Tagesausflug: Helgoland – mit emotionalen Startschwierigkeiten

Letzten Samstag ging es zum 2.Mal in meinem Leben nach Helgoland…per Schiff von Büsum aus – Abfahrt 9:30 Uhr.

Das hieß sehr früh aufstehen…denn ich musste ja erst einmal von Quickborn nach Büsum kommen. Das dauert so ca. 1 1/4 Stunden mit dem Auto, dazu 1/2 Stunde extra Zeitpuffer, den man immer mit einrechnen sollte, für Unvorhergesehenes auf den Straßen und sei es nur ein Rückstau oder eine extra Pinkelpause.

Wir hatten auf dem Schiff Frühstück/Abendessen mit gebucht, denn nur so bekommt man auch sicher einen Tisch auf dem großen Schiff. Das letzte Mal waren wir im Spätsommer da und da war es ein Glück, das wir vorbestellt hatten…das Schiff war proppevoll, das wir uns einen 6er Tisch mit Anderen teilen mussten…aber die waren richtig nett.

Dieses Mal war das Schiff sogar ziemlich leer…prima – also im Mai fahren macht mir damit auf jeden Fall mehr Spaß. Da das im Preis enthaltene Frühstück aber nicht so ganz meinen Vorstellungen entsprach (1 Tasse Kaffee, 1/2 Weizen-Brötchen mit Butter und belegt mit Salami und 1/2 Brötchen mit Käse) hatte ich für uns 3 vorgesorgt und extra Brote geschmiert. Meine Schwester isst normalerweise keine Weizenbrötchen, wir beide essen keine Salami und Emmentaler ist auch nicht so mein Geschmack. Einzig mein Schwager isst alles das und hatte daher ausreichend Essen zur Verfügung.

Deshalb hatte ich vorsorglich vom Bäcker ein Dinkel-Kürbiskernbrot gekauft und entsprechend unserer Vorlieben belegt. Wir haben es uns dann schon an Bord gut gehen lassen und die 2,5 Stunden Überfahrt nach Helgoland war dann auch richtig schön. Während viele Andere die Zeit mit Kartenspielen (Familien) und Wett-Trinken (männlicher Junggesellenabschied) verbracht haben, haben wir uns unterhalten. Schwester+Schwager hatten viel zu erzählen und auch ich war in Redelaune, was gut passte.

Der Beginn unseres Ausflugs war jedoch schwierig: Meine Schwester war extrem angespannt, schrill schon bei der Begrüßung und sie pflaumte ständig meinen Schwager in einer aggressiven Art an, das schrillten sofort alle Alarmglocken bei mir….ohhh nein – nicht schon wieder. Ich habe sie dann ein paarmal in den Arm genommen und versucht sie zu beruhigen….später musste ich noch ein-zweimal an sie appellieren, wo ist das Problem, entspann Dich doch bitte…es ist Wochenende, die Sonne scheint, wir sind auf einem Schiff und auf dem Weg zu einem schönen Ausflug – kein Grund aggressiv zu sein, kein Grund sich aufzuregen…alles ist doch in Ordnung.

Als meine Schwester Kaffee-Nachschub holte, fragt ich meinen Schwager, ob das wieder öfter vorkommt…er war ganz geknickt: Jaaa – leider. Er bleibt dann ruhig und sagt auch nichts zu ihr…ich möchte aber, das er ihr zwischendurch mal Einhalt gebietet…das sie es selber merken kann…so das sie wieder da raus kommen kann.

Seit ihrer ersten Herz-OP vor ein paar Jahren, kommt das immer wieder…es ist eine zeitweilig aufkommende Veränderung ihres Wesens, bei der sie dann auf jede Kleinigkeit emotional „über“-reagiert und sie ist sich dessen gar nicht bewusst. Es geht bei ihr dabei von einem Extrem ins Andere.

Vor allem diese keifende Wut die schon bei Kleinigkeiten, die sie stören, in der Stimme zu hören ist, die macht mir Sorgen. Das ist echt erschreckend. Wir haben dann eine Weile geredet und sie hat sich dann auch endlich entspannt…so war der Tag dann auch plauderhaft schön.

Wir hatten einen losen Plan für den Tag…mein Schwager wollte gerne eine Rundfahrt um die Insel mit den Börte-Booten machen…ich wollte Knieper (Taschenkrebse – die Spezialität auf Helgoland) essen….meine Schwester wollte nach Parfüm schauen.

