Bis an die eigenen Grenzen

Abenteuer: Hochseilgarten

Nach einem ausgiebigem und entspannten Frühstück in Eckernförde, sind wir mit den Autos noch die knappen 2 km bis zum Hochseilgarten gefahren.

Wir waren noch NIE klettern, noch nie in einem Hochseilgarten….wir zwei „alten“ Schachteln (53 und 55 Jahre).

Unser „Time-Slot“ startete um 12 Uhr….im Nachhinein betrachtet ,eine eher unglückliche Uhrzeit, war es doch zu dieser Zeit extrem voll…zumindest am Anfang.

Nach der Anmeldung, dem Anlegen des Klettergurtes und dem Anbringen der „Verbindungsmittel“…also diese doppelten Haken, die man benötigt, um sich zu sichern, durch die Helfer Vorort, ging es mit ca. 20 Personen zur Einweisung.

Der junge Mann, der uns die Nutzung der doppelten Klettersicherung erklärte, absolvierte seine Erklärung routiniert…also sehr schnell…dann ging es an die Übungsseile um zu üben, wie man diese „Verbindungsmittel“ benutzt….einhaken mit Nr.1, Einhaken mit Nr. 2, Umhaken mit Nr. 1, Umhaken mit Nr. 2 usw…und aushaken mit Hilfe eines Endstücks. Diese Doppelsicherung ist so aufgebaut, das sich immer nur eine der beiden Haken öffnen lässt…und erst wenn ein Haken geschlossen ist, lässt sich der 2. Haken öffnen. und für bestimme Teile eines Parcours, wo man sich abseilen oder zum nächsten Baum schwingen musste, gab es noch eine extra Sicherung die am Kletterzeug eingehakt wurde.

Meine Schwester hatte zum Glück gleich zu Anfang Kletterhandschuhe für uns besorgt….auf die Idee wäre ich nicht gekommen…aber es stellte sich als absolut sinnvoll für uns heraus. Für 4 EUR konnte man die im Kletterpark kaufen. Alles an Wertsachen, Handys, Schlüssel, jede Art von Halstuch, Ketten und Ringen…alles musste abgelegt werden….wir haben alles in unsere Rucksäcke gepackt, an Seilen hochgezogen und mit einem Mietschloss abgeschlossen….hahaha das fand ich lustig.

So richtig hatten wir das natürlich noch nicht drauf, mit dem Handling der Sicherungshaken…aber wir würden ja langsam anfangen….das Prinzip beherrschten wir dann aber bereits nach kurzer Zeit….nur manchmal kam es dann doch noch vor, das man versuchte einen Haken zu lösen und es nicht funktionierte….weil der andere dann doch nicht richtig geschlossen war.

15 verschiede Parcours werden mitten im Wald angeboten…die waren teilweise übereinander angeordnet …..es fing bei ca. 2m an und ging bis auf 25m Höhe…..um den vielen Menschen etwas zu entgehen, fingen wir gleich mit dem 2. Parcour an….das fühlte sich schon etwas komisch an….war aber auch lustig und hat viel Spaß gemacht.

Wir sind über Balken gelaufen, haben uns wackelnden Leitern ausgesetzt, sind durch Schlaufenwege gelaufen, haben schwebende Pfosten überquert, haben uns hinabfallen lassen mit Seilrutschen, sind in Netzen gelandet und mussten dann hochklettern….mussten Schrägen überwinden…..es war wirklich lustig….wir haben mit Kindern gelacht, uns gegenseitig angefeuert und gelobt, mit jungen Erwachsenen geflachst und spaßeshalber unser eigenes Ende vorhergesagt, noch bevor dieser Tag zu Ende geht….es war einfach toll.

Wir Zwei waren bei weitem die Ältesten Kletterer….während ansonsten alle zwischen 6 und 36 Jahre alt waren….und von Parcours zu Parcours ging es höher hinauf und die Anforderungen wurden schwieriger….Parcours 2 und 3 gehörten noch zu den Leichten….Danach sind wir gleich auf Parcours 5 gegangen…..weil es dort leerer war…..das war schon anspruchsvoller, weil die schaukelnden Elemente mehr wurden, die Abstände zwischen den Trittmöglichkeiten weiter auseinander lagen und die Halteseile weniger wurden…..hier brauchten wir schon unsere ganze Konzentration……und dann kam Parcours 6.

Meine Schwester wollte lieber gleich auf die 7, weil der Aufstieg viel leichter aussah…aber ich meinte, ich wolle lieber bei der 6 bleiben, weil es nach dem Aufstieg auf der 6 bestimmt noch „leichtere“ Elemente gab, als auf der 7.

