Lebens-Strategie: Alleine Leben

Gestern ist mir mal wieder bewusst geworden, das es Mechanismen in meinem Leben gibt, die mir das Leben ohne Partner so angenehm machen. Es sind unbewusste Mechanismen – aber gestern ist mir einer bewusst geworden.

Vorher will ich nur noch einmal kurz darauf eingehen, das ich mir das Leben alleine zu leben, selber ausgesucht habe…ich lebe sehr gerne alleine und vermisse auch nichts. Und ich muss auch sagen, das ich seit Jahren Schwierigkeiten habe, neue Menschen in mein Leben zu lassen…ich schrecke vor zu viel Nähe zurück, außer bei den Menschen mit denen ich von früher enger befreundet bin – und die leben eben auch nicht physisch in meiner Nähe.

Sooo jetzt aber – was war gestern anders: Ich schaue seit einiger Zeit in der Magenta-Mediathek eine amerikanische Drama-Serie mit heiteren und traurigen Momenten, mit liebenswerten und skurrilen Menschen und Begebenheiten. Welche Serie das ist, möchte ich hier nicht thematisieren.

Gestern nun habe ich die letzten beiden Folgen gesehen – Das Ende der Serie ist erreicht und wird auch nicht fortgesetzt. Und dann?

Ich war traurig, das mir die inzwischen liebgewonnenen Charaktere nun nicht mehr täglich begegnen werden. Und ich war überrascht, das es mich traurig gemacht hat. Es war eine Art Ritual mich am Abend hinzusetzen und 1 oder 2 Folgen davon zu schauen – darüber zu lachen und manchmal auch zu weinen…mich zu empören oder einfach zu freuen.

Das war mir gar nicht bewusst – wie nah ich diese Charaktere habe an mein Herz kommen lassen – ohne wirkliche Nähe (weil ja im Fernsehen und nicht in „Echt“).

Aber mir hat es auf diese Art vollkommen ausgereicht…und das ist der unbewusste Mechanismus von dem ich oben geschrieben habe….anstelle echter körperlicher Nähe (die ich nicht zulassen möchte), habe ich stellvertretend eine Fernsehserie genommen, bei der ich meine Gefühle auslebe. hahaha das finde ich interessant.

Ihr könnt mich jetzt gerne bedauern oder sagen ich solle mir lieber echte Freunde im echten Leben und in der Nähe suchen…aber ich schreibe das hier nicht, weil ich mich für bedauernswert halte- sondern im Gegenteil – ich finde es interessant das ich über solche Mechanismen verfüge, denn ich fühle mich nicht einsam oder das mir etwas fehlt, wie man evtl. vermuten könnte…sondern ich bin rundherum zufrieden mit meinem Leben….ich vermisse nichts.

Und demnächst finde ich bestimmt eine andere Serie in den Mediatheken, der ich gerne für einige Zeit folgen möchte…mit liebenswerten oder schrulligen Charakteren…keine Action, eher ruhig und dafür mit etwas Tiefe….aus der Ferne und für mich doch sehr nah.

Kohlrouladen – Erinnerungen

Essen hat immer auch etwas mit Emotionen zu tun, ist nur selten reine Nahrungsaufnahme und hat im Besten Fall mit „Zuhause fühlen“ zu tun.

Ich kann mich an die Gerichte meiner Mutter nicht mehr erinnern…kann also nicht mal sagen, ob sie gut gekocht hat. Meine Erinnerungen starten eigentlich erst, nachdem sie unsere Familie verlassen hat und unser Vater das tägliche Kochen übernehmen musste.

Er musste kochen lernen und das war in den 80er Jahren nicht gerade üblich… aber es klappt und so gab es bei uns Zuhause gute, klassische Hausmannskost. Immer mit Kartoffeln, Fleisch, Gemüse und Soße. Noch ziemlich unbeeinflusst vom Zeitgeist der modernen Küche und den neuen Möglichkeiten der ausländischen Esskulturen. Nudeln oder Reis waren für ihn keine Option, genauso wenig Pizza und Aufläufe…der Backofen war eigentlich zum Kuchenbacken (durch meine Schwester) oder Hähnchengrillen da.

Meistens hat er abends für 1-2 Tage vorgekocht und morgens die Kartoffeln geschält und Gemüse vorbereitet, so das wir mittags, nach der Schule, nur noch die Kartoffeln und Gemüse kochen mussten, während Fleisch mit Soße auf dem Herd erwärmt wurde. Er kam dann pünktlich um 13 Uhr zum Mittagessen für eine 1/2 Stunde aus dem Amt und stürmte anschließend wieder zurück zur Arbeit…während ich die Küche sauber machen musste.

