Kleine Ursache – große Auswirkungen

Der nächste Morgen, war eigentlich wie immer bei Schwester + Schwager…mein Schwager blieb etwas länger liegen, meine Schwester war schon wieder absolut munter und quirlig. Da ich schon vor ihr im Bad war, habe ich mich ins Wohnzimmer verkrochen, während sie sich im Bad fertig machte….und da sie so ein Energiebündel ist, wollte sie – auf die Schnelle – noch eben das Bett im Gästezimmer, wieder in eine Couch verwandeln und dann…ja dann…

…sie meinte sie hätte mit allen Fingern gleichzeitig die Überwurf-Decke zwischen Sitzfläche und Lehne der Couch stopfen wollen, und da wäre sie mit dem rechen Mittelfinger irgendwo gegengestoßen….es tat ihr zwar nichts weh – aber die Fingerkuppe stand seitdem etwas unnatürlich schräg ab und ließ sich (unter Zuhilfenahme der anderen Hand) leicht in verschiedene Richtungen drehen….aber es ging nicht, mittels eigener Muskelkraft, den Finger gerade zu bekommen.

Moment einmal….also ICH kann keine Fingerkuppe einzeln bewegen…es bewegt sich immer der ganze Finger mit….aber es tat ihr nichts weh. Ich meinte sie solle trotzdem sofort zum Arzt…sie wollte nicht.

Kompromiss: wir Frühstücken jetzt erst einmal und dann soll sie noch einmal neu entscheiden. Nach dem Frühstück dann bekam sie ein Ziehen in dem Finger und meinte: okay – jetzt sollte sie vielleicht doch besser zu einem Arzt. Also habe ich sie ins Krankenhaus gefahren.

Tjaa und da blieben wir dann auch die nächsten Stunden. Die Anmeldung für Notfälle im Krankenhaus schickte uns dann an einen Service-Schalter zur „Erst-Einschätzung“. Dieser Schalter war aber nicht besetzt….das dauerte und dauerte ….nun gut…irgendwann kam jemand und dann schickte uns die „Erst-Einschätzung“ zur regulären Anmeldung der Notaufnahme. Die wiederum schickte uns zu einem Wartesaal beim Röntgen….dort saßen wir dann elendig lang, bis es zum Röntgen ging.

Dann warteten wir wieder elendig lang bis meine Schwester zum Verbinden gebracht wurde und später mit einer Schiene um den Finger wieder kam, nur um noch einmal elendig lang zu warten, bis der Arzt mit dem Arztbrief kam und das Ganze nun endlich erläuterte.

Eine Sehne im Finger sei gerissen….sie muss jetzt diese Schiene tragen und in dem Moment dachte ich noch „ohh bitte sag jetzt nicht 6 Wochen“…. NEEE sagte er nicht ….der Finger muss jetzt 12 Wochen geschont werden. ZWÖLF Wochen…das sind 3 Monate. Uns Beiden stand der Schock echt ins Gesicht geschrieben. Als Krankenschwester im mobilen Pflegedienst heißt das wieder einmal 12 Wochen Krankschreibung.

Meine Schwester war nun endlich mal 8 Monate am Stück Arbeiten, ohne über mehrere Wochen und Monate krank auszufallen…und jetzt kommt schon wieder ein Ausfall von 3 Monaten. Seitdem der Pflegedienst, für den sie arbeitet, übernommen wurde, war sie insgesamt länger krank, als das sie dort tatsächlich gearbeitet hat.

Da war die 4fach-Bypass OP – dann die 2. Herz-OP / die Reha / die langsame Wiedereingliederung, dann der Rückschlag (vor allem psychisch) – noch langsamere Wiedereingliederung. Dann war da noch der Unfall beim Blumenpflücken wo sie umgeknickt ist und etwas vom Knöchel absplitterte / dann das Aneurysma im Rücken mit langen Krankenhaus Aufenthalt, erst Zuhause erholen weil es mit der Kur nicht geklappt hat, dann wochenlange Kur….und das sind nur die „großen und langen“ Ausfälle. Die Reihenfolge stimmt bestimmt auch nicht ganz. Vorher gab es noch den Arbeitsunfall mit dem gebrochenen Ellenbogen-Gelenk – wochenlang war sie krank, in Reha und Wiedereingliederung und dann noch die Corona-Infektion (okay – die hatten wir ja alle mehr oder weniger lange)…also bei ihr war in den letzten Jahren echt so einiges los.

Echt geschockt, sind wir wieder nach Hause gefahren und auch mein Schwager war sehr besorgt…und wir machen uns alle Drei natürlich Sorgen: wie wird ihr Arbeitgeber den erneuten Ausfall aufnehmen. Nun gut – sie hätte jetzt eh erst einmal 3 Wochen Urlaub gehabt – d.h. sie müssen dann „nur noch“ weitere 9 Wochen ohne sie auskommen.

