Heulender Wind

Heulender Wind

Der Wind heult um das Haus…das Thermometer zeigt 4 Grad, die Sonne scheint…die Geräusche des Windes machen es mir schwer, mich heute zu meiner Wanderung aufzuraffen. Hier drinnen ist es soo gemütlich bei heißem Kaffee, den Kerzen auf dem Adventskranz ….warum sollte  ich mich in die Kälte begeben? Couch kann doch soooo kuschelig sein.

Aber nach dem gestrigen Ausfall eines ausgedehnten Spaziergangs überwog heut die Lust auf eine Wanderung durch die Natur. Da ich heute NOCH eine weitere Verabredung für den Weihnachtsmarkt habe, bin ich früh aufgebrochen und bin meine  aktuelle Lieblingsstrecke durch das Tävsmoor gewandert…Trotz des Windes war es herrlich Sonne, Wolken, Wind und tiefblaues Wasser…

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Auf dem Rückweg zum Auto musste ich mich gegen den Wind stemmen, um nicht fortgeweht zu werden…Das Laufen hat mir sehr gut getan… Ich hab mich körperlich gut angestrengt und meinen Kopf wieder frei bekommen…JAAA das hat mir die ganze Woche über gefehlt…

Am Nachmittag bin ich mit einem Kollegen verabredet…es ist einer der wenigen Kollegen aus meiner Abteilung, mit dem ich mich normal unterhalten kann…wir sind heute zum Grünkohlessen auf dem Weihnachtsmarkt verabredet…

Und wieder frage ich mich: ob das eine so gute Idee ist? … lol… das ist ein direkter Kollege…das könnte Gerede geben….hahahha aber das ist mir egal, ich bin schon früher  immer mit Männern befreundet gewesen,…also warum sollte ich mich nicht mit einem Kollegen treffen…Er lebt auch allein, hat keine Freundin oder Frau.

 

 

 

Treffen auf dem Weihnachtsmarkt

Treffen auf dem Weihnachtsmarkt

Hmmm – Unwohl hab ich mich vor dem Treffen mit meiner Kollegin gefühlt.  Ich bin ja im Grunde meines Wesens ein eher schüchterner Mensch…lasse Menschen nicht so leicht an mich heran und schließe noch schlechter  Freundschaften. Ist das eine gute Idee sich mit einer Kollegin zu verabreden?  – Zu spät darüber nach zu denken.

Ganz ehrlich: wenn sie abgesagt hätte…es wäre für mich eine Erleichterung gewesen. Hat sie aber nicht…und so haben  wir uns getroffen.

Sie kam und alles war ganz locker und unkompliziert…und bei einem Gang über den realtiv kleinen Weihnachtsmarkt und  mit Glühwein und Eierpunsch an einem überdachten offenen Feuer haben wir uns mehr als 3 Stunden unterhalten. Es hat Spaß gemacht und wir haben viel gelacht.

Sie ist nur ein Jahr jünger  als ich, geschieden vom Mann, getrennt vom Freund, lebt jetzt alleine…hat einen erwachsenen Sohn und ist gerade Oma geworden. Sie ist direkt in ihrer Art, unternehmungslustig und trägt das Herz auf der Zunge. Wir haben ähnliche Interessen und haben so manche Gemeinsamkeit.

Dadurch hab ich auch ein paar Einblicke in die Firma erhalten, die mir sonst so gar nicht bewusst geworden wären.

Das Treffen mit ihr hat mir mal wieder gezeigt, das es richtig ist, sich auch mal wieder zu öffnen und langsam neue Menschen in meinem Leben zuzulassen. Man muss ja nicht gleich das Prädikat: BESTE  FREUNDE aufstempeln…erst einmal einfach Bekanntschaften schließen.

Als wir uns voneinander verabschiedet haben, war der Weihnachtsmarkt schon offiziell geschlossen….hahaha aber überall waren noch Menschen mit Glühwein und ich hab sogar noch einen Burgunderbraten (MIT Kruste) im Brötchen bekommen… bin dann noch eine Weile durch die Stadt gelaufen…immerhin fehlte mir heute der Gang durch die Natur….

 

Treffen in Neumünster – und Zuhause Drama

Gestern also hab ich mich mit meinem ehemaligen Kollegen aus Hessen und seiner Frau verabredet. Beide machen gerade Urlaub an der Schlei. Wir haben uns auf halber Strecke zwischen deren Urlaubsort und meinem Wohnort getroffen und das war in: Neumünster.. am alten Rathaus.

Das Rathaus ist wirklich ein Hingucker….und entgegen dem, was ich vorher über Neumünster gelesen