Balance finden

Mir fehlt gerade etwas Muße und Stille. Fühle mich wie in einem Kommunikations-Strudel, ich unterhalte mich mit Kollegen, plaudere mit den Leuten vom Verein, telefeniere viel und tausche Nachrichten mit dem Rentner aus Hessen oder meinem ehemaligen Tanzpartner….und mit meiner Schwester…..Überall ist viel los.

Nach all dem Trubel, der Arbeit und dem Haushalt, bleibt dann auch nicht mehr viel Zeit für entspanntes Nichtstun, dann schlafe ich nämlich ziemlich schnell ein. Seit der Sommer-Sonnen-Wende nimmt die Helligekeit am Abend rapide ab…auch das verstärkt den Effekt das die Tage schneller enden…sie werden kürzer.

Noch geht es mir gut damit….und wenn ich morgen schon wieder in Richtung Küste unterwegs bin und mich mit Schwester+Schwager treffe, hoffe ich, das es mit unserer Ballonfahrt klappt und das ich DANACH mal wieder 1-2 unverplante Wochenenden haben werde…mir fehlen meine Wanderungen im Wald und in den Mooren….und auch diese kleinen spontanen Aktivitäten und die Muße auf dem Balkon zu sitzen und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen und niederzuschreiben.

Der Start in den neuen Sport war intensiv und hat meine Routine an vielen Stellen durcheinander gewirbelt….soetws bin ich nicht mehr gewohnt. Bin ja schon seit Jahren nicht mehr in einem Verein und seit Corona sowieso nicht mehr mit so vielen Menschen gleichzeitig in Aktion.

Ich muss erst einmal wieder die richtige Balance zwischen Aktivitäten in Gemeinschaft und Aktivitäten Alleine finden…denn ich brauche von Beidem etwas. Ruhe und Entspannung nur für mich und die Kommunikation mit Anderen.

Ein Körper namens Schmerz

Was Adrenalin und Ergeiz alles bewirken können, hab ich Sonntagabend erlebt…die Muskulatur hat an einigen, auch ungewohnten, Stellen mit Muskelkater reagiert…vor allem an den Innen-Schenkeln und den Oberarmen..dazu kam noch ein leichter Muskelkater in Schulter- und Bauchmuskulatur. Keinerlei Probleme hatte ich im Rücken, obwohl man die gesamte Zeit leicht vornübergebeugt sitzt…die Rückenlehne ist nicht zum Anlehnen da.

Was mich aber aber komplett lahmgelegt hat, waren heftigste Schmerzen in den Unteramren und Händen. Die Belastung war wohl zu stark…Zwei Tage und fast zwei Nächte hat es gedauert, bis die Schmerzen wieder weg waren. Es schien als ob die Sehnen und Faszien aufbegehren…der Muskelkater blieb noch etwas länger.

Während der beiden Tage am Wochenende, hab ich die Be-und Überbelastung nicht wahr genommen…und hatte auch nicht den Eindruck, das ich zuviel Kraft aus den Unterarmen hole…aber die verschiedenen Techniken, die wir immer wieder geübt haben, waren eben auch ungewohnte Bewegungen für die Arme….und der Wochendend-Kurs hat eben vieles komprimiert in kurzer Zeit abverlangt. Ich bin ja niemand der freiwillig zurück bleibt..ich bin in jeder sportlichen Form ehrgeizig…muss zwar nicht mehr ganz vorne dabei sein, aber abhängen lassen ist nicht drin…und ja, es war anstrengend.

Beim ersten regulären 2Std.-Training in dieser Woche, hatte ich danach keine Schmerzen in den Unterarmen…ist wohl alles eine Sache von Übung und Gewohnheit…und natürlich der richtigen Technik.

Auf der Elbe – im Kajak (2)

Es ist schon erstaunlich, wie schnell mein Leben mich aus meiner Komfortzone holen kann, wenn ich aktiver unterwegs bin. Es fordert mich gerade auf positive Weise und lockt mich damit aus meiner so lieb-gewonnenen Isolation.

