Urlaubsreif

Urlaubsreif

Mir geht es wieder besser…das mit dem Riechen klappt wieder ganz gut…nur das Schmecken ist noch „dumpf“ und so kann ich einige Dinge immer noch nicht wieder geniessen…was ich tatsächlich frustrierend finde…denn das Essen riecht so lecker und wenn ich dann z.B. meine selbstgemachte Pizza esse, kaue ich auf dem Mozzarella herum, als ob es Kaugummi wäre ..dabei liebe ich diesen Käse auf der Pizza.

Auch Kartoffeln, Brot und Nudeln sind immer noch eher fade. Gemüse-Curry mit Reis und alles scharf oder pikant Gewürzte schmeckt mir dagegen schon wieder ..und auch dünn geklopfte und gebratene Schnitzel schmecken….aber meine so innig geliebten frischen Brote mit Butter….da könnte ich fast heulen….aber ich hoffe das normalisiert sich auch bald wieder.

Mittwoch und Donnerstag war ich endlich mal wieder im Büro…nach fast 2 Wochen Homeoffice wollte ich unbedingt wieder mal Kollegen sehen und sprechen…aber die Tage waren, wie auch alle anderen Tage in dieser Woche, durchwachsen.

Und obwohl vieles gut gelaufen ist, fühlte es sich so unglaublich zäh an…denn mit dem neuen Jahr hat sich vieles im monatlichen Ablauf geändert und das läuft alles noch nicht…in keiner meiner Firmen läuft es rund…entweder es fehlt die eine Abrechnung oder die Andere, die Daten sind nicht im System gepflegt, so weiß ich gar nicht auf was ich tatsächlich warten soll und in jeder Firma läuft es anders…mal kommen die Abrechnungen nun aus dem Drittland, mal aus der EU, dann aus dem Inland – aber anders als bisher. Alles muss neu ins System gepflegt werden,..die Preise sollten eigentlich aus den Verträgen hervorgehen, aber da stehen oft lustige Sachen…aber nicht das, was ich brauche…die Kollegen „Arbeiten mit Hochdruck“ an Lösungen….ach und bei einem Netzbetreiber wurden wir als Kunden vergessen, der hat aber auf meine Mail echt schnell und vor allem sehr nett reagiert… bei anderen hängt man Ewigkeiten in der Warteschleife bevor die Verbindung dann doch abbricht.

Mal ist das Geld da, aber nur ein Teil der Abrechnungen, dann ist nur ein Teil der Abrechnungen da, aber es kommt kein Geld an oder nur ein Teil. Freitagmittag hatte ich das erste Efolgserlebnis, das ich tatsächlich EINE Gesellschaft komplett abrechnen konnte…hurra…jetzt hab ich zumindest bei einem der neuen Direktvermarkter eine Ahnung davon, WIE sich die Preise zusammen setzen…und auch meine Jahresabschlüsse kommen so langsam voran.

Aber nach all den Wochen mit der OP meiner Schwester, den Jahresabschlüssen, meiner eigenen Corona-Erkrankung und all dem Trubel, was gerade noch nicht so läuft, bin ich urlaubsreif. Ich bin schnell genervt und abends bin ich hundemüde.

….der Controller ist z.B. echt nett, hört sich meine Klagen an und hat echt auch Verständnis für meine Probleme…er ist froh, das er diese Arbeit nicht mehr machen muss und ich bin im Gegenzug froh, nicht seinen Job machen zu müssen….hahaha da sind wir uns einig.

Auch das Thema mit unserem engen 3er-Büro findet hoffentlich bald eine gute Lösung. So wie es aussieht, bekommen wir noch weiteren Platz in dem Gebäude-Komplex und es wird gerade fleißig geplant. Unsere Abteilung bleibt wohl auf der jetzigen Etage, aber es werden einige Büros frei…Der Controller hat jetzt den Vorschlag gemacht, das ich in ein Nebenbüro umziehe, während er mit unserem 3.Kollegen im bisherigen Büro bleibt….ich würde zwar auch in ein 2er Büro ziehen…aber für den Moment könnte ich es erst einmal alleine nutzen…und ich wäre raus aus unserem Glaskasten, denn das Büro hätte zu beiden Seiten richtige Trennwände, was auch bedeutet es hallt weniger. Für seinen Vorschlag bin ich sehr dankbar und bin gespannt, ob das so umgesetzt wird….dann würde ich auch wieder öfter ins Büro fahren.

Kaffee-Genuss – ausgesetzt

Und während draußen die Welt seinen gewohnten Abläufen folgt, sich Drama an Drama reiht, sitze ich zuhause und versuche mich zwischen Homeoffice und Corona-Infektion hindurch zu manövrieren.

Mein Immunsystem durchläuft die Abwehr der verschiedenen betroffenen Stellen im Schnelldurchgang:

Fieber – check erledigt / Kopfschmerzen – check erledigt / Gliederschmerzen – check erledigt….so es folgt die 2. Welle:

Husten – check – in Arbeit / Schnupfen – check läuft auch / Müdigkeit – check auch da …was fehlt noch? ohhh Halsschmerzen …wie sieht es aus? – negativ, wir haben uns für den direkten Angriff auf die Bronchien entschieden…check – sehr wirkungsvoll.

Allgemein gesprochen geht es mir besser…aber ich bin noch müde und schlapp und seit Donnerstag kommen noch für mich unbekannte Erfahrungen hinzu…die finde ich jedoch sehr interessant, weil ich es mir überhaupt nicht vorstellen konnte, nichts mehr schmecken oder riechen zu können.

Witzigerweise kam es nicht auf einen Schlag, sondern wurde innerhalb eines Tages immer weniger, so das ich es erst gar nicht richtig bemerkt habe. Vormittags hatte ich mich zwar gewundert warum die genaschten kalten Nudeln vom Vortag so fade waren….und auch mein Gulasch am Mittag, mit den Nudeln zusammen, war irgendwie fade…nanu….da ist doch eigentlich sonst immer ganz schön viel Geschmack…Für den Abend hatte ich mir eine Pizza vom Italiener bestellt…da ich ja immer noch Corona-Positiv bin, wollte ich mir wenigstens zuhause etwas leckeres gönnen.

