Schlagwort: Apfelwein
Ein Abend in der Stadt
Bei 28 Grad in einer überfüllten S-Bahn zu sitzen, macht wahrscheinlich Niemandem wirklich Spaß….aber ich war wieder kurz davor panisch zu werden….vor allem als mir die Hintern anderer Menschen fast in Gesichtshöhe entgegengestreckt wurden oder ich von Handtaschen und Rücksäcken attackiert wurde. So richtig schmerzhaft war nur ein großer Plastiksack mit hartem Inhalt, der mir gegen das Schienbein gedonnert wurde….
Na egal, immerhin konnte ich mit der S-Bahn direkt bis zum Südbahnhof fahren ohne umzusteigen… Wie immer wenn wir uns mit meinem Ex-Tanzpartner und unserer Ex-Trainerin treffen findet das im Schreiber-Heyne statt. Der Laden gehörte mal zu den absolut genialen entspannten Locations in Frankfurt, wo vor allem Frankfurter hin gehen und nicht so viele Touristen. Hier ging es immer frankfurterisch rustikal und entspannt zu….
Doch nicht nur der Inhaber und die Köche haben gewechselt, sondern vor allem auch die Theken-Mannschaft und die war heute echt unterirdisch.
Als wir nach der Rechnung fragten, kam die Frage: “Alles zusammen“. Mehrstimmige Antwort „NEIN“. Nun trotzdem kam die Rechnung auf einem Bon und wurde uns quasi wortlos auf den Tisch gelegt…so nach dem Motto: dann rechnet selber….wir waren etwas empört…und irgendwann kam die Bedienung wieder und versuchte mittels eines Handy-Taschenrechners die Positionen zusammen zu rechnen !!!!!!!!
Also das hab ich noch nie erlebt….anstatt jetzt auf einem Zettel die einzelnen Beträge pro Person zusammen zu schreiben und DANN zu rechnen, hat er mal eben ein paar Zahlen eingetippt…jeder weiß wie schnell man sich auf so einem Taschenrechner vertippen kann….und es kam, wie es kommen musste, am Ende stimmte es nicht….
Mein Schatz brachte es auf den Punkt: früher hat man sich als Bedienung geschämt, wenn man die Preise nicht im Kopf ausrechnen konnte, sondern Zettel und Stift dazu benötigte….Doch in Zeiten von Sammelrechnungen hatte sich das echt bewehrt….aber heute braucht man das alles nicht mehr – Hauptsache der Taschenrechner vom Handy lässt einen nicht im Stich. Manchmal war es früher doch schöner….
Die Bedienung war langsam echt angefressen…und wir auch….man konnte ja nicht nachvollziehen, was er da gerechnet hat…. Wir waren mit 4 Leuten dort und jeder hatte unterschiedlich viele und unterschiedliche Getränke und unterschiedliche Essen.
Da auch die Aufmerksamkeit der Bedienung stark geschwächt war und ihm so der eine oder andere Umsatz schlichtweg wegen Unaufmerksamkeit entgangen ist, fiel das Trinkgeld auch entsprechend klein aus… Ja schade für den Laden und die Bedienung. Ich hoffe das war nur eine Momentaufnahme und wird kein Dauerzustand.
..und wieder um eine Institution ärmer
Nachdem in Frankfurt vor ein paar Jahren mein „Wohnzimmer“ der Sinkkasten geschlossen wurde, musste ich jetzt schweren Herzens feststellen, das auch mein „Esszimmer“ das Schreiber-Heyne nicht mehr da ist.
Der Sinkkasten war eine Institution in Frankfurt…eine Disco für Normalos…kein Club, kein Schicki-Micki….sondern eine Disco die so herrlich entspannt war in ihrem Sein.
Und das Schreiber-Heyne war eine Apfelweinwirtschaft mit Biergarten …auch eine Institution, mit leckerem Essen, Mispelchen und Sauergespritztem.
Hier war ich früher jeden Dienstag nach dem Sport mit Freunden zum Ausklingen des Abends….viele Jahre lang…in den letzten 2 Jahren war es nur noch unregelmäßig, weil sich unser Training zeitlich verschoben hatte. Zuletzt war ich im Sommer mit meinem ehemaligen Tanzpartner und unser Trainerin bei schönem Wetter draußen im Biergarten…
Als mein Süßer und ich mal wieder Hunger auf ein Frankfurter Schnitzel (mit Grie`Soß) hatten, wollten wir hin, aber aus dem Biergarten war eine Art Baugrube geworden und der Laden geschlossen. Okay also inzwischen weiß ich er wurde verlegt…was es aber nicht besser macht.
Denn die Location war super…so herrlich alt und urig…und so authentisch. Das „Neue“ ist eben nicht das „Alte“….mit der alten Location verbinde ich so viele Erinnerungen an fröhliche und ausgelassene Zeiten….
Ein Abend in Frankfurt
Als Frankfurter meidet man gängige Apfelwein-Wirtschaften zu Messezeiten und vor allem am Samstagabend. Die sind dann in fester Hand der Touristen und Messebesucher.
Wir haben uns trotzdem zur besten Zeit am Samstagabend zum Wagner aufgemacht. Und tatsächlich konnte uns der Chef noch an einem Tisch unterbringen, als wir schon wieder auf dem Rückzug waren.
So saßen wir also mitten am Gang in einer der traditionellsten Apfelwein-Wirtschaften in Frankfurt bei Äppler und Mispelchen (Calvados mit einer Mispel) …mit Frankfurter Schnitzel (mit Grie Soß) und Bratkartoffeln. Mehr Frankfurt ist kaum möglich…
Ein herrlicher Abend…vor allem als aus dem 6er-Tisch, kurzerhand ein 8er-Tisch gemacht wurde. Aber weder die Enge noch die die Lautstärke hat mich gestört. Wir hatten ein nettes Pärchen neben uns und viel Spaß…ich hab den Abend sehr genossen und danach noch ein ausgedehnter Spaziergang über die Schweizer Straße….
Jetzt weiß ich wieder warum ich Frankfurt einfach toll finde….