Enttäuschungen

Die menschlichen Enttäuschungen, die mit dem Tod meines Vaters einhergehen, sind größer als gedacht. Und wieder einmal bewahrheiten sich gleich zwei gängige Sprüche: „Freunde sucht man sich aus, Familie hat man“ und „bei Geld hört die Freundschaft auf“.

1. Enttäuschung: die beiden noch lebenden Geschwister meines Vaters haben sich geweigert mit ihren Familien an der Beerdigung teil zu nehmen, weil wir keinen Gottesdienst mit Pfarrer geplant haben: nun gut, mein Vater hat sich schon vor Jahren von der freichristlichen und evangelischen Kirche los gesagt, nicht einmal zur meiner Konfirmation ist er mit in die Kirche gegangen. Ich finde es respektlos das die Beiden Ihren Glauben über den Willen meines Vaters gestellt haben. Persönlich ist es mir sogar lieber gewesen, das die nicht dabei waren.

2. Enttäuschung: die besten Freunde (ein Ehepaar)  meines Vaters seit mehr als 50 Jahren haben sich weder schriftlich, noch persönlich bei uns gemeldet, um ihr Beileid zu bekunden…sie haben schlichtweg nicht einmal auf unseren Brief geantwortet, nicht einmal um für die Beerdigung abzusagen…Dabei handelt es sich auch  um meine Patentante.

3. Enttäuschung:  ein heute sehr guter Freund meines Vaters hat versucht uns beim Verkauf einiger Bücher über den Tisch zu ziehen….Eine umfassende Bertelsmann-Lexikothek : über den Preis hatten wir uns vorab geeinigt, der war viel niedriger als mein Vater gedacht hatte – aber wir wollten nicht erst lange nach einem Käufer suchen und : er hatte mir am Telefon gesagt, dass er diese für seinen Sohn kauft. Als er dann kam um diese abzuholen, meinte er „sein Kunde“ sei nicht bereit den Preis zu zahlen und ER müsste ja noch seine Fahrt berechnen….also 100 EUR weniger …. NEIN! Da hab ich mich auf keine Diskussion eingelassen. Der Preis bleibt und wieso überhaupt sein „Kunde“ – ich dachte es wäre für den Sohn….da hat er mir irgendetwas erzählt….ich hab kaum zugehört – es klang mir sowieso zu konstruiert. Okay also der Preis blieb so und ich hab mit angepackt die schweren Bücher einzupacken…es waren viele schwere Bücher….und auf einmal sehe ich das er viel mehr einpackt, als dazu gehört….ACH – das ist ihm gar nicht aufgefallen…na, das sieht man doch – die Bücher habe eine ganz andere Größe und auch einen ganz anderen Umschlag…. Tztzttztz . Dann meinte er später noch, er wäre noch an weiteren Büchern interessiert…ich weiß – ich hatte seine gierigen Blicke gesehen und ihm gesagt ich würde mich in 1-2 Wochen bei ihm melden. Wusste aber genau – DAS werde ich nicht tun…lieber werfe ich alle weiteren Bücher in den Papiercontainer…ich war wütend über dieses Verhalten.

Vorher hatte er uns nämlich noch wissen lassen, das so einige der Bücher über Pilze IHM gehören…da ich weiß das mein Vater schon seit Jahrzehnten im Besitz einiger sehr alter Pilzbücher ist  und ich gerade eines dieser alten Bücher behalten wollte, war ich empört, ….als er dann wegen der Lexikothek kam und wieder meinte er hätte meinem Vater ja viele Bücher geliehen, hab ich ihm quasi ALLE Pilzbücher vor die Nase geworfen und gesagt er solle einfach alle nehmen, damit er endlich Ruhe gibt….mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet und wenigstens einen Moment war es ihm unangenehm…gut so. Also so eine Gier ….unglaublich

4. Enttäuschung: der Nachbar über ihm, ungefähr so alt wie ich …. Hat sich gut mit meinem Vater verstanden, die haben viel Zeit und so einige Biere zusammen vernichtet….und ebenfalls ein Freund von Enttäuschung Nr. 3. Nun dieser  hier – also Nr. 4 hat den Wohnungsschlüssel meines Vaters gehabt, genau wie die Nachbarin schräg drüber.

