Pause – beendet

Mein internes Reparaturprogramm hat gewirkt und so konnte ich meine Kommunikationspause beenden OHNE  gleichzeitig meine Beziehung zu beenden. 

Nicht dass es mir jetzt schlagartig gut geht, aber es geht mir besser….und ich hab wieder das Gefühl zu Leben. Das ist mir gerade sehr wichtig.

Vor ein paar Wochen hab ich erfahren das eine liebe Kollegin mit 52 Jahren gestorben ist…ich wusste zwar das sie krank ist, nicht aber das es dieses Mal etwas anderes ist. KREBS ….und es hat nur 4 Wochen gedauert von der Diagnose bis zum Tod….

Es traf mich unvorbereitet und hat mich erschüttert.

Sie arbeitete an einem anderen Standort der mehr als 2 Stunden mit dem Auto entfernt ist und wir haben uns vor ein paar Monaten zum Weinfest im Taunus verabredet und es war ein schöner Abend. Obwohl wir uns nur selten getroffen haben,  haben wir uns immer  gut verstanden.

ABER ….ich hab auch ein echt schlechtes Gewissen…sie hat mir noch eine firmenbezogene E-Mail geschickt…und ich hab diese nicht beantwortet….hab nur gedacht…jaaaaa – das mache ich noch…und dann ist es unter gegangen. Und nun ist es zu spät. Das tut mir im Nachhinein sehr leid, wenigstens DANKE hätte ich sagen können, das sie mir diese Mail weiter geleitet hat, obwohl sie schon krank war.

Sie hat mir bei unserem letzten Zusammentreffen einen „Sorgenfresser“ geschenkt …so ein Kuscheltier mit riesigem Reissverschluß als Mund.

Ich würde den Sorgenfresser hoffnungslos überfüttern, wenn ich all meine Sorgen auf Zettel schreiben und das Kuscheltier damit füttern würde…

Von Tag zu Tag werde ich unausgeglichener, reizbar wie zu meinen „Besten Zeiten“ und reagiere impulsiv agressiv auf meine Umgebung. Nun konnte ich mich endlich in den Urlaub retten…

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Enttäuschungen

Die menschlichen Enttäuschungen, die mit dem Tod meines Vaters einhergehen, sind größer als gedacht. Und wieder einmal bewahrheiten sich gleich zwei gängige Sprüche: „Freunde sucht man sich aus, Familie hat man“ und „bei Geld hört die Freundschaft auf“.

1. Enttäuschung: die beiden noch lebenden Geschwister meines Vaters haben sich geweigert mit ihren Familien an der Beerdigung teil zu nehmen, weil wir keinen Gottesdienst mit Pfarrer geplant haben: nun gut, mein Vater hat sich schon vor Jahren von der freichristlichen und evangelischen Kirche los gesagt, nicht einmal zur meiner Konfirmation ist er mit in die Kirche gegangen. Ich finde es respektlos das die Beiden Ihren Glauben über den Willen meines Vaters gestellt haben. Persönlich ist es mir sogar lieber gewesen, das die nicht dabei waren.

2. Enttäuschung: die besten Freunde (ein Ehepaar)  meines Vaters seit mehr als 50 Jahren haben sich weder schriftlich, noch persönlich bei uns gemeldet, um ihr Beileid zu bekunden…sie haben schlichtweg nicht einmal auf unseren Brief geantwortet, nicht einmal um für die Beerdigung abzusagen…Dabei handelt es sich auch  um meine Patentante.

