Pfingst-Ausflug mit Familien-Seismograph

Pfingstsonntag. Auf dem Weg nach Stade, durch das Alte Land, waren die blühenden Apfelbäume keine Augenweide mehr, diese Zeit ist für dieses Jahr schon so gut wie vorbei….dafür herrschte in Stade selber eine schöne Atmosphäre….

Wir haben uns direkt am alten Hansehafen im Außenbereich eines Cafés niedergelassen. Bei Kaffee und frischen Erdbeeren mit Vanilleeis war das trotz der nur 13Grad sehr schön zum sitzen und entspannen. (Allerdings ist das ja schon nicht mehr Schleswig-Holstein, sondern Niedersachsen – also mussten wir unsere negativen Corona-Test vorzeigen).

Anschließend sind wir dann noch an der Schwinge entlang…den gleichen Weg, den ich letzte Woche erkundet hatte…nur mit noch ein paar Schlenkern durch eine schöne Wiesen-Landschaft…Rehe inclusive.

Während das Wetter immer mehr nach Regen aussah, mussten wir umkehren, mein Schwager wollte nicht nass werden….und kurz nachdem wir wieder am Auto waren, ging der Regen auch tatsächlich los.

Wieder zurück in meiner Wohnung, haben wir dann meinen Himbeer-Mascarpone-Kuchen mit Mandelboden gegessen….und uns bis Abends unterhalten…es war ein schöner Tag….aber….irgendwie…..

Seit die Beiden abends nach Hause gefahren sind, ist so eine unterschwellige Distanz entstanden…ich hab keine Ahnung wieso….es ist nichts vorgefallen….es war sogar ein ausgesprochen harmonischer Tag. Die Ärzte sind mit dem Ergebnis der Augen-OP bei meiner Schwester sehr zufrieden, sie ebenfalls …mein Schwager ist auch gut zu Wort gekommen…also daran kann es auch nicht liegen….

….wie immer, wenn ich so eine Veränderung im Verhalten anderer in meine Richtung wahr nehme, warte ich erst einmal ab, ob ich da etwas fehlinterpretiere….manchmal bin ich ja auch einfach zu empfindlich, meine Sensoren für Zwischentöne und Verhalten sind manchmal zu wachsam…und gleichzeitig gehe ich alles an Unterhaltungen und Situationen noch einmal durch, wo und wann war irgendwie etwas unstimmig ….bin ich jemandem auf die Füße getreten….ich hab nichts entdeckt.

Nun gut – das muss ich noch einmal klären….aber einfach anrufen und fragen: „Sag mal – was war denn? “ würde nichts bringen. Ich würde keine ehrliche Antwort bekommen, das kenne ich schon aus mehr als 50Jahren mit meiner Schwester. Da hilft nur abwarten und in ein paar Wochen noch einmal das Thema auf den Tag lenken….DANN hab ich eine Chance zu erfahren ob und was da in ihren Augen nicht richtig war…..

SEUFZ – Familie ist echt nicht einfach.

Söhne und Mütter

Meine Quasi-Schwiegermutter hat es auch gerade echt schwer.

Ihr Mann ist einen Tag nach meinem Vater gestorben. Aber während bei uns nach 6 Monaten bis auf einen Streit zwischen Krankenhaus und Krankenkasse alles mit dem Erbe geregelt ist, läuft es bei ihr katastrophal.

Sie ist jetzt 81 Jahre alt und mein Schatz findet es ziemlich komisch, das sie über die ständig auftauchenden Probleme mit dem Erbe und den Konsequenzen daraus, reden möchte und das sie sich oft auch überfordert fühlt. Ich bin 30 Jahre jünger und bei dem Nachlass meines  Vaters  gab es keinen (oder sagen wir mal nur wenig) Streit….und ICH hab mich an manchen Tagen auch schon mit dem ganzen Thema überfordert gefühlt. Mein Schatz findet es jedoch lästig  wenn sie zum 3. Mal anruft um über die neuesten Entwicklungen zu reden.

Mir wäre es zugegebener Maßen auch unangenehm ständig mit meiner Familie  telefonieren zu müssen…aber mit wem soll sie denn reden, sie hat ihren Mann verloren. Es geht dabei um ein Haus, um das Testament und um 2 Stiefsöhne die das Haus zwar erben, aber eben nicht zu  gleichen Teilen und die nun meine Schwiegermutter verklagen wollen… Es geht um eine ganze Menge Geld, um Notarkosten, Verträge und Rechtsanwälte…es geht um die Vermietung des Hauses und ein Nießbrauch-Recht. Aber wir können ihr wenigstens etwas zur Seite stehen und Ratschläge und Unterstützung geben.

Mein Schatz hängt sehr an seiner Mutter….aber es darf nicht zu sehr zu Lasten seiner Bequemlichkeit gehen….vor 2 Wochen war sie hier um sich mal mit uns einen der Nebenorte hier anzuschauen…denn sie möchte da weg ziehen und näher an Frankfurt heran…und auch näher zu ihrem Sohn…. Mein Schatz war ätzend und ich hab ihm auch nach dem Besuch echt den Kopf gewaschen…für ihre 81 Jahre ist seine Mutter nämlich ziemlich taff und noch sehr selbständig und hat es nicht verdient so behandelt zu werden. Sie war  zwischenzeitlich den Tränen nahe.

Er hat sich dann später auch bei ihr entschuldigt.

Ich merke, dass es um einen alten unterschwellig existierenden Konflikt geht, es geht generell darum, nicht genug beachtet zu werden. Ja – sie hört oft nicht richtig zu, stellt Fragen, will die Antwort aber gar nicht wissen…ist oft sehr schnell abgelenkt (hmmm jetzt weiß ich woher mein Schatz diese Art hat…tztztztz) aber sie ist eben auch über 80 Jahre alt ….

Er hat mir bei meinem Vater immer geraten gelassener zu reagieren….den Rat hab ich ihm jetzt mal zurück gegeben.

Ja das mit dem nicht genug beachtet zu werden  fällt mir auch oft auf: gestern waren wir raus….tanzen, in einer Disco….ich war super drauf und hab ihn umgarnt, hab ihn geneckt usw.….etwas hat ihn gestört und schwuuuups war er  schlecht drauf….also hab ich ihn in Ruhe gelassen und mich auf meine Art amüsiert: hab die Leute beobachtet und einfach nur für mich getanzt und schon war er nicht mehr im Mittelpunkt und hat versucht mich mit lustigen Neckereien wieder dazu zu bringen mich mit ihm zu beschäftigen…das zog aber nicht ….und schon wurde  jede Veränderung meiner Mimik oder meine Antworten seziert….und negativ ausgelegt….BOAAAAA……DAS nenne ich mal ein gestörtes Selbstbewusstsein.