…. ich kann es leider nicht.
Am 14.Juni war ich mal wieder im Theater. Ich hatte mich schon länger darauf gefreut…hatte mich extra schick gemacht (sogar mal wieder einen Rock aus meinem Kleiderschrank geholt) bin erst mit dem Auto nach Hamburg rein und dann weiter mit der S-Bahn gefahren.
Wie immer, war ich viel zu früh da, so blieb noch genügend Zeit für ein verfrühtes Abendessen…denn die Aufführung sollte bereits um 18 Uhr starten…aber auch nur eine Stunde dauern. Ich hab dann, nebenan, in der Kantine des Theaters (die auch für Gäste offen ist – nicht nur für die Mitarbeiter des Theaters) einen Salat gegessen und freute mich immer noch auf die Aufführung.
Das Stück hieß „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Heinrich Böll. Das Stück war in meiner Jugend Teil unseres Deutschunterrichts: Einmal als Nacherzählung und später mussten wir dann noch eine Interpretation schreiben.
Ich hätte stutzig werden können, da das Stück nur 1 Stunde gehen sollte..EINE Stunde für ein so komplexes Thema. Tja und so war ich bereits 10 Minuten nach Beginn der Aufführung derartig enttäuscht von der Inszenierung, das ich eigentlich das Theater verlassen wollte. Nur saß ich ziemlich mittig und hätte mich an den anderen Zuschauern vorbei drücken müssen…neeee das war mir zu unangenehm …und das Stück sollte ja nur diese 1 Stunde laufen. Also blieb ich und fand es grausam.
Nicht nur, das das Stück ziemlich zusammengestaucht wurde, so das kaum mehr der Inhalt verständlich „rüber“ kam, auch die Spielweise war merkwürdig. Es standen 3 Frauen auf der Bühne in Kostüm und Absatzschuhen…dabei spielte sie ALLE abwechselnd mal die „Katharina Blum“ und mal den Polizisten usw. …in jeder Szene haben die Schauspielerinnen die Charaktere gewechselt…Schauderhaft.
Ich muss aber zugeben, das mein Kunstverständnis sehr eingeschränkt ist, ich für moderne Kunstweisen überhaupt nicht offen bin.
Kunst hat für mich etwas mit Schönheit zu tun, ein gemaltes Bild, sollte die Schönheit des Objekts/Subjekts wieder spiegeln, oder mit Licht und Schatten die Realität widerspiegeln. Ich möchte erkennen, was auf dem Bild dargestellt sein soll und will nicht ratlos vor ein paar wilden Stichen und Klecksen stehen und mich fragen: was ist das?
Eine Aufführung im Theater, sollte sich an das halten, was der Autor der Stücks geschrieben hat: in Zeit, Ausstattung, Text und Aussage usw. Ich kann mit vielen modernen „Interpretationen“ nichts anfangen.
Ich liebe klassische Aufführungen z.B. von Shakespeare-Stücken, wo ich Wort für Wort das höre, was der Autor geschrieben hat, da brauche ich keine Interpretation…gerade noch okay, wenn dann ein Stück in eine andere Zeit verlegt wird oder gekürzt ja klar…solange die Worte bleiben und es nicht zu grauselig vom Bühnenbild und den Kostümen zugeht.
Wie gesagt…ich bin da nicht sehr offen für moderne Kunst/Kunstformen und wundere mich immer wieder über Vieles, was heute so als Kunst gehypt wird. Mir fehlt dafür einfach der Zugang.
Gerade deshalb hatte ich mich so auf dieses inzwischen so klassische Stück gefreut…da kann man doch eigentlich nicht verhunzen oder?
Na gut: ich bin also bis zum Schluss geblieben, konnte den frenetischen Jubel der Zuschauer nicht nachvollziehen und zog enttäuscht von dannen. Hätte ich nicht gewusst um was es in dem Stück geht, ich hätte es anhand der Aufführung nicht erkannt.
Nur zur Klarstellung: ich schreibe in der reinen ICH-Form, weil ICH es so empfinde, will damit Niemanden beleidigen oder zu nahetreten, jeder kann Kunst anders sehen – Das hier ist allein meine rein subjektive Meinung.
Dein Bericht klingt allerdings so, als ob mir das Stück auch nicht gefallen hätte.
Im Münsterschen Museum für Kunst und Kultur stehen und hängen viele schöne Objekte.
Ein ausgestelltes Einmachglas gefüllt mit Fett und eine Schublade, in der altes Werkzeug festgeklebt ist, gehören für mich z.B. nicht dazu.
Dafür mögen andere, die Bilder alter Meister für „olle Schinken“ halten.
Ich wünsche dir einen tollen Samstag.
Trude
LikeGefällt 1 Person