Scheu vor Menschen

Meine Scheu vor den Menschen nimmt gerade mal wieder viel Raum ein….und der Fluchtreflex ist groß, vielleicht sollte ich den Kurs heute doch lieber absagen?

Dabei freue ich mich seit einem Jahr darauf, das es endlich los geht…wenn da nur nicht die fremden Menschen wären.

Dabei bin ich im „Erst-Kontakt“ super…bin dann meistens super locker, schlagfertig und lustig…kann das Schweigen der Masse durchbrechen und Menschen zum Reden bringen. Aber wenn ich den gleichen Menschen dann mehrmals begegne werde ich von mal zu mal zurückhaltender und stiller…und unsicherer.

Das ist schon ein sehr merkwürdiges Verhalten, erklärt sich aber dadurch, das ich mich bei einem fremden Erst-Kontakt i.d.R. nicht wirklich öffnen muss…wenn ich aber Menschen öfter treffe, wie z.B. in einem Verein, dann muss ich die ja ein Stückweit in mein Leben lassen…muss mich öffnen – und das hab ich in den letzten Jahren verlernt. Bin ja auch sehr zufrieden mit meinem Leben, wie es ist.

Wie anders sind doch meine alten Kontakte, die – die mich schon seit Jahren kennen….so wie ich vor ein paar Wochen meinen ehemaligen Tanzpartner zu Besuch hatte…da hatte ich keine Scheu mich zu öffnen…der kennt mich ja ziemlich gut und weiß, wie ich ticke, da brauche ich mich nicht zu erklären…das war ein tolles Wochenende.

Aber neue Menschen in mein Leben lassen will ich eigentlich nicht…oder doch, ja schon…wenn da nur nicht diese Hürde wäre… Ich bin 54 Jahre alt, eine gestandene Frau, selbstbewusst und stark, stehe mitten im Leben, bin unabhängig und hatte bisher immer viel Erfolg im Leben…..und doch kommt da immer noch das kleine, pummelige, extrem schüchterne und introvertierte Kind zum Vorschein und übernimmt die Regie in meiner Gefühlswelt.

Natürlich gebe ich dem Fluchtreflex nicht nach…obwohl er dieses Mal schon sehr stark ist, seit ich weiß, das der Kurs heute insgesamt über 8 Stunden geht. Ich dachte die Stunden würden sich besser auf die beiden Tage verteilen.

Wie heißt es so schön: Auch dieser Tag wird vorüber gehen.

Und heute Abend weiß ich dann hoffentlich mehr, ob ich es mir vorstellen kann ein paar der Menschen dort in mein Leben zu lassen. Denn das war ja der ursprüngliche Plan: ich suche mir einen Sport der mir gefällt, gehe damit in einen Verein und baue hier neue Sozialkontakte auf….seufz….wenn da nur die Menschen nicht wären…..

Auf der Elbe paddeln

Sich mit einem Kajak auf der Elbe fortzubewegen, löste ganz unterschiedliche Emotionen in mir aus.

Als Anfänger war da noch vor dem Start auf dem Wasser eine Menge Respekt vor den Wellen, der Strömung, der Tiefe und den großen Schiffen…immerhin ist das keine Badewanne, sondern ein Schifffahrtsweg für große und ganz große Pötte, die Haushoch an einem vorbeiziehen.

Als ich dann im Kajak die ersten Meter auf dem Wasser mit Gleichgewichtsproblemen kämpfte wurde mir kurzzeitig etwas flau ob ich nicht auf der (ruhigeren) Alster besser aufgehoben wäre….aber das legte sich dann doch sehr schnell wieder.

Bei schönsten Sonnenschein kam danach ein Gefühl von unbändiger Freude und dem Gefühl von Freiheit…was ja nicht so ganz stimmte, weil unsere Schnupperkurs-Coaches sehr genau darauf achteten, das die Gruppe zusammen blieb und wir alle genau das machten, was wir auch sollten.

Und als dann die Wellen der großen Schiffe bei unseren gefühlten kleinen Nußschalen ankamen, merkte ich die Kraft, die dahinter steckt….aber in den Wellen die Nerven zu behalten und entsprechend ruhig zu bleiben und weiter zu paddeln, das hat Endorphine freigesetzt….das war richtig toll.

Mein größtes Problem auf dem Wasser, war die Koordination: wie nutze ich die Paddel um welche Reaktion des Kajaks zu erzeugen und das, ohne mit den anderen Kursteilnehmern zusammen zu stoßen….aber da war ich zum Glück nicht die Einzige.

Es war eine Art Crash-Kurs…die Aushändigung des Equipments, das Anlegen der Spritzschutzdecke und der Schwimmwesten und wie man das Kajak startklar macht und das Paddel hält…und bis wir alle im Wasser waren, hat ungefähr 1 Stunde gedauert und dann waren wir mehr als 1 Stunde auf der Elbe.

