wie durch ein Brennglas

Kollegin Katrin steht sich momentan selbst im Weg. Sie ist unzufrieden mit sich, Teilen ihrer Familie (Schwester+Eltern), ihrer Arbeit, Kollegen und Chefs und überhaupt….

….sie ist vor 1,5 Jahren zu uns in die Firma gekommen…wir haben uns von Anfang an gut verstanden. Als sie kam, haben wir gerade mit der Umstellung auf das neue System begonnen und der Controller hat sie einfach so ins Geschehen geworfen…das war kein glücklicher Start…aber sie hat sich durchgekämpft und ich habe ihr den Rücken gestärkt. Denn sehr schnell kam ein weiterer Kollege, um den sich der Controller kümmern wollte…Katrin fiel bei ihm schnell hinten rüber.

Für sie war es nicht schön…und dann kam der Zeitpunkt, da konnte sie sich quasi täglich über den Contrller aufregen…Der andere Neue war dann schnell wieder Geschichte und dann kam auch schon unser Teamleiter hinzu…also wieder viel Unruhe und Kollegin Katrin fiel wieder hinten runter und es war sinnvoll das sie zu mir ins Büro kam.

Aber das Ärgernis „Controller“ blieb…ich hatte sie gewarnt sich nicht zu sehr auf den Controller einzuschießen und als dieser dann gekündigt hat, war ich ehrlicherweise froh und hoffte das es ab jetzt für die Kollegin besser wird.

Doch seit dem Weggang des Controller hat sie sich auf unseren Chef eingeschossen. Ja ich war auch nicht wirklich glücklich über seine Art….er hat oft unglücklich agiert…das hätte besser laufen können…und ja er geht immer den Weg des geringsten Widerstandes…hält Minimalismus bei der Arbeit für eine Tugend und kommuniziert beruflich nicht wirklich gerne und auch nicht gut. Etwas mitgeteilt bekommt nur Derjenige, der gerade im Raum oder in der Nähe ist – und das ist somit reiner Zufall. Dazu kann er sich Dinge nicht gut merken. Ich schicke ihm oft seine eigenen Mails zurück….weil er sich nicht mehr darin erinnern kann, uns etwas gesagt oder geschickt zu haben, hahaha.

Gut das wir 3 Mädels untereinander gut kommunizieren…wir haben einen 3er Teams-Chat (es gibt natürlich auch einen 4er-Chat – also inklusive unseres Teamleiters – aber den nutzt dieser kaum für Infos)…und tauschen uns gut aus…sonst wüssten wir oft nicht, ob der Chef nun da ist, im HO oder gar frei hat. Solche Termine trägt er auch erst ganz kurzfristig in seinen Kalender ein…darauf kann man sich also auch nicht auf den Kalender verlassen.

Aber in den letzten Monaten hat er sich wirklich angestrengt und auch kommunikationstechnisch verbessert….da geht noch mehr, aber es ist der richtige Schritt in die richtige Richtung. Außerdem arbeitet er an Themen, mit denen wir bisher nicht so viel zu tun hatten, weil wir nie einen Teamleiter Vorort haben. Daraus ergeben sich für das Management ganz andere Möglichkeiten, die seine Zeit binden. Aber dann soll er das doch bitte auch kommunizieren….Seufz.

Ich habe mich inzwischen an den Teamleiter und seine Art gewöhnt und ich erkenne an, das er wirklich versucht, alles richtig zu machen. Dabei lässt er uns ganz viele Freiheiten (in meinen Augen manchmal sogar zu viele). Außerdem ist er freundlich und nett zu uns. Oftmals mit Sprüchen, die man heute so nicht mehr macht…aber wir sagen es dann auch direkt…..und auch das ist besser geworden.

Kollegin Katrin schaukelt sich jedoch seit Monaten immer weiter hoch in ihrer Empörung über den Chef – aber nicht nur – auch andere Kollegen regen sie auf. Sie hat sich so in ihrer Empörung verfangen. Jeder Versuch meinerseits ihr vorsichtig zu vermitteln, das sie sich mit dem Dauer-Gemeckere nur selber schadet, mag sie nicht hören. So bleibt ihr Empörungslevel auf hohem Niveau und ständig kommt etwas neues hinzu. Das heißt sie kommt überhaupt nicht mehr raus aus dieser negativen Spirale.