Der 2. Teil des Kajak-Kurses am Sonntag fing wieder um 10 Uhr Vormittags an und ging bis zum späten Nachmittag. Ohne lange Vorreden hieß es dann auch: umziehen, Kajak zugeteilt bekommen und entsprechend einstellen und ab auf die Elbe.

Bei schönstem Sonnenschein und nur leichtem Wind waren wir insgesamt mehrere Stunden auf dem Wasser (mit Pause)…haben weitere Paddel-Techniken gelernt, fangen gespielt und sogar die Fahrrinne de Elbe überquert, haben den Wellen der vorbeifahrenden Schiffe getrotzt und uns km um km paddelnd fortbewegt.

Beim Trainieren des Ausstiegs an einem höhergelegenen Steg, hab ich nun endgültig begriffen, das ich dabei eher wie eine schwerfällige Robbe aussehe und das niemals mit Eleganz hinbekommen werde….zum Glück war ich nicht die Einzige. Der Trainer meinte dann auch, es gibt viele Vereinsmitglieder die ausschließlich vom Strand aus starten können und Stege vermeiden.

Obwohl ich Oberarme und Schultern regelmässig trainiere, war ich nie ein Fan von Klimmzügen oder auch Liegestütz….und genau diese Fähigkeit fehlt mir jetzt. Ab jetzt heißt es jeden Abend Liegestütz machen.

Für alle Teilnehmer, die bis zu dem Zeitpunkt noch nicht unfreiwillig gekentert sind, kam dann zum Schluß noch die Kenter-Übung….ja auch ICH musste – natürlich freiwillig – das Kajak über den Kipppunkt hinaus kippen, bis ich im trüben Wasser landete.

Hab ich schon einmal erwähnt, das ich kaltes Wasser hasse? ..ich gehe nicht mal ins Freibad wenn es heiß draussen ist…aber durch die Sonne, die körperliche Anstrengung und weil das Wasser sogar schon 18 Grad hatte, fand ich die Abkühlung sogar angenehm.. Es gelang mir augenblicklich die Spritzschutzdecke zu lösen und aus dem Kajak auszusteigen, behielt dabei sogar das Paddel in der Hand. Aber ich war ja auch darauf vorbereitet…wenn das plötzlich passiert, ist die Frage, wie schnell ich dann reagieren werde…aber dafür wird es auch immer wieder geübt.

Dann folgte der Wiedereinstieg ins Boot mit Hilfe eines Retters….denn das Boot muss ja erst einmal vom Wasser befreit werden…das geht nicht allein…deshalb muss jeder im Laufe der Zeit auch das Retten üben und nicht nur das gerettet werden. Ich muss aber erst einmal lernen mit Hilfe eines Trainers wieder zurück ins Kajak zu kommen, um weiter paddeln zu können.

Bäuchlings quer über dem Kajak hängend, hat mich die Aussage „Du musst jetzt deinen Körper drehen“ in ziemliche Nöte gebracht, wusste ich doch nicht, in welche Richtung ich mich wie drehen sollte, so das der 1. Versuch scheiterte, bis ich dann begriff was genau ich wie an meinem Körper wann, wie drehen muss….also irgendwann saß ich dann wieder richtig drinnen- triefend nass von oben bis unten, mit immer noch viel Wasser im Boot und mächtig stolz auf mich selbst – geschafft.

Am Ende dieser 2 Tage hatten wir alle die Anforderungen für den EPP 1 geschafft…den Europäischen Paddel-Paß, 1. Stufe…damit sind wir berechtigt ab sofort am regulären Vereinstraining auf der Elbe teilzunehmen.

Auf der Elbe – im Kajak (1)

Einen Grundkurs an nur einem Wochenende zu machen, anstatt in 4 Wochen je 1 Einheit ist schon eine Herausforderung für den Körper….macht aber Spaß.

Dabei hatte ich extra in den letzten Wochen vor allem das Krafttraining für den Oberkörper verstärkt…trotzdem spüre ich, nach den insgesamt 3 Stunden gestern auf dem Wasser, vor allem an den Unterarmen. Uns Anfängern fehlt einfach noch eine Menge an Technik…auch wenn ich schon an mir selber leichte Fortschritte bemerke.