3. Enttäuschung:  ein heute sehr guter Freund meines Vaters hat versucht uns beim Verkauf einiger Bücher über den Tisch zu ziehen….Eine umfassende Bertelsmann-Lexikothek : über den Preis hatten wir uns vorab geeinigt, der war viel niedriger als mein Vater gedacht hatte – aber wir wollten nicht erst lange nach einem Käufer suchen und : er hatte mir am Telefon gesagt, dass er diese für seinen Sohn kauft. Als er dann kam um diese abzuholen, meinte er „sein Kunde“ sei nicht bereit den Preis zu zahlen und ER müsste ja noch seine Fahrt berechnen….also 100 EUR weniger …. NEIN! Da hab ich mich auf keine Diskussion eingelassen. Der Preis bleibt und wieso überhaupt sein „Kunde“ – ich dachte es wäre für den Sohn….da hat er mir irgendetwas erzählt….ich hab kaum zugehört – es klang mir sowieso zu konstruiert. Okay also der Preis blieb so und ich hab mit angepackt die schweren Bücher einzupacken…es waren viele schwere Bücher….und auf einmal sehe ich das er viel mehr einpackt, als dazu gehört….ACH – das ist ihm gar nicht aufgefallen…na, das sieht man doch – die Bücher habe eine ganz andere Größe und auch einen ganz anderen Umschlag…. Tztzttztz . Dann meinte er später noch, er wäre noch an weiteren Büchern interessiert…ich weiß – ich hatte seine gierigen Blicke gesehen und ihm gesagt ich würde mich in 1-2 Wochen bei ihm melden. Wusste aber genau – DAS werde ich nicht tun…lieber werfe ich alle weiteren Bücher in den Papiercontainer…ich war wütend über dieses Verhalten.

Vorher hatte er uns nämlich noch wissen lassen, das so einige der Bücher über Pilze IHM gehören…da ich weiß das mein Vater schon seit Jahrzehnten im Besitz einiger sehr alter Pilzbücher ist  und ich gerade eines dieser alten Bücher behalten wollte, war ich empört, ….als er dann wegen der Lexikothek kam und wieder meinte er hätte meinem Vater ja viele Bücher geliehen, hab ich ihm quasi ALLE Pilzbücher vor die Nase geworfen und gesagt er solle einfach alle nehmen, damit er endlich Ruhe gibt….mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet und wenigstens einen Moment war es ihm unangenehm…gut so. Also so eine Gier ….unglaublich

4. Enttäuschung: der Nachbar über ihm, ungefähr so alt wie ich …. Hat sich gut mit meinem Vater verstanden, die haben viel Zeit und so einige Biere zusammen vernichtet….und ebenfalls ein Freund von Enttäuschung Nr. 3. Nun dieser  hier – also Nr. 4 hat den Wohnungsschlüssel meines Vaters gehabt, genau wie die Nachbarin schräg drüber.

Bei einer meiner ersten Räumaktionen hab ich ihm Barfach meines Vaters eine noch versiegelte Flasche Eierlikör gesehen….hatte mich noch gewundert und die Flasche untersucht, es war keine mir bekannte Marke und ich hab kein Mindesthaltbarkeitsdatum gefunden…gesucht und gesucht – nichts…und dann hab ich die Flasche wieder ins Barfach zurück gestellt….na lieber nicht öffnen ….wer weiß wie alt das Zeug schon ist. Beim nächsten Mal als ich das Barfach dann tatsächlich leerräumen wollte, fand ich eine ½ volle Flasche Eierlikör einer sehr bekannten Marke… Stutz…..NANU….wo kommt die denn her….und wo ist die volle Flasche? Und zusätzlich hatte ich mich beim Reinkommen in das Wohnzimmer gewundert, das ein Fach vom Schrank leicht geöffnet war…ich war mir sicher alle Fächer waren geschlossen als ich gegangen bin…immerhin hatte ich als letzten Akt den Schrank fotografiert und bin dann gegangen…und auch auf den Bildern waren alle Fächer geschlossen…na gut…aber komisch ist das schon.

Irgendwann meinte er dann, das Auto meines Vaters würde nicht anspringen…Ach ja? Woher weisst Du das denn…er hätte es probiert….WARUM? ….darauf wusste er nicht wirklich etwas zu sagen…ich hatte den Wagen eine Woche zuvor problemlos anbekommen und mein Schatz hat es auch geschafft…ich hab dem Nachbarn gesagt, was wir uns schon um das Auto kümmern…das bräuchte er nicht.

