abgezwackte Zeit

…also Zeit die man sich zusätzlich vom Alltag einfach mal für sich abzweigt…

Ich hatte heute einen schönen, entspannten Arbeitstag und als dann auch noch eine wichtige Software nicht funktionieren sollte (Netzwerkprobleme in der Zentrale) hab ich beschlossen, heute bereits kurz nach Mittag Feierabend zu machen…Überstunden habe ich ja auch hier schon einige angesammelt…

…das fühlt sich so an, als ob ich heute Zeit gestohlen hätte…..wisst Ihr was ich meine…zusätzliche Zeit….nur für mich….das ist wie ein Geschenk und es hat mir eine unglaubliche Freude bereitet einfach einen Nachmittag ungeplant für mich zu haben….es fühlte sich fast so an, wie früher Schule schwänzen oder im Job mal einen Tag blau-zu-machen… oder einen Apfel am Wegesrand zu pflücken…eine fast kindliche diebische Freude….

Nicht das ich das unbedingt nötig hätte…ich lebe alleine, habe eigentlich genügend Freizeit und kann in dieser machen was ich möchte und trotzdem….hachwie schön…. und was macht man mit einem gefühlt „ergaunerten“ Nachmittag….

Als erstes bin ich kurz vor 14 Uhr in den Volkspark Altona gefahren und bin dort bei 20 Grad und Sonnenscheine eine Stunde spazieren gewesen…hab einen neuen Lieblings-Platz entdeckt…so ein kleines Fleckchen Ruhezone….

Danach bin ich Einkaufen gewesen und hab ich mich durch allerlei Gemüse zum Kochen inspirieren lassen….

  1. Schmorgurken in einer moderneren Variation: Anstatt die ausgehölten Landgurken mit Hack zu füllen…habe ich aus dem Gehackten, abgeschmeckt mit Senf, Salz, Pfeffer und Majoran kleine Hackbällchen geformt und gebraten. Die Schmorgurken geschält, entkernt , kleingeschnitten und mit gewürfelten Tomaten zu einem „vegetarischen Feuer-Topf “ gekocht. So hab ich früher dieses Gericht genannt: abgeschmeckt mit scharfem Paprikagewürz, Cayenne-Pfeffer und etwas Chili aus der Mühle…die kleinen Hackbällchen gab es dann dazu.

2. Aus Rosenkohl-Röschen, einem Bilderbuch-Blumenkohl, 1/2 Sellerieknolle und 1/2 Weißkohl hab ich eine Gemüsesuppe gekocht…selbstgemachte Gemüsebrühe hab ich noch im Gefrierschrank gefunden…erst jetzt fällt mir auf…die Möhren liegen noch im Kühlschrank…egal…

Morgen fängt immerhin der kalendarische Herbst an…also Zeit für Kohlgemüse….

Beides hab ich natürlich sofort probiert…..hmmm lecker…

Danach hab ich mich wieder einmal auf meinem Balkon niedergelassen und hab dort ganz spontan ein kleines Nickerchen gemacht…..hahahaha….und jetzt…jetzt geniesse ich dort die untergehende Sonne

Lieblingsplatz – freigegeben

Bevor jetzt gleich weiter die Straße aufgerissen wird, hab ich mich auf meinen Lieblingsplatz begeben, dem Balkon.

Mit Strickjacke und Decke und einer dampfenden Tasse Kaffee. Es sind ca. 15 Grad…Auf der einen Seite höre  ich bereits die Autos die sich zügig auf dem Weg ins tägliche Einerlei durch den Ort kämpfen. Auf der anderen Seite höre ich wie sich die Arbeiter in Stellung bringen um die andere Straße weiter auf zu reißen. Beides ist zwar außerhalb meines Sichtbereiches, aber dafür unüberhörbar….Ebenso wenig die Flugzeuge, die hier rüber fliegen.

Ohhh es ist 7:17  und die Maschinen legen los…schade – ich dachte ich hätte noch ½ Stunde Ruhe… die hören jetzt den ganzen Tag nicht mehr auf.

Viel Zeit hätte ich heute ohnehin nicht um Stille und Ruhe (wenn sie denn da wären) zu genießen. Ich muss noch einiges vorbereiten… Ich hab heute mein Team zu einem kleinen Umtrunk mit Abendessen eingeladen.

Erst jetzt wird mir bewusst, wie lange ich niemanden mehr zu mir nach Hause eingeladen habe. Ohhha – ich hab mich ja echt ganz schön verkrochen in den letzten Jahren. Nicht das ich mich unwohl damit gefühlt hätte. Ich lebe ja nach dem Prinzip „my home is my castle“ …es ist mein Rückzugsort, meine Trutzburg – mein geschützter Raum. Ein Platz der mir gehört…mein Schneckenhaus.  Und diesen Platz teile ich nur mit den Vögeln und Eichhörnchen.

Aber so zurück gezogen wie  ich in den letzten Jahren hier gelebt habe  spiegelt nur einen Teil meiner Persönlichkeit wider.  Ich hab eigentlich immer gerne Freunde eingeladen und bekocht…ich war gerne Gastgeber, war in meiner Clique auch immer ein Teil  der Feste mit organisiert hat, der sich kümmert….in den letzten Jahren hab ich mich allerdings nur noch um meinen heutigen Ex-Freund gekümmert und er mochte nie zuhause Besuch bekommen.

Das hat es mir leicht gemacht, mich ebenfalls wieder weiter von anderen zurück zu ziehen. Bitte nicht falsch verstehen…er hat mich nicht „gezwungen“ – aber es war einfach diesen Weg weiter zu gehen.

Sich auf andere Menschen einzulassen hat bei mir auch immer etwas mit dem Überwinden  von Scheu und tiefliegender Schüchternheit zu tun. Und dieses Überwinden tut mir zwar gut, aber kostet jedes Mal Kraft. Der Weg des geringsten Widerstandes bedeutet eben es sich leicht zu machen – auch wenn der Verstand sagt: das ist nicht gut.