Es ging nicht um sanftes Paddeln auf einem stillen Gewässer, sondern um kraftvolle Paddelschläge mit unterschiedlichen Techniken und um Wendigkeit und auch Schnelligkeit. Ich bin ja kein Freund von solchen Spielen und Fangen spielen im Kajak finde ich persönlich auch nicht so prickelig, aber es ging dabei hauptsächlich um die Anwendung der vorher gelernten verschiedenen Paddeltechniken.

Es ist eine sehr gemischte Gruppe und wir haben mehrere Übungsleiter, die uns ständig im Auge behalten. Die Wellen auf der Elbe machen mir sogar Spaß, aber einen gehörigen Respekt habe ich vor den Strömungen im Wasser.

Einmal bin ich zu eng um ein Hindernis gefahren und wurde von der Gegenströmung immer wieder zurück an meinen Ausgangspunkt getrieben….bis ich es endlich geschafft hatte, mit viel Kraftaufwand (anstatt Technik) mich in einem weiteren Bogen um das Hindernis zu bugsieren.

Es gab auch etwas Theorie mit einer Präsentation auf der großen Leinwand…so für ca. 1/2 Stunde…aber da ging es nicht in die Tiefe der Themen…aber eben etwas über Strömungen, Gezeiten der Elbe und Bedeutung der farblichen Bojen usw.

…..ein toller Tag

Scheu vor Menschen

Meine Scheu vor den Menschen nimmt gerade mal wieder viel Raum ein….und der Fluchtreflex ist groß, vielleicht sollte ich den Kurs heute doch lieber absagen?

Dabei freue ich mich seit einem Jahr darauf, das es endlich los geht…wenn da nur nicht die fremden Menschen wären.

Dabei bin ich im „Erst-Kontakt“ super…bin dann meistens super locker, schlagfertig und lustig…kann das Schweigen der Masse durchbrechen und Menschen zum Reden bringen. Aber wenn ich den gleichen Menschen dann mehrmals begegne werde ich von mal zu mal zurückhaltender und stiller…und unsicherer.

Das ist schon ein sehr merkwürdiges Verhalten, erklärt sich aber dadurch, das ich mich bei einem fremden Erst-Kontakt i.d.R. nicht wirklich öffnen muss…wenn ich aber Menschen öfter treffe, wie z.B. in einem Verein, dann muss ich die ja ein Stückweit in mein Leben lassen…muss mich öffnen – und das hab ich in den letzten Jahren verlernt. Bin ja auch sehr zufrieden mit meinem Leben, wie es ist.

Wie anders sind doch meine alten Kontakte, die – die mich schon seit Jahren kennen….so wie ich vor ein paar Wochen meinen ehemaligen Tanzpartner zu Besuch hatte…da hatte ich keine Scheu mich zu öffnen…der kennt mich ja ziemlich gut und weiß, wie ich ticke, da brauche ich mich nicht zu erklären…das war ein tolles Wochenende.

Aber neue Menschen in mein Leben lassen will ich eigentlich nicht…oder doch, ja schon…wenn da nur nicht diese Hürde wäre… Ich bin 54 Jahre alt, eine gestandene Frau, selbstbewusst und stark, stehe mitten im Leben, bin unabhängig und hatte bisher immer viel Erfolg im Leben…..und doch kommt da immer noch das kleine, pummelige, extrem schüchterne und introvertierte Kind zum Vorschein und übernimmt die Regie in meiner Gefühlswelt.

Natürlich gebe ich dem Fluchtreflex nicht nach…obwohl er dieses Mal schon sehr stark ist, seit ich weiß, das der Kurs heute insgesamt über 8 Stunden geht. Ich dachte die Stunden würden sich besser auf die beiden Tage verteilen.

Wie heißt es so schön: Auch dieser Tag wird vorüber gehen.

Und heute Abend weiß ich dann hoffentlich mehr, ob ich es mir vorstellen kann ein paar der Menschen dort in mein Leben zu lassen. Denn das war ja der ursprüngliche Plan: ich suche mir einen Sport der mir gefällt, gehe damit in einen Verein und baue hier neue Sozialkontakte auf….seufz….wenn da nur die Menschen nicht wären…..