Aus dem anfänglich sehr anhänglichen Nachbarn wurde ein scheuer Geselle…er hat es vermieden uns zu begegnen….und als ich ihn nach ein paar Wochen nach dem Wohnungsschlüssel fragte (das war schon ganz am Ende unserer Räumaktion) da hat er beide Hände nach vorne gehalten und gesagt: Iiiiichh?  Ich hab überhaupt keinen Wohnungsschlüssel, nur den  Autoschlüssel und den könnte ich ja gerne wieder haben…Ja Bitte. Als er mir ein paar Minuten später den Autoschlüssel brachte…was baumelte da mit dran….GRINS ….na klar – der Wohnungsschlüssel. 

Dabei geht es mir überhaupt nicht um eine Flasche Eierlikör oder ein paar Bücher…wir wollten ja sowieso die Wohnung so unkompliziert wie möglich leer bekommen…und verschenken wäre mir für die meisten Teile die liebste Lösung gewesen…aber klammheimlich oder uns für dummverkaufend….neee das geht gar nicht.

5. Enttäuschung ist die Enttäuschung über meine Schwester und meinen Schwager….bereits vor Eintritt des Todes meines Vaters haben wir die Schränke durchforstet um die Papiere zusammen zu bekommen…so war zumindest mein Plan …es wurde jedoch durch die Äußerungen von Schwester und Schwager klar was DIESE eigentlich suchten: Wertsachen: Geld, Münzen und Briefmarken…Mein Vater hat uns erzählt, das er sein Geld nicht auf der Bank aufbewahrt…aber mir war klar, mein Vater erzählt gerne mal Seemannsgarn und darauf verlassen kannst Du dich einfach nicht…meine Schwester hat jedoch daran geglaubt und hat gesucht wo mein Vater gesagt hat …und nichts gefunden…und war enttäuscht….und so wurde gesucht und gesucht…und ich musste immer wieder darauf aufmerksam machen, WAS wir eigentlich suchen sollten : PAPIERE !!!!!! Geburtsurkunde / Stammbuch / Scheidungsurteil / Schwerbehinderten-Ausweis / Vereinbarung mit dem Bestatter usw. mein Schatz war extrem genervt von dem ausgebrochenen Jagdfieber …und über die primitiven Freudenausbrüche meines Schwagers wenn wieder ein paar Münzen zum Vorschein kamen „Jackpot“ oder „Hier ist der Schatz“. Geld haben wir an diesem Tag keines gefunden.

 

 

Zwanghafte Disorganisation (Messi-Syndrom)– oder das Leben meines Vaters

Je mehr ich mich mit der Wohnung meines Vaters beschäftigen musste, umso sicherer kommt die Erkenntnis…es kann nicht sein, das ich zu diesem Teil der Familie gehöre. Ich bin ein Mensch der Ordnung nicht nur liebt, sondern einfach zum Leben benötigt….für mich bedeutet Ordnung eine Struktur zu haben die mich beschützt und mir Vertrauen für mein Leben gibt.

Innere Ordnung durch äußere Ordnung…also wenn ich Stress hab oder ich klar denken muss, räume ich erst einmal ein paar Dinge auf meinem Schreibtisch gerade…ich mag dabei große freie Flächen. Dann kann ich gut Denken. Wenn ich emotional durchdrehe, dann räume ich erst einmal meine Wohnung auf…

Nun bei meinem Vater dagegen kommt man in die Wohnung und wird erst einmal davon gefangen genommen, das es unendlich nach Zigarillo-Qualm riecht…also eher stinkt und das er überall große schwere Eiche-Rustikal-Möbel stehen hat…und das überall so kleines Nippes-Zeug rum steht….Ansonsten sieht es erst einmal aufgeräumt aus….