Dazu fühlt sie sich ungerecht behandelt und für alle anderen Sichtweisen, ist sie nicht zugänglich. Ich dachte es würde ihr gut tun, ihren Frust auszusprechen und danach würde es dann besser…nein…leider ist das Gegenteil der Fall und inzwischen zieht es auch mich runter.

Ich will und mag das alles nicht mehr hören…denn es ist immer dasselbe was sie erzählt und es gibt in ihrer Wahrnehmung keinen Fortschritt…was ich anders sehe. Also sage ich das auch…aber das will sie natürlich auch nicht hören.

Donnerstag haben wir über Teams telefoniert und als ich nach ihrem erneuten Empörungsausbruch ruhig meinte: „Lass Dich davon doch nicht so stressen“, konnte ich sehen wie ihr Körper erstarrte, ihr Lächeln gefror und dann meinte sie, sie würde das Gespräch jetzt gerne beenden. es hat mich frustriert und enttäuscht, das sie so reagiert….nun gut – dann ist das so.

Aber was ist das denn für eine Perspektive für die Zukunft unseres Teams?

Der Chef weiß auch nicht mehr, wie er mit ihr umgehen soll, damit sie sich nicht angegriffen fühlt, Kollegin Cordula hat mir erzählt, wie sehr sie diese Dauer-Motzerei ebenfalls runter zieht (und die Beiden arbeiten sehr eng zusammen). Ich bin die Einzige die sich etwas zurück ziehen kann, ohne das es berufliche Auswirkungen hat…dafür würde aber menschlich viel verloren gehen, was ich nicht möchte – weil ich sie echt mag.

Ich habe unserem Chef gesagt: Wenn sie für das gesamte Team ein Problem wird, dann musst Du mit ihr reden. Er sieht es genauso – denn er möchte das wir alle gut zusammenarbeiten – es muss sich etwas ändern und er muss mit ihr zusammen herausfinden, wie wir etwas verändern können, das es allen gut geht.

Oft sagt sie das sie sich eigentlich etwas ganz Anderes suchen müsste, etwas das nichts mit Buchhaltung zu tun hat. Ein Cafè eröffnen oder ein „Feel-Good-Manager“ sein. Aber sie will dann doch nicht weg, weil sie hier eben gut verdient…wenn auch in ihren Augen nicht gut genug. Spaß macht ihr die Arbeit zwar nicht wirklich, dann aber doch irgendwie…aber diese ständigen Umstrukturierungen bei uns machen ihr zu schaffen und auch das Anspruchsdenken der Kollegen.

Zur Kollegin meinte sie, sie würde gerne auch irgendwo am Empfang sitzen und sich um Besucher kümmern. Hmmm ich habe diesen Aussagen bisher nicht viel Bedeutung zugemessen, aber Kollegin Cordula meinte, sie kenne solche Reaktionen aus ihrem persönlichen Umfeld, es könnten Anzeichen eines beginnenden Burnout-Syndroms sein.

In diese Richtung hatte ich noch gar nicht gedacht. Außerdem meinte sie, Ich hätte ja Erfolgserlebnisse in meinem Job und würde diese immer feiern. Kollegin Katrin mache ja auch viele Dinge, oft sind die auch kompliziert zu lösen, aber sie hätte damit nicht solche Erfolgserlebnisse.

Okay aber das ist ja eine Sache der inneren Einstellung. Denn sie lässt es nicht zu, diese gut gelösten Dinge als Erfolg zu betrachten.

Ich habe gelernt, mich über viele kleine Dinge zu freuen und diese auch laut auszusprechen: Die Verprobung der Vorsteuer für einem Monat geht auf, die Abschlüsse sind rechtzeitg fertig geworden. Eine Unstimmigkeit mit einem Lieferanten geklärt, einem Investor in die Geheimnisse der Kaptialkonten eingeführt und jetzt vertraut er mir, einem Landowner geholfen und er bedankt sich mit der Rückmeldung „wie immer haben Sie mir schnell geholfen“.

Wir hatten Kollegin Katrin vor ca. 2 Monaten ein Glückstagebuch geschenkt. Einfach so – zwischendurch. Es sollte sie motivieren die positiven Seiten ihrer Tage zu erkennen. Sie fand das zwar toll, aber sie macht es nicht. Am Ende des Tages sieht sie nur die Probleme und die negativen Dinge – und nicht die kleinen schönen Momente. Sie kann Lob nicht annehmen und sieht alles Negative durch ein Brennglas.

