Schutzmechnismus ist aktiviert

Ich verfüge  über eine Art Schutzmechanismus….Dadurch das ich im emotionalen Bereich nicht ganz so reagiere, wie es der Durchschnittsbürger tun würde, weiß ich nicht, inwieweit es normal ist so einen Schutzmechanismus zu haben.

Ich habe diesen Selbstschutz…immer wenn es mir emotional zu viel wird…also so richtig zu viel und ich es emotional kaum mehr ertragen kann, wird dieser Mechanismus ausgelöst….Es ist eine Art Schutzwand um mein Herz…ich ziehe mich hinter diese Schutzwand zurück…ein Teil der  Emotionen werden dabei komplett zurück gefahren ….ich funktioniere normal, kann normal arbeiten, mich unterhalten, klare Entscheidungen treffen.

Der Bereich der mich überfordert wird jedoch (fast) komplett ausgeblendet…Ich ziehe mich dabei nicht nur innerlich zurück, sondern auch physisch suche ich den Abstand. Diese Auszeit für mein Herz und meine Seele hilft, mich wieder zu stabilisieren.

Seit unserem Streit am Samstagnachmittag  hab ich das Wochenende allein verbracht und das tat gut. Als ich heute nach der Arbeit direkt zum Sport gefahren bin, hab ich dort  meinen Freund angetroffen. Ich habe nur kurz Hallo gesagt und dann saßen wir quasi nebeneinander auf dem Rad….ich hab ihn nicht angeschaut, nicht mit ihm geredet …..ich hab mich nur geärgert, dass er um diese Uhr Zeit da war, ansonsten war ich ohne weitere Emotion.

Ich bin an einem Punkt angekommen, wo ich nicht weiß ob ich so weiter machen möchte… wir streiten uns nach mehr als 6 Jahren wieder über die gleichen Dinge …und wie ich im Laufe dieser Zeit schon öfter festgestellt haben:

  • Wir sind extrem unterschiedlich in unseren Lebensweisen, in unseren Ansichten und im Denken
  • Liebe allein hilft nicht über alle Schwierigkeiten hinweg
  • Damit das mit uns funktioniert benötigen BEIDE Seiten eine Menge Toleranz und die haben wir BEIDE nur bedingt
  • Wir müssen uns Beide schon sehr verbiegen, damit es einigermaßen reibungslos funktioniert …und dabei kommt einer immer zu kurz…und das wirft er dann dem Anderen vor….

Ich sag ja nicht, das es seine Schuld allein ist….Ein großer Teil liegt ja auch an mir, dass es nicht läuft…aber die Frage ist ja: in wieweit können wir uns auf Dauer verbiegen, das es funktioniert….und will ich das überhaupt….mich weiter verbiegen?

Mein Schutzmechanismus wird noch ein paar Tage aktiviert sein….und dann nach und nach verschwinden…das kann ich nicht bewusst beeinflussen (ich hab mal gelesen die Seele mutet einem nur so viel zu, wie man ertragen kann ohne zu zerbrechen…vielleicht ist damit auch so ein Schutzmechanismus gemeint)…und erst dann kann ich entscheiden ob eine längere Auszeit sinnvoll ist….oder ob ich es weiter versuchen möchte…oder ob eine Trennung besser ist….

Vom rein Logischen wäre eine Trennung der richtige Schritt…

Fahrt in die alte Heimat

Mein Vater hatte am Wochenende Geburtstag und als brave Tochter hab ich ihn besucht…allerdings erst am Montag. Für so einen Besuch geht immer ein ganzer Tag „drauf“, 260 km eine Strecke das geht nicht „mal eben“.

Mit dem Auto um kurz vor 8 Uhr morgens losgefahren, den obligatorischen Stau in Frankfurt überwunden und dann lief es auch schon flüssig… Während der Fahrt lief dann auch mein Kopf …und es fühlte sich wie eine Fahrt in die Vergangenheit an.

Je länger die Fahrt dauerte, umso bewusster wurde es mir mal wieder wie lange ich schon fort bin…es sind im nächsten Monat schon 15 Jahre.  Ich staune über diese Zahl.

Ich hab seitdem mehrfach mein Leben neu ausgerichtet und auch aus heutiger Sicht war die Entscheidung vor 15 Jahren richtig und notwendig.  Mein heutiges Leben wäre so nicht möglich, wenn ich nicht alle Entscheidungen so getroffen  hätte, wie ich sie getroffen habe.

Und ich liebe mein heutiges Leben, genauso wie es ist…auch wenn es nicht immer einfach ist…

Auf dieser Fahrt in mir auch wieder klar geworden, was im Leben ich alles verpasst hätte, wenn ich damals geblieben wäre…keine Clique und keine Freundschaften,  keine durchfeierten Nächte, kein Leistungssport mit Erfolgen. Ich habe alles nachgeholt was Jugendliche und Jungerwachsene so machen… lach, aber keine Drogen …da bin ich extrem konservativ.