Inzwischen hat sie den Schock überwunden und ihr Arbeitgeber weiß Bescheid…jetzt heißt es für sie: vernünftig sein und schön vorsichtig mit dem Finger sein. Schmerzen hat sie zum Glück nicht ganz soviel – aber doch mehr, als kurz nach dem „Unfall“…aber sie ist schon wieder guter Dinge….hat ihren Humor und die gute Laune wieder …..jetzt heißt es wieder einmal für sie: geduldig sein und gesund werden.

Nachts an der Elbe

Als ich aus den Tiefen meines Buches und der Putzaktion wieder auftauchte, war der helle Teil des Tages schon vorbei…nach einigem Zögern, hat mich die Sehnsucht nach einem Spaziergang an der Elbe doch noch aus dem Haus gelockt.

Es war dann auch fast 21 Uhr….in der Nähe vom Teufelsbrück hab ich mein Auto abgestellt….und bin dann immer direkt an der Elbe in Richtung Altonaer Fischmarkt gelaufen…es war HIMMLISCH. Wenn man die schönen Wege und den Elbstrand so richtig geniessen möchte, sollte man das dann machen, wenn alle Anderen nicht da sind…..dann wenn es Dunkel und kalt ist….hahaha – aber gleichzeitig auch sooo schön.

Ich bin dann bei Övelgönne, erstmalig wieder an dem Stück Elbstrand gelaufen, wo ich vor GENAU 3 Monaten den Unfall hatte (es war der 6.Dezember: Stein ist härter). Wollte doch jetzt mal sehen, ob an der Stelle immer noch die Steine im Sand sind, über die ich gestolpert und letztlich mit dem Knie aufgekommen bin. Nicht das ich glaubte noch Blut meiner tiefen Wunde dort zu finden GRINS….aber ich dachte – ich könnte diese Steine, die ja mit Sand bedeckt und dadurch nicht sofort sichtbar waren, aus dem Weg räumen.

Vorsichtig, dieses mal mit eingeschalteter Taschenlampe, hab ich mich der Stelle genähert…aber die Steine waren nicht mehr da wo man den Beton-Sockel-Weg verlässt und die ersten Schritte in den Sand macht…wahrscheinlich sind auch andere Spaziergänger auf die hinderlichen Steine gestoßen und haben diese auf den seitlich liegenden Steinhaufen verfrachtet….

Ich war mehr als 1,5 Stunden unterwegs und bin insgesamt 8,5 km gelaufen…zusammen mit den Schritten meiner Aufräum-Putzaktion hab ich damit mehr als 21.000 Schritte gemacht…ein durchweg positiver Tag mit dem schönen Abschluss an der Elbe.

Stein ist härter

Was gibt es Schöneres als einen Samstag NICHT einkaufen gehen zu müssen?… nicht einkaufen und bei dem trüben Wetter überhaupt nicht vor die Tür gehen zu müssen.

Es war also bisher ein ruhiger, gemütlicher Samstag Zuhause im Warmen…hab gekocht, aufgeräumt, gewaschen und was man sonst so macht und erst als es Draussen dunkel wurde, wurde ich unruhig…ich wollte doch noch zu einer Walking-Runde raus an die frische Luft.

Also flugs umgezogen, die Lichter geschnappt und los ging es. Erst einmal ins Auto und bis zum Elbufer in der Nähe von Blankenese gefahren. Das letzte Mal was es so schön, spät am Abend und bei Nebel…jetzt wollte ich dort noch einmal laufen…dieses Mal ohne Nebel….

Und es war auch zuerst ein toller Ausflug….dunkel aber ohne Nebel konnte ich die Lichter und Industrieanlagen auf der anderen Seite der Elbe viel besser erkennen:

Ich bin ein ganzes Stück weiter gelaufen, als beim letzten Mal..

.und irgendwann kam ich auf die TOLLE Idee, auf dem Rückweg eine Weile direkt am Elbstrand zu laufen…..hmmmm….direkt an der Wasserlinie war eine Art Betonsteg und auch ohne die Taschenlampe hatte ich genügend Licht….

….aber dann war der Betonsteg zu Ende und ich musste auf dem Sand weiter laufen. Was ich leider in der Dunkelheit nicht sehen konnte, direkt unter dem Sand waren große unebene Steine…und bereits mit dem 2. Schritt stolperte ich über einen…konnte mich noch auffangen und stolperte sofort über den Nächsten….

soooo und dann musste ich unbedingt mit meinem Rechten Knie auf einen weiteren Stein prallen und schon lag ich im Sand …..Der Aufprall mit dem Knie war heftig….und ich brauchte eine kurze Weile um mich überhaupt aufzusetzen zu können. Ich jammerte laut vor Schmerzen, wusste aber noch nicht, wo genau der Schmerz eigentlich herkam…und mein 1. Gedanke, als ich wieder denken konnte, war: und ich muss noch ca. 4,5km zurück zum Auto laufen.