Co-Teamleiter?

In dieser Woche habe ich mal wieder festgestellt, das ich eher ganz kleine Teams beim Arbeiten bevorzuge. Wir sind inzwischen zu Viert in 2 Büros nebeneinander. Das ist ja eigentlich ein kleines Team, aber mir schon wieder zu groß – Warum?

Weil es schon wieder anfängt mit den persönlichen Befindlichkeiten. Die unterschiedlichen Charaktere in unserem Team, haben eben auch unterschiedliche Arten zu kommunizieren…und wenn es nicht passt, dann kommt es zu Unmutsäußerungen – und ich sitze mitten drin und muss es mir anhören und vermitteln.

Es gibt ja einen Grund warum ich nicht mehr als Teamleiter arbeite…ich möchte nicht mehr ca. 30% meiner Arbeitszeit damit verbringen, zwischen Teamkollegen untereinander oder mit den Chefs, zu vermitteln und permanent die Probleme Anderer zu lösen.

Nun lerne ich, dazu brauche ich nicht einmal Teamleiter zu sein: Auch jetzt wieder geht ein Teil meiner Arbeitszeit dafür drauf, das ich versuche zu beruhigen und zu vermitteln. Gestern am Freitag war es dann soweit, das Kollegin Katrin, das erste Mal das Wort Kündigung in den Mund nahm. Na super- das hat ja nur etwas mehr als 1 Jahr gedauert.

In der letzten Zeit ist sie sehr schnell, extrem aufgebracht. Nachdem der Controller jetzt weg ist (inzwischen sind es schon 3 Monate – krass) dachte ich, es wird besser…aber nun hat sie unseren Teamleiter im Visier….und ihre Aufgeregtheit über die Art unseres Teamleiters nimmt stetig zu.

Ich versuche schon seit einiger Zeit sie zu warnen, sich nicht zu sehr auf ihn einzuschießen…jedes Wort wird auf die Goldwaage gelegt und der Aufregungsgrad schießt oft extrem schnell nach oben, für Sachen, die ich ganz anders wahrnehme als sie. Sie ist da ähnlich wie meine Schwester – sehr schnell in einer Art Panikmodus.  Ich versuche auch  sie zu beruhigen und vor allem, das sie nicht immer alles so persönlich und wortwörtlich nehmen soll, was unser Teamleiter so von sich gibt. Er hat einen manchmal merkwürdigen Humor, ja …aber im Laufe der Zeit, sollte sie damit auch umgehen können.

Gleichzeitig kommt unser Teamleiter zu mir und wundert sich über Katrins Art…ich versuche es ihm zu erklären und habe ihm auch versucht zu vermitteln, wie er besser mit ihr kommunizieren könnte,…denn sein Kommunikationsverhalten, wenn es um Aufgaben-Verteilung und -Erledigung geht, ist weder klar verständlich, noch eindeutig. Aber er schaut mich nur verwundert an, sagt ja und macht es dann doch nicht.

Er hat außerdem die Angewohnheit, Dinge so lange liegen zu lassen, bis sie „brennen“ und dann wirft er es Katrin und Cordula vor die Füße: macht mal eben schnell….und das sind dann Dinge, die die Beiden noch nie bei uns gemacht haben und die der Controller IHM gezeigt hat…nicht Katrin. Woher sollen die Beiden also wissen, wie das bisher gehandhabt wurde.

Ich bin von dieser Chef-Art nicht betroffen…wie schon öfter erwähnt, ist mein Aufgaben-Gebiet ein ganz anderes. Aber immer da, wo es Probleme in der Kommunikation gibt, werde ich ganz schnell als Zuhörer mit einbezogen und auch als Ratgeber.

Ich dränge schon seit einiger Zeit darauf, das sich alle Drei einmal zusammensetzen und nun endlich eine vernünftige Aufgabenverteilung vereinbaren, damit jeder weiß, für was er verantwortlich ist. Natürlich ist das schwer, wenn sich Mehrere um eine Firma kümmern…da hilft nur reden und Aufgabengebiete klar abzutrennen.

Eigentlich hatte sich der Teamleiter für diesen Mittwoch dazu verpflichtet…aber er hat es verschoben und Freitag sich  mit seiner Mail, was die Beiden Mädels jetzt unbedingt und dringend und absolut vorrangig machen sollen, mal wieder selbst ein Bein gestellt.