Und das Wichtigste: Ich hätte nicht die wirkliche Liebe in einer Beziehung  kennen gelernt….und auf die möchte ich nicht mehr verzichten…auch wenn mich diese manchmal in den Wahnsinn treibt…

Vom Biegen und Brechen

Es ist schon schwer genug, einfach nur ich zu sein.

Das ist eine Textzeile aus einem Lied von Udo Lindenberg. Wann sind wir einfach nur WIR selbst? Also in welchem  Lebensabschnitt / Alter?  In welcher Situation?

Heute, im Alter von 48 Jahren bin ich ICH selbst, mehr als in jedem anderen Alter….weil ich es zu lasse und weil ich es sein darf.

Unser ganzes Leben  prägt uns. Wir werden geformt…Durch Erziehung und Erfahrung. Wir werden gebogen, solange bis wir in die Norm passen….und je „Anders“ wir sind, umso mehr werden wir gebogen…immer am Rande des Brechens.

Wir lernen das zu tun, was Andere von uns wünschen das wir tun, weil wir dann gelobt und geliebt werden. Das Belohnungsprinzip. Dazu gehören und geliebt werden.

Doch nur weil wir das tun, angepasst sind und nicht aufbegehren, heißt es nicht, was wir WIR selbst sind….Wann also startet die Metamorphose?

Bei mir startete es mit Anfang 30….aber erst jetzt mit 48 Jahren kann ich sagen, die Umwandlung ist nahezu abgeschlossen. Ich bin heute so sehr ich selbst, wie ich es gerade sein kann. Natürlich bin ich immer noch ein Teil der Gesellschaft und bin angepasst, z.B. im Job…aber im Privaten kann ich mehr und mehr mein eigentliches ICH ausleben…und das ist schon ganz schön schwer…

Es bedeutet nämlich auch, sich gegen Erwartungen zu stemmen und Normen zu umgehen. Als Reaktion auf nicht erfüllte Erwartungen bekommt man es oft mit Unverständnis und Ablehnung zu tun, manchmal auch mit aggressivem Verhalten… weil diejenige Person ein solches Verhalten nicht erwartet hat. Seltener  ist es einfach eine Form der positiven Verblüffung…eigentlich schade.

Ich habe die Chance einfach ich selbst zu sein, weil ich einfach so geliebt werde, so….wie ich bin. Mit all meinen Macken, Ansichten und Bedürfnissen und auch damit, dass ich auch nein sage, wenn ich etwas nicht möchte.

Familiengeschichten – selten mit Happy-End

Ich habe gerade einen Film gesehen, in dem ein betagter Herr mit leuchtenden Augen erzählt hat, wie er seine Frau damals kennen lernte….ich stand derweil am Bügelbrett und faltete gerade das 8 T-Shirt meines Freundes.

Und auf einmal wurde mir bewusst, dass mein Vater NIE darüber gesprochen hat, wie er unsere Mutter kennenlernte. Auch früher nicht, als noch alles in Ordnung schien.

Schien, denn  unsere Familiengeschichte ist  keine Erfolgsstory und man könnte die Umstände unter denen unsere Mutter weg ging, auch fast als dramatisch bezeichnen. Zumindest  ist das mal eine Story, wie man sie nicht alle Tage findet…oder vielleicht doch?

Seit ich 13 Jahre alt bin, hat mein Vater den Namen  unserer  Mutter  nicht mehr wirklich ausgesprochen…es wurde alles  tot geschwiegen was mit ihr zu tun hatte. Bei den obligatorischen Diaabenden wurde daraus fast ein Film…so schnell zog mein Vater die Dias durch den Projektor, sobald sie im Bild mit auftauchte…und schon im  Jahr darauf, bei meiner Konfirmation, wurde allen Mitgliedern der Familie verboten über dieses Thema / „diese Frau“ zu sprechen.

Ha, als ob DAS geholfen hätte die Stimmung zu verbessern. Auf jeder Beerdigung ging es lustiger zu.  Aber uns Kindern wollte man ja die Vorgeschichte/-n gar nicht erzählen…aber meine Schwester hatte ihre Ohren überall und so einiges heraus bekommen.

Seit dem Tag als  unsere Mutter fortging, hat unser Vater aufgehört wirklich zu leben.  Er hat es mehr als einmal als verpfuscht und vergeudet empfunden und die einzige Frau über die er jemals in Liebe gesprochen hat, war wohl seine 1. Große Liebe….die es scheinbar  VOR der Ehe mit unserer Mutter gegeben hat. Aber auch das weiß ich nur bruchstückhaft…ohne Einzelheiten. Die hat er nie erzählt.