Das bedeutete für uns Mädels auch: kein Trödeln nach der Schule, wir mussten heim, das Essen warm machen, damit es fertig war, wenn unser Vater zum Essen kam.

Eine meiner starken Erinnerungen aus der Zeit ist, das, wenn es unser Vater nicht rechtzeitig mittags nach Hause geschafft hat, mussten die fertig gekochten Kartoffeln, abgegossen, abgedämpft zurück in den Topf, Deckel drauf, das Ganze mit Zeitungspapier umwickelt und unter der Daunendecke im Schlafzimmer warmgehalten werden. Das war eben noch lange bevor die Mikrowelle Einzug in die Küche hielt. Was sich heute archaisch anhört und zum Schmunzeln anregt, war eine praktische Methode….kostengünstig und stromsparend haha.

Auf jeden Fall gehörten Kohlrouladen mit Kartoffeln zu unseren immer wiederkehrenden Gerichten….und ich liebe sie bis heute….dabei war es üblich ,eine große Portion Gehacktes in wenig Kohlblätter zu umwickeln….bei mir heute ist das Verhältnis umgedreht…ich nehme immer nur eine kleine Portion Hack, und wickele dann mehr Kohlblätter drumherum.

Ansonsten mache ich alles so, wie mein Vater früher und es wirkt auch heute noch…mit einer guten Portion Kohlrouladen und Kartoffeln fühle ich mich glücklich und zufrieden.

Und da vom Kohlkopf natürlich immer etwas übrig bleibt, die Blätter werden irgendwann einfach zu klein für Rouladen, und Gehacktes hatte ich auch noch übrig…hab ich den Rest Kohl kleingeschnitten, angeschmort und in einer Auflaufform geschichtet….

zurück schauen oder vorwärts blicken?

Neben den „kalten Fakten“ gab es natürlich auch noch den emotionalen Teil des Auszugs.

Immerhin hab ich hier mehr als 9 Jahre gelebt….meine Burg, mein Rückzugspunkt….Das war MEINE Wohnung. So eingerichtet und gestaltet, wie ich es brauchte. War lange Single, hab viel in dieser Zeit hier erlebt UND ich hab in dieser Wohnung erst so richtig meinen Süssen kennen gelernt…. Viel geredet, geliebt und gestritten…..

Mein emotionalster Moment während der Umzugsphase war, als ich am 02.02.2016 Telefon und Router abgebaut habe….damit hatte meine „Burg“ den Kontakt zur Außenwelt verloren. In diesem Moment ist mir bewusst geworden, das es jetzt ernst wird. Das sich ab jetzt alles verändern wird.

Am 12.02. kam der Umzugswagen und ich war wirklich einen Abend vorher fertig mit Packen, hatte Chili con Carne gekocht und in der neuen Wohnung waren bereits Schlafzimmer und Wohnzimmer gestrichen (Mein Schatz und ich hatten am Wochenende Wände und Decke im Schlafzimmer gestrichen, und die Decke im Wohnzimmer und die Ecken im Wohnzimmer vorgestrichen. Ich hatte dann noch die Wände im Wohnzimmer innerhalb der Woche fertig gemacht).

So und weder in dieser Vorbereitung noch am Tag des Umzugs war ich emotional, sondern habe funktioniert…rational alles erledigt. Mein Süßer musste zum Fäden ziehen und kam daher erst am Nachmittag dazu.

Schon in den letzten Tagen und während der Renovierungsphase hatte mein Freund komische Anwandlungen….am liebsten wäre es ihm, wenn alles so geblieben wäre wie bisher…..er hängt scheinbar sehr an meiner Wohnung…mehr als ich….na klar hab ich ein paar Tränen geweint als wir uns von der Wohnung „verabschiedet“ haben, haben viele Fotos gemacht. Immer wieder kam seine Frage: und ist doch schwer…bist doch traurig….ja ein wenig, aber bei mir überwiegt die Freude auf das Neue. Ich blicke nicht wehmütig zurück, sondern schaue freudig nach vorne….und wenn ich mal zurück schaue, dann mit dem positiven Gefühl: SCHÖNNNN war die Zeit in dieser Wohnung, aber gut das es jetzt vorbei ist….