Die Pizza sah lecker aus: mit viel Mozzarella, Thunfisch und Zwiebeln…groß und knusprig….aber bereits nach 2-3 Stücken mochte ich nicht mehr….also ne – davon hatte ich mir ja echt mehr versprochen….hab mich noch beim Telefonat mit meiner Schwester darüber beklagt, das ich selten eine so schlechte Pizza von einem Italiener gegessen habe….

und als mein Husten immermehr zunahm, lutschte ich eins dieser Bonbons mit Honig…die Dinger mag ich gar nicht…der Honig schmeckt immer so unnatürlich und ist sehr präsent im Mund…und erst da hat es irgendwann Klick gemacht…das Bonbon war im Mund, aber vom Honig hab ich nichts gemerkt….Jetzt erst hab ich verstanden, mit meinem Geschmacks- und Geruchssinn stimmt etwas nicht. In der Küche hab ich eine frische Zwiebel aufgeschnitten – Nichts, in meinem Gewürzschrank hab ich die Nase in allerlei Gewürze gehalten – fast nichts zu riechen – ein Hauch von Nelken, eine Ahnung von Curry….das wars.

Es hat mich nicht erschreckt, hoffe doch, das sich ,wie 96% der davon Betroffenen, innerhalb der nächsten Woche alles wieder normalisiert und so lange nehme ich es als interessante Begebenheit. Immerhin bin ich Genussmensch. Ich liebe gutes Essen und leckeren Wein, Sekt oder Anderes (Okay – im Moment gibt es bei mir immer noch die Getränke ohne Alkohol – wegen des Blutdrucks, seit mittlerweile fast 2 Monaten)

Spannend finde ich jetzt die Frage: was Esse ich nun, wo ich es nicht schmecke. Mein erster Gedanke war: Super – ich kann auf die Süßigkeiten verzichten – dann nehme ich evtl. sogar noch 1-2 kg ab. Aber schon noch 1 Tag war klar – so einfach ist das gar nicht…ich meine nicht den Verzicht, sondern das, was ich durch den Hals bekomme. denn am Kauprozess ist ja auch der Geruchssinn beteiligt und der sagt unserem Gehirn dann, ob uns das schmeckt.

Fleisch geht gar nicht….ohne Geschmack/Geruch auf einem Sück Gulasch zu kauen, macht überhaupt keinen Spaß…das kann ich nicht zu Ende kauen und auch nicht runterschlucken. Auch gekochte Nudeln gehen gar nicht. Gekochte Kartoffeln auch nicht….aber was geht sind knusprige Bratkartoffeln (oder Röstkartoffeln aus der Heißluftfritteuse). Eintöpfe und Suppen gehen auch nicht….gebratenes Gemüse mit etwas Biss geht….Was wunderbar funktioniert sind die schwarzen Brotsorten mit Sonnenblumenkernen mit einem frechen Tilsiter belegt.

Alles was beim Kauen im Mund eine gewisse Struktur hat, den Zähnen etwas Widerstand bietet, das kann ich essen und auch schlucken…außer Fleisch. Und was interessanterweise auch geht, sind Süßspeisen…weil ich ganz leicht die Süße erkenne…es gab also gestern süße Pfannkuchen….und heute mache ich Milchreis. Denn als Mensch will ich ja nicht nur satt werden, sondern auch etwas Schönes haben.

Ich schmecke also salzig und etwas süß, rieche ganz leicht Gewürznelken und nehme die Schärfe von Pfefferminzöl wahr…und hoffe das sich bald alles wieder normalisiert.

Was mir WIRKLICH fehlt, ist der Geschmack meines Kaffees am Morgen….jetzt trinke ich das schware Gebräu und mit jedem Schluck suche ich den Geschmack und mit jedem weiteren Schluck bin ich enttäuscht….was fehlt mir doch dieser Genuss der ersten Tasse Kaffee am Morgen…schön heiß und die Finger um meine Lieblingstasse gewickelt…leicht schlürfend (bin ja alleine) und freue mich über den Duft und den Geschmack und dann kann ein Tag ja nur gut werden…jaaa so soll ein Morgen starten…

Bald wieder…ganz bald…hoffe ich

Hätte es nicht so bleiben können?

Und gerade als der Stress im Job und die Herausforderung mit meiner Schwester wieder beherrschbar wurde, kamen ja, so ganz nebenbei, auch schon meine eigenen kardiologischen Untersuchungen, die mich an 4 von 5 Werktagen immer wieder von Termin zu Termin trieben….jaaa so langsam wird es ….und am kommenden Montag hab ich zum vorläufigen Abschluß noch ein Herz-CT.

Samstag war ich dann endlich mal wieder richtig gut entspannt, weil ich nicht die gleiche Problematik mit dem Herzen habe, wie meine große Schwester….mein Lipoprotein A ist fast nicht nachweisbar…nur mein Cholesterin ist leicht zu hoch…alle anderen Blutwerte sind okay und auch mein Herz machte im Ultraschall keine auffälligen Purzelbäume (Verräter – warum versteckst Du Dich ausgerechnet jetzt)…nur der Blutdruck ist permanent, trotz Tabletten, viel zu hoch…es gibt also Neue Tabletten.

Den Samstagmittag war ich mit meiner Schwester in einem tollen Restaurant, in der Nähe der Reha und es regnete und stürmte – aber es war trotzdem ein toller Tag.

Mir ging es am Sonntag soooo gut, das ich morgens ins Fitnessstudio gefahren bin und am späten Nachmittag noch eine Walkingrunde absolvierte….man ging es mir gut – so richtig fit und kraftvoll, wie schon länger nicht mehr. Perfekter Ruhepuls.

Hätte es nicht so bleiben können?

Diesen Montag im Homeoffice lief es ganz okay, aber gegen Abend bekam ich Schüttelfrost und sehr starke Kopfschmerzen…Nanu – vertrage ich die neuen Tabletten nicht? In der Nacht taten mir alle Glieder weh – oder war es Muskelkater vom Fitness-Studio? Ich konnte es nicht einordnen – allerdings konnte ich die Nacht kaum Schlafen vor Schmerzen…konnte nicht liegen und war zu kaputt zum Stehen.

Morgens im Homeoffice fühlte ich mich dann zerschlagen und nach einem Telefonat mit einer Kollegin, hab ich dann vorsichtshalber einen Corona – Schnell-Test gemacht…tja – was soll ich sagen:

Das ist das erste Mal seit fast 3 Jahren das so ein Test bei mir positiv ausfiel…..Okay – jetzt hab ich tatsächlich auch ganz offiziell Corona. Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Schlappheit begleiten mich zu den täglich positiven Tests also seit 3 Tagen.