Was ich nicht wusste ist, dass mein Vater eine Art „Schrank-Messi“ war… Mit jedem Schrank den ich geöffnet habe, mit jeder Schublade die ich ausgeräumt habe, kamen Unmengen von Sachen zum Vorschein die ein normaler Mensch eigentlich eher im Müll erwarten würde. Und das waren nicht nur appetitliche Sachen….

Vor allem in der Küche kamen Dinge zum Vorschein die belegen, dass er  – TROTZ PUTZFRAU – schon längst nicht mehr hätte alleine leben sollen…er ist quasi vermüllt und hat es nicht mehr geschafft der Dinge Herr zu werden….er hat immer wieder gleiche Sachen neu gekauft, aber die alten nicht verbraucht, oder nur teilverbraucht und auch nichts weg geschmissen….so hab ich nicht nur erst kürzlich abgelaufene und verdorbene Lebensmittel entsorgt, sondern auch wirklich alte Sachen gefunden.

Mein Vater war stolz darauf, das in den Haus die Müllmengen sooo niedrig waren und sie deshalb Entsorgungskosten sparen konnten….lach…..nun weiß ich auch warum die Mengen so klein waren…weil er einfach alles in den Schränken aufbewahrt hat….eine meiner ersten Maßnahmen war also unendlich viele Müllsäcke zu kaufen……

Bisher hieß es bei ihm immer: ich habe im Krieg gehungert und deshalb wird nichts vergeudet und weggeworfen….Nun das kann ich jetzt so nicht mehr stehen lassen…Dinge wurden gekauft und nicht verbraucht, das ist massive Vergeudung.

Und ich rede dabei nicht davon das ein paar Lebensmittel ein paar Wochen oder ein paar Monate über dem Mindesthaltbarkeitsdatum lagen…ich rede davon das viele Lebensmittel bereits viele Jahre abgelaufen waren…und direkt daneben die gleichen Lebensmittel fast neu standen….

Ein Beispiel gefällig? Honig hat einen sehr hohen Zuckeranteil und ist quasi fast nicht zum Verderben zu bringen….aber ein 1/2  verbrauchtes Glas Honig aus dem Jahr 2007 (wir leben in 2018) war schimmelig …Daneben Zuckerrübensirup der von der Konsistenz eher Teer glich….Speck im Kühlschrank aus Anfang 2017…..dabei ist der Kühlschrank in 2017 ausgetauscht worden. Asiatische Lebensmittel  noch originalverpackt aus dem Jahr 2010-11….Im Mehl und anderen Dingen hatten sich mal die Motten durch gefressen….überall  klebte es in den Schränken und der Schmier war Zentimeterdick….Um die Schränke zu säubern half mir nur noch ein Metallschrubber…was man normalerweise für Edelstahltöpfe benutzt…. Aber zuerst ging es um die Mengen in den Schränken….er scheint seit den 60er Jahren NICHTS mehr an Tassen, Teller und Plastikdosen weg geworfen zu haben….dabei ist er Anfang der 90er Jahre erst in diese Wohnung gezogen und ich weiß das wir damals einen Müllcontainer hatten weil er sich ja mit dieser Wohnung verkleinert hatte. 

Es ist ja gar nicht schlimm, wenn man etwas aufbewahrt…aber wenn man es dann verrotten lässt…in den Schränken dann kann das auch kein Liebhaber alter Stücke gewesen sein…die Gläser und Tassen im Wohnzimmerschrank waren derartig vergilbt, die sind bestimmt seit seinem Einzug nicht mehr benutzt worden…und wurden seitdem auch bestimmt nicht mehr gesäubert…und wozu benötigt er 10 Pfannen….eine älter und dreckiger als die Andere.