Wir blieben also bei Parcours 6 und der Aufstieg hatte es wirklich in sich. Wir mussten den Baum mittels einer Kletterwand erklimmen….Höhe bis zur 1. Plattform, ca. 7-8 Meter…..Wir hatten dicke Wanderschuhe an und das hochklettern (natürlich 3fach gesichert) an der Kletterwand war, nach fast 2,5 Stunden hier, sehr anstrengend.

Ich bin dieses Mal als Erste hoch…..oben angekommen war ich ziemlich fertig….auch das eine Disziplin die wir noch nie gemacht haben….und ich hab gemerkt, bei diesem Parcours komme ich an meine Grenzen….und dabei war ich gerade erst oben auf der 1. Plattform angekommen. Hab gewartet bis meine Schwester ebenfalls auf der Plattform ankam. Für sie war das hochklettern noch schwieriger, weil sie etwas kleiner ist, als ich und Schwierigkeiten hatte, die sogenannten „Klettersteine“ zu erreichen, um sich mit Händen und Füßen daran hochzuziehen.

Es kamen sich hebende und senkende Holzplanken, die man überqueren musste…..später dann eine Art Hochseil wie im Zirkus, ca.. 1,5 cm breit, eine Schlaufenbrücke, schräge Bücken, schwingende Brückenelemente, und dann kam eine Abzweigung: aber meine Schwester wollte nicht den kürzeren Weg nehmen, den ich eigentliche wollte….okay als dann weiter über die Hängeseilbahn….und dann kam das vorletzte Element….und das war der Moment wo ich nicht nur an meine körperlichen Grenzen kam, sondern einfach nicht mehr konnte:

Es waren nicht quer, sondern längs zur Laufrichtung angebrachte schwingende Holzbalken und rutschige Reifen-Elemente, die man nach und nach überwinden musste….da hab ich dann nach 2/3 der Strecke nicht mehr weiter gekonnt….meine Schwester meinte, ich solle mich vom Kletterpersonal „retten“ lassen. (was immer und überall ohne Probleme möglich gewesen wäre)…aber ich hing da, auf dem letzten Holzbalken und musste auf das letzte Reifenstück…hatte keine Kraft mehr in Armen und Beinen…hab mich so ca. 20-30 Sekunden nur gehalten und dann mit wahrlich letzter Kraft über die heftig schaukelnden Reifen bugsiert…und mich dann mit aller-aller-letzter Kraft auf die letzte Plattform gezogen….dort stand noch ein kleiner Junge und meinte zu mir: Sie schaffen das, als ich meinte ich kann nicht mehr. Während der Junge sich dann dem letzten Absprung zum Boden stellte…hab ich mich ausgeruht und meiner Schwester zugeschaut, wie sich sich ähnlich schwer abmühte, wie ich gerade zuvor…auch ihr ging die Kraft aus, auch sie hing am letzten Element und konnte nicht mehr…auch sie konnte nicht mehr und auch sie hat es geschafft.

Wir sind da ganz ähnlich: aufgeben, kommt nicht in Frage….Wenn wir Herausforderungen annehmen, dann ziehen wir es auch durch….sie hat sich allerdings dicke Blaue Flecke an den Armen zugezogen.

Und jetzt mussten wir ja noch von der letzten Plattform, wieder zum Boden….eine Planke führte ins nichts…am Ende der Planke musste man sich an einer Art Seilbahn senkrecht runterfallen lassen….ich hab meine Dritte Sicherung am Gurt befestigt und mich an den Rand der Planke gesetzt….und da kam der Hinweis: Du musst noch deine Doppelsicherung Umhaken…aber da saß ich schon und es schien so, als ob ich meine Sicherungen vom oberen Sicherungsseil im Sitzen nicht mehr lösen könnte…zum Aufstehen war mir aber nicht mehr zumute…zu schmal die Planke, zu wenig Kraft…also rief ich doch nach einem der „Retter“ …aber bis der dann da war (ca. 1 Minute) , hab ich es doch noch von alleine geschafft, die Sicherungen Umzuhaken und es ging auch ohne Hilfe runter bis zum Boden…..aber ich fand es beruhigen, das er da unten stand und uns im Auge behielt.

Soooo….als wir dann Beide wieder den Waldboden unter den Füßen hatten, war uns klar….das war es für heute mit dem Klettern…mehr geht nicht. Das hat insgesamt viel Spaß gemacht, aber noch fast 3,5 Stunden waren wir körperlich einfach fertig…aber auch hochzufrieden, das wir uns auf dieses Abenteuer eingelassen hatten.

2 Gedanken zu “Bis an die eigenen Grenzen

    1. Hallo Monika, DANKE ….ja ich hab auch mal wieder eine Menge über mich dabei gelernt…und weiß nun, das ich das zwar noch einmal machen werde….aber bestimmt nicht so oft und ich bleibe bei den leichteren Parcours 🤣 …und ich weiß jetzt auch schon: Bouldern ist nichts für mich ….😄🧘‍♀️

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