Inzwischen geht es mir wieder besser….aber noch nicht richtig gut. Ich arbeite weiterhin, habe aber nur 3/4 Tage – alles ohne Krankschreibung …aber ich schone mich sehr viel und mache nur das, was gerade am Nötigsten ist…den Rest der Zeit ruhe ich auf der Couch und Schlafen gehe ich auch sehr früh.

Na die restliche Woche schaffe ich so auch noch….hoffe das bis zum Wochenende alles wieder negativ ist…vorsichtshalber hab ich schon mal den Samstag bei meiner Schwester abgesagt. Sie hat bisher keine Symptome und auch die Tests sind negtiv- das soll auch so bleiben.

Fall ins Kommunikations-Loch

(Achtung – nur langweiliges Arbeitszeugs)

Was in den letzten 5 Wochen zusätzlich für eine Menge kleinerer und auch großer Dramen sorgte, ist mal wieder die noch extrem ausbaufähige Kommunikation von der Zentrale nach HH und noch viel schlimmer, auch innerhalb der Zentrale…und ich war der Bote, der in das Kommunikations-Loch fiel..

Nach erfolgreichem Durchlaufen aller Freigaben über die Zentrale, hab ich die ersten (und kompliziertesten) Jahresabschlüsse an die Wirtschaftsprüfer geleitet…so bitte schön – Ihr seid dran. Zu meinem Glück hat sich mein Lieblingsprüfer dieser Abschlüsse angenommen und mir nach ein paar Tagen eine erste Mail geschrieben…so hätten sie sich die Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorschriften, die es erst seit dem 13. Januar 2023 gibt, nicht vorgestellt. Hmmmm – aber – so hab ich es schriftlich aus der Zentrale. Ja aber – ne – so geht das nicht…es hätte doch inzwischen eine Kommunikation mit einer übergeordneten Leiterin gegeben, und dabei wäre etwas anderes besprochen worden.

Echt jetzt? Also auf allen meinen dänischen Kommunikationswegen hab ich davon nichts mit bekommen…und ich übersetze jeden Satz, den ich noch nicht selber verstehe, mit Hilfe einer Übersetzungssoftware…da war aber auch nicht ansatzweise von einer Änderung im Procedere die Rede.

Der tolle Prüfer hab die Klärung übernommen mit seinen Vorgesetzten und unserer Zentrale und schon einen Tag später hab ich von ihm, über ein Teams-Meeting die inzwischen überprüfte Vorgehensweise Schritt für Schritt erzählt bekommen und gleich alles mit geschrieben. JA – so ergibt es Sinn…und ich kann es auch buchhalterisch begründen und nachvollziehen…na gut – bis auf die Kontenklasse…aber das ist Interpretations-Sache und ich beuge mich ohne große Gegenwehr, auch wenn ich es anders sehe. Das ist jetzt mein geringstes Problem.

Ich muss also eine Menge Dinge stornieren und Neu machen…für beide Gesellschaften…aber es wurmt mich, das ich nicht informiert wurde…ich hab an die entsprechenden Personen eine Mail verfasst und gefragt ob ich denn blind bin, oder ob die Info tatsächlich nicht bei mir gelandet ist. Das ich es aber gut gefunden hätte, die Änderung im Procedere ein wenig früher zu wissen, denn so hab ich viel Zeit vergeudet.

Die Mail hab ich aber nicht abgeschickt, erst nächsten Tag eine leicht entschärfte Version. Die Antwort kam prompt…also ich hätte doch Zugriff auf die Mail-Adresse und ich hab doch auch Zugriff auf den Chat, also sollte ich alle Infos haben und ja sorry das alles in Dänisch ist, aber sie würde sich bemühen, mir zukünftig alles in English zu schreiben.

STOPP – hier läuft etwas falsch…aus ihrer Mail konnte ich sehen, sie hat mich überhaupt nicht verstanden und ich hab es dann noch einmal klar gestellt, Welche Infos ich, auch auf Dänisch, verstanden und umgesetzt habe und ihr das Problem noch einmal erklärt.

Ihre Antwort…jetzt würde sie verstehen, aber diese komplizierte Anweisung kenne sie überhaupt nicht…sie würde das jetzt mit der entsprechenden Vorgesetzten klären.

Ein paar Stunden später gab es eine erneute E-Mail und ein Telefonat und die Teamleiterin meinte es tät ihr leid, ja diese neue Handhabung sei nie bis zu ihr gedrungen und wir müssen jetzt tatsächlich alle entsprechenden Gesellschaften noch einmal neu machen. Sie war fast den Tränen nahe, weil sie selber einige Firmen mit vielen dieser speziellen Buchungen hat und selbst alles neu machen muss.

Sie tat mir richtig leid und mein Ärger war auch schon längst verflogen, hab ihr das auch gesagt, das ich sie ja nicht alleine meine, immerhin gibt es noch andere übergeordenete Stellen,….denn damit hatte ich ja nicht gerechnet, das Informationen es nicht einmal innerhalb der Zentrale bis an die richtigen Stellen schaffen…oder sie sind in der Hektik der letzten Wochen einfach untergegangen.

Ich hab also Freitag im Homeoffice die Stille dazu genutzt, alles zu Stornieren, neu zu Berechnen, Gutschriften zu schreiben, neu zu Buchen, alles in unseren Arbeitslisten neu einzutragen, neu quer zu checken, andere Dinge dadurch neu zu berechnen und ebenfalls zu korrigieren, neue Nachweise zusammen zu stellen und erneut upzuloaden, die Umsatzsteuer-Abstimmungen neu durch zuführen und Korrekturen ans Finanzamt zu geben, also alles das, was ein braver Buchhalter so tun muss,…und das ganze dann am Ende mit den Ergebnissen der Wirtschaftsprüfer abzugleichen, mein dänisches Pendants über die Änderungen zu informieren, das die auch ihren Kram neu berechnen muss, damit wir es auf allen 4 Seiten richtig haben – CHAKA – jawohl jetzt passt alles.

Während ich die Teamleiterin während unseres Telefonats auf das erneute Kommunikations-Problem ansprach, leugnete sie ein Problem dieser Art…ich weiß nicht, ob sie es nicht sehen will oder sie, wenn sie es bestätigen würde, sich selber eingestehen muss, das strukturell etwas schief bei uns läuft….ist ja nicht das erste Mal.