Es ging nur darum, das wir herausfinden konnten ob das so ist, wie wir es uns vorstellen, denn auch der Verein hat nichts davon wenn sich Einzelne zum Grundkurs anmelden, dann aber abbrechen…und es dient auch herauszufinden ob es für Manche gar nicht erforderlich ist, einen Grundkurs mitzumachen….viele haben Surf-Erfahrungen, machen Standup-Paddeling, waren schon in Urlauben im Ausland Wander-Kajaken, haben einen Segelschein usw….ich bin da eine der wenigen absoluten Wassersport-Anfänger…aber das ist mir egal.

Ich werde den Grundkurs jetzt im Mai starten…und dann lerne ich alles, was dafür nötig ist….die Technik um richtig zu paddeln, auf Gezeiten und Strömungen zu achten und wie ich mit der Ausrüstung umgehen muss….ich freue mich darauf…

Aufforderung zur Kündigung

Sooooo nun ist es also soweit….Nicht das es offiziell gemacht wird, aber  die 1. Vorsitzende unseres Vereins hat auf meine Frage  wie es mit dem Verein nun weiter geht, geantwortet:

Wir Mitglieder (egal ob Aktive oder Passive) sollen jetzt regulär  bis Ende des Jahres kündigen….wer dann möchte, kann ganz offiziell in den Kooperations-Verein eintreten…Der Vorstand wird dann mit Hilfe eines Beraters aus dem Tanzsportverein einen Förderverein machen. Ein Förderverein kann sein Vermögen an den Kooperations-Verein verschenken und dann ist der Verein aufgelöst.

Na das klingt so locker und leicht….und ich mache mir Gedanken ob ich jetzt tatsächlich bereits meine Kündigung zum 30.06. einreiche, während unsere 1. Vorsitzende mir sagt, sie wäre froh und dankbar wenn ich das täte…umso weniger Arbeit hat sie mit den Mitgliedern die ja ALLE kündigen müssen. Naja, soweit ich es weiß sind das nicht mehr ganz so viele, wie zu meiner Zeit als Kassenwart.

Okay…wenn das so ist…dann schreibe ich meine Kündigung nun direkt und damit hat sich dieser Verein damit erledigt.

Es gibt ihn seit 1986 …also mehr als 30 Jahre…ich bin seit fast 11 Jahren Mitglied und  war davon 4  Jahre als Kassenwart im Vorstand aktiv tätig…..und jetzt der Verein bald Geschichte…

Das Lateintraining wurde schon im letzten Jahr aufgelöst, die Breitensportgruppen schrumpften auch immer mehr und letzten Dienstag wurde nun auch unsere Trainerin im Standard-Training verabschiedet….mein Ex-Tanzpartner und ich waren mit unseren Männern bei der Verabschiedung dabei.

Und jetzt muss ich meinem Ärger echt mal Luft machen….Das was sich der Vorstand da getraut hat als Blumenstrauß zu präsentieren, war reinstes Gestrüpp. Also wenn diese hässliche Auswahl  an Banalitäten ohne als Strauß gebunden worden zu sein, mehr als 5 EUR gekostet hat, versteh ich die Welt nicht mehr.

Ich hab für 20 EUR  – im Namen von uns Vieren  – einen tollen Blumenstrauß ganz in Weiß zusammenstellen lassen… Unsere Trainerin liebt Blumen in Weiß….der Strauß war liebevoll, schick und modern zusammengestellt und sah klasse aus….und sie hat sich unglaublich gefreut das WIR gekommen sind….so als Ehemalige.

Das Highlight war dann der Entschluss das wir noch ins Schreiber-Heyne gehen…so wie früher sehr oft nach dem Training…ich hab schnell angerufen und einen Platz für 10 Personen reserviert und das hat sogar noch geklappt.

Also Mein Schatz, mein Ex-Tanzpartner mit Mann, unsere Trainerin, das einzig noch verbliebene Standard-Paar in der A-Klasse und ein Paar aus der D-Klasse ….und es war ein herrlicher lustiger ausgelassener Abend…soo wie wir es früher oft hatten….DAS war die eigentliche Verabschiedung. Und wir haben uns vorgenommen uns 3x im Jahr genau so zu treffen…..um auf die alten Zeiten anzustoßen. Sie hat sich so unglaublich gefreut, das hat man wirklich gemerkt…

Ach ja – vom Vorstand war KEINER mit dabei… das war schon erbärmlich und das für eine Trainerin die so lange Jahre für den Verein aktiv war, die nie die teuren Preise anderer Trainer aufgerufen hat und immer für den Verein da war, der die Tänzer immer am Herzen lagen….auch wenn wir uns zum Schluss bei ihr  trainingstechnisch nicht mehr wohl gefühlt haben – menschlich ist sie schon echt toll.

DANKE dafür liebe Trainerin

Abstimmung zum Untergang

Es ging nicht mehr und nicht weniger um den Fortbestand des Vereins, der in den letzten 2 Jahren dramatisch zusammen geschrumpft ist.

