seit ich so einige Dinge in meinem Leben verändert  habe und 3x in der Woche Fitnesstraining mache , wesentlich weniger Zucker und auch wesentlich weniger Süßstoffe  (Pepsi light) zu mir nehme, bin ich nicht nur leistungsstärker und wacher…sondern  auf einmal purzeln auf die Pfunde….langsam….aber stetig und so hab ich in den letzten 2 Monaten schon fast 4kg verloren…OHNE Diät…nur mit Ernährungsumstellung, ich esse worauf ich Lust habe und ich esse jeden Tag Eis…Ich hab aber fast überhaupt kein Verlangen nach Süßem….vor allem hab ich keine Heißhunger-Attacken.

Jeder vorherige Versuch mit moderater Trainings-Intensität (nur nicht zu sehr schwitzen) und etwas „zusammen reißen“ beim Essen hat NICHTS gebracht.

Wenn es wirklich etwas bringen soll, dann muss man Sport einfach intensiv machen…der Körper muss gefordert werden. Raus aus der Wohlfühl-Zone…Es hat tatsächlich eine ganze Weile gedauert bis ich mich wieder an diese hohe Intensität gewöhnt hatte…aber jetzt klappt es gerade sehr gut…Als aktive  Standardtänzerin hab ich meinen gesamten Körper ja auch mehrfach in der Woche gepowert…und es hat immer gut getan…jahrelang konnte ich dann essen was ich wollte, ich hab mein Gewicht gut halten können.

Also jetzt schau ich wieder in den Spiegel und bin zufrieden….hab jetzt (wieder) das untere Ende auf meiner Wohlfühl-Skala erreicht…aber schön wären noch ca. 4kg…dann wäre ich wieder auf meinem langjährigen normalen  Gewicht und wieder ganz oben auf der Wohlfühl-Skala.

Also ich lerne daraus: Gewichtszunahme in den Wechseljahren hat NICHTS mit „unausweichlich“ zu tun, sondern nur mit dem Überwinden der eigenen Trägheit und dem Überwinder der Resignation…auch mit fast 50 Jahren kann man seinem Leben eine andere Wendung geben….

Ich glaube ein Teil meiner eigenen Resignation meinen Körper betreffend, resultierte aus  der Schwermut heraus, die mich in den letzten Monaten immer wieder bestimmt hat (oder war es anders herum, meine Resignation förderte die depressive Verstimmung? – das ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei – ist aber auch egal).

Ich hab zumindest wieder Lust auf Mode, gepflegte Fingernägel und rasierte Beine…lach…und meine Beine – auf die kann ich inzwischen wieder stolz sein und ich zeige sie gerne in kurzen Hosen und Röcken….wenn nicht jetzt…wann dann?

Die Schönheit der Sprache

Der Samstag plätschert so vor sich hin…..sonnig, warm, entspannt, unaufgeregt und ruhig…..naja bis gerade….

Zum ersten Mal seit wir hier wohnen, hat die Kirche nebenan doch tatsächlich eine Art Klimaanlage angeworfen und es gibt jetzt permanent ein Grundrauschen dieser Anlage….hmmmm blöd, aber das kann man noch einigermaßen ignorieren.

Schlimmer sind für mich die Telefonate auf der gegenüberliegenden Seite der Kirche….da telefonieren ein paar der Flüchtlinge….sie lehnen sich aus den Fenstern und sprechen in ihrer Landessprache schnell und hart in die Handys….laut und lange und noch lauter….

Trotz der vielen Bäume und Büsche scheint der Schall fast ungebremst bis zu uns zu kommen…aus ist es mit der schönen Ruhe.

Der Klang dieser Sprache ist ähnlich wie bei den slawischen Sprachen: für meine Ohren sehr durchdringend und hart im Klang….Dabei sagt man ja auch der deutschen Sprache nach hart in der Aussprache zu sein. Wahrscheinlich hält jeder seine Muttersprache für lieblich im Klang…lach….

Der irische Komödiant Dylan Moran schrieb über den Klang der deutschen Sprache: „ Wie eine Schreibmaschine die Alufolie frisst“ und auch Mark Twain hielt unsere Sprache für „unordentlich und systemlos“…..und da hat er gar nicht mal Unrecht. Ich bewundere heute Kinder in den Schulen und Erwachsene die unsere Sprache lernen.

