Der eine Moment…

(Achtung: nur langweiliges Arbeitszeugs !!!)

…und dann kommt in jedem Abschluss-Jahr der EINE Moment…die EINE Situation, die mich komplett verzweifeln lässt…es sind immer wieder ganz unterschiedliche Dinge, die den Moment auslösen…aber ich WEIß, dieser Moment kommt irgendwann während des jährlichen Jahresabschluss-Marathon.

Dieses Jahr fühlte es sich lange Zeit so an, als ob der Moment in diesem Jahr dann doch nicht kommen würde…ich war ja super gut vorbereitet und habe inzwischen vieles im neuen System gut im Griff, bin innerlich viel ruhiger und es läuft, trotz all dem Chaos drumherum, bei mir eigentlich noch erstaunlich gut.

Und in dem Moment, wo ich schon nicht mehr mit diesem EINEN Moment gerechnet hatte, da kam er dann ganz unvermittelt mit einer E-Mail….die eine Anfrage, die einfach zu viel war und die mich komplett aus der Bahn geworfen hat.

Während ich also dabei war, alle Gesellschaften, rechtzeitig nach Ablaufplan, in den unterschiedlichen Stadien der Jahresabschlüsse fertig zu stellen, alle Genehmigungen einzuholen und alle und jeden rechtzeitig mit Daten zu versorgen, kam von aller höchster Stelle eine E-Mail mit der Aufforderung Daten für eine Gesellschaft für das Jahr 2025 zu prüfen und zusammenzustellen, weil die Daten in unserem System „unlogisch“ wären.

Da sich Niemand in DK dafür zuständig fühlte, hatte man meinen Namen ins Spiel gebracht. Ich hatte diese Gesellschaft jedoch schon vor genau einem Jahr abgegeben und mich nur noch um den Jahresabschluss 2024 gekümmert. Dieser wurde erst Anfang 2026 fertig (wegen fehlender externer Daten). Also hatte ich Anfang Januar 2026 endlich den Jahresabschluss 2024 in unserem alten Deutschen System fertig gestellt, für die Migration in das neue Buchhaltungs-System vorbereitet und eine Mail an die Teamleiterin in DK geschrieben und dabei auf ein besonderes Problem im Anlagevermögen hingewiesen, welche andere Kollegen in DK verursacht hatten und das ich nicht lösen wollte und vor allem auch gar nicht konnte (meine Kenntnisse in diesem Modul der Software waren nur rudimentär)

Seitdem hatte ich nichts mehr von der Teamleiterin zu dem Thema gehört…meine Buchungen standen immer noch ungebucht im Ledger und es schien sich niemand zu kümmern und jetzt kam diese Mail an MICH adressiert und auch an den Deutschen GF weil hier MEINE sofortige Antwort erwartet wurde…es wurde ein Zeitdruck aufgebaut: ich hätte alles stehen und liegen zu lassen, um die Daten in 2025 zu erläutern….Auch wenn das „Mehrarbeit“ bedeutet. Die Daten würden dringend für ein „due diligence Projekt“ benötigt.

Aber wie kann ich Daten erläutern, die nicht stimmen, da die Vorträge aus 2024 noch gar nicht gebucht waren und warum sollte ausgerechnet ich das tun, ich war an den Buchungen in 2025 überhaupt nicht beteiligt und Unterlagen dazu hatte ich auch nicht.

Gelesen habe ich die Mail übrigens an meinem freien Nachmittag Freitag vor einer Woche…man hab ich mich geärgert, das ich 1. die Mail überhaupt gelesen hatte und 2. sich alle in DK einen schlanken Fuß machen….denn seit der Umstrukturierung in der Zentrale, im letzten Jahr, gibt es keinen speziellen Ansprechpartner mehr für einzelne Gesellschaften und das führt dazu, das sich keiner mehr verantwortlich fühlt.

Ich habe ja noch diese Verantwortlichkeit für die Gesellschaften, die ich betreue, aber diese eine, betreue ich seit 1 Jahr nicht mehr.

Soooo das war der Moment der mich komplett überforderte und ich haderte den ganzen Abend und vor allem die ganze Nacht und habe überlegt, was mache ich nun. Wenn ich die Arbeit annehme, dann stehe ich vor massiven Problemen. Probleme die ich aber nicht verursacht habe. Wenn ich die Arbeit ablehne, muss ich es gut begründen und das kann sehr schnell als „Schuldzuweisung“ fehl interpretiert werden…etwas was in der Zentrale nie gut ankommt. Und es kann auch schnell als Arbeitsverweigerung interpretiert werden….etwas, was durchaus meinen Job gefährden könnte.

Ich fühlte mich überfordert von der Situation. Wäre die Mail nicht von soweit „Oben“ in der Hierarchie – also ganz oben gekommen, wäre die Entscheidung einfacher gewesen.