Denn die Aufgaben betrafen 2 Projekte die bisher nur Controller selbst gemacht hatte und die der Teamleiter nun auch selbst machen wollte…am Freitag aber stellt er fest, das er von unserem alten Buchhaltungssystem keine Ahnung hat…und hat es den beiden Mädels vor die Füße geworfen.

Der Ausbruch von Katrin kam prompt…und ich habe dann später Katrin und dem Teamleiter erläutert, wie sie die Daten vom Wirtschaftsprüfer erst einmal aufbereiten müssen, und wie sie diese anschließend in unserem alten System verarbeiten müssen.

Ich bin ja die Einzige von uns 4en, die diese „Expertise“ über das alte Navision überhaupt noch hat: wie öffne ich die Perioden, wie verbuche ich Geschäftsvorfälle, wie werden die UST-Konten verarbeitet, wie verbucht man das Jahresergebnis, wie erfolgt die G+V-Nullstellung und die Übertragung der Bilanzwerte aufs das nächste Geschäftsjahr. Das ist nicht schwer – aber man muss es eben auch wissen.

Ich wei,  das ein Teil von Katrins Überreaktion auf den Teamleiter, auf Unsicherheit zurück zu führen ist, eben weil dieser nicht klar und eindeutig kommuniziert, die übergeordneten Probleme die sie aufzeigt, nicht mit den Chefs klärt obwohl dieser immer sagt: wir schauen dann mal , wir müssen dann mal, wir sollten mal.  Diese unklaren Äußerungen von ihm  und Ihre Unsicherheit führen auch dazu, das sie Probleme mit Kollegen manchmal nicht direkt anspricht…sie drückt sich – weil es ihr unangenehm ist.

Ja klar habe auch ich Probleme in meinem Aufgabengebiet…und diese sind oft echt nicht ohne ..aber die kläre ich selbst, d.h. ich suche die Kommunikation mit den Leuten, frage nach, bitte um Auskunft, stupse an, erinnere an gemachte Zusagen, bitte um Unterstützung wenn es andere Abteilungen betrifft….das bin ich gewohnt und auch wenn es nervt…meistens funktioniert es. Mache ich das gerne? Nein. Aber das gehört zu unserer Arbeit eben auch dazu.

Wenn ich den ganzen Kram zwischen Katrin und Teamleiter rausrechne, was es eine sehr gute und ruhige Woche für mich…ein paar der großen Probleme habe ich mit der Unterstützung aus der Zentrale gut lösen können…ein anderes sehr großes Problem wird hoffentlich nächste Woche endlich vorüber sein (musste mehrmals jemandem auf die zehen treten)…so langsam kommt wieder mehr Ruhe in MEINE Arbeit….. mal sehen wie es sich bei den drei Anderen entwickelt – ich will auch kein Co-Teamleiter sein…ich will einfach nur meine Arbeit machen dürfen.

Der NEUE – etwas irritierend

Seit diesem Dienstag ist er nun da….unser deutscher Teamleiter, und er sitzt jetzt mit mir zusammen in einem Büro….wer mich schon länger hier begleitet wird wissen, das ich nicht gut darin bin, mit Kollegen (oder Chefs) zusammen zu sitzen.

Durch meine sozial-genetischen Defizite, gehen mir Menschen schnell auf den Geist. Sie reden und telefonieren laut, quasseln leise vor sich hin, beißen herzhaft in Äpfel, Nüsse oder Cracker, Schniefen, Husten und wollen ständig reden oder Hilfestellung haben… und wenn wir im gleichen Büro sitzen, kann ich dem einfach nicht ausweichen. Das alles stresst mich und tut mir einfach nicht gut.

Ich funktioniere am Besten, wenn ich alleine sitze….dann können Kollegen zum Quatschen vorbei kommen und die gehen dann ja auch wieder…das funktioniert mit mir prima…oder ich gehe zu den Kollegen ins Büro. So kann ich gute Arbeit leisten und trotzdem einen guten Draht zu den Kollegen haben.

Nun gut….der Controller hatte sich schon vor Wochen, während eines Online-Meetings mit der Finanzchefin aus der Zentrale mit Händen-und-Füßen dagegen gewehrt, das unser neuer Teamleiter bei ihm im Büro sitzt…er möchte mit Kollegin Katrin zusammen sitzen bleiben.