Ich bin kein Meister in Grammatik…spreche und schreibe intuitiv…so wie ich es früher einmal gelernt habe…kann aber nur wenige Regeln „runter-beten“….ich weiß wann es „dem“ oder „den“ heißt, wann sich der Artikel eines Wortes wie verändert…..aber das könnte ich keinem so richtig erklären…

Aber ich selber liebe die unzähligen Möglichkeiten  im Deutschen etwas auszudrücken… Es gibt unzählige Arten ein und dasselbe zu beschreiben und immer ist es eine Nuance anders in der Beurteilung der Situation des Satzes und in der Beurteilung des Erzählers…..Herrlich.

Diese Möglichkeit sich differenziert auszudrücken und dabei auf einen riesigen Wortschatz (egal ob Ur-Deutsch, Dialekt oder angepasste Fremdwörter) zurückgreifen zu können ist schon beachtlich und fehlt mir z.B. in der englischen Sprache….

Unsere Sprache kann kalt, beschreibend und distanziert sein, blumig , schnörkelig und warm….und all das wird unterstrichen vom jeweils eingesetzten Mittel der Stimme….schmeichelnd und zart, rau und grob, fordernd  oder mitfühlend…..

Vergänglichkeit der Schönheit

Liebes Alter…schön, dass du so langsam bei mir ankommst….denn das heißt das ich lebe. Manchmal vergesse ich das, das Leben und beschwere mich über die Unwägbarkeiten, Wehwehchen , Müdigkeit, Stress und andere Menschen die sich blöd verhalten.

Viel zu selten freue ich mich darüber gesund zu sein, arbeiten zu dürfen und einen Schatz zu haben der mich liebt. Wie schön ist es zu leben…das WIE man lebt, hat man ja doch selber in der Hand und sollte es nicht immer als gegebenes Schicksal begreifen. Jeder ist seines Glückes Schmied.

Natürlich gibt es Dinge die einem das Leben vorgibt….aber wie man damit umgeht kann man selber bestimmen…es ist eine Sache der inneren Einstellung und deshalb begrüße ich heute das Alter als einen Neuen Bekannten, der nun ein Teil meines Lebens ist.

Na klar ist es nicht schön an Gewicht zuzunehmen und aufgrund seines Alters von vielen Männern einfach übersehen zu werden….früher war es für mich normal ständig viele positive Blicke zu erhalten….von Männern und Frauen, heute bin ich zwar noch attraktiv und auch gut gekleidet, habe eine gute Haltung….aber trotzdem werde ich von den meisten Menschen nicht mehr wahr genommen.

Aber das ist meine eigene Eitelkeit die das bemerkt…ich mache meine Zufriedenheit nicht davon abhängig wie viele bestätigende Blicke ich bekomme….ABER ich bemerke es eben, das die jüngere Frau vor mir (nicht mal besonders adrett gekleidet)  die Blicke auf sich zieht und ich eben nicht mehr…. Es kränkt mich nicht….aber mit einem Schmunzeln nehme ich es wahr und ein wenig Wehmut spiegelt sich in meinem Gesicht wider.

Ich bin unzufrieden mit meiner optischen Körpermitte und meinen nicht mehr so straffen Beinen, aber ich schaue in den Spiegel und begrüße das Alter, das sich mir im Spiegel zeigt und ich versuche es anzunehmen – nicht ergeben, nicht passiv, sondern freudig und versuche die Veränderungen positiv zu bewerten.

Mit nun 49 Jahren kann ich ruhig zulassen, dass ich eben nicht mit 30-40jährigen konkurriere, auch nicht mehr unbewusst, sondern wir alle unseren Platz im Leben haben. Ich muss nicht die Schönste sein, Hauptsache ich finde mich gut so, wie ich bin…auch wenn das heißt, das ich mehr Schlaf und größere Kleidung benötige.

Ausstrahlung ist das, was ein gewisses Alter schön macht und die hat nur mit eigener Zufriedenheit zu tun, die nach außen strahlt…und nicht mit dem straffen Busen oder der Kleidergröße.