Arbeiten ohne Wissen = Chaos

(Achtung nur langweiliges Arbeitszeugs !!)

Während unseres „Fast close“ bis zum 08.01. habe ich gemerkt, das einer der jungen Konzen-Controller in einer meiner Firmen eine Rückstellung gebildet hat, die ich innerhalb des Jahres noch hätte akzeptieren können, die aber für einen Jahresabschluss nach HGB so nicht stehen bleiben konnte.

Ich habe ihn also angeschrieben, das ich seine Rückstellung gerne stornieren und dann korrekt neu einbuchen würde. Seine Antwort hat mich dann mehr als überrascht: Ja gerne – und ob ich nicht noch „mal eben“ die anderen (ca 20 Buchungen) für andere Landes-Gesellschaften, die ich nicht betreue, auch noch überprüfen könne…er kenne die Deutschen Regeln nicht. WHAT?

Es ist seine Aufgabe das für alle Gesellschaften zu machen, kennt aber die landesspezifischen Regelungen nicht? Wie kann er dann für Deutschland oder Schweden usw. solche Buchungen machen?

Freundlich, aber bestimmt habe ich sein Ansinnen abgelehnt: dazu habe ich keine Zeit, ich muss selber zusehen, das ich meine Abschlüsse rechtzeitig fertig bekomme. Gleichzeitig habe ich ihm ein paar deutsche generelle Regeln zu „Rückstellungen“ und „ausstehenden Rechnungen“ und dem Thema „Vorsteuerabzug am Jahresende“ aufgeschrieben und ihm geraten sich mit den Wirtschaftsprüfern in Verbindung zu setzen, um sich das Erklären zu lassen.

Unsere Wirtschaftsprüfer sitzen in Deutschland, sprechen aber neben Englisch auch Dänisch. Eine Antwort habe ich von dem Kollegen darauf hin, nicht mehr erhalten. Egal – das ist genau das „Über-Engagement“ was ich meine…das mache ich nicht mehr. Mein Chef fand es übrigens auch gut, das ich abgelehnt habe.

….

Mittwoch habe ich endlich den Jahresabschluss 2024 für die Firma erhalten, die ich ja eigentlich bereits im Februar 2025 abgegeben habe…Okay – ich hatte mich bereit erklärt, den Jahresabschluss noch im unserem Altsystem zu Ende zu bringen und die Buchungen in unser neues Buchhaltungssystem zu übertragen. Der Abschluss war schnell gemacht. Nur das Anlagevermögen brachte etwas mehr Aufwand, weil durch eine Änderung im Gesetz auf einmal höhere Abschreibungen für Neue Anlagen möglich waren und wir diese gerne nutzen. Ein Teil der Anlagen wird also nicht mehr linear, sondern geometrisch-degressiv abgeschrieben. Dazu mussten die Anlagen aber „anders“ aufgeteilt werden.

Aus guten Grund hatte ich bisher in unserem Neuen System dafür noch nichts angelegt. Nun musste ich aber feststellen, das Ende Dezember 3 verschiedene Konzern-Controller diese Anlagen schon im neuen System angelegt und für die Jahre 2024 und 2025 abgeschrieben haben. Natürlich war das nun alles FALSCH. Die Aufteilung der Investition auf die einzelnen Anlagegüter war falsch und die Berechnung der Abschreibung war ebenfalls falsch. Na super…warum haben die nicht mal bei mir nachgefragt oder mich wenigstens informiert? Aber gut…

Augenblicklich habe ich beschlossen: DAS sollen dann bitte schön auch die Dänischen Konzern-Controller selber korrigieren. Ich habe alle anderen notwendigen Buchungen fertig gemacht und anschließend eine Mail an die Teamleiterin in DK geschrieben: ich bin jetzt raus !! Hahahaha….mal sehen was ich jetzt für eine Antwort bekomme.

Ich stelle immer mehr fest: In der Zentrale werden immer mehr Aufgaben zentralisiert erledigt, ohne das die Mitarbeiter entsprechend geschult werden. Denen fehlt schlichtweg das Wissen über die Buchhaltungsregeln in anderen Ländern, für die sie arbeiten.

Nicht umsonst habe ich vor vielen Jahren eine zusätzliche Fortbildung zum Bilanzbuchhalter gemacht. Deutschland ist eben etwas komplizierter und auch andere EU-Länder wie z.B. Italien und Polen haben ganz strenge Regeln, die unbedingt eingehalten werden müssen. Aber während die polnischen Kollegen weitestgehend unabhängig von der Zentrale arbeiten können, ist aus der Firmenhistorie heraus, Deutschland eng an die Zentrale gebunden…denn von dort aus werden die meisten Deutschen Gesellschaften betreut.

Ein Gedanke zu “Arbeiten ohne Wissen = Chaos

  1. Ich erkenne „jung“, „verantwortlich“, „deligieren möchte“ – passt zu der Generation, nicht wahr?
    Bei der Bilanz am besten CC an deinen Chef, damit du aus der Verantwortung bist, gerade weil du Expertin für DE bist. Soll er sich damit und mit den Prozessen im Konzern herumschlagen.

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