Letztlich bin ich entspannt und zufrieden ins Wochenende gestartet…denn jetzt weiß ich, was bei dem Thema zu tun ist..und der Rest ist nur noch Konzentration und Fleißarbeit. Aber die vielen Überstunden, um im Januar rechtzeitig fertig zu werden, hätte ich mir allerdings schenken können.

Kleine Strategien

Das Bewegen in Menschenmassen fühlt sich für mich oftmals herausfordernd an…aber im Laufe der Jahre hab ich mir viele kleine Dinge angewöhnt, die mir das Leben leichter machen..und ich bin freundlicherweise gefragt worden, welche das denn sind.

Um es vorweg zu nehmen, ich habe keine Patentlösung dafür und auch nimmt es mir nicht meine Angst vor engen Räumen und vielen Menschen, aber ich kann damit mein Unwohlsein oftmals reduzieren, wenn ich den Situationen nicht ausweichen kann.

Allerdings ist eine meiner Hauptstrategien bewusstes Bewegen im „öffentlichen Raum“ und das heißt eben oft auch einfach: Vermeidung.

  • Ich gehe nicht in die Fußgängerzone, ins Kino, in ein Einkaufszentrum oder in den Park wenn ALLE Anderen es auch tun…ich nutze dann eher die frühen Morgenstunden oder die letzte Stunde bevor der Markt oder der Laden schließt. Ins Kino gehe ich erst, wenn der Film schon etwas länger läuft..ich muss nicht die Erste sein.
  • Wenn es trotzdem voll in der Stadt wird, nehme ich oft Seitenstraßen, die parallel zu den vollen Straßen entlangführen, auch im Einkaufszentrum, schlängele ich mich oft durch die Seitengänge.
  • Ich mache mich auf Gehwegen nicht klein – sondern groß. Wenn ich mich klein mache, werde ich nicht wahrgenommen und noch weiter an den Rand gedrängt. Mache ich mich dagegen groß und etwas breiter als ich bin und nehme RAUM ein, dazu hilft eine gerade Körperhaltung, nicht eng am Rand entlang laufen und zur Not die Ellenbogen ein wenig vom Körper abzuwinkeln….dann haben die meisten Menschen eher das Bedürfnis mir auszuweichen. Nicht weil ich etwas bedrohlich wirke, sondern es ist der natürliche Reflex des Menschen, nicht mit einem Anderen zusammen stoßen zu wollen (natürlich gibt es auch hier Ausnahmen)
  • Ich laufe vorausschauend und wenn ich sehe, das mir ein Schwung Menschen im Pulk entgegenkommt, und ich nicht ausweichen kann, dann kommt meine Hauptstrategie: Ich winkle fest meinen linken Arm halboffen vor meinem Körper an, so das die Hand leicht nach außen zeigt (in etwa wie ein Tänzer, der mit dem Arm seine Partnerin locker umfassen möchte)….und lasse die Menschen quasi an diesem Arm „abfließen“…so hab ich vor mir einen zusätzlichen Raum von ca. 20-30 cm geschaffen…und das ist genau dieser zusätzliche Raum, der bei mir meistens ausreicht, um nicht in Panik zu verfallen.
  • Zusätzlich nehme ich dazu die linke Schulter ganz leicht nach vorne, was mir einen sicheren Stand und damit auch emotional hilft mich dem „zu Stellen“
  • Das ist auch meine Strategie in Aufzügen, wenn ich es nicht vermeiden kann..meistens nehme ich jedoch die Treppe.
  • In Aufzügen und anderen engen Situationen versuche ich zusätzlich meinen Blick nach Oben zu richten und tief und bewusst zu atmen.
  • und wenn Menschen beidseitig an mir vorbei wollen…ich also durch einen Pulk Menschen hindurch gehen muss, denn nehme ich Beide Arme gleichzeitig nach vorne…ähnlich einem Schwimmer beim Brustschwimmen….so das sich die Fingerspitzen vorne fast treffen. Belustigte Blicke ignoriere ich…denn meistens funktioniert es…es hilft auch oftmals ein freundliches „sorry“ oder „kann ich bitte kurz…“
  • Wann immer es geht, hab ich einen festen Einkaufskorb dabei…den ich in jede Richtung als Abstandshalter einsetzen kann..nämlich immer dort, wo es mir gerade zu eng wird
  • natürlich hilft beim Schlange-stehen auch ein nettes Wort…ich bin ehrlich, ich warte meist zulange damit und dann bin ich schon zu angespannt und damit auch nicht immer so nett, sondern knurre eher.
  • In Cafes und Restaurants suche ich mir immer Plätze am Rand und immer so, das ich möglichst auf einer Bank sitze oder zumindest so, das der Rücken nicht zum Gang hin zeigt….Laufwege der Bedienungen meide ich ebenfalls.
  • Sitze ich in einem Gang um zu warten (z.B. im Amt oder Krankenhaus) und die Menschen gehen zu dicht an mir vorbei, nehme ich entweder meinen Korb und stelle ihn vor mir ab, wenn ich den nicht dabei habe, strecke ich meine Beine etwas weiter aus…behalte aber den Gang im Auge, möchte ja nicht, das jemand anderes über meine Beine stolpert.
  • und sollte sich jemand zu nahe bei mir hinsetzen und ich fühle mich eingeengt, dann wechsle ich auch schon mal den Platz
  • Im Büro ist der direkte Weg zu meinem Schreibtisch etwas verengt…dadurch bleiben die Kollegen schon vorher stehen und es weiß auch jeder das ich ein Problem mit Enge habe und die Kollegen reagieren entspannt, wenn ich mit dem Stuhl ein Stück zur Seite rutsche oder sie bitte, sich nicht an meiner Stuhllehne abzustützen, wenn ich darauf sitze.
  • ….es gibt noch einiges mehr…aber das sind nur so kleine Dinge…die mir oft kaum mehr bewusst werden…ich mache es einfach…

Wie gut das funktioniert hängt aber immer auch von meiner Tagesform ab…und manchmal funktioniert das alles gar nicht…vor allem nicht, wenn ich müde bin oder hungrig…wenn ich unter Zeitdruck etwas erledigen möchte auch nicht…es geht meistens richtig gut, wenn ich entspannt bin und mich bewusst darauf einlasse.

