Kollege -abgetaucht?

Diese berufliche Woche war irgendwie merkwürdig. Der Schweigsame hatte wohl relativ spontan (per Telefon) einen Tag Urlaub genommen….es aber weder in seinen Kalender eingetragen, keinen automatische Rückmeldung in den Mails eingetragen und auch nicht den Urlaubstag offiziell über unser HR-System genehmigen lassen. Aber na gut…sind je die meisten in Urlaub.

Für einen spontanen Tag geht so ein Verhalten…da sind bei uns alle entspannt. Ich war Mo + Di wie immer im Homeoffice und mir war es erst einmal egal.

Aber er kam auch nicht am Dienstag…und auch nicht am Mittwoch…und auch nicht am Donnerstag. Der Controller hat versucht ihn über sein Firmenhandy anzurufen…nichts…keiner wusste wo er ist, bei Keinem hat er sich gemeldet.

Und so sah ich mich gezwungen, einige Mails die an ihn (und mich in cc) gingen zu bearbeiten, damit nicht noch mehr schief läuft. Der Controller tat es ebenso…wir haben also stillschweigend Verantwortung für Firmen übernommen, die uns normerweise nichts angehen.

Irgendwann hört ich am Donnerstag, wieder einmal das irgendwo in der Nähe ein Handy läutet…aber es waren nicht meine und auch nicht nebenan…ich ging dem Geräusch nach. Tatsächlich kam das Klingeln aus der Schreibtisch-Schublade des Schweigsamen. Ich öffnete die Schublade und dort lag sein Laptop und auch sein Firmenhandy (fein säuberlich in der Orignalverpackung).

Hab dem Controller geschrieben, das er sich weitere Anrufe sparen kann, das Handy liegt im Büro….er hat dann unsere Vorgesetzten darüber informiert, das es nunmehr sehr merkwürdig ist, das der Kollege sich seit TAGEN nicht gemeldet hat, nicht zur Arbeit erschienen ist.

Später am Nachmittag erhielt ich einen Anruf aus DK von dem Teamleiter (mit dem ich letzte Woche das Gespräch hatte) ob ich eine Möglichkeit habe an die Nummer des Notfallkontakts des Schweigsamen zu kommen. Leider waren bei uns ALLE die das können in den Herbstferien. Aber über die Zentrale HR-Abteilung hat er es dann doch geschafft und ihm eine Nachricht auf sein Privathandy geschickt, er möge sich umgehend melden.

Später am Abend erhielt ich noch die Nachricht, er hat sich gemeldet und kommt Montag wieder zur Arbeit…er hätte familiäre Angelegenheiten zu klären.

Ich habe ihm in dezenten Worten gesagt, was ich von dieser Art der NICHT-Kommunikation halte und er stimmt mit mir überein, das so ein Verhalten überhaupt nicht geht…er wird sich mit der Finanzchefin besprechen. Das wäre bei normal strukturierten Firmen ein Grund zur Abmahnung…bei uns wird über vieles hinweg gesehen und im nachhinein akzeptiert.

Freitag habe ich dann mit dem Controller darüber gesprochen und wir sind uns einig, das so ein Verhalten keine Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit bietet und noch ist der Schweigsame in der Probezeit.

Ich hatte angeboten, das ich meinen Aufgaben-Schwerpunkt auf die Gesellschaften in Bau verlegen könnte (also das was der Schweigsame gerade lernen soll), wenn man mir gleichzeitig meine operativen Gesellschaften abnimmt. Das würde gleich mehrere Probleme auf einmal lösen u.a. auch meine Zerrissenheit zu welcher Abteilung ich eigentlich gehöre…und ich würde dann zukünftig ohne „2.Controller“ arbeiten können, hätte also mehr zeitliche Flexibilität bei den Abschlüssen…..er wird es in der kommenden Woche mit dem GF besprechen.

Diese Gedanken die operativen Windparks an die dänischen Controller abzugeben, hatte ich in der letzten Zeit schon öfter…die Zentrale hate eine große Controlling-Abteilung dafür, da kommt es auf meine „paar“ Gesellschaften mehr oder weniger nicht an…ich hätte dann nur noch Konzern-Gesellschaften und wäre damit nur noch für 2 unterschiedliche Arten von Firmen zuständig, wo es oft darauf ankommt, mit Deutschen Vertragspartnern buchhalterische Belange zu klären.