Irgendwann in der Nacht habe ich beschlossen, ich lehne die Arbeit trotzdem ab und schreibe es so, wie ich es immer mache: ich erkläre sehr sachlich, sehr klar und im Grundton positiv, warum diese Arbeit von mir nicht erbracht werden kann. z.b. schreibe ich nicht, das die Teamleiterin seit 1 Monat die vorbereiteten Buchungen noch nicht erledigt hat. sondern das diese Aufgabe „bestimmt noch auf ihrer sehr langen To-do-Liste“ steht.

Und das es in der Zentrale bestimmt Kollegen gibt, die bereits viel mehr Erfahrungen dem einen Neben-Modul der Software haben, während ich noch am Anfang stehe und nicht weiß, wie ich über 2 Wirtschaftsjahre hinweg die Daten aus dem System zurück drehen kann, das also nicht in so kurzer Zeit erledigen kann).

Samstagmorgen habe ich mich dann an den Firmen-Laptop gesetzt und meine Antwort geschrieben. Habe zusätzlich zu dem hochkarätigen Verteiler, der ohnehin schon mit in cc war , noch die Teamleiterin in DK und meinen deutschen Teamleiter hinzugefügt.

Ich habe den komplizierten Sachverhalt 2024 erläutert, warum der Abschluss so spät fertig wurde, wann ich die Gesellschaft übergeben habe, wann ich Kontakt zur Teamleiterin in DK hatte und das ich bei ihr vor 1 Monat um Unterstützung gebeten hatte und das die Restrukturierung der Abteilung zum gleichen Zeitpunkt die Verantwortlichkeiten verschoben hat. Das ich gerne Rede und Antwort stehe, falls noch Daten aus 2024 erläutert werden müssen, nicht jedoch für 2025.

Diese Mail war lang und es hat lange gedauert sie zu schreiben. Da sie in English erfolgte, habe ich mehrfach gelesen, um mich zu vergewissern, das meine Worte und Redewendungen nicht im Sprachenwirrwarr : Deutsch – English – Dänisch falsch verstanden werden könnten.

So die Mail war also abgeschickt – mit dem Bewusstsein, das ich jetzt durchaus in Schwierigkeiten kommen könnte. Es wäre nicht das erste Mail das Mitarbeiter, die „Widerworte“ geben, aussortiert würden…etwas mulmig war mir schon.

……

Die erste Antwort kam Montagmorgen von der Teamleiterin DK, sie würde das Problem mit dem Nebenbuchaltungs-Modul an einen erfahrenen Kollegen geben….sonst kam von ihr NICHTS.

Die nächste Antwort kam von dem Verfasser der 1. Mail. Er hatte ganz expliziert die Teamleiterin DK angeschrieben und dabei ausdrücklich uns Deutsche ausgeschlossen…..das er sich freue das sie, die Teamleiterin, sich jetzt um das Thema kümmert. Dieser explizite Ausschluss in seiner Mail…ich habe es mehrfach gelesen und meine Kollegen sehen es genau so, bedeutet, das ich jetzt tatsächlich „raus“ bin, aus dem Thema. Die Verantwortung liegt jetzt da, wo sie auch hingehört .

Trotz der Erleichterung darüber, war ich noch 1-2 Tage nervös, echt unmotiviert und auch unkonzentriert….war übermüdet und fand das alles gar nicht lustig. Und soll ich Euch etwas sagen : auch Ende dieser Woche waren meine vorbereiteten Buchungen für die Übernahme nicht gebucht….und auch die Korrekturen in dem Nebenbuchhaltungs-Modul waren nicht sichtbar….soviel zu „es ist mega eilig“ und „höchste Priorität“.

6 Gedanken zu “Der eine Moment…

  1. Gut gemacht. Ansonsten wärst du der Notnagel für alle zukünftigen Urgent Jobs gewesen, rein aus historischen Gründen.
    Dass das Thema 2025 bereits seit einem Jahr von deinem Tisch ging, reicht an sich schon. Verantwortlich ist somit DK – wer dort auch immer. Zusätzlich – so verstehe ich – gab es einen Systemwechsel und dem damit verbundenen Kompetenzwechsel nach DK. Alle Gründe sprechen deutlich für Dich, also bitte, mach dir keinen Kopf. Wenn es in DK schief geht, wird man auf dich trotzdem als Expertin zukommen, dann kannst du aber nach einer Bonifizierung (Extra-Aufgabe) oder Gehaltsanpassung fragen, schließlich ist es ein Mehr an Verantwortung. DK blamiert sich in der Zwischenzeit und du kannst dich nun entspannen.

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  2. Das ist etwas, was mich auch immer wieder ärgert:

    Da tauchen bei mir Dinge auf, für die ich nicht zuständig bin und es wird von mir erwartet das ich die Feuerwehr spiele.