Und natürlich sind das auch Dinge die ich nur deshalb so flexibel einsetzten kann, weil ich alleine lebe und auf niemanden sonst Rücksicht nehmen muss…Wenn es mir zu voll wird im Supermarkt oder Restaurant dann gibt es eben etwas anderes zu Essen..und wenn der Park zu voll ist, dann fahre ich eben woanders hin oder auch wieder nach Hause…ich kann es nicht erzwingen …aber meistens kann ich ganz gut damit leben, auch wenn es sich stressig anhört…ich bin ja sowieso eher der Typ Einzelgänger und liebe meine Ruhe.

Entspannungs-Spaziergang

Entspannungs-Spaziergang

Im Job läuft es gerade auf Hochtouren und so hab ich mir am Dienstag einen frühen Feierabend gegönnt…ich brauchte Entspannung. Kurz vor Sonnenuntergang kam ich im Himmelmoor an, und hatte sooo einen tollen Sonnenuntergang bei eisigen Temperaturen und klarem Himmel.

Es war unglaublich – ruhig, windstill und himmlisch beruhigend…der Moor-See war im vorderen Teil gefroren.

Im weiteren Verlauf meiner Runde, direkt dort wo es einen phantastisch weitläufigen Blick über das Moorgebiet gibt, war die Torfschicht auf dem Wanderweg leicht gefroren und knirschte unter meinen Schritten….und das Rot der untergehenden Sonne war grandios:

und brachte mir geanu die Art von Erholung und Seele-baumeln-lassen, die ich gerade nötig hatte.

Es waren nur knapp 4,5km aber das genau zum richtigen Zeitpunkt….und nach dem Sonnenuntergang lief ich in der Dunkelheit die mir inzwischen so bekannten Wege. Das ganze Gebiet ist ja nur knappe 4 km von meinem Zuhause entfernt und ich liebe es immer noch dort die verschiedenen Wege entlang zu streifen. Es beruhigt mich und gibt mir eine schöne Zufriedenheit, wenn ich wieder zurück auf dem Parkplatz bin.

Ängste und Panik

Was für ein Wunderwerk der Natur der Mensch ist, merkt man erst, wenn etwas am Körper nicht mehr reibungslos funktioniert. Was Ärzte heute am Körper reparieren können ist schier unglaublich. Aber der Mensch besteht ja nicht nur aus Körper und so muss die Psyche auch einiges aushalten, wenn am Körper herumgeschnippelt wird.

Ich hatte bereits gelesen, das viele Patienten nach einer Operation am offenen Herzen, psychische Probleme bekommen können und auch Angststörungen nicht selten sind.

Angst an sich ist nichts Schlechtes, sie macht wachsam und vorsichtig und wird erst dann zum Problem, wenn die Angst vor etwas größer wird, als der Situation angemessen, in Panik mündet oder sich verstetigt.

Überrascht war ich trotzdem wie extrem schnell und intensiv sich bei meiner Schwester Panik und Angst breitmachte. Ich hatte seit der OP mein Handy immer in Reichweite, um jederzeit auf eine panische Nachricht oder einen Anruf reagieren zu können. Ganz alltägliche Situationen führten zu panischen Weinkrämpfen. Meine robuste und resolute Schwester war auf einmal ein Häufchen Elend.

Gut, dass ich die meiste Zeit im Homeoffice war, so konnte ich fast immer sofort reagieren und hab sie durch Zuhören, ruhiges Reden und positives Einordnen von Sachverhalten, die sie in ihrer Angst negativ ausgelegt hat, aus den Panischen Situationen heraushelfen können. Inzwischen hat sie auch mit der Psychologin in der Reha sprechen können..und seit 2 Tagen nun, sind die großen panischen Attacken vorüber…und als ich sie gestern besucht habe, sind wir ohne ihren Rollator spazieren gegangen und haben uns in die Cafeteria zu Kaffee und Kuchen niedergelassen. Beides war etwas, was ihr vor ein paar Tagen noch unmöglich erschien.

Wir hatten überhaupt einen tollen Nachmittag zusammen. Sie hat sogar schon wieder etwas zugenommen, die Augen sind wach und klar und sie plappert schon wieder munter drauf los…es geht also aufwärts, trotz der Schmerzen und Einschränkungen, die sie natürlich immer noch hat…aber die Wundnähte heilen langsam und sehen gut aus…und die REHA-Maßnahmen bringen erste Fortschritte, wie sich sie bewegen darf und zeigen, was sie schon alles wieder alleine machen kann, wenn sie bestimmte Dinge berücksichtigt.

Vor allem ist es wichtig, die Angst vor anderen Menschen und Bewegungen um sie herum, wieder zu verlieren….aber jetzt bin ich zuversichtlich.

Ich hatte vor mehr als 20 Jahren einen Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich und danach ca. noch 2 Jahre Angst, das mir irgendjemand beim Einkaufen oder Bummeln seinen Arm in den Rücken drückt oder mich schubst. Psychologische Betreuung gab es damals nicht…so hat es etwas länger gedauert, bis ich mich von dieser Angst befreien konnte. Na gut also klaustrophobisch war ich vorher schon und bin es ja immer noch…das ist leider nie weggegangen.

Aber ich habe Techniken entwickelt, die mir helfen, mich in Menschenmengen zu bewegen, (meistens) ohne in Panik zu verfallen…ich hab ihr gestern gezeigt und auch erklärt, was bei mir inzwischen automatisch abläuft, wenn mir Menschen zu nahe kommen, vor allem wenn sie mir zu eng entgegen kommen und ich nicht ausweichen kann oder beim Schlangestehen drohen zu dicht aufzurücken…das kann ihr für die Übergangszeit auch helfen, mit der Angst umzugehen. Ich kann inzwischen ganz gut damit leben.,

sportliche Herausforderung – Autobahn und Eumel

die letzten Wochen war ich oft auf der A7 oberhalb von Hamburg in Richtung Norden unterwegs…sehr oft. Das hat sich zum Glück jetzt auf 1x die Woche reduziert.

Auf jeden Fall fahre ich bis Kiel und seitdem meine Schwester zur Reha ist, biege ich dort von der A7 auf eine Bundesstraße ab und fahre weiter bis zur Reha-Klinik. Das sind jetzt pro Strecke 100km. Eigentlich ist das noch eine Entfernung, die mich nicht stresst…was es für mich aber so stressig macht, ich muss jedes Mal – immer noch – so einen blöden Corona-Test machen…und die sind sehr unterschiedlich.