Helgoland gilt als steuerliches Ausland und unterliegt damit nicht dem Steuerrecht der EU, was bedeutet das die Waren nicht nur ohne Zoll, sondern auch ohne MWST angeboten werden…aber wie bei jedem zollfreien Einkauf, muss man auf die Mengen achten, die man zollfrei nach Deutschland „einführen“ darf.

Wer das noch von früher mit den Butterfahrten kennt, kann sich damit ein Stück Nostalgie zurück holen…nur das man die Ware nicht auf dem Schiff selbst, sondern direkt auf der Insel kauft.

Bei einem Aufenthalt von „nur“ 4 Stunden muss man sich seine Zeit also gut einteilen. Wir kamen um kurz nach 12 Uhr auf der Insel an….sind dann an den schönen bunten Häuschen am Hafen entlang geschlendert bis zum Bootssteg für die Ausflüge…okay um 14 Uhr geht das nächste Börte-Boote, 1 Stunde dauert die Rundtour um die Insel.

Also sind wir weiter geschlendert, haben uns ein paar Läden von innen angeschaut (vor allem nach Parfum und Alkohol geschaut)….und dann haben wir uns in einem kleinen Restaurant niedergelassen, das die Taschenkrebse anbot…okay -wie schön es gibt sie doch schon.

Wir haben also mit Hilfe des Kellners 2x 800G / 1x 500G Knieper bestellt, dazu gab es WEißbrot und 2 verschiedene Dips. Das klingt nach viel, aber die Ausbeute an Krebsfleisch bleibt dabei überschaubar…

Zum Glück waren die Kebse schon geknackt. Es gab also keine Zangen für uns, dafür eine Art schmale, lange Gabel zum rauspulen des Krebsfleisches.

Ich war überrascht wie aromatisch das Fleisch schmeckt und kann es geschmacklich mit nichts vergleichen. Mir hat es gut geschmeckt und ja es nimmt viel Zeit in Anspruch, das kleinteilige faserige Fleisch raus zu pulen. Langsam Essen ist ja eh gesund und wir waren auf jeden Fall gesättigt- obwohl es wirklich nicht soo viel war.

Der Teller oben dazu noch Brot und die Dips war 1 Portion und kostete dann auch 39,95 Eur. Die Bedienung meinte, es wäre auch eher eine Vorspeise. Mir war es das wert, denn ich wollte das unbedingt einmal probieren und meine Familie hatte ich dazu eingeladen.

Dann sind wir schon wieder zum Bootsanleger geschlendert und los ging die Fahrt rund um die Insel. in dem offenen Börte-Boot schaukelte zwischenzeitlich ganz gehörig… ENDLICH hab ich mal wieder gespürt auf dem Wasser zu sein…ich mag Seegang und der Wind tat sein übriges…

Während der Rundfahrt um die Insel wurde uns viel erklärt…das war kurzweilig und sogar spannend. Nach der Rundfahrt ging es dann noch einmal durch ein paar Geschäfte um jetzt die vorher gesichteten Parfum- und Alkoholflaschen zu kaufen und dann war es auch schon wieder Zeit zum Schiff zurück zu schlendern.

Jaa dieses Mal blieb keine Zeit um nach ganz oben auf die Insel zu gehen und die weite der Natur zu sehen und zu spüren (wegen des Winds)…aber das wussten wir im voraus. Deshalb sind wir ja ein zweites Mal hierhin gefahren, um das zu machen, für das wir beim ersten Besuch keine Zeit hatten.

Zufrieden ging es wieder zurück zum Schiff und nach weiteren 2,5 Stunden Fahrt kamen wir wieder in Büsum an…zwischenzeitlich gab es dann noch auf dem Schiff das Abendessen (wir hatten Labskaus vorbestellt, das war reichlich und lecker).

Wir haben uns auf dem Parkplatz dann voneinander verabschiedet und wissen schon jetzt, das wir noch ein 3. Mal hinfahren „müssen“, um die ehemaligen Luftschutzbunker / Festungsanlagen zu besichtigen. Ich habe gelesen das es auf ca. 14km unterirdische Anlagen gibt. Ein Teil davon ist ein Museum, das 1stündige Führungen anbietet.

Außerdem wollen wir das nächste Mal den Katamaran von Büsum aus nehmen. Der ist zwar teurer, dafür braucht er nur 1,5 Stunden und es ist bestimmt ein tolles Erlebnis.

Hinterlasse einen Kommentar