Kohlrouladen – Erinnerungen

Essen hat immer auch etwas mit Emotionen zu tun, ist nur selten reine Nahrungsaufnahme und hat im Besten Fall mit „Zuhause fühlen“ zu tun.

Ich kann mich an die Gerichte meiner Mutter nicht mehr erinnern…kann also nicht mal sagen, ob sie gut gekocht hat. Meine Erinnerungen starten eigentlich erst, nachdem sie unsere Familie verlassen hat und unser Vater das tägliche Kochen übernehmen musste.

Er musste kochen lernen und das war in den 80er Jahren nicht gerade üblich… aber es klappt und so gab es bei uns Zuhause gute, klassische Hausmannskost. Immer mit Kartoffeln, Fleisch, Gemüse und Soße. Noch ziemlich unbeeinflusst vom Zeitgeist der modernen Küche und den neuen Möglichkeiten der ausländischen Esskulturen. Nudeln oder Reis waren für ihn keine Option, genauso wenig Pizza und Aufläufe…der Backofen war eigentlich zum Kuchenbacken (durch meine Schwester) oder Hähnchengrillen da.

Meistens hat er abends für 1-2 Tage vorgekocht und morgens die Kartoffeln geschält und Gemüse vorbereitet, so das wir mittags, nach der Schule, nur noch die Kartoffeln und Gemüse kochen mussten, während Fleisch mit Soße auf dem Herd erwärmt wurde. Er kam dann pünktlich um 13 Uhr zum Mittagessen für eine 1/2 Stunde aus dem Amt und stürmte anschließend wieder zurück zur Arbeit…während ich die Küche sauber machen musste.

Das bedeutete für uns Mädels auch: kein Trödeln nach der Schule, wir mussten heim, das Essen warm machen, damit es fertig war, wenn unser Vater zum Essen kam.

Eine meiner starken Erinnerungen aus der Zeit ist, das, wenn es unser Vater nicht rechtzeitig mittags nach Hause geschafft hat, mussten die fertig gekochten Kartoffeln, abgegossen, abgedämpft zurück in den Topf, Deckel drauf, das Ganze mit Zeitungspapier umwickelt und unter der Daunendecke im Schlafzimmer warmgehalten werden. Das war eben noch lange bevor die Mikrowelle Einzug in die Küche hielt. Was sich heute archaisch anhört und zum Schmunzeln anregt, war eine praktische Methode….kostengünstig und stromsparend haha.

Auf jeden Fall gehörten Kohlrouladen mit Kartoffeln zu unseren immer wiederkehrenden Gerichten….und ich liebe sie bis heute….dabei war es üblich ,eine große Portion Gehacktes in wenig Kohlblätter zu umwickeln….bei mir heute ist das Verhältnis umgedreht…ich nehme immer nur eine kleine Portion Hack, und wickele dann mehr Kohlblätter drumherum.

Ansonsten mache ich alles so, wie mein Vater früher und es wirkt auch heute noch…mit einer guten Portion Kohlrouladen und Kartoffeln fühle ich mich glücklich und zufrieden.

Und da vom Kohlkopf natürlich immer etwas übrig bleibt, die Blätter werden irgendwann einfach zu klein für Rouladen, und Gehacktes hatte ich auch noch übrig…hab ich den Rest Kohl kleingeschnitten, angeschmort und in einer Auflaufform geschichtet….

7 Gedanken zu “Kohlrouladen – Erinnerungen

  1. oh ja
    das kenne ich.
    irgendwann habe ich angefangen, mich an die Gerichte meiner Mutter, die wirklich gut kochen konnte und – leider – nach der „Wende“ angeangen hat, nur noch Fertiggerichte zu verwursten, zu erinnern und sie wieder aufleben zu lassen.
    Es ist ein Stück der eigenen Geschichte.

    Guten Appetit!

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    1. ja klasse, wenn man sich dieses Stück Geschichte und Esskultur bewahren kann. Schön das Du es für Dich reaktivieren konntest.
      Ich bin dankbar, das mein Vater nie auf die Idee gekommen ist, es sich mit Fertiggerichten leicht zu machen….dazu war er einfach zu geizig 🙂 und hat viel zu gerne gut gegessen…so konnten wir noch das RICHTIGE Kochen lernen…

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  2. 😋 Kohlrouladen, eins der Gerichte, die meine Mutter wirklich konnte 🤔
    Mir selbst sind die zu aufwendig. Aber frisch vom Metzger vorbereitete hole ich mir ab und an mal und bereite sie selbst zu 😉
    🌈😘😎

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    1. Klasse…Ich hab die auch schon mal beim Metzger gesehen…aber noch nie gekauft.
      Ja, es ist schon etwas aufwendig..deshalb mache ich gleich immer mehr …so das ich sie einfrieren kann ..das entzerrt den Aufwand 🙃

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  3. Interessante Kochmethoden und ich liebe (Kohl)rouladen. Ich Knirps bin mit dem Dr. Oetker Schulkochbuch, Maus Koch- und backbuch und diversen Veggie-Kochbüchern aufgewachsen und kann zumindest ganz brauchbare Rouladen fabrizieren. 🙂

    Ich sollte aufhören Sachen übers Essen zu lesen, wenn ich Hunger hab – heute gibt es Linseneintopf mit Würstchen. 😀

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