Bei mir im Ort waren die in der Teststation unfreundlich und ich fühlte mich wie ein Betrüger, weil die bewiesen haben wollen, das ich ins Krankenhaus gehe um jemanden zu besuchen oder selber zum Arzt muss, um so den Test kostenlos zu bekommen. Soll ich mir erst im Krankenhaus eine Bestätigung holen oder wie? Wofür braucht man den Test denn sonst noch zwingend? und wer macht so etwas freiwillig sich ständig testen zu lassen…also ich jedenfalls nicht. Nach einmaligem Versuch, hab ich beschlossen dort nicht mehr hinzugehen.

In Kiel reicht es an den Teststationen aus, wenn man erklärt in welches Krankenhaus man möchte..füllt dafür einen Zettel aus und erklärt mit seiner Unterschrift seine wahrheitsgemäßen Angaben. Also gehe ich immer noch lieber dort zum Test, das sind nur 3km Umweg und geht schnell und zuverlässig und die sind nett…also stressfrei. Allerdings hat die eine Teststation am Wochenende nur bis 12 Uhr geöffnet und in der Woche bis 16 Uhr…die Andere in der Nähe, hat Mittags eine längere Mittagspause, hat dafür aber auch bis 18 Uhr geöffnet.

Ich muss also an einem Samstag zusehen, dass ich bis 12 Uhr den Test gemacht habe, sonst muss ich fast eine Stunde warten….und so hab ich für gestern geplant: 10 Uhr losfahren, dann bin ich um 11 Uhr in Kiel, Testen mit Warten vorher und nachher ca. 30 Minuten, dann die Sachen für meine Schwester besorgen: Obst und Snackgemüse, Süßigkeiten, Zeitschriften und einen neuen Eumel….ca 1 Stunde und dann noch 30 Minuten Fahrt bis zur Reha-Krankenhaus. Ankunft 13 Uhr.

Pläne sind gut und strukturieren den Tag.

Einen Stau hatte ich jedoch nicht eingeplant…und so stand ich dann völlig ungeplant zwischen Bad Bramstedt und Großenaspe im Stau. Also stand im Sinne von stillstehen. Wir haben uns brav alle sowas von vorschriftsmäßig aufgestellt, dass es eine perfekte Rettungsgasse gab und danach rollte gar nichts mehr. Außer den Feuerwehr-Fahrzeugen die nach ca. 15 Minuten mit großem Getöse und mit hoher Geschwindigkeit durch diese Rettungsgasse fuhr. Mit einigem Abstand kamen insgesamt 4 Fahrzeuge der Feuerwehr…aber zum Glück kein Rettungswagen.

Also hieß es Warten und das Einzige das lief waren mein Hörbuch (Brett Scott: „Cloudmoney – Cash, Karte oder Krypto: Warum die Abschaffung des Bargelds unsere Freiheit gefährdet“ super geschrieben und vor allem toll gelesen) und die Uhr.

Nach ca. 35 Minuten ging es dann endlich weiter….und mittels perfektem Reißverschluss-Verfahren kamen wir dann endlich auch an der Unfallstelle vorbei…wann und wie der Abschleppwagen vom ADAC dorthin gekommen ist kann ich gar nicht sagen…auch die Polizie war Vorort. Zum Glück war es wohl ein Unfall eines einzelnen Wagens und der hing schon am Haken, während ein junges Pärchen danebenstand und zusah.

Meinen strategischen Zeitpuffer, durch großzügige Planung, von 30 Minuten war damit aufgebraucht…wenn jetzt nichts mehr dazwischen kommt, klappt noch alles mit dem Test. Bis Kiel lief es dann auch gut… Einen Parkplatz vor der Klinik hab ich schnell gefunden…der war allerdings etwas schmal, so dass ich über die Beifahrerseite aussteigen musste…bin ja noch gelenkig – kein Problem. Also losgespurtet bis vor den Eingang der Teststation. Maske?…warum hab ich keine Maske in der Tasche…hab ich doch immer..grrrr…zurück zum Auto spurten – dort hab ich eine ganze Packung FFP2-Masken liegen…und wieder zurück joggen (sooo also Sprint haben wir schon mal geübt für heute).

Die Teststation war leer und es ging dann auch alles wie immer dort: nett, lustig und schnell und nach 15 Minuten hatte ich auch das Testergebnis auf dem Handy…da war es 11.58 Uhr. Prima.

Zum Einkaufen blieb mir nur noch 1/2 Stunde, anstatt 1 und in dem großen Einkaufszentrum war es voll…auch hier hab ich einen eher unbeliebten Parkplatz genommen, weil ein anderes Auto blöd schräg stand…aber ich passte gerade noch so rein…anstatt also zu Bummeln bin ich nur noch zielgerichtet durch den riesigen Laden, den ich mit seiner Aufteilung nicht kannte, gelaufen und bin dabei (gefühlt) hunderten Menschen ausgewichen, die dort die Gänge blockierten um sich gemächlich zu entscheiden.(2.Sporteinheit: Gehen, Stoppen, Ausweichen im Sauseschritt und dabei die Richtung nicht verlieren).

Interessanterweise waren die Kassen ALLE besetzt und so ging das echt schnell. Auf zum Auto und zur letzten Etappe…nun gemächlich über Bundes- und Landstraßen und um 13:02 Uhr war ich quasi pünktlich am Ziel.

Na klar hätte ich auch anrufen können, daß ich etwas später komme…aber das wollte ich nicht. So hab ich mich zwar etwas gehetzt, aber mich dabei nicht geärgert…ich hab es also sportliche Herausforderung betrachtet.

Über den neuen Eumel hat sich meine Schwester sehr gefreut. Ein „Eumel“ bezeichnet in unserer Familie ein kleines Plüsch-Kuscheltier, das man bekommt, wenn man z.B. ein neues Auto bekommt als Talisman, oder man eine Aufmunterung benötigt, wie bei einem Krankenhaus-Aufenthalt. Etwas, an das man sich klammern kann, wenn gerade Niemand da ist oder man sich alleine fühlt… der Eumel muss nicht niedlich sein..für die OP hatte ich ihr ein hässlich-Pinkfarbenes-Eumelinchen geschenkt…ich hab es die „Motivations-Zicke“ getauft und sie hat sich 2 Wochen an diesen Eumel geklammert.