Wie schade, wenn man am Ende seines Lebens fast gar nichts mehr hat, auf das man mit Freude zurück blicken kann. Dabei hätten wir gar nichts dagegen gehabt, wenn er sich eine Freundin gesucht hätte…es hätte uns auch einigen Kummer erspart und unsere restliche Kindheit wäre evtl. etwas leichter, unbeschwerter geworden.

Ein echter Weihnachtsmoment

Ich hatte ihn….diesen Moment….einen ECHTEN Weihnachtsmoment.

Absolute Stille in mir und in meiner Umgebung und ich im Einklang mit mir und meiner Welt. Kein Hetzen, keine Aktion, keine Liste im Kopf die abgearbeitet werden soll.

Da war er einfach. Ich saß auf der Couch, mit einem Glas Wein in der Hand, im Fernsehen lief „Sing meinen Song – das Weihnachtskonzert“…und ich wurde von der Stimmung eingefangen…nahm sie auf und fühlte mich beseelt….Weihnachtglück….Stille und Ruhe IN mir.

Im nächsten Moment hab ich mich dann etwas einsam gefühlt, weil mein Süsser nicht dabei war, aber ich bin einfach aufgestanden und habe angefangen Weihnachtsplätzen zu backen. Einfach so…

Mit Kopfhörern auf den Ohren hab ich in der Küche der Musik gelauscht und gleichzeitig Weihnachtsplätzen gebacken…für meinen Freund…und für mich: Drei verschiedene Sorten…mehr gaben meine Zutaten nicht mehr …aber das reicht ja auch.

Das war nämlich gar nicht geplant, sondern der physische Ausdruck meines Weihnachtsgefühls. In diesen Keksen steckt jetzt also all mein Weihnachts-Wohlbefinden und die sind damit tatsächlich mit Liebe gebacken.

Ein Kokon um das „Wir“

Ein wirklich schönes Wochenende geht nun zu Ende. Und anstatt leise auszuklingen, nimmt es wieder einmal abrupt den Charme eines gemütlichen Abends und endet am Bahnsteig.

Ich winke und bleibe zurück. Komme nach Hause in die jetzt leere Wohnung und muss mich erst mal wieder an die Stille anpassen. Zurück in der Wirklichkeit nach 2 Tagen Auszeit vom Leben drum herum.

Wir leben sehr auf uns bezogen…genießen den Kokon den wir um das „WIR“ errichten…und harmonieren in unseren Bedürfen mal mehr oder weniger….eben sehr unterschiedlich. Nicht jeder bekommt immer das, was er will oder braucht…. Und dieses Mal war ich Diejenige die gesagt hat, ICH bin dran…denn das brauch ich jetzt …

Das Herz und die Liebe

Diese Woche war echt hart für mich….die Fernbeziehung zeigt ihre Schattenseiten…meine Aversion gegen ständiges Telefonieren rieb sich an meinem Bedürfnis des Redens und der körperlichen Nähe.

Wir telefonieren täglich zwischen 1-2 Stunden pro Tag, verteilt auf 2 -3 Mal….und kommt doch nicht dem Redebedürfnis nahe, welches wir sonst eigentlich haben. Nicht Reden ist für meinen Süßen eher eine Strafe und wenn wir zusammen sind gibt es tausend Gesprächsthemen…

Am Telefon dagegen mag ich manche Themen überhaupt nicht ansprechen…und mir wäre ein Kuscheln in so einem Moment wichtiger… Vor allem Morgens wenn wir Beide gerade dabei sind wach zu werden, ist das nicht reden keine Lösung….meistens rede ich, damit er nicht wieder einschläft….ein Knuff in die Seite wäre eigentlich die besser Lösung…geht aber nicht.

Ich habe mich einsam gefühlt in dieser Woche…was evtl. auch an meinem Besuch beim Kardiologen lag…ich brauche körperliche Nähe, gerade wenn ich mich unwohl fühle. Diese blöde „Anomalie“ wie es die Ärztin nennt, ist nicht akut gefährdend, kann aber langfristig zu chronischen Herz-Rhythmus-Störungen führen.

Also eigentlich eine für den Moment positive Aussage, mein Herz schlägt kräftig und ist noch nicht durch den Bluthochdruck oder die „Anomalie“ geschädigt und doch hätte ich die Schulter meines Freundes benötigt.

Gestern kam er endlich mit dem Zug und wir haben einen kuscheligen Abend auf der Couch verbracht. Gerade diese innigen Zeiten sind sehr wichtig…

….also hab ich es erst heute erzählt…und alles was ich sonst noch nicht im Laufe der Woche nicht erzählt hatte. Es sprudelte nur so aus mir raus und schwuuupssss war die Hälfte des Tages schon wieder weg mit anregenden Unterhaltungen und Diskussionen.