Er findet es außerdem unverschämt, das ihm jetzt ein Teamleiter „vor-die-Nase-gesetzt-wird“ ….hahaha, da ist sie, die verletzte Eitelkeit. Er hatte immer behauptet, es macht ihm nichts aus und jetzt ist er beleidigt, das ihn Niemand gefragt hat, ob er das machen möchte.

Ich hatte ihm ja schon vor längerer Zeit geraten: wenn Du Teamleiter sein möchtest, dann musst Du Dein Interesse auch an die Zentrale kommunizieren. Nein das sieht er anders…sie hätten ihn fragen müssen…nun ja. Ehrlichweise muss ich aber auch sagen, er hätte wahrscheinlich keine Chance gehabt, da er ja selbst ein Teil des Problems ist.

Sooo und nun habe ich die große Ehre unseren neuen Teamleiter an die Hand zu nehmen und ihm die grundlegenden Sachen in unserer Firma zu erläutern…er hat keinerlei Erfahrungen in unserer Branche…was nicht schlimm ist…das musste ich ja auch lernen. Eigentlich wäre das Aufgabe des Controllers…aber er ist der Meinung jetzt wäre ich mal dran.

Also eines ist schon mal klar: in technischen Angelegenheit ist der Neue auch nicht fit – laut seiner Aussage macht das Zuhause seine Frau.

Wie er ist – der Neue? Nun ja, er ist Ende 50, von kleiner Statur…war immer Teamleiter in kleinen Teams, hat sehr oft die Firmen gewechselt, kennt unsere neue Software nicht, wie gesagt branchenfremd…ist jetzt kein „lauter“ Mensch, sprudelt nicht gerade über vor Selbstbewusstsein, ist also nicht arrogant oder soetwas.

In den 2 Tagen, die wir zusammen gesessen haben, habe ich schon einiges über ihn erfahren…er erzählt auch ganz gerne mal etwas…das ist okay. Beruflich kann ich ihn noch überhaupt nicht einschätzen.

ABER …irgendetwas an seinem Verhalten ist merkwürdig.

Er spricht gerne von seiner Frau….aber diese Aussagen sind meistens nicht wertschätzend, sondern auf eine subtile Art und Weise herabsetzend. Wenn bei den Aussagen irgendeine Art von Ironie oder Scherz dabei sein sollte, dann nehme ich zumindest, diese nicht wahr. Mit den Kollegen hab ich noch nicht darüber gesprochen…ich beobachte erst einmal.

z.B. als ich lustig in unserem 1:1-Gespräch meinte, sooo ich habe Dir jetzt alle meine Einschränkungen und Schwächen mitgeteilt meinte er : „Sein größter Fehler ist, das er eine Frau mit Pferd geheiratet hat“.

Ich war perplex und wusste nicht, wie ich reagieren sollte…war das ein Scherz? ich sah kein Lächeln und er hat es auch nicht entschärft. Meine Antwort: na wenn Du Deine Frau liebst, dann trägst Du ihr Hobby doch gerne mit oder nicht? Er kam dann darauf zu sprechen, wieviel Geld und Zeit er schon in dieses alte, kranke Pferd hat stecken müssen (seine Frau arbeitet auch Vollzeit). Ich fand das irritierend.

Und an beiden Tagen, konnte ich beobachten, wie verzückt er auf unsere hübschen jungen Kolleginnen reagiert. Einer hat er am ersten Tag gleich mal ein Kompliment über ihre gute Figur gemacht. Nach kurzem Erstaunen hat sie mit einem höflich-lockeren Spruch geantwortet.

Bei einer Anderen, brachte er seine Verzückung laut zum Ausdruck, als die sehr hübsche junge Kollegin uns entgegenkam…ich kann nicht genau wiederholen, was er genau gemacht hat..es war einfach ein Laut, als ich ihn erstaunt von der Seite anschaute, hab ich aber dann auch noch den Blick gesehen….sehr irritierend.

Unser ersten Teamgespräch zu Viert lief aber gut…und auch die 1:1-Gespräche waren wohl gut. Meines brachte genau das Ergebnis, was ich gehofft hatte:

Er wird sich nicht in mein Tagesgeschäft einmischen, ich gebe einen Windpark an ihn ab, damit er diesen Teil der Arbeit auch verstehen lernt…und Homeoffice ist kein Thema…das kann ich machen, wie bisher….Also 3x pro Woche sind gar kein Problem…und auch 4 Tage wenn nötig. Er wird wohl eher selten ins Homeoffice gehen, weil er kein eigenes Arbeitszimmer hat.