Allein um den Kleiderschrank im Schlafzimmer auszuräumen brauchte ich 18Stück 120l-Mülltüten nur für die Kleidung  und das war noch nicht alles ….dabei  hab ich Dinge in den hinteren Teilen des Schrankes gefunden, die bestimmt seit dem Einzug vor 23 Jahren nicht mehr benutzt worden sind und das Schlimmste waren 3 Kopfkissen im Schrank die verschimmelt waren…wozu ein einzelner Mann 8 Bettdecken und 5 Wolldecken benötigt ist mir auch ein Rätsel…..aus dem Schrank hab ich allein 103Paar Woll-Stricksocken gefunden…und das waren nur die, die ich gezählt habe….es gab noch viel mehr….aber die lagen nicht  ordentlich in einer Schublade oder einer Ecke…nein quer über den ganzen Schrank verteilt….Ich habe Handtücher gefunden, die waren sooo dünn das man fast durchsehen konnte, die stammen tatsächlich aus MEINER Kindheit und ich bin gerade  50 Jahre alt geworden.

Und immer wieder dazwischen einige moderne neue Stücke,  aber alles war im Schrank wild durch einander gewürfelt… Ich hab die Aufnahmekapazität der städtischen Kleidersammelcontainer gesprengt…musste quer durch die Stadt fahren um überhaupt noch Platz zu finden….Auch die Glascontainer haben Unmengen von Zeugs aufnehmen müssen…weil mein Vater auch leere Einmachgläser gehortet hat ….

Nach meiner ersten Räumaktion 3 Tage am Stück um das Schlafzimmer mit allen Schränken leer zu bekommen, hat mein Schatz bei unser nächsten Aktion erst einmal die Schlafzimmermöbel zerlegt, so dass wir einen Raum hatten um all die Dinge die ich nicht sofort weg werfen konnte dort zu lagern.

Da mein Vater ja fast 300km entfernt von mir wohnt, haben wir2 Monate gebraucht….jedes Wochenende und auch ein paar der Feiertage genutzt…hinfahren, räumen, putzen, räumen, putzen…aussortieren, putzen, zurück fahren und dann war das Wochenende auch schon vorbei….haben jede Menge Geld für Sprit und Übernachtungen ausgegeben um voran zu kommen….aber erholen oder gar trauern…nein – Fehlanzeige.

Abschied

Sein ganzes Leben war mein Vater Fan des Hamburger SV…und kaum ist er tot, steigt der HSV erstmals aus der 1. Bundesliga ab.

Natürlich bin ich mir bewusst, das es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen gibt….und trotzdem….nehme ich es so wahr…

 

Der Tod hat gleich zweimal zugeschlagen

Mein Vater ist Ostersonntag gestorben 1.4. früh morgens….also eigentlich in der Nacht.

Seit der OP haben wir mit Ärzten, Pflegern und Sozialstation gesprochen, immer im ständigen Wechsel…reihum… und Donnerstagabend ist er auf die Palliativ-Station des Krankenhauses verlegt worden….Er hat alles verweigert: Nahrung, Trinken, Medikamente, er wollte keinen Zugang gelegt bekommen…kein Antibiotikum gegen die Sepsis….nichts wollte er mehr…anfangs nicht einmal Schmerzmittel. Die Ärzte wussten sich keinen Rat mehr  – auf der Station konnte er nicht bleiben, denn dort wollte man ja heilen, durfte aber nicht.

Also ist er auf die Palliativstation verlegt worden. Karfreitag sind meine Schwester und mein Schwager aus dem hohen Norden nach NRW gekommen…mein Schatz und ich aus dem Taunus….und haben unseren Vater im Krankenhaus besucht. Ich war ja bereits am Mittwoch bei ihm…aber da war er überhaupt nicht ansprechbar.

Und er war noch mehr zusammengefallen, sogar das Streicheln der Hand war ihm unangenehm…aber er hat uns erkannt….hat mich mit meinem Kosenamen aus Kindheitstagen angesprochen…auch unsere Männer hat er mit den richtigen Namen angesprochen…aber mehr als 1 Minute konnte er nicht wach bleiben….immer wieder ist er eingeschlafen….