Doch mit dem Wechsel vom Krankenhaus zur Reha, hat sie es entsorgt…das Teil hat seine Schuldigkeit getan und jetzt wollte sie daran nicht mehr erinnert werden. Nun hat sie einen süßen kuscheligen kleinen Stoffhund bekommen, mit riesigen Augen…der ihr jetzt bei der Genesung helfen soll.

Zwei Wochen im Krisenmodus

Die letzten knappen Wochen waren anstrengend…mein Schwager hat durch seine Weigerung meine Schwester auf der Intensivstation zu besuchen, also ihre Betreuung in meine Hände gelegt. Einerseits verstehe ich ihn ja…er hat vor ein paar Jahren einen Schock bekommen, als er seine Mutter im selben Krankenhaus auf der Intensivstation besuchte, kurz bevor sie verstarb.

Andererseits muss ich auch noch Arbeiten, während er ja immer noch keine neue Arbeit hat…und bei mir die Abschlusstermine drängeln. Schön wäre es gewesen, wenn wir uns die Besuchstage hätten teilen können. Na egal.

Ich bin also in den ersten Tagen jeden Tag die 80km bis nach Kiel gefahren, mich in die Schlange zum Corona-Test einrereiht, auf das Ergebnis gewartet, um sie dann endlich sehen zu dürfen. Eine Person pro Tag Besuch war erlaubt…aber nur zwischen 15-18 Uhr…So dauerte es von Abfahrt zuhause, bis zur Wieder-Ankunft jedes Mal ca. 4-5 Stunden…das schlaucht auch…immerhin hab ich schon um 6.30 Uhr im Homeoffice angefangen und abends musste ich dann auch noch einmal ran…Arbeit nachholen.

Die ersten Tage ging es ihr schlecht, dann wurde es besser…sie konnte sogar schon wieder aufstehen…nur ihr war ständig übel und essen konnte sie auch kaum…die Medikamente, die Aufregung, die Schmerzen….alles zusammen genommen brachte ihr ständige Übelkeit..aber sie war sogar trotzdem schon wieder auf Normalstation.

Ich wollte sie dort besuchen, das war letzten Mittwoch. Ich war zu spät für den Test am Krankenhaus, musste erst noch zu einem anderen…dort war vor der Teststation ein Schlange…dann wieder zurück….ich war schon genervt, komme auf die Station und gehe in ihr Zimmer…das war wie in einem schlechten Film:

Das Zimmer war leer, kein Bett, kein Nachttish, der Schrank leer….ja ich weiß, sie sollte zum CT…aber wo sind ihre Sachen. An der Stationstheke wusste die Schwester nichts….musste erst nachfragen..dann kam die Antwort: melden sie sich bitte auf der Intensivstation. Was ist passiert? Fragen Sie auf der Intensivstation…

So jetzt wurde mir schlecht…ich also runter zur Intensivstation…Antwort über die Gegensprechanlage: ja – sie ist hier, noch sind die Ärtze bei ihr…es wird etwas dauern…ich soll warten, dann könne ich auch direkt mit dem Arzt reden…jetzt war mir nicht nur schlecht, ich wurde extrem unruhig….ca.20 Minuten später durfte ich endlich zu ihr.

Sie würde noch am gleichen Abend operiert werden….Die Ärzte waren nett und haben alles erklärt: Meine Schwester hat im Laufe des Tages stark abgebaut: schlechter körperlicher Allgemeinzustand…sie bekam immer schlechter Luft und die Stationsärztin hatte das CT veranlasst….zum Glück, wie der Arzt meinte.

Ein Herz liegt ja nicht nur einfach im Körper herum, es wird von einem Herzbeutel umschlossen…diesen Platz im Herzbeutel braucht es, um ordentlich und richtig pumpen zu können. Bei meiner Schwester hat sich im Herzbeutel viel Flüssigkeit angesammelt, so das das Herz nicht mehr ausreichend Platz zum Pumpen hatet…das kann nach so einer OP immer passieren.

Sie sollte also noch einmal operiert werden, ein ca. 10-12cm langen Schnitt an der Seite der Brust, von dort wird der Herzbeutel punktiert und eine Drainage gelegt, damit die Flüssigkeit entfernt werden kann…Gleichzeitig hatte sich an dem Arm, wo die Vene entnommen wurde, ein extrem starker Bluterguss gebildet, inklusive einer dicken Beule, direkt dort, wo die Naht schon nach 2 Tagen aufgeplatzt war (wurde nur mit diesen Nahtstrips wieder verschlossen)….dieser Bluterguss mit Beule sollte auch noch entfernt werden…dazu wurde wohl die Naht noch einmal geöffnet.

Nachdem es ihr ja noch am Morgen gut ging (bis auf die Übelkeit), war sie jetzt nur noch ein Häufchen Elend und hat eine panische Angst vor der 2.OP entwickelt. Nachdem die 1.OP ja gut verlaufen war und wir alle dachten, sie hätte das Schlimmste jetzt hinter sich, kam nun eine extreme Angst hinzu…sie weinte und weinte…und ich durfe bei ihr bleiben, länger als normalerweise erlaubt….ich hab, wie auch schon an all den anderen Tagen zuvor, jetzt aber noch mehr, versucht sie seelisch zu trösten und zu stabilisieren…ihr die Angst zu nehmen. Da noch nicht ganz klar war, wann genau die OP stattfinden sollte (es war schon 19 Uhr vorbei) bin ich gegangen und nur minutenspäter ist die dann in den OP gekommen.

Jetzt erst hatte ich die Zeit meinen Schwager zu informieren…zuhause bin ich auf die Couch gefallen und fast augenblicklich eingeschlafen…bis mein Schwager gegen 22 Uhr anrief, die OP wäre gut verlaufen.

Also bin ich am nächsten Tag wieder nach Kiel gefahren…auf der Intensivstation kenne ich mich inzwischen auch schon aus…Ihr ging es tatsächlich besser…aber sie ist psychisch labil….weint immer wieder viel und sie braucht viel Nähe. Die Ärzte sind super zufrieden, wie gut sich bei ihr die körperlichen Wunden entwickeln (bis auf die Übelkeit, die ist immer noch da und ihre Neigung zu plötzlichen Weinkrämpfen)….also wurde sie am nächsten Tag wieder auf Normalstation verlegt.