    Und wenn ich das wirklich gemacht habe, weil z.B. der Lange mich darum gebeten hat, dann kommt 0,0 % Feedback oder die Stelle, die für die weitere Ausführung zuständig ist, läßt sich damit Ewigkeiten Zeit 😦

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    1. Das ist genau das Problem: irgendeine Art der Anerkennung oder wenigstens Wahrnehmung, das man etwas zusätzlich geleistet hat, fehlt in der Regel.
      Das Schlimme ist auch, die anderen gewöhnen sich daran das Du die Feuerwehr bist und NEIN-sagen führt dann zu Erstaunen 😉, weil niemand damit rechnet

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  3. Sehr, sehr, sehr gut, dass Du es abgelehnt hast deren Probleme zu bearbeiten.

    Du schreibst, es kann Deinen Job gefährden Widerstand zu leisten. Aber keinen Widerstand zu leisten kann Deine Gesundheit gefährden.

    Wir kennen doch alle die Kolleginnen, die die überall als supereffiziente Überleister bekannt sind. Man lädt ihnen auf bis sie zusammenbrechen. Und das Überladen passiert so jenseits der Logik, dass alle verantwortungsbewussten geistig im Kreis drumherum stehen und fassungslos mantraartig murmeln „das kann doch nicht sein“.

    Ich erzähl dir mal ein Beispiel aus meinem aktuellen Berufsalltag. Ich bin ja keine Softwareentwicklerin oder BI-Data-Analyst mehr wie früher. sondern arbeite nun an einer Schule. (Folgendes frei erfundene Beispiel, da ich ja niemals ein Datenschutzvergehen begehen würde). Da haben wir die Kollegin S, die supereffizient Alles wegschafft. Sie sagt, sie möchte keine 5. Klasse mehr als Klassenlehrerin (die Kinder kommen zu großen Teilen unerzogen, unsozialisiert bei uns an und sind weder in der Lage 45 Minuten Konzentration aufzubringen, sitzen zu bleiben auf ihrem Stuhl, solange sie dies sollen. Noch untereinander angemessen zu interagieren). Pro Klasse viele Elterngespräche auch mit Schulleitung, auch Polizei, auch Krankenwägen und so. Und seit sie einmal dass Eppstein-Barr-Virus (Monate ausgefallen) hatte schafft sie nicht mehr so viel und sie hat auch noch Familie.
    Sie bekommt natürlich trotzdem eine 5.Klasse. Sie sagt dann (nachdem der CoKlassenlehrer, der sie eigentlich gleichberechtigt unterstützen sollte sich aus allem heraus hielt): nach dem 5. Schuljahr wechseln wir. Sie als Co-Klassenlehrer, Er als Klassenlehrer. Sagt er „Nein, das kann er nicht“. Und wer führt die Klasse auch im 6. Schuljahr? Sie. Es gibt keinen Grund. der Typ hat keine Vorerkrankung. Keine besondere familiäre Belastung. Seine Frau macht Alles. Und so wird es in jedem Bereich gemacht. Immer wenn zwei Leute in irgendwas ein Team ist spannt man eine „Frau Zuverlässig“ und einen „Herrn FröhlicherLenz“ zusammen.
    Kollegin S wurde dann im auf das 6. Schuljahr folgenden Schuljahr tatsächlich in einer höheren Klassenstufe eingesetzt. Aber wieder mit so einem Minderleister. Jemand, der in seinem früheren Berufsleben nicht performt hat und dann Lehrer wurde und prinzipiell für Nichts zuständig ist. Der Herr ist nun seit 3 Monaten krank. S. meldete es rechtzeitig, dass sie kurzfristig vor dem Zeugnisdruck und den Entscheidenenden Konferenzen auch erkrankte und es wurde einfach Alles liegen gelassen. Man weiss ja, dass sie bald halbtot wieder da stehen wird, weil die Kinder brauchen die Zeugnisse und so weiter. Fallen andere Kollegen aus, springt immer ein Abteilungsleiter ein und schaut, dass er Sachen regelt.

    So ich hoffe ich habe dich in dem Beispiel stimmungsmäßig gut mitgenommen und ich weiss, wir Lehrer haben noch den Vorteil, dass man uns nicht rauswerfen kann. Aber S. ist auch nur ein Beispiel und ich habe das in den letzten Jahrzehnten so oft gesehen. Deshalb finde ich das toll wie Du klar deine Grenzen gesetzt hast, denn je mehr das Arbeitsumfeld spürt, dass es damit durchkommt. Desto mehr wird es drauf laden. Es gibt da kein Ende.

    Bleib stark!
    LG
    Coreli

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    1. hallo Corelli, vielen DANK …ohh ja …ich verstehe genau, was Du schreibst…ich habe früher (noch in Hessen) auch darauf aufmerksam gemacht, das es mich der zusätzliche Druck „kaputt macht“. Als es dann tatsächlich passierte und ich – kurz vor Burnout eine Art Nervenzusammenbruch hatte – war der Chef dann überrascht: er hatte meine Aussagen überhaupt nicht ernst genommen….
      ich bin ja im Laufe der Jahre etwas schlauer geworden und passe besser auf mich auf …aber es stresst mich immer noch, das solche zusätzlichen Anforderungen an mich gestellt werden..
      Ich bin im nachhinein froh, das ich die Mail so geschrieben habe .-)
      Liebe Grüße zurück

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