Das letzte und klärende Gespräch mit dem Arzt hat uns dann vor Augen geführt wie es um ihn stehen könnte! Auch der Arzt würde ihm gerne helfen, aber durch die Patientenverfügung sind ihm die Hände gebunden und würde er trotzdem Antibiotika geben, so würde sich der Arzt strafbar machen…und er meinte auch: unser Vater könnte leben – wenn er nur wollte und die notwendige Behandlung zulassen würde. Aber bei manchen Patienten würde der Körper auch ohne Medikamente die Blutvergiftung überstehen.

Ich weiß nicht warum, aber ich war davon überzeugt das unser Vater, dieser zähe Hund – der sooo viel in seinem Leben überlebt hat, auch das hier schaffen würde….Wir sind bis Samstagnachmittag in der Stadt geblieben, haben bei ihm zuhause gewaschen, geputzt, Papiere gesucht und zusammen getragen….und waren noch ein paar Mal im Krankenhaus…Dann sind wir wieder nach Hause gefahren….aber der Abend war noch nicht ganz vorüber das kam die Nachricht aus dem Krankenhaus: 39 Grad Fieber – aber nichts Lebensbedrohendes…

Ich war total durch den Wind  und mein Schatz und ich sind dann ca .1 ½ Stunden an der frischen Luft gewesen und haben geredet…vorher noch mit meiner Schwester abgestimmt…ich fahre erst morgen früh….wir müssen ja auch mal schlafen – und ich würde dann Ostersonntag wieder hin fahren und bleiben und ihn begleiten bis zum Schluß…so mein Plan….

Nun gut – kurz nach 3 Uhr nachts kam der Anruf meiner Schwester, das unser Vater tot ist… zu spät – jetzt brauch ich mich auch nicht mehr zu beeilen….so hab ich für mich entschieden ich bleibe Ostersonntag hier…weil wir bei meiner Quasi-Schwiegermutter eingeladen waren…und ihr Mann liegt ja zuhause auch im Sterben…gegen Abend hieß es ….das dauert jetzt nicht mehr lange….aber irgendwann musste ich nach Hause…ich  hatte für den nächsten Tag 11 Uhr bereits den Termin mit dem Bestatter….in NRW…..und wollte dann insgesamt 3 Tage bleiben für die  Formalitäten usw….

Nun der Mann meiner Quasischwiegermutter hat noch einen Tag durch gehalten und ist Ostermontag gegen Mittag gestorben….mein Schatz war bei seiner Mutter als sie auf den Arzt und später auf den Bestatter gewartet haben, während ich allein in der Wohnung meines Vaters war um etwas Ordnung in sein Chaos zu bringen….das allein sein tat gut

„Frohe Oster“ werde ich so schnell nicht mehr sagen können ohne an Ostern 2018 zu denken.

Das ist jetzt erst einmal die reine Geschichte, die Fakten…das Verarbeiten, hinterfragen und reflektieren kommt erst später…JETZT muss ich funktionieren….und das tue ich – ich funktioniere – kläre / mache / tue – räume aus / bringe weg / die Maschinerie der Nachlassverwaltung ist angelaufen…das Verarbeiten und trauern – das kommt später  –  jetzt muss ich handeln….

Zuviel Leben in zu kurzer Zeit und der Tod ist präsent

Die letzten Wochen waren nicht leicht.

Manchmal scheint das Leben zu stagnieren und dann passiert so viel auf einmal, das es auch für ein paar Jahre reichen würde…Mir ist es im Moment einfach zu viel…und ich wünsche mir wieder etwas mehr Routine und Banalität zurück.

Ich habe mich mit dem besten Freund meines Schatzes überworfen…auf die Nerven ist der mir schon eine Weile gegangen, aber vor ein paar Wochen ist das echt eskaliert, weil ich ihm mal sehr deutlich und klar gesagt habe was mir auf der Seele brannte…mein armer  Schatz stand dazwischen, aber ich hab ihm gesagt, er soll sich ja da raus halten, sich auf keine „Seite“ schlagen, also auch nicht auf meine…ich kann meine Disputs immer noch alleine austragen.