Aber noch lag ich im Sand….zum Glück auf der Seite…denn erst so nach und nach merkte ich das meine Hose am Bein zerrissen war und ich eine offene Wunde hatte, die blutete. Nun gut, also bin ich langsam aufgestanden, humpelte jammernd zu einer Treppe in der Nähe, setzte mich hin und hab erst einmal meine Wunde mithilfe der Taschenlampe, die ich immer noch in der Hand hatte, begutachtet.

Alles halb so wild…die Wunde war zum Glück unterhalb der Kniescheibe und ich hab bereits bei den wenigen Schritten bemerkt, das ich beim Laufen das Knie normal beugen kann….es ist nichts gebrochen und scheinbar gibt es auch keinen sonstigen gravierenden Schaden rund um das Knie.

Na ,mit offenen Schürfwunden kenne ich mich ja inzwischen ganz gut aus. Doch jetzt war es schade, das ich dieses Mal nicht meinen Rucksack dabei hatte und damit hatte ich also weder Wasser, noch mein kleines Notfallpack dabei. Konnte die Wunde also weder säubern, noch irgendwie abdecken.

Und immer noch lagen ca. 4,5 Km zwischen mir und meinem Auto. Nun ist der Museumshafen von Hamburg nicht in der Einöde oder in der Wildnis. Ich hätte also ohne weiteres in einen Bus steigen, oder mir ein Taxi nehmen können (zumindest hatte ich etwas Geld dabei)…aber das war für mich überhaupt keine Option, solange ich überhaupt noch laufen kann.

Also bin ich, ohne Wundversorgung, einfach wieder auf die Promenade gegangen und hab einen Fuß vor den Anderen gesetzt und schon nach einer kurzen Weile hatte ich wieder meinen üblichen Rhythmus und bin tatsächlich bis zum Auto zurück gelaufen.

Erst Zuhause hab ich die Wunde dann von Sand und Blut gereinigt und mir einen Verband anlegt…mir ging es ja soweit gut, also hab ich nicht einmal eine Schmerztablette genommen. Die Nacht war allerdings so gar nicht erholsam….als Seitenschläfer wusste ich nicht, wie ich mich positionieren sollte…und das Bein tat einfach mit jeder Bewegung weh….na das kann ja heiter werden.

Bei Morgengrauen hab ich endlich Schmerztabletten genommen und seitdem geht es besser….Später hab ich den blutgetränkten Verband abgemacht, die Wunde noch einmal gesäubert, Wund-und Heilsalbe vorsichtig darüber verteilt und neu verbunden.

Und jetzt? Jetzt geht es mir wieder gut. Kann das Bein beugen und strecken, kann liegen und laufen und habe fast keine Schmerzen mehr. Ich hatte mir schon kurzzeitig Sorgen gemacht.

Na immerhin waren es an diesem Tag insgesamt knappe 11,5km die ich gelaufen bin.

Zwangsweise Zuhause

Montag war ich arbeiten…konnte aber nur extrem langsam laufen und sitzen ging nur mit ausgestrecktem Bein, jedes Aufstehen und Hinsetzen war schmerzhaft.

Wie immer wenn ich mal  krank/verletzt bin, ist es zum Monatsabschluss…naja, okay beim Arzt hab ich erst für den Nachmittag einen Termin bekommen, also hab ich bis dahin gearbeitet.

Dann aber hat die Ärztin sich wirklich Zeit genommen um genau zu prüfen ob meine Kniescheibe gebrochen, gesplittert oder sonst etwas ist…ist sie zum Glück nicht.  Dafür hat jede ihrer  kleinen Abtastungen seehr weh getan…boa…unglaublich.

Ich habe eine ausgeprägte Prellung oberhalb des Knies und einen Bluterguss IM und unterhalb des Knies. Hab noch mal Glück gehabt.

Ja ich soll das Bein ruhig halten, wenig rumlaufen, hoch lagern und kühlen….und damit hat sie mich bis Ende der Woche krank geschrieben.

Was auch sehr unangenehm ist sind die Schürfwunden, vor allem die großflächige am Ellenbogen …man außer Zahnschmerzen kann ich Schmerzen eigentlich ganz gut ertragen…aber so eine große Wunde ist ja echt schmerzhaft….die am Bein sieht viel schlimmer aus, die ist sogar tiefer…tut aber nur halb so viel weh.

Egal….ich bin also Zuhause und arbeite im Liegen nur so viel wie unbedingt nötig um heute die Daten abgeben zu können… Meine Chefin war wirklich besorgt (hmmm sie sagt zwar wegen mir – ich glaube aber eher wegen unseres Abschlusses J)

Die Schmerzsalbe macht mich komischerweise müde…aber egal, ich kann ja schlafen wenn ich möchte….Couch ich komme. Erholung ist angesagt.