51.Geburtstag und Shakespeares Julietta

Bei hochsommerlichen Temperaturen bis 26 Grad konnte ich mich von Samstag bis einschließlich Ostermontag wunderbar erholen. Mit viel Fahrrad-fahren, wandern, Sitzen am See und den Wellen lauschen, gutem Essen und guten Wein genießen.

Vor allem gab es kein deutsches oder englisches Fernsehen, nicht einmal englische Radiosender….und  so hatte ich bis auf das Handy auch keinen Kontakt zu meiner Außenwelt…Lach… also eine Art „Digital-Detox“.

Also alle äußeren Vorrausetzungen für innere Ruhe waren gegeben und ich hab mich auch super körperlich erholt und auch der Arbeitsstress viel Stück für Stück von mir ab. Trotzdem blieb mein Blutdruck hoch und  mein Herz pochte unangenehm stark.  Aber jetzt hatte ich endlich auch  Zeit  mich mit den Auswirkungen meiner Trennung auseinander zu setzen… Und das war gut so.

Obwohl ich diejenige war, die sich getrennt hat, musste ich endlich mal trauern dürfen…und das tat ich in diesen ersten 3 Tagen… ich hab es zu gelassen und mehr als einmal kamen mir die Tränen und danach ging es mir viel besser. Ja – es war die richtige Entscheidung.

Pünktlich – wie bereits im Wetterbericht angesagt –  hat es am Dienstag nach Ostern geregnet. Es war mein 51. Geburtstag… Mein Plan war von Anfang an mit dem Auto nach Verona zu fahren und den Tag dort zu verbringen. Ich liebe Shakespeare  und ich liebe diese antiken kleinen Häuser, Gassen und Straßen.  Es goss in Strömen bei 12 Grad  – den gaaaanzen Tag – und es war trotzdem ein toller Tag..

Trotz Regenhose, Käppi und Regenjacke mit zusätzlicher Kapuze, dem Wanderrucksack auf dem Rücken war ich nach ca. 5 Stunden nass…einfach durchnässt…. Aber sehr zufrieden mit mir selbst und dem ganzen Tag.  Ich wurde ruhiger und ausgeglichener, meine Blutdruck ist seitdem wieder in dem für mich normalen Bereich. Mein Herz  schlägt wieder gleichmäßig und ruhig.

Ich liebe diese kleinen Gassen und Straßen:

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Lachen musste ich über den Kult des „ Balkon der Julietta“.   Selbst an so einem Tag strömt nicht nur der Regen, sondern strömen auch die Touristen in die Via Capello 23 um sich dort  dem romantisch anmutenden Balkon der Julia, unter dem Romeo  seine Angebetete angeschmachtet haben soll , anzuschauen.

Das Ganze hat aber mehr als einen Schönheitsfehler…

….Es handelt sich bei Romeo und Julia um eine Liebestragödie  von Shakespeare und spielt im 14.Jahrhundert.  Shakespeare selber  wurde nach dem damaligen Kalender am 23.04.1564 geboren.   Es handelt sich also um keinen Tatsachen-Roman.

…und der berühmt Balkon wurde extra für die Touristen in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts angebracht, weil immer wieder gefragt wurde, warum es dort keinen Balkon gibt.

….Das Haus selber war früher ein Stall….also nicht um das Haus einer wohlhabenden Familie

Richtig alt und echt ist dagegen ist die Arena mitten in Verona, wo immer noch Aufführungen mit 22.000 Zuschauern stattfinden….

Der Traum – Versöhnung

4 Monate ist mein Vater nun schon tot und ich frage mich immer noch, ob das mit dem Trauern noch kommt.

Ich glaube es nicht mehr. Wahrscheinlich war das Beschäftigen mit dem Nachlass Trauer genug.

Und mein Leben geht weiter wie bisher…also fast…der Nachlass ist jetzt fast abschließend geregelt…bis Ende des Monats kann ich das Bankkonto auflösen, dann sollten alle Rechnungen beglichen sein und ich kann die Endabrechnung vornehmen. Es ist alles vorbereitet. Ich warte nur noch auf die letzte Bestätigung der Krankenkasse und der Beihilfe….

Vorgestern hab ich von ihm geträumt…nur ganz kurz. Er war im Traum jünger als ich heute …und ich so alt wie ich heute bin…ich bin auf ihn zugegangen und hab ihn umarmt…dabei fühlte ich mich wieder wie ein kleines Kind und die Umarmung vermittelte mir ein Gefühl der Geborgenheit.

Und das war es schon mit dem Traum…der Traum versöhnt mich… Versöhnen – irgendwie hört es sich komisch an …so altmodisch und so selten gebraucht, ungewohnt. Dabei ist es ein gutes Wort, weil es für mich  bedeutet, ich schließe langsam Frieden mit meinem Vater und unserer Vergangenheit und damit auch mit mir…und das ganz ohne Worte…nur mit einer Umarmung im Traum.

Durch die Arbeitsbelastung bin ich gerade etwas dünnhäutig…und heute nach einem schriftlichen Schlagabtausch mit  2 Kollegen aus anderen Gesellschaften, hab ich die Bestätigung bekommen, das „mein Unmut“ in diesem Fall verstanden wird….und genau da saß ich an meinem Computer und hab einfach geweint…ein paar Minuten lang…ich hab einfach da gesessen und hab still vor mich hin geschluchzt….