Sichtbar, Leuchtend oder Dunkel

Seitdem die große Hitze des Sommers endlich vorbei ist, hab ich abends – oft schon im Dunkeln – meine Walkingrunden wieder aufgenommen. Und genau wie die Jahre zuvor, bin ich mit Taschenlampe und meinen „Positionslichtern“ unterwegs.

Was ich so scherzhaft als Positionslichter bezeichne, sind kleine batteriebetriebene Leucht-Anhänger, die man an Ärmel oder Kragen einer Jacke Klipsen kann, um im Dunkeln auch gesehen zu werden. Neuerdings hab ich als Alternative leuchtende „Schnapp-Armbänder“ aus einem Sportgeschäft, die man mittels USB-Kabel wieder aufladen kann.

Wo ich abends außerhalb des Ortes meine Walkingrunden drehe, sind oft keine Fußgängerwege und keine Lampen. Es fahren zwar nur selten Autos oder Fahrräder…aber manchmal eben schon – und das kann dann schon gefährlich werden.

Als mich Anfang der Woche ein Radfahrer von hinten überholte, fand er meine Leuchtbänder klasse….so konnte er mich schon von Weitem erkennen und wir kamen gefahrlos aneinander vorbei.

Für Hunde werden solche Leuchtbänder schon oft benutzt und mir hilft es, mich auf die Begegnung mit einem Hund einzustellen (immer in der Hoffnung, das da im Dunkeln noch ein Mensch mit Leine dabei ist – ich hab ja Angst vor Hunden).

Wenn ich durch die Wohnsiedlungen laufe, frage ich mich schon, was werden die Anwohner in diesem Jahr machen, wenn jetzt bald wieder die Zeit ist, die Häuser und Gärten in reinste Lichtermeere zu verwandeln. Werden die Lichterketten überhaupt noch angebracht….wahrscheinlich schon – aber wird es auch so viel sein, wie in den Vorjahren? Oder denken die Menschen mehr darüber nach und machen weniger? Ich bin da wirklich gespannt.

Auf meinen Touren im letzten Jahr, war ich oft überrascht, wie ganze Gärten und Häuser in phantasievolle Lichtermeere verwandelt wurden…oft viel zu viel und viel zu bunt und für mich vor allem ein Graus: viel zu bunt BLINKEND.

Schön finde ich, wenn ein Haus ganz dezent mit den Lichterketten beleuchtet wird, so das es Erhaben und Würdevoll wirkt.

Ich bin wirklich sehr gespannt, was in diesem Winter zu sehen sein wird: keine Beleuchtung – weil notwendige Sparmaßnahme, ein „Jetzt-erst-Recht“-Lichtermeer allem zum Trotz oder „ein-bisschen“-als Kompromiss. Es wird auf jedenfall ein sichtbares Statement sein, egal ob es ein Dunkles oder Leuchtendes sein wird.

Unsichtbar

Ich betrachte ein Zuhause, also MEIN Zuhause als Ort des Rückzugs, der Abgeschiedenheit, der maximalen Gemütlichkeit für Mich….ein Ort der mich umschließt und abschottet…der mich liebevoll behütet und beschützt.

Klingt ein wenig pathetisch…aber genau so ist es.

In meinem Zuhause hier lebe ich jetzt seit 1/2 Jahr und ich habe doch einiges an Geld investiert, um es mir so gemütlich wie möglich zu gestalten….und gerade während der letzten Monate ist mir dieses Zuhause sehr ans Herz gewachsen und ich fühle mich hier maximal geborgen.

Es gibt nichts Konkretes, vor dem ich mich schützen müsste….es ist eher ein Gefühl mich gegen die Welt „da Draußen“ zu schützen, vor zu viel Neugierde, zu vielen Menschen, vielleicht auch ein wenig vor dem Leben. In Schnöselhausen (in Hessen) hab ich mich von den neugierigen Nachbarn beobachtet und auch gegängelt gefühlt (eine Nachbarin fühlte sich durch meine Wäsche auf dem Balkon gestört und durch das Vögel füttern usw.) und nach der Trennung von meinem Ex, fühlte ich mich verfolgt, egal wo ich war…und auch in der ersten Wohnung hier in Schleswig-Holstein bei dem Haus- „Drachen“ hatte ich immer das Gefühl beäugt zu werden.