Einen weiteren Tag später kamen dann auch alle Schläuche raus…das muss sehr schmerzhaft gewesen sein….und heute nun, wurde sie aus der Uniklinik in Kiel, in ein Krankenhaus in ihrer Heimatstadt verlegt, bevor sie dann am Wochenende schon in die Reha soll.

Und wieder Weinkrämpfe, weil sie Angst vor so einem Normalen Wald-und Wiesenkrankenhaus hat…dort soll sie nur noch etwas aufgepäppelt werden, bevor es zur Reha geht…wieder hab ich gestern lange mir ihr telefoniert…wie fast jeden Tag, denn sie wollte das ich mich jetzt mal schone und nicht fahren muss…zumal sie jetzt auch Besuch von Freunden und meinem Schwager erhalten kann.

Ja das ist auch gut…ich brauche jetzt erst einmal ein paar Tage, um mich von dem emotionalen Stress zu erholen und um meine Arbeit zu erledigen…Man so hatte ich mir den Januar 2023 nicht vorgestellt….aber mit den 4fachen-Bypässen kann sie noch 30 Jahre oder länger leben…jetzt muss sie nur noch zu Kräften kommen…ich hoffe die Reha hilft ihr auch sich seelisch zu stabilisieren…sie hatte sich schon nach einem Termin beim Psychologen gemeldet…das ist gut.

Ich hatte gelesen, das viele Patienten nach so einer OP psychische Probleme bekommen….

Das zehrt an den Nerven

Diese Woche ist mein Nervenkostüm sehr angegriffen. Das Krankenhaus hatte auf einmal den OP-Termin für meine Schwester vorverlegt…aber so schnell ging es dann doch nicht.

Anstatt Donnerstag, sollte sie schon Dienstag kommen…aber das ging dann nicht, denn für die Voruntersuchungen musste sie die Tabletten bereits einen Tag vorher absetzen…also ging es am Mittwoch nach Kiel ins Krankenhaus. Den ganzen Tag gab es Voruntersuchungen und Checks und vor allem jede Menge Aufklärungsgespräche, was bei so einer Bypass-OP alles passieren kann.

Mein Schwager war geschockt, weil ihm erst jetzt richtig klar wurde, das er am nächsten Tag seine Frau für immer verlieren könnte…ich war nicht dabei, aber wir haben später telefoniert und da war er immer noch sehr mitgenommen. Nach einem kurzen Telefonat mit meiner Schwester hab ich mich mit ihrer selbstgewählten „Henkersmahlzeit“: SUSHI, nach Feierabend auf den Weg ins Krankenhaus gemacht.

Unten in der Halle haben wir das Sushi gegessen und sind dann noch zusammen draußen spazieren gegangen…wir haben geredet und Beides zusammen tat ihr einfach gut…und mir auch…ich wurde ruhiger und das Krankenhaus macht einen sehr guten Eindruck: alles ruhig und gelassen, keine Hektik, keine Unruhe und alle sind bisher sehr freundlich.

Mir ist schon seit ein paar Monaten aufgefallen das meine große Schwester immer kleiner wird…sie war schon immer ein paar Zentimeter kleiner als ich…aber so langsam schrumpft sie (mit knappen 57 Jahren) immer weiter und ist mittlerweile fast einen Kopf kleiner..also ob das noch 1,60m sind? Sie wirkt dadurch sehr zierlich und zerbrechlich und doch ist sie körperlich stark und vor allem sehr Willensstark….DAS liegt in unserer Familie: unglaubliche Willensstärke – naja man kann es auch Sturheit nennen – da sind wir Beide ganz groß drin.

Auf der Rückfahrt war ich also beruhigt – und dann begann das Warten…und wie wir gewartet haben…Donnerstagmittag in etwa sollte die OP stattfinden. Das Handy und alle anderen Sachen waren bereits im Krankenhaus weggeschlossen worden, so gab es also keinen direkten Kontakt und wir (Schwager in Flensburg, ich in Quickborn) hörten nichts. GAR nichts.

Es wurde Nachmittag und später Nachmittag und wir hörten nichts. Die OP hätte so ca. 13 Uhr anfangen und zwischen 3-5 Stunden dauern sollen…mein Schwager wollte erst um 19 Uhr anrufen…das hab ich nicht ausgehalten und hab bereits um 17 Uhr angerufen. So haben wir immerhin erfahren, das die OP erst um 16.30 Uhr angefangen hat….also vor 22 Uhr brauchen wir gar nicht anzurufen und besuchen durfte ich sie ohnehin erst am nächsten Tag.

JA das wusste ich inzwischen schon…die haben ganz klar geregelte Besuchszeiten ab 15 Uhr Nachmittags…ich war nämlich bereits mittags ins Krankenhaus gefahren und als ich nachfragte wo ich den warten könne, haben die mich sehr freundlich aber auch sehr bestimmt wieder weg geschickt…das würde doch noch Stunden dauern, ich würde ihr damit nicht helfen wenn ich hier bliebe und nach der OP würde sie erst noch eine Weile im „Koma“ sein, bevor sie sie langsam aufwachen lassen usw….also bin ich wieder nach Hause gefahren und habe gewartet….hmmm etwas unrühmlich diese Aktion…ich hätte mich vorher informieren sollen, dann hätte ich mir die insgesamt 160km (hin und zurück) sparen können.

Okay – also wieder hab ich es nicht ausgehalten bis 22 Uhr zu warten, sondern hab schon um 21.30 Uhr angerufen…das war sie minutenvorher gerade auf der Intensivstation angekommen. Die OP wäre gut verlaufen und jetzt würde es noch ca. 2-3 Stunden dauern bis sie wach wird.

Nach dem Telefonat hab ich unmittelbar meinen Schwager angerufen: Sie lebt – alles wird gut. Wir waren beide sehr Erleichtert.

JETZT erst löste sich meine Anspannung. Mein ganzer Körper zitterte und bebte, ich schluchzte und heulte – alles vor Erleichterung….ich konnte mich lange Zeit gar nicht beruhigen, ich musste mich bewegen, zog meine Wanderschuhe an und hab noch meine 5km Walkingstrecke gelaufen: sie lebt – alles wird gut.

Erst am nächsten Tag haben wir dann erfahren, das sie keinen 3fach-Bypass bekommen hat, sondern gleichen einen 4fachen…na gut – auf einen mehr, kommt es jetzt auch nicht mehr an…Hauptsache sie kann damit gut weiter leben und uns auch noch die nächsten 30 Jahre im Besten Sinne: auf die Nerven fallen