Vom Leben und Wählen

Nach einer weiteren nicht ganz so dollen Nacht (zuerst kamen die Kopfschmerzen, dann hat mein Magen die Tabletten nicht vertragen)…hab ich den Vormittag in aller Ruhe verbracht.

Jetzt mache ich mich gleich fertig für einen Spaziergang zum Wahllokal…in Schleswig-Holstein wird heute ein neuer Landtag gewählt. Nach nunmehr schon wieder 2,5 Jahren die ich hier lebe (als Kind hab ich die ersten Lebensjahre hier verbracht, bevor wir nach NRW gezogen sind) fühle ich mich dem Bundesland sehr verbunden, bin hier zuhause – vor allem seit dem 2.Umzug.

Aber ich denke auch an die fast 20 Jahre in Hessen, während ich die anderen fast 26 Jahre mit Groß-werden und Ehe in NRW inzwischen komplett abgehakt habe. Wenn ich etwas aus der Zeit in Hessen vermisse hat es meistens etwas mit dem Tanzsportverein, meiner Tanz-Clique und vor allem immer noch etwas mit dem typischen Essen im Rhein-Main-Gebiet zu tun.

Bei mir gehörten gutes Essen und gute Getränke untrennbar als Wohlfühlfaktor dazu…die netten kleinen Apfelwein-Lokalitäten, meistens mit gemütlichem Außenbereich im Grünen unter alten Bäumen, diese kleinen Oasen in der Stadt oder in den Dörfern rundherum.

Die grün-ummantelten Stätten der Gemütlichkeit, mit einfachen kleinen Gerichten und deftigen Speisen bei Appelwoi und Mispelchen….gerne in netter Gesellschaft nach dem oft anstrengenden Training..an langen Holztischen, auf einfachen Holzbänken sitzend – gesellig, gemütlich…und doch ungezwungen….lustige Zeiten waren das.

Aber selbst wenn ich dort geblieben wäre, wäre es nicht so wie früher….denn, den Verein gibt es nicht mehr, die Clique hat sich auch schon am Anfang meiner fast 8ährigen Beziehung langsam aufgelöst…aber die Erinnerung an diese Zeit bleibt.

In Schleswig-Holstein und Hamburg liebe ich auch die so typischen Norddeutschen Gerichte: Vom Matjes-Brötchen, Labskaus und Grünkohl, über gebratene Scholle, Nordseekrabben, Birnen-Bohn-Speck-Eintopf und Hamburger Pannfisch. Ich liebe die ungezwungene Art der Kommunikation, liebe das Wasser von Elbe, Este und Alster und vor allem diese kleinen Naturschutzgebiete und Moore…hier kann ich durchatmen (also – bald wieder …wenn diese Grippe endlich vorbei ist) . Ich lebe entspannt und liebe mein unabhängiges und selbst-bestimmtes Leben.

Also gehe ich jetzt zur Wahl, um meinen Bürger-Pflichten nach zukommen. Denn das Recht auf Wahl, das Generationen zuvor für uns Bürger erkämpft haben, empfinde ich auch als Pflicht, dieses Recht auch wahrzunehmen.

Denn wir lernen alle schon seit ein paar Jahren wieder, das die Demokratie in unserem Land kein Selbstläufer (mehr) ist und schnell in Gefahr geraten kann, wenn man nicht aktiv etwas dafür tut.

In unserer mittelbaren Demokratie können wir nur bei Wahlen Einfluss auf die Zusammensetzung der Parlamente und damit auch auf die Politik nehmen….also sollte jeder zur Wahl-berechtigte Bürger zur Wahl gehen….ja ich weiß, das viele glauben es ging nie um sie selbst in der Politik….kann es auch nicht – bei 84 Millionen Menschen kann der Einzelne nicht der Maßstab der Politik sein.

Demokratie funktioniert nur über das Mehrheitsprinzip: Wo sich also Einzelne durch die Wahl für eine Partei entscheiden, können eben Mehrheiten entstehen. Die Stimme eines Jeden Einzelnen ist – zumindest in unserem Wahlrecht – daher wichtig um politische Mehrheiten zu finden.

Die politischen Kompromisse sind immer nur ein kleiner gemeinsamer Nenner vom Willen vieler Einzelner, die sich zusammengeschlossen haben. Es kann also nie gelingen alle Meinungen und Forderungen jedes Bürgers zu berücksichtigen….und trotzdem ist der Einzelne wichtig für diesen Entscheidungs-Prozess.

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