An den beiden ersten Tagen des neuen Teamleiters, hab ich fast gar nichts von meiner Arbeit erledigen können…seufz…jetzt bin ich seit Gründonnerstag für eine Woche in Urlaub…da dürfen die Kollegen gerne seine Betreuung übernehmen. Ich hoffe danach hat sich einiges eingependelt.

Besuch im Büro

Mittwochmorgen um 6.45 Uhr …ich war zu dem Zeitpunkt bereits seit fast 30 Minuten im Büro, bekam ich über unseren internen Chat eine Nachricht von unserer Finanzchefin aus der Zentrale (meine Interims-Chefin), ob ich bereits im Büro bin…. Ja prima – sie frühstückt gerade im Hotel und wäre dann in ein paar Minuten da.

Ja super – also ich war extra früh gekommen, damit ich noch in Ruhe einiges fertig bekomme, bevor sie bei uns ankommt. Das war ihr ersten Besuch bei uns am Standort Hamburg. Ich hab ihr also unsere Büros gezeigt, immerhin bekommen wir ja bald einen eigenen Teamleiter für Hamburg und es ging um die Frage WO der denn wohl platziert werden könnte. Langsam wird es ja voll auf allen Etagen.

Einen Chef der ständig in Online-Meetings ist und dauernd telefoniert : also das geht so gar nicht für mich…obwohl ja bei mir ein Platz frei ist. Ich hatte schon beim letzten Besuch in der Zentrale gesagt, das ich so nicht arbeiten könne…und die Chefin hat es sich gemerkt und gefragt: mit wem ich denn zusammen sitzen möchte, wenn ich die Wahl hätte: eindeutig Katrin.

Na schauen wir mal, wie es letztendlich gelöst wird.

Aus dem ruhigen Arbeiten wurde erst einmal nichts bei mir. Wir haben uns fast eine Stunde lang unterhalten: über die aktuelle Situation im Büro (ohne GF) und im Team (ohne Teamleiter – den wir ja noch nie hatten), über die Sitzplatz-Situation auf unserer Etage und die extrem schlechte Akustik und den Hall in unseren Büros, über die Migration auf das neue System und die Probleme damit, über meine geänderten Firmen und über meine Gesundheit. Es war ein sachliches und gutes Gespräch…sie hört zumindest zu. Lösungen hat sie aktuell keine.

Das mit der schlechten Akustik hatte ich schon immer bemängelt, aber es hat kaum Jemanden interessiert…nun endlich ist da mal eine Führungskraft, die es ebenso bemerkt und bemängelt wie ich…und später hab ich erfahren, es sollen nun bald wenigstens für alle Räume noch Schallschutz-Segel an den Decken angebracht werden…das ist immer ja schon mal etwas. Nur wenige Büros sind damit bisher ausgestattet worden.

Später hat sich die Chefin dann noch mit den anderen Beiden aus unserem Team unterhalten und Mittags hatte sie uns auswärts zum Essen eingeladen. Dabei haben wir auch erfahren, das es so langsam in die Endrunde bei den Bewerbungen um den Teamleiter-Posten geht. Bin mal gespannt wen wir da bekommen werden.

Da bei uns ja alles auf English läuft und die Finanzchefin auch kein Deutsch spricht, war schon mal klar…was immer der zukünftige Teamleiter kann oder nicht kann…Englisch wird er in jedem Fall können…denn sie war bei jedem Bewerbungsgespräch federführend dabei.

Für Karin und der Controller haben auch einen Erfolg gehabt: sie bekommen eine Aushilfe über die Zeitarbeit, die bei der Umstellung und Aufarbeitung der Reisekosten hilft. Der Teil der Umstellung war ein kompletter Reinfall. Gereist wird gerade in der Projektentwicklung ja sehr viel, dementprechend stapeln sich die Abrechnungen…und das Externe Reisekostensystem ist extrem kompliziert und saumässig an die neue Software angeschlossen. Ab jetzt muss noch viiiel mehr manuell nachgearbeitet werden….hahaha sage noch einer unser Beruf würde demnächst von der KI übernommen…keine Chance – nicht bei solchen miserablen Softwarelösungen.

Alleine laufen lassen

Seit mein altes Team auf sich selbst gestellt ist, ist der Kontakt in meine Richtung etwas ruhiger geworden. Das ständige Ärgernis mit dem, inzwischen entlassenen, Teamleiter ist vorbei und nun müssen sich die 4  vorübergehend alleine durch schlagen.