Der Mann meiner Quasi-Schwiegermutter ist sehr schwer an Krebs erkrankt und wird jetzt in den nächsten Tagen zum Sterben nach Hause geschickt. Er leidet sehr stark unter Schmerzen und meine Quasi-Schwiegermutter benötigt jetzt mehr Hilfe und seelischen Beistand. Mein Freund und ich reden jetzt ständig über Patientenverfügungen, Vollmachten, Testament nach Berliner Model, Erbrangfolge, Witwenrente und über das Sterben und den Tod.

Während der Autosuche hatten mein Schatz und ich auch noch einen Autounfall mit seinem alten Auto…es ist niemand von uns zu Schaden gekommen, aber das Auto ist jetzt ein wirtschaftlicher Totalschaden und mit dem neu gelernten Wort „irreführendes Blinken“ hat mein Schatz auch noch Teilschuld….nun gut – also muss das neue Auto jetzt sehr schnell angeschafft werden, schneller als geplant, damit auch teurer und vor der geplanten Zeit. Damit entfällt eine Teilfinanzierung über eine Bank, da mein Schatz ja erst Anfang des Monats den Job gewechselt hat….Seufz….aber auch dafür haben wir eine Regelung getroffen. Aber es bleibt eine Menge Papierkram mit den Versicherungen, Gutachter und mit dem Autohaus ….Das alte Auto steht jetzt leider noch in Garage – das neue Auto muss zwischenzeitlich eben draußen stehen….

Mein Stresslevel ist damit schon ziemlich hochgekocht, da kommen noch die Zahnarzttermine:  mein Schatz benötigt ein Implantat und noch so einiges anderes…und die Zahnärztin hat bei mir fest gestellt, das meine gesamt Kaumuskulatur sehr stark verkrampft ist und ich durch zu viel Druck meine Zähne zermalme…Ein Zeichen von Stress oder zu starken Muskeln im Kiefer.  Wenn ich mir jetzt noch meine leider wieder akuten Magen-Darm-Beschwerden eingestehe (über die ich nie rede, die aber seit Jahren immer wieder auftauchen) dann muss ich leider sagen: es ist der Stress…

…dann hat es uns Beide auch noch mit einem 2. Grippe-Schub erwischt…und trotzdem sind wir arbeiten gegangen.  Meine Schwester hat unseren Vater in der letzten Woche mehrfach nicht erreicht und die Krankenhäuser in seinen Wohnort abtelefoniert und tatsächlich – er war im Krankenhaus und hat nicht einmal Bescheid gegeben und auch nicht, als er entlassen wurde.  Polypen wurden entfernt.

und in dieser Woche hab ich eigentlich Urlaub, da erreicht mich die Nachricht das mein Vater mit einem  Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde….Komplett dehydriert, in körperlich sehr schlechtem Zustand, er hat wohl mindestens einen Tag gelegen ohne das es jemand mit bekommen hat. Er war nicht ansprechbar, hat eine beginnende Lungenentzündung  und die Ärztin sprach von einem Magengeschwür Ich bin also hingefahren (270km) Mein Vater war überhaupt nicht ansprechbar und hat sich vor Schmerzen gewunden. Erst im Laufe der Untersuchungen ergab sich eine so stark entzündete Gallenblase das die Ärztin von einer Blutvergiftung sprach…

Meinem Vater wurde also sehr kurzfristig die Gallenblase heraus operiert…Er brauchte mehrere Bluttransfusionen und bisher geht es im noch nicht viel besser…so richtig ansprechbar ist er immer noch nicht.  

Da mein Vater nicht ansprechbar war, konnte er sich bei der Einlieferung nicht richtig anmelden, auch nicht der OP zustimmen…und auf einmal muss ICH entscheiden….Meine Schwester und ich sind laut der Patientenverfügung berechtigt für ihn zu entscheiden, wenn er es nicht mehr kann….und auf einmal musste ich schnell Entscheidungen treffen – was ich auch tat…hab mich aber per Telefon mit meiner Schwester abgestimmt… Puh – das ist schon ein immenser Druck den ich da gespürt habe, die Verfügung so zu interpretieren das es dem Willen meines Vaters auch tatsächlich entspricht .