Nachdem in den letzten Monaten bereits das Trainingsangebot spürbar eingeschränkt wurde und sich bereits 2 Trainingsgruppen aufgelöst haben, bleibt nicht mehr viel übrig….

Tja und nun sollten die Mitglieder den Vorstand ermächtigen um mit anderen Vereinen über eine Verschmelzung zu verhandeln.

Also entweder es findet eine Verschmelzung statt oder der Verein wird aufgelöst. In beiden Fällen heißt das für die restlichen aktiven Mitglieder sind über sein zukünftiges Training Gedanken zu machen: Welcher Verein bietet die besten Trainer / Trainingsräume /Trainingszeiten…

Und Was machen unsere paar „Hanseln“? Sie verlieren sich in Kleinigkeiten:

-ob man den Raum an jedem Tag zu jener Zeit nicht erhalten kann

-das andere Zeiten nicht passen

-das andere Räume zu weit weg sind

-das man  als Breitensportler nicht mehr als Breitensportler eingestuft werden möchte, da man doch schon mehr…aber eben noch kein Turniersportler

-das man den Breitensportlern doch mal erzählen soll, dass sie die Stütze des Vereins sind

HAALLLOOOOOOO…es geht hier um den Verein der gerade dabei ist sich auf die eine oder andere Weise aufzulösen….Und am Ende heißt das, es bleibt nichts wie es ist….

Ich hatte bereits nach 45 Minuten überhaupt keine Lust mehr…hab dann noch meine Stimme abgegeben und mich vorzeitig (nach mehr als 2 Stunden ) davon gemacht. Hundemüde weil ich bereits seit 5 Uhr morgens auf den Beinen war und um 22.30 Uhr schon hundemüde….

Das es mal so enden würde darüber haben wir schon vor 2 Jahren im Vorstand gesprochen…kurz bevor ich mich aus der Vorstandsarbeit zurück gezogen habe. Ich habe gute Erinnerungen an den Verein. Es mit der 1. Verein überhaupt in dem ich Mitglied war…und ich war 4 Jahre im Vorstand ….jetzt bin ich noch passives Mitglied und werde es bleiben bis der Verein seine Selbständigkeit verliert…dann kündige ich endgültig.

Aber von dem großen Saal in dem ich so viele Jahre aktiv  trainiert habe, den werde ich doch vermissen….denn dieser wird auch noch im nächsten Jahr umgebaut…. Ein wirklich großer Saal, mit alten Parkett, einer Besucherempore mit roten verschlissenen Sitzplätzen, einer Bühne auf der wir immer die Musikanlage plaziert haben und unseren Ordner, die Getränke und manchmal haben wir auch auf dem Bühnenboden gesessen, die Beine baumeln lassen und den anderen zugeschaut…

Auf der Bühne gab es noch einen Vorhang und den Schaltkasten für das Licht…da waren unglaublich viele Knöpfe…die man immer fast alle drücken musste um den Saal gut auszuleuchten….ich hab sehr viele Erinnerungen an sehr viele Trainingsstunden, an sehr viel Drill, an sehr viel Gelächter und Spaß, an manche Flasche Sekt zu bei Geburtstagen beim Umtrunk geleert wurde…Es gibt sogar Videoaufnahmen von unseren Trainings in der Anfängerklasse…lach…

freiwillig engagieren?

In den letzten Wochen hab ich immer mal wieder Kontakt mit dem Kassenwart unseres Vereins…also meinem Nachfolger im Ehrenamt…und der Austausch über die Dinge die im Verein geschehen oder eben nicht geschehen tut ihm gut und mir auch…

Jetzt mit dem Abstand ½ Jahres fällt mir der Kontakt wieder leicht. Ihm fällt die Arbeit im Vorstand immer schwerer, weil er immer mehr übernehmen muss…und auch er hat Frau und 2 Kinder und trainiert auch noch selbst.

Dem Verein gehen langsam die Mitglieder aus….die Fluktuation war schon immer recht hoch. Das ist nicht ungewöhnlich für einen reinen „Stadtverein“ in einer Stadt in dem vielen Arbeitnehmer nur ein paar Jahre bleiben. Uns fehlt die Altersstruktur der „Rentner“ und „Junggebliebenen“. Solche Menschen sind immer schon das Rückgrat eines funktionierenden Vereins.

Deutschland hat ca. 81 Millionen Einwohner und laut einer Statistik gibt es ca. 12 Millionen die sich in einem Ehrenamt engagieren…Das sind echt Viele und können doch nicht genug sein.

Wenn ich so darüber nachdenke, könnte ich mir vorstellen in ein Ehrenamt zurück zu kehren. Nicht jetzt….aber vielleicht in 1-2 Jahren…dann wohne ich ja auch in einer Kleinstadt mit Dorfcharakter …da gibt es bestimmt genug Möglichkeiten.