Internes Reparaturprogramm – ich bin kurz vor´m durchdrehen

Aktuell läuft bei mir zur Selbsterhaltung ein internes Reparaturprogramm…, sollte das nicht ausreichen,  muss ich für mein Leben ein Reset durchführen…alles um einen Totalausfall zu verhindern.

Interessant wie treffend man mit den Worten aus dem IT-Bereich meine momentane persönliche Situation beschreiben kann. Um es mit normalen Worten zu sagen: ich bin so ziemlich am Ende.

Die letzten Monate haben Spuren hinterlassen: Herzschmerzen, Herzrasen, innere Unruhe, entzündete Augen, Magenschmerzen. Heute Nacht hab ich sogar davon geträumt bei  einer Therapeutin  gewesen zu sein, um endlich wieder „runter zu kommen“…im Traum waren es sogar 2 Termine zu unterschiedlichen Zeiten…lach…auch interessant.

Nun vor einer Woche hab ich nun (im echten Leben)  mein internes Reparaturprogramm gestartet…das bedeutet ich hab mich nach einem Streit mit meinem Freund in meine Wohnung verzogen und mir eine Auszeit verordnet. D.h.  ich hab mich komplett zurückgezogen und auch auf der Arbeit mache ich öfter mal die Bürotür zu und lasse mich nur auf die zur Arbeit notwendigen Gespräche ein.

Ich bin ansonsten ziemlich stumm…Kommunikation im Leerlauf….aaaaahhhh das tut gut. Nicht reden, nicht diskutieren, nicht streiten, nicht ständig Entscheidungen treffen, nicht ständig nach Dingen gefragt werden und für andere entscheiden zu müssen….nicht abstimmen. Einfach mal Ruhe haben. DAS tut soooo gut.

Und gleichzeitig  befreie ich meine Wohnung von Dingen die einfach so rumstehen….ich brauche wieder Ordnung in meinem Leben und die fängt in der Wohnung an. Alle Dinge die einfach so dekomässig rumstehen, was sich so eingebürgert hat, ab in die Schränke. Ich liebe freie Flächen am Boden…befreien von Ballast der sich angesammelt hat. Innere Ordnung durch äußere Ordnung. Beschränken auf das Nötigste .

So kann sich meine Seele wenigstens im Privaten mal wieder etwas erholen…und damit auch mein Körper….Diese Art zu reagieren kenne ich bereits von früher…und hat mir auch schon geholfen als ich kurz vor einem Burnout stand…Es ist mein Selbsterhaltungstrieb der angesprungen ist.

Meine Beziehung befindet sich damit in einem Pause-Modus. Ich nehme an mein Freund findet das nicht so lustig….aber wenn ich das jetzt nicht auf diese Art machen würde, gäbe es nur eine Lösung: die endgültige Trennung …von meinem Freund und von der Firma….DAS meine ich mit RESET….Ich hoffe ich muss nicht so weit gehen.

Wie lange dauert mein „Reparaturprogramm“? Keine Ahnung!  1 Woche, 2 Wochen, 1 Monat? Ich weiß es einfach nicht…ich weiß nur, ich kann so nicht weiter machen.

So geht es mir heute

Leider geht es mir nicht so gut…nachdem ich mich 2 Monate nur um das Nötigste Im Job gekümmert habe, nur sehr wenig Überstunden gemacht und mich um den Nachlass meines Vaters gekümmert habe, bin ich nun wieder in der Realität meines eigenen Lebens angekommen.

Das Ergebnis: ich bin kurz davor alles hinzuwerfen, weil ich mich überfordert fühle. Da arbeite ich mal 2 Monate lang nicht mit 150% Arbeitseinsatz und schon schiebe ich soo eine Bugwelle vor mir her, das mir schlecht davon wird…und jeden Tag kommen  neue zusätzliche berufliche Dinge auf meinen Arbeitsalltag hinzu….immer mehr….und immer mehr neue Arbeit mit vielen Aufgaben die zusätzlich zu bewältigen sind.

Ich bin kurz davor durch zu drehen….und hab mich jetzt für 14 Tage in den Sommerurlaub gerettet….nicht ohne vorher mitten im Monatsabschluss für alle  mehr oder weniger sichtbar durchzudrehen…

Soll ich mir das tatsächlich noch 15 Jahre lang antun? Oder sollte ich mir nicht doch etwas anderes suchen, was weniger stressig ist- aber auch weniger Gehalt bedeutet? Finanzielle  Sicherheit ist mir sehr wichtig, aber nicht  wenn ich daran kaputt gehe.

Meine Hoffnung ist jetzt, das der Urlaub mich wieder etwas zurück ins Gleichgewicht bringt…ich hab darüber auch schon mit unser HR-Kollegin gesprochen, sie meinte ich solle mich im Anschluss zum Arzt gehen und mich krankschreiben lassen, damit es mal gesehen wird. Nein – das kann ich nicht.

Bevor ich vor meiner Chefin in Tränen ausbrach hab ich ihr bereits eine Woche vorher gesagt: Sorry- so geht es nicht weiter….es geht nicht NOCH MEHR…und sie meinte ja dann suchen wir eben noch einen neuen Mitarbeiter….ruderte aber bereits etwas später zurück, weil kein Platz mehr bei uns frei ist…ja prim.

Sie denkt tatsächlich immer noch alles lässt sich regeln und ich schaffe das dann schon….irgendwie.

Okay, ich weiß es nicht aber  – jetzt versuche ich erst einmal wieder emotional ins Gleichgewicht zu kommen und die letzten Monate aufzuarbeiten…deshalb schreibe ich mir mal wieder alles von der Seele und versuche dann mich wieder zu positionieren….allein die Logik sagt mir, das es nicht funktionieren wird….es geht ja jetzt schon nicht ohne permanente Überstunden.