Bei einer meiner ersten Räumaktionen hab ich ihm Barfach meines Vaters eine noch versiegelte Flasche Eierlikör gesehen….hatte mich noch gewundert und die Flasche untersucht, es war keine mir bekannte Marke und ich hab kein Mindesthaltbarkeitsdatum gefunden…gesucht und gesucht – nichts…und dann hab ich die Flasche wieder ins Barfach zurück gestellt….na lieber nicht öffnen ….wer weiß wie alt das Zeug schon ist. Beim nächsten Mal als ich das Barfach dann tatsächlich leerräumen wollte, fand ich eine ½ volle Flasche Eierlikör einer sehr bekannten Marke… Stutz…..NANU….wo kommt die denn her….und wo ist die volle Flasche? Und zusätzlich hatte ich mich beim Reinkommen in das Wohnzimmer gewundert, das ein Fach vom Schrank leicht geöffnet war…ich war mir sicher alle Fächer waren geschlossen als ich gegangen bin…immerhin hatte ich als letzten Akt den Schrank fotografiert und bin dann gegangen…und auch auf den Bildern waren alle Fächer geschlossen…na gut…aber komisch ist das schon.

Irgendwann meinte er dann, das Auto meines Vaters würde nicht anspringen…Ach ja? Woher weisst Du das denn…er hätte es probiert….WARUM? ….darauf wusste er nicht wirklich etwas zu sagen…ich hatte den Wagen eine Woche zuvor problemlos anbekommen und mein Schatz hat es auch geschafft…ich hab dem Nachbarn gesagt, was wir uns schon um das Auto kümmern…das bräuchte er nicht.

Aus dem anfänglich sehr anhänglichen Nachbarn wurde ein scheuer Geselle…er hat es vermieden uns zu begegnen….und als ich ihn nach ein paar Wochen nach dem Wohnungsschlüssel fragte (das war schon ganz am Ende unserer Räumaktion) da hat er beide Hände nach vorne gehalten und gesagt: Iiiiichh?  Ich hab überhaupt keinen Wohnungsschlüssel, nur den  Autoschlüssel und den könnte ich ja gerne wieder haben…Ja Bitte. Als er mir ein paar Minuten später den Autoschlüssel brachte…was baumelte da mit dran….GRINS ….na klar – der Wohnungsschlüssel. 

Dabei geht es mir überhaupt nicht um eine Flasche Eierlikör oder ein paar Bücher…wir wollten ja sowieso die Wohnung so unkompliziert wie möglich leer bekommen…und verschenken wäre mir für die meisten Teile die liebste Lösung gewesen…aber klammheimlich oder uns für dummverkaufend….neee das geht gar nicht.

5. Enttäuschung ist die Enttäuschung über meine Schwester und meinen Schwager….bereits vor Eintritt des Todes meines Vaters haben wir die Schränke durchforstet um die Papiere zusammen zu bekommen…so war zumindest mein Plan …es wurde jedoch durch die Äußerungen von Schwester und Schwager klar was DIESE eigentlich suchten: Wertsachen: Geld, Münzen und Briefmarken…Mein Vater hat uns erzählt, das er sein Geld nicht auf der Bank aufbewahrt…aber mir war klar, mein Vater erzählt gerne mal Seemannsgarn und darauf verlassen kannst Du dich einfach nicht…meine Schwester hat jedoch daran geglaubt und hat gesucht wo mein Vater gesagt hat …und nichts gefunden…und war enttäuscht….und so wurde gesucht und gesucht…und ich musste immer wieder darauf aufmerksam machen, WAS wir eigentlich suchen sollten : PAPIERE !!!!!! Geburtsurkunde / Stammbuch / Scheidungsurteil / Schwerbehinderten-Ausweis / Vereinbarung mit dem Bestatter usw. mein Schatz war extrem genervt von dem ausgebrochenen Jagdfieber …und über die primitiven Freudenausbrüche meines Schwagers wenn wieder ein paar Münzen zum Vorschein kamen „Jackpot“ oder „Hier ist der Schatz“. Geld haben wir an diesem Tag keines gefunden.

 

 

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2 Gedanken zu “Enttäuschungen

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