Ich hab im Krankenhaus auch mit der Sozialstation gesprochen – die sind dort total nett und helfen uns nun: die stellen jetzt bei der Krankenkasse den Antrag auf Einstufung in einen Pflegegrad….und helfen uns bei der Entscheidung  ob ein ambulanter Pflegedienst, eine Kurzzeitpflege oder eine Pflegeheim für unseren Vater vernünftig wäre. Alleine Leben wird so nicht mehr funktionieren – ich hab in seiner Wohnung mal den Kühlschrank auf gemacht….und mich in der Wohnung umgeschaut….hmmm wofür bezahle ich eigentlich die Putzfrau, nur fürs Fensterputzen?

Ich bin durch all das sehr schnell gereizt, fühle mich schnell angegriffen und  gehe leicht in die Luft…da auch im Job aktuell vieles passiert und eigentlich meine volle Aufmerksamkeit erforderlich ist…ich bin gerade sehr dünnhäutig ..

 

Politiker heute

Hab nur ich den Eindruck oder geht es auch anderen so….im Moment sterben viele  Politiker die meine Jugend und mein Leben  allgemein mit bestimmt haben.

Helmut Schmidt, Guido Westerwelle, Lothar Spät, jetzt auch noch  Hans-Dietrich Genscher. Im letzten Jahr Helmut Schmidt, Richard von Weizäcker.

Wieso kommt es das mir die Namen von früher viel präsenter sind und ich mich an viele sehr rege erinnere, während ich die heutigen Politiker oft farblos und konturenlos empfinde, ich es schwer finde die Namen in Bezug zu Ihren Ämtern und zu Ihren politischen Positionen einzuordnen.

Alle erscheinen so ….einerlei, farblos….so egal und austauschbar. Bis auf wenige Ausnahmen und dazu zähle ich insbesondere unsere Bundes-Angie und Wolfgang Schäuble und sogar Roland Koch.

Ein Politiker muss es nicht allen recht machen. Ein guter Politiker  muss Entscheidungen treffen, auch wenn diese auf den ersten Blick nicht verständlich sind. Auch wenn es unpopuläre Entscheidungen sind und dem Volk einiges abverlangen… Für mich muss ein guter Politiker so ehrlich sein zu sagen: JAAA es ist unbequem, aber es führt kein Weg daran vorbei. JAAA es wird teuer….aber wir können das erreichen. Neeeiiinnn es geht nicht schnell, es dauert Jahre.

Genau DAS erwarte ich. Das ein Politiker das Große und Ganze zum Ziel hat, und den Blick auf dieses Ziel gerichtet hält.  Und ich erwarte das ein Politiker nicht gleich klein beigibt, nur weil es Widerstand gibt…

Und wenn Niemand einen besseren Weg weiß, warum dann nicht erst mal einen neuen Weg einschlagen…und wenn der nicht zum Ziel führt, dann muss man eben sagen: okay, so geht es auch nicht, aber es war einen Versuch wert (z.B. Agenda 2010)…aber  immer nur motzen und alles für schlecht  befinden, das bringt es doch auch nicht. Und wahrscheinlich macht das Politiker heute so farblos, sie haben Angst Farbe zu bekennen und dafür gleich abgestraft zu werden.

Wir versuchen unsere Politiker ständig zum  Rücktritt zu puschen, so als ob wir 1000 Personen als in der Hinterhand haben um ihn zu ersetzen.

Die  meisten Erfolge in der Weltgeschichte sind erst durch Niederlagen entstanden oder aus Zufällen, Unachtsamkeit und Unfällen.  Menschen machen Fehler und versuchen doch das Beste daraus zu machen. Warum lassen wir das bei Politikern nicht auch zu?