Gedenk-Spaziergang

Gedenk-Spaziergang

Ich bin erst relativ spät aufgebrochen für die Fahrt an den Elbstrand…aber in der Abenddämmerung hatte es eine ganz besondere Atmosphäre …und es waren auch fast keine Menschen dort.

So hab ich mein kleines Blumensträußchen (frisch von meinen Balkonblumen geschnitten) zusammen gebunden und direkt in Strandnähe ins Wasser geworfen. Die Wellen haben sich der Blumen sofort angenommen und mit gezogen.

Zwei Enten schwammen unmittelbar auf die Blumen zu…haben aber gemerkt das es nichts zu fressen war, blieben aber in der Nähe.

Ich hab dann einen Spaziergang am Strand gemacht…und sogar kurz mit meinem Vater Zwiesprache gehalten…und dann den Rest des Spaziergangs in Ruhe genossen…. Wie schnell doch 2 Jahren vergangen sind.

2 Jahre schon

2 Jahre schon

Seit 2 Jahren schon ist mein Vater tot….gestorben in den ganz frühen Stunden des 1.4.2018. …eigentlich war es noch Nacht.

Rückblickend hat dieses Datum in meinem Leben eine Linie gezogen…ein davor und ein danach. Das diese Linie sich dann zu einer Spaltung meines Lebens entwickelt hat, dafür kann weder mein Vater etwas, noch ist sein Tod dafür verantwortlich…

…aber alles was mit seinem Tod geschah und wie sich mein Leben in Job und Beziehung seitdem entwickelt haben, hat ursächlich nicht mit seinem Tod angefangen…aber ist mir seitdem viel bewusster geworden.

Mit meinem Vater hab ich, nach seinem Tod, meinen Frieden geschlossen…mit meiner Schwester ebenfalls….(sie hat mich gefragt ob wir uns Freitag irgendwo in der Mitte Schleswig-Holsteins treffen wollen) und mit meinem alten Leben? Meiner gescheiterten Beziehung? Hab ich auch damit meinen Frieden gemacht? JA – das hab ich.

Und so sehe ich den Tag Morgen, ohne Groll, als Erinnerung an meinen Vater…der es nicht geschafft hat, immer ein Vater zu sein…aber er ist eben nicht abgehauen…sondern hat uns dann eben alleine weiter groß gezogen.

Ich werde Morgen irgendwo an die Elbe fahren und eine kleine Blume ins Wasser lassen. Immerhin hat er eine Seebestattung bekommen, wenn auch nicht in der Elbe…sondern viel weiter weg.

Ein Haus geht fort – die Erinnerung bleibt

…in meiner Kindheit haben wir in einer Wohnung neben dem Finanzamt gewohnt…und mein Vater hatte mir gerade erzählt, das Finanzamt wurde nun abgerissen. Also sind wir nach dem Essen dorthin spaziert und vor der riesigen Baugrube stehend suchte ich unwillkürlich das Haus, in dem ich einen großen Teil meiner Kindheit verbracht hatte. …und hab es nicht gefunden.

Etwas umständlich versuchte mein Vater  mir zu erklären, das 4-Famliienhaus in dem wir mal gewohnt hatten war ebenfalls abgerissen…Zuerst glaubte ich, ich hätte mich verhört…dann hab ich gedacht er macht einen Scherz….Nein – kein Scherz.

Wir sind dann extra noch um die Ecke gegangen, in die kleine Gasse,  und erst als ich die Nachbarshäuser aus der „normalen“ Perspektive erkennen konnte und dazwischen die große Lücke sah, hab ich verstanden, es ist wirklich  kein Scherz.

Das schmerzt mich wirklich. Wie konnten die einfach diesen alten Kasten abreißen?  Das hätte ich gerne vorher gewusst….nicht das es etwas geändert hätte…aber dieser Ort war mehr mein „Elternhaus“, als alle anderen Orte an denen wir gewohnt hatten.

Die kleine Gartenmauer stand noch….dahinter war nur noch ein großes Loch, welches  mit dem Grundstück des ehemaligen Finanzamtes nun zu einer riesigen Baugrube mutierte…

Nein um das Gebäude ist es eigentlich nicht schade. Ein Bau Ender der 50er…keine vernünftigen Fenster, es ist fast nichts saniert worden in all den Jahren….wir wohnten damals im Erdgeschoss, hatten aber keinen direkten Zugang zum Garten…dafür musste man durch den Keller (oder aus dem Badezimmer-Fenster springen…das machten sogar die Erwachsenen.)

Wenn wir im Garten  hinter dem Haus spielten, dann konnten uns 4 Etagen Finanzbeamte dabei beobachten…also kein abgeschotteter  geschlossener Garten…Links von uns war eine Familie mit einem aggressiven Hund, vor dem ich immer Angst hatte und rechts davon war eine hohe Mauer  dahinter begann der Garten meiner Freundin…und ich bin einmal von dieser Mauer gefallen, auf unseren Rasen…mit dem Gesicht zuerst  und hab mir nur einen Arm angebrochen…und da meine Mutter damals arbeiten musste, hat mich die Mutter meiner Freundin ins Krankenhaus gebracht, …jaaaaa, das ging damals noch ohne  Vorzeigen einer Versichertenkarte,  und da es noch keine Handys gab, hat meine Mutter erst am Abend den Gips gesehen.

Da sind viele Erinnerungen…z.B. mein erster Kuss mit 11 Jahren von meinem Spielkameraden…jaaaa schade das das Haus nun weg ist…Aber die Erinnerungen bleiben.