Hier in meinem neuen Zuhause bin ich fast unsichtbar und das meine ich positiv…ob ich das Haus verlasse oder komme, ich fühle mich wohl und unbeobachtet, die Nachbarn stehen nicht am Fenster…das Haus in dem ich wohne, liegt abseits der Straßen und mein Auto steht in einer Tiefgarage….und so wie ich die Wohnung jetzt mit Gardinen und Sichtschutz ausstaffiert habe, ist sie nur wenig einsehbar…obwohl zum Balkon hin einige der Bäume, die noch vor ein paar Wochen hier standen, jetzt fehlen….den Rest werde ich im Laufe der nächsten Wochen auf dem Balkon mit Pflanzen in eine kleine Oase verwandeln.

Falls das jetzt ein wenig paranoid klingen sollte…so ist es nicht…ich möchte nur einfach meine Ruhe haben…und sagen wir mal so…ich kenne meine Nachbarn, auch mit Namen und ich plaudere auch mit Ihnen, wenn es sich ergibt – mehr muss nicht sein …Leben und Leben lassen.

Ich fühle mich manchmal wie ein Känguru das viel zu früh aus dem Beutel gefallen ist und nun nach wohnlicher Behaglichkeit sucht um das Verlustgefühl der Kindheit zu kompensieren…..

Unsichtbar machen

Unsichtbar machen

Mein Job in dieser Firma ist damit BEENDET….

Die letzten Tagen waren echt zäh. Nicht nur das ich ja in einen Büro-Schichtdient von 13.15 – 19.15 Uhr arbeiten musste und das nicht mal an meinem eigenen Schreibtisch, sondern in einer extra-Etage…und sie es bis zum Schluß nicht geschafft haben, den Laptop an einen Bildschirm anzuschließen oder es Homeoffice-fähig zu machen, sondern ich hatte schlichtweg auch keine Lust mehr mich mit den internen Problemen dieser Firma auseinander zu setzen.

Also hab ich versucht mich unsichtbar zu machen…und nur noch meinen normalen Job auszufüllen….Gestern hab ich dann für meine Kollegen einen Ausstand gegeben. Da mir vom Kuchen-Backen abgeraten wurde (Corona), hab ich diverse einzeln verpackte Süßigkeiten gekauft und auf die verschiedenen Büros und Etagen verteilt. Den Kollegen aus der 1. Schicht, die mir wichtig waren, habe ich eine kleine Karte geschrieben und einen kleinen Schoko-Osterhasen hingestellt…bei den Kollegen der 2. Schicht die mir wichtig waren ,habe ich mich natürlich persönlich verabschiedet. Der Rest ist mir ziemlich egal.

Erst nach meiner Aktion mit den Süßigkeiten hab ich erfahren, das ich heute in der 1. Schicht arbeiten soll…aber eben nicht bei den anderen, sondern in dieser Extra-Etage für die 2. Schicht…..das ist mir natürlich sehr entgegen gekommen…so war ich FAST allein auf dieser Etage….und da es sonst Niemand wusste, hab ich es auch nicht publik gemacht…mich also wirklich unsichtbar gehalten… Lach.

Ein Student der dort für das Legal einige manuelle Arbeiten machen sollte, hat sich genau so gelangweilt wie ich…und so haben wir uns bestimmt 1,5 Stunden unterhalten…Es hat richtig Spaß gemacht zu erfahren, was so ein junger Mensch für Ansichten über Corona-Virus, Politik, AFD und Flüchtlinge hat und darüber zu diskutieren…. Das war echt leicht und locker und ein amüsanter Zeitvertreib und interessanter Informationsautausch…der Junge Mann wird nämlich mal Anwalt.

Sooo also nach der Tagesarbeit und verschiedenen Verabschiedungsmails an einige auswärtige Kontakte, hab ich dann alles gelöscht und vernichtet was ich mir selber an Anleitungen und Arbeitsanweisungen zusammen geschrieben habe.

Meine Chefin hatte zwar danach gefragt, aber ganz ehrlich…nööööö. Es wäre ihre Aufgabe gewesen, mir zu den diversen Themen Anleitungen zu geben….aber das Meiste musste ich mühselig an vielen Stellen erfragen und mir selber zusammenstellen. … hier bin ich vielleicht gemein…und normalerweise gebe ich gerne solche Informationen weiter…aber sorry, nicht in dieser Firma.