Wir wissen aber auch, das der GF von dem Schweigsamen bei dem Bewerbungsgespräch begeistert war….ich befürchte daher, das das Gespräch mit dem Controller nicht den gewünschten Effekt haben wird….seufz…bei uns sind immer alle viel zu „lieb“….Aber „Personal zu führen“ heißt nicht, das man alles durch gehen lassen darf. Ich setze da meine Hoffnung eher auf die Teamleitung in Dänemark.

Es bleibt also weiterhin nervig, weil man immer nicht weiß, um was kümmert sich der Schweigsame und was lässt er liegen, weil er nicht weiß, was er machen solle…wann kommt er…also so richtig engagiert ist er nicht und er lernt nur sehr langsam.

Entscheidungs-Kompetenz

Es gibt Menschen, die hinterlassen bei Gesprächen mit ihnen, ein ungutes Gefühl.

Gute Vorgesetzte sorgen eigentlich dafür, das möglichst jedes Gespräch klar und eindeutig in der Aussage ist, Entscheidungen getroffen werden, jeder weiß was nun wie gemacht wird…..so das eine positive Botschaft vermittelt wird ….und man danach denkt…super…jetzt haben wir einen Weg oder toll der Chef unterstützt uns.

Ich hatte in einem zweier Gespräch mit so einem Menschen einen Vorschlag zu Gunsten eines Kollegen gemacht, da durch den plötzlichen Weggang des Teamleiters, in meinem Arbeitsablauf eine Lücke entstanden ist und wir dafür eine Lösung brauchen und da es um Bankvollmachten geht, darf ich das nicht entscheiden.

Ich hab also auf die Lücke hingewiesen und einen Vorschlag präsentiert und auch begründet, warum ich das für sinnvoll halte….und dann startete das Kreuzverhör….ich war irritiert, weil die Fragen die ich abbekam, eigentlich nur wenig mit mir, meiner Arbeit und meinem Vorschlag zu tun hatten…

….und erneut musste ich feststellen, das dieser Vorgesetzte sich nur ungern klar positioniert…er versucht immer von ihm geforderte Entscheidungen auf andere abzuwälzen…Schade, dafür das er so taff rüberkommen möchte und eigentlich eine harte Linie fahren will, ist seine Entscheidungs-Kompetenz sehr verhalten, ausweichend und zögerlich.

Das Ergebnis war eben so ein ungutes Gefühl. Ich fühlte mich weder ernst genommen, noch gut unterstützt…Das Ergebnis: ich soll den Vorschlag an eine andere Stelle geben und er hat mich gefragt, an wen ich das denn geben würde….eine irritierende Frage – an IHN natürlich….was ich ja getan habe. Aber er wollte es nicht entscheiden….

Letztendlich hab ich dann eine Mail mit meinem Vorschlag an zwei meiner 3,5 dänischen Vorgesetzten adressiert und am nächsten Tag war die Rückmeldung da, das mein Vorschlag angenommen wurde und ich mich um die Umsetzung kümmern kann und wen ich für Unterstützung zu dem Thema ansprechen kann.

Es ist doch gut, das ich aus einigen Personen auswählen kann…und für zukünftige Entscheidungs-Themen weiß ich schon jetzt, wen ich nicht mehr fragen werde.

Auch heute, das stundenlange Online-Meeting aller deutschen Kollegen war geprägt von: “ das müsste man mal verfolgen“, „da sollte sich man mal drum kümmern“, „da könnte man mal was aufbauen“.

Das meiste blieb schwammig an der Oberfläche….und für meinen Bereich gab es nicht ein einziges Thema….So hab ich 1,5 Stunden in die Kamera gelächelt und gleichzeitig DIN-A4 Blätter vollgekrickelt ….und mit Kollegen ein paar Nachrichten ausgetauscht….Leider sollen wir die Kamera bei diesen Meetings anhaben, sonst hätte ich ja heimlich weiter arbeiten können….hahaha

Ja, der Führungsstil in der Firma hat heute einen großen Schritt in eine andere Richtung genommen…mal sehen ob wir den Kurs in die richtige Richtung bald wiederfinden…