Ich weiß das ich eine Tendenz zum Burnout-Syndrom habe….und ich versuche es abzubiegen…fühle mich aber gleichzeitig als Versager, weil ich es offensichtlich nicht mehr schaffe. Mit meinem tränenreichen Auftritt vor meiner Chefin hab  ich meiner Chefin aber signalisiert das es wirklich nicht mehr geht und ich glaube sie macht sich wirklich Sorgen….DAS zumindest wäre ein Fortschritt – auch wenn ich weiß das die Sorgen nicht meine Person gelten – sondern meiner Leistungsfähigkeit als Fach-und Führungskraft…lach….sorry aber so realistisch bin ich nun einmal.

Das Problem ist, mit jeder neuen Eskalationsstufe bin ich eher bereit mich von dieser Firma zu lösen, zumal die Zukunftsaussichten für uns auch nicht so rosig aussehen…falls wir tatsächlich vor einer  Fusion mit einem zum Verkauf stehenden Teilkonzern stehen, dann werden wir als der kleinere Standort davon negativ betroffen sein….Ich werde also doch einmal anfangen nach soooo vielen Jahren in dieser Gesellschaft meine Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren….auch wenn das überhaupt nicht meine Intention war…..

Achtsamkeit

So ganz fit bin ich zwar nicht…aber es geht mir soweit gut…und gearbeitet hab ich auch wieder…

Das ich allerdings innerlich nicht alles so entspannt finde merke ich : an den immer öfter auftretenden Magenschmerzen, an  den wieder häufiger werdenden Kopfschmerzen…dazu die sporadisch auftretenden Darmproblemen und das Dauerjucken in den Ohren.

Alles Dinge die nicht so offensichtlich sind, wie Schnupfen und Husten…die mir aber öfter mal die Freude rauben und es schwer machen..

DAS sind  Alles eindeutige Anzeichen die ich aus meiner Vergangenheit kenne und die ich eigentlich in dieser Form überwunden glaubte. Es sind die Zeichen das ich mit der aktuellen Situation nicht zufrieden bin…auch wenn ich eigentlich glaubte ziemlich entspannt zu sein…also für meine Verhältnisse sogar extrem entspannt.

Mein Körper sagt mir jedoch:  NEIN – so ist es nicht….Zukunftsangst und die Angst davor das unsere Beziehung durch seine aktuelle Arbeitssituation Schaden nimmt…belasteten mich…auch wenn DU es nicht wahr haben willst….achte auf MICH…

Das hab ich mir kurz nach meinem „kleinen Zusammenbruch „ oder auch „fast Burnout“  fest vorgenommen. Ich muss mehr auf mich und meinen Körper hören….

Ja und das hab ich in dieser Woche dann auch gleich umgesetzt….klar meine Bedürfnisse kommuniziert und auch gleich mal  (etwas) umgesetzt….ja das tut gut….ich hab mich ankuscheln können und wurde aufgefangen.

Shakespeare rettet mich

In dieser Woche bin ich leider nicht so entspannt, wie  ich es gerne wäre…was hauptsächlich mit meinem Job zusammen hängt…

Ich bin so langsam echt urlaubsreif.  Es passiert grad zu viel auf einmal an unschönen Dingen und es fällt mir nicht so leicht, das abzuschütteln.

Dabei fiel mir wieder ein Ritual ein, welches ich in Zeiten höchster seelischer Not angefangen habe. Damals hab ich mich gerade von meinem heutigen Ex-Mann getrennt, einen neuen Job mit viel Verantwortung übernommen und hab auch noch meinen Lebensmittelpunkt in ein anderes Bundesland verlegt.

Ich war einsam und seelisch  kurz vor dem Durchdrehen….zu viel Veränderung gleichzeitig. Mit so etwas kann ich nicht gut umgehen….

Na auf jeden Fall brauchte ich damals etwas um meine Gedanken zu fokussieren und gleichzeitig etwas, was mich von den Sorgen und Ängsten ablenke….also hab ich angefangen ein paar Teile aus Shakespeares Hamlet auswendig zu lernen. Ich liebe Shakespeare und ich liebe Hamlet.

Es war unglaublich schwierig mich auf diese Sprache zu konzentrieren. Es  hat Wochen und Monate gedauert ganze  3 Passagen daraus zu lernen….Das ist jetzt 14 Jahre her.

Genau daran hab ich mich erinnert als ich dann kurz vor dem Burnout war….diese seelische Krise hat mich fast dazu gebracht mich selber in eine Klinik zu begeben, aber ich hab gerade noch so die Kurve gekriegt und wieder hab ich mit Hamlet  und den 3 Passagen beschäftigt und dazu auch noch die Ballade von Schiller: „Die Bürgschaft“ … Das ist jetzt gute 7  Jahre her.

Und schon seit ein paar Tagen fängt mein Hirn wieder an die Erinnerung an das einmal auswendig gelernte auszugraben und abzurufen….manches fiel mir sofort wieder ein, bei der 3. Passage und bei „Der Bürgschaft“ sind es doch  viele Lücken….die sich auftun…aber die 1.und 2. Gelernte Passage funktioniert fast fehlerfrei….und es kommt immer mehr wieder zum Vorschein. Die Erinnerung ist schon merkwürdig. Jetzt hab ich mal wieder mein Reclam-Büchlein aufgeschlagen und nach gelesen und auf einmal sind auch die vergessenen  Sätze wieder so vertraut.

Mir hilft das Rezitieren Sorgen und Nöte für eine Weile zu vergessen und mich wieder auf andere Dinge zu konzentrieren….ohne  dem  Gefühl der  seelischen Überforderung nach zu geben.