Sie benötigen dazu nicht mehr meine Hilfe, da sie sich in den letzten 5 Monaten bereits ausgiebig darin geübt haben, alleine zu laufen. Und nun wollen sie natürlich den Chefs beweisen, das sie alles im Griff haben…. und das ist gut so.

Sie sind inzwischen sturm-erprobt und versuchen sich neu zu positionieren…jetzt heißt es für die 4 aufräumen und wieder alles in Gang bringen und da wäre es nicht hilfreich wenn ich aus der Ferne auch noch mit meiner Meinung dazwischen-grätsche….lach.

Dachte ich zumindest…bis ich während ich das hier noch schrieb,  ein fast 2 stündiges Gespräch mit einem der Mädels hatte.

Wie sagte sie es: bisher war ich die „Prima-Ballerina“  und das muss jetzt erst einmal eine „Neue“  lernen diesen Platz  auszufüllen.

 

 

 

 

 

Auf der einen Seite finde ich es natürlich schade, das der Kontakt weniger wird…auf der anderen Seite bin ich stolz wie sie sich alleine durchkämpfen…

Im Mai kommt dann wohl die neue Teamleitung.

 

 

 

Eigenes Ego und die Suche nach einem Nachfolger

Die Suche nach meinem Nachfolger erweist sich dagegen als schwieriger als die Chefs sich das gedacht hatten….
Und irgendwie finde ich das auch beruhigend. Nach der Aussage meiner lieben Kollegin aus dem HR es wäre ja soo vieel einfacher einen Nachfolger für mich zu finden die hätten soo viele tolle Bewerbungen erhalten….war ich irritiert. Hmmm, meint sie das im Ernst das es leichter ist, mich zu ersetzen, als meine Mitarbeiter? Diese Aussage hat mich etwas gekränkt.
Nur leider stellt sich dann bei den Bewerbungsgesprächen heraus, das sind immer nur wirkliche „Team-Leiter“…d.h. die leiten nur, haben aber nur selten die Kenntnisse um wirklich aktiv die Arbeiten auch durchführen zu können.
Ich bin nicht bei der Auswahl und bei den Gesprächen dabei, aber ein Kollege informiert mich über die Einzelheiten und ist entsetzt über das fachliche Nicht-Wissen. Also um Personal zu führen und das Team zu leiten sind die Personen geeignet, aber sobald es um das tatsächliche Fachwissen geht, hapert es.
Ich hab inzwischen geraten, doch lieber keinen Teamleiter zu suchen, sondern eine Fachkraft mit (zusätzlicher) Teamleitungs-Funktion. Das beschreibt es auch viel besser was ich da mache. Es nutzt ja nichts, wenn jemand schreibt er leitet den z.B. den „Anlagen-Buchhalter“ hat aber noch nie selber in SAP Anlagen aktiviert…und wenn ein Kandidat dann noch nicht einmal die Grundregeln der Bewertung kennt, dann sieht es eng aus.
Irgendwie beruhigt es mich…. und schmeichelt mir auch (bin ja auch nur ein Mensch) wenn ich jetzt inzwischen aus verschiedenen Richtungen innerhalb des Konzern und vor allem auch von meiner noch Chefin höre, das ich ja so ein geballtes Fachwissen habe und es schwer ist/wird so Jemanden wieder zu finden, der das ebenso hat und dann auch noch in der Lage ist ein Team zu führen, bei dem sich alle Teammitglieder wirklich als Team begreifen.
Das mit meinem Team war nicht immer so …und hat auch ein paar Jahre viel (meiner) Zeit in Anspruch genommen, damit sich alle Teammitglieder untereinander verstehen, respektieren und auch gerne miteinander arbeiten. Unser letzter (männlicher) Zugang ist auch bereits nach 4 Monaten voll integriert und alle sind mit Spaß dabei.
So langsam wird es Zeit, das ein Nachfolger für mich gefunden wird, es sind nur noch knapp 3,5 Monate die ich zum Einarbeiten für meinen Nachfolger habe.
Das Gute ist, ich kann viele Dinge bereits unserem „Neuzugang“ zeigen und habe auch schon Teile meiner Arbeit übergeben, so wird es auch meinem Nachfolger leichter gemacht…Der/Die muss dann nicht mehr alles selber können….