Und ich hab heute schon Kontakt zur neuen Firma gehabt…Also weiter geht es am 1.4. direkt in Hamburg….und bis dahin hab ich URLAUB…ähmmm also Quasi-Quarantäne…. Egal…ich werde mich auf jeden Fall gut beschäftigen können… Ach ja und heute ist Frühlings-Anfang….

Ich wäre gerne wieder unsichtbar oder Die Mühlen der Verwaltung

Wer, wie ich, glaubt man kann doch ohne Probleme leben, wenn sich alle an ungeschriebene Gesetzte hält…gemäß dem Spruch „Was Du nicht willst das man Dir tu, das für auch keinem Anderen zu“….dem darf ich getrost mitteilen…VERGISS ES

Ich hab nämlich damit eine Bauchlandung hingelegt. Bisher fühlte ich mich in meiner kleinen Oase rundherum geschützt und zufrieden. Wer sollte sich schon um mich kümmern. Ich mach doch nichts weiter. Zahle meine Miete, bin nett, höflich, arbeitsam und vor allem ruhig.  Also fühlte ich mich ziemlich unsichtbar.

Doch versuch das mal in einem Haus, in dem sehr viele ältere Menschen und Pensionäre wohnen. Ich habe unterschätzt wie interessant da jede Veränderung sein kann und gleichzeitig wie bedrohlich.  Oder liegt es einfach nur daran das sie meine Zufriedenheit und Gelassenheit hier als unpassend finden, weil sie selber nichts mehr zu lachen haben? Na gut…das ist Spekulation  und auch etwas unfair…

Aber seit dieser Woche fühle ich mich eben nicht mehr unsichtbar, sondern so als ob ich im Zirkus mitten in der Manege stehe und jede meiner Bewegungen registriert und beurteilt wird.  Ich habe meine Unbeschwertheit verloren und hoffe ich finde sie recht bald wieder.

Und im Zirkus bin ich tatsächlich…gut das ich im Vorstand eines Vereins war und WEIß wie wichtig für viele so eine selbstgemachte Bürokratie ist….in die bin ich jetzt hineingeraten.

Jetzt  also zur Hausordnung: Es gibt eine….schön…und inzwischen sind mein Vermieter und ich im Besitz der selbigen. Und was steht da drin…um ehrlich zu sein ich war ja fast enttäuscht wie wenig und wie allgemein und doch gemein die ist:

  • Grillen ist generell verboten
  • Tierhaltung ist generell erlaubt…enthält aber nichts zum Thema füttern von Vögeln

Hahaha und das ist der Lacher: Wäsche trocknen ist auf dem Balkon nicht verboten, der Wäscheständer darf aber nur bis zur Brüstung gehen,  so das es von außen nicht sichtbar ist…..Nun gut, mein Wäscheständer geht auch nur bis zur Brüstung : ABER……

…..alle Balkone haben ein Balkongeländer aus Eisenstangen, durch die man natürlich durchschauen kann.

Nun der nächste Abschnitt beschäftigt sich mit Markisen und Sichtschutz. Wenn ich also einen Sichtschutz um das Balkongeländer anbringen will brauche ich eine schriftliche Genehmigung vom Hausverwalter, der dann natürlich mit einem NEIN tatsächlich das Wäschetrocknen faktisch verbieten kann.

Ich könnte in die Tischkante beißen….mein Vermieter hat jetzt also in meinem Namen bei der Hausverwaltung eine Genehmigung für das Anbringen eines Sichtschutzes beantragt, damit ich dann dort meine Wäsche auch offiziell trocknen darf….na da bin ich ja mal gespannt.

In die Mühlen der Justiz (ach ne der Hausbürokraten) bin ich also geraten und warte gerade auf der Urteil des hohen Gerichts (ach ne der Hausverwaltung).

Mein Vermieter hat außerdem geschrieben das ich mich dazu bereit erklärt habe die Hausordnung einzuhalten….lach….na da steht wie gesagt ja nichts zum Füttern der Vögel drin….also kann ich weiter füttern ohne gegen die Regeln zu verstoßen…oder??