Verantwortung loslassen….

Ich habe vor ein paar Tagen mit meiner ehemaligen Chefin telefoniert…es war schön mal wieder etwas von ihr zu hören….sie ist ein Gegner von WhatsApp, während  ich ja nicht so gerne telefoniere und so tauschen wir nur gelegentlich mal ein paar Infos über SMS aus.

Interessant war zu erfahren (allerdings nicht von ihr) das sie – entgegen dem was sie mir mal erzählt hatte – nicht dazu aufgefordert wurde, ihren Platz zu räumen um einem Mitglied der Inhaber-Familie den Aufstieg zu ermöglichen, sondern sie aktiv hat verlauten lassen, das sie gerne einen anderen Posten einnehmen würde….

So, damit hat sie also  genau wie ich, das Unternehmen freiwillig verlassen….nur das sie innerhalb des Konzern an einen anderen Standort gewechselt hat, während ich den Konzern verlassen habe.

Nur 2 Wochen nach meinem Weggang, hat sie sich dort ebenfalls verabschiedet. Ihre Wechselfrist war wesentlich länger, als meine Kündigungsfrist….Auf die Frage wie ihr der neue Job gefällt und ob sie nun zufriedener ist, war die Antwort erstaunlich negativ.

Ähnlich wie ich, ist sie auf einen Posten gegangen, der weniger Verantwortung und weniger Stress beinhaltet….aber auch bei ihr hat sich der neue Job bisher nicht so positiv entwickelt. Der langjährig sehr unabhängig agierende Kollege, der in Rente gehen soll…will davon auf einmal nichts mehr wissen… und stellt sich einfach quer…macht ihr das Leben schwer, unterstützt sie nicht beim Einarbeiten…und das Pendeln ist jetzt noch umständlicher, weil der Standort noch weiter weg ist…

Aber immerhin kann sie sich jetzt stressfreier um ihre Familie kümmern…wenn sie Home-Office Tage hat…laut eigener Aussage ist sie etwas ruhiger geworden. Wir haben noch mal die Erinnerungen an unsere intensivsten Zeiten hervor geholt…wie wir den ganzen Schlammassel während des Konzernumbaus gemeistert haben, wie wir all die Probleme beseitigt haben…wie wir es geschafft haben alles am Laufen zu halten, so das andere sich entspannt zurück lehnen konnten…lach…

Irgendwie ärgert es mich aber, das sie mir nicht ehrlich erzählt hat, das sie freiwillig gehen wollte…es wäre nicht notwendig gewesen mich (und andere) anzulügen. Aber wahrscheinlich brauchte sie diese Lüge, um es vor sich selbst zu rechtfertigen. Wer gibt schon gerne zu, sich dem Stress nicht mehr gewachsen zu fühlen. ICH  – ich hab es laut gesagt und entsprechend gehandelt….genau das hab ich auch in meiner Kündigung geschrieben (aber das war ja nur ein Teil meiner Entscheidung…der 2. Teil war ja meine private Situation mit der Trennung).

Etwas anderes finde ich auch etwas enttäuschend…sie hat inzwischen intensiven Kontakt zu einem meiner Mädels…aber auch das erfahre ich weder von der Einen, noch von der Anderen…sondern über Dritte.  Na klar schmeichelt es meinem ehemaligen Teammitglied, das die ehemalige Chef-Chefin sie jetzt endlich mal beachtet…was sie in fast 10 Jahren eben nicht getan hat. Das Teammitglied hat sich immer ein wenig vor ihr gefürchtet…

Meine langjährige Aufmerksamkeit in Ihre Richtung, die Förderung und Unterstützung in beruflicher Hinsicht…das für sie Einstehen und vor anderen Verteidigen…das Unterstützen in privaten Krisen und das Wieder auf die Beine bringen nach depressiven Phasen…das zählt nicht mehr…aber geschenkt…ich hab es ja nicht getan, um Dankbarkeit zu erhalten, sondern weil ich es wollte das es allen gut geht. Oft hab ich ihre schwierige Stimmungslage eher erahnt und es dann behutsam und  langsam aus ihr heraus geholt…bis der Damm dann brach.

Tja – soviel Zeit und Energie hab ich in das Wohlergehen meines Team gesteckt. Es macht mich im Nachhinein stolz, das ich es auf diese Art geschafft habe, viele Fallstricke im Team auszuräumen…aber nun muss ich mich davon endgültig  lösen…es wird Zeit…

….dieses verdammte Verantwortungsbewusstsein hält immer noch an….ich glaube mein Team hat sich besser von mir gelöst, als ich von ihm…..Grummel….aber jetzt ist es bei mir auch vorbei….man, das es mir soo schwer fällt und so lange dauert hätte ich nicht gedacht..

…na zumindest komme ich dem schon einen Schritt näher…aber solange ich es mir noch vorsagen muss, ist es noch nicht ganz vorbei…aber ich werde immer besser darin…

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