Tanken als Spekulations-Investition

Bei den aktuellen Preisen das Auto zu Tanken, gleicht einer Spekulations-Investition, zumindest für die Menschen, die auf den Preis achten….der Zeitpunkt ist entscheidet und auch die Tendenz der Entwicklung…und entweder man hat Glück oder eben nicht.

Dieses Mal hatte ich kein Glück.

Normalerweise tanke ich Donnerstags gegen Abend…in der Regel sind da die Preise moderater, als zu anderen Zeiten…aber nicht jetzt in diesen Zeiten…die Spritpreise klettern und klettern….Donnerstag vor einer Woche lagen die Preie an meiner bevorzugten (günstigen) Tankstelle bei 1.87 EUR / Super E10….aber ich war müde und wollte nach Hause…Freitag lagen die Preise im Durchschnitt schon bei 1.97 EUR…..dann also nicht tanken…noch hab ich ausreichend Benzin im Tank.

Und in dem Glauben, das diese 2. Preis-Welle während des Russland-Kriegs in der Ukraine, auch schnell wieder abebben würde, wie vor einer Woche, hab ich gedacht die Preise gehen wieder runter….aber Pustekuchen….Bis Mittwoch Abend stiegen die Preise in meiner Region hier, auf durchschnittlich 2,25 EUR je Liter.

Donnerstag Morgen allerdings musste ich tanken, sonst wäre ich nicht mehr zur Arbeit gekommen…also hab ich die Zähne zusammen gebissen und bei 2,19 EUR den Wagen voll getankt…in den Nachrichten kam der Hinweis, das mit weiter steigenden Sprit-Preisen gerechnet wird – also hab ich voll getankt…nutzt ja alles nichts: Eine Tankfüllung für knappe 100 EUR …nun gut, ist nicht zu ändern.

Die Preise blieben auch den ganzen Tag sehr hoch. Erst seit gestern fallen sie wieder und heute kostest ein Liter an meiner bevorzugten Tankstelle nur noch 2,03 EUR….was bei meiner Tankkapazität eine Ersparnis von fast 9 EUR ausgemacht hätte.

Dieses Mal war es die falsche Taktik…na gut, das ich wenigstens bei meinen Investitionen taktisch wesentlich besser liege, als bei dieser Tankaktion…hahaha.

Helfen – ein tolles Gefühl

Eine Kollegin hatte uns darauf aufmerksam gemacht, das es im Kreis Pinneberg ein Logistik-Unternehmen gibt, das einen Konvoi zusammenstellt um Hilfsgüter an die Ukrainische Grenze in Rumänien zu bringen….auf einem Merkzettel stand, alles was sie dorthin transportieren wollen: neben warmer Kleidung, Schlafsäcken und Decken, auch haltbare Lebensmittel, Wasser, Baby-Nahrung und -Windeln, Hygiene-Artikeln wie Zahnbürsten, Seifen und Zahnpasta, auch Batterien, Powerbank, Medikamente, Verbandskästen usw.

Über diese detaillierte Aufstellung hab ich erst realisiert, es herrscht Not am Nötigsten um Vorort ein Überleben der Bevölkerung zu sichern, wo die Häuser zerbombt wurden, Menschen innerhalb des Landes flüchten müssen…oder eben über die Grenzen in andere Länder flüchten.

Davon aufgerüttelt, hatte ich meine Schwester gebeten zu schauen, was sie an Kleidung und anderem nicht mehr braucht und hab während meiner Urlaubstage auch einiges zusammengestellt und Mittwoch hab ich das Auto genommen und noch Wasser und Lebensmittel in Dosen/Gläsern eingekauft, und Nudeln, Müsliriegel und so etwas…jetzt nicht riesige Mengen…aber so, das ich mich damit gut gefühlt habe.

Donnerstag nach Feierabend hab ich dann unsere gesammelten Spenden zu dem Logistik-Unternehmen gebracht….es war nach 17 Uhr und es herrschte ein geschäftiges Treiben auf dem Firmengelände….man konnte nicht so richtig erkennen wie es organisiert ist…aber es waren viele Frauen und Männer vor Ort die damit beschäftigt waren, die Sachspenden zu sortieren…ich sollte meine Sachen einfach abstellen, nur Kleidung hätten sie zu viele…die gehen nicht mehr mit.

Und spontan hab ich gefragt, ob noch Hilfe benötigt wird…ja klar…ich könne gerne helfen…also hab ich das Auto ausgeladen und dann geparkt und bin dann in der „Abteilung“ Lebensmittel gelandet…einkommende Sachspenden sollten in normierte Kartons gepackt werden, damit diese dann auf Paletten gepackt, foliert und später auf die LKWs geladen werden.

Es gab jetzt Niemandem der das Sagen hatte (also zumindest nicht sichtbar)…auch konnte man nicht erkennen, wer Helfer oder Angestellter des Unternehmens war….einige waren schon seit Stunden da, andere – wie ich – waren gerade erst gekommen….alle waren gleich beim Du und egal ob alt oder jung….jeder hat einfach gemacht…und hab ich von einer netten Dame erklärt bekommen, wie wir packen sollen und worauf man achten sollte (z.B. abgelaufene Lebensmittel – unglaublich die gab es tatsächlich)…hab ich später kommenden Helfern das auch so erklärt.

Alles lief unkompliziert und irgendwie trotzdem alles Hand-in-Hand….ruhig und trotzdem geschäftig durcheinander…es gab nicht so viel Platz, aber das hat mich nicht gestört…ich hab also große Umzugskisten gepackt….Sachspenden Kartons auseinander genommen und sortiert, hab leere Kartons weg gebracht und später auch zerkleinert, bin in Gitterboxen geklettert und habe Getränkegebinde und Flaschen angereicht, als es hieß die Box muss umgepackt werden…und als ich meinte: lasst und doch eine Kette bilden, weil es eben wenig Platz gab um aneinander vorbeizulaufen, haben alle gleich mitgemacht. Fast 3 Stunden hab ich hier mit gearbeitet und es war eine interessante Erfahrung…

Es erschien mir wie eine Art Schwarm-Intelligenz…wo dezentral jeder Helfer Entscheidungen trifft die dem kollektiven Ziel dienen, ohne das vorher darüber debattiert werden muss…jeder macht, viele machen mit und kleine Entscheidungen führen alle zu einem Ergebnis….und das ohne das es Kompetenz-Gerangel oder persönliche Befindlichkeiten gibt.

Das Schönste ist, überhaupt etwas tun zu können…nicht nur hilflos vor den Nachrichten zu sitzen und zu denken: ja spinnt denn der Putin….zu sehen, wieviel Sachspenden alleine hier zusammen kommen, wie viele Menschen sich spontan, wie ich auch, zum mit Anpacken entschieden…nach Feierabend, einfach so, fremde Menschen die sich kurzfristig zusammen finden um zu helfen – das ist ein so schönes Gefühl.

etwas verzögert – aber dafür mit klarer Haltung : Ukraine

…ach und weil ich gerade dabei bin von meinen sozialen Defiziten zu erzählen…hier noch etwas:

Jeder kenn die Aussage von Familie und Freunden: melde Dich wenn Du etwas brauchst, wenn Du reden möchtest, wenn es Dir schlecht geht….

Wenn ich mich bei Jemandem melde, dann bestimmt nicht, wenn es mir schlecht geht…sondern erst DANACH.

Deshalb enthalten ein paar meiner Beiträge immer wieder solche Aussagen wie: “ in den letzten 1-2 Wochen…“ Denn wenn mich etwas aufwühlt, ich mich unwohl fühle, ich Schmerzen habe die mich ängstigen oder mich eine Situation seelisch fordert, dann schaffe ich es oft nicht, zeitnah davon zu erzählen…oder wie jetzt, mit dem von Russland angezettelten Krieg in der Ukraine, Stellung zu beziehen.

Hier aber ganz klar meine persönliche Sichtweise, mit leichter Verspätung: Es ist ungeheuerlich und nicht hinnehmbar das Russland einen Krieg mit der Ukraine angefangen hat. Gerechtfertigt auf Lügen und Schein-Behauptungen, allen Regeln des friedlichen Zusammenlebens widersprechend.

Ich bin gegen Krieg und möchte auch nicht, das dieser Russland-Krieg sich zu einem weltumspannenden Konflikt ausweitet, in DIE dort und Wir hier….wir leben im 21.Jahrhundert und sollten doch alle in der Lage sein, Konflikte auf andere Art zu regeln, als Menschen willkürlich das Leben zu nehmen.

Die Ukraine hat Russland nichts getan, außer das es existiert und sich als souveräner Staat eine demokratische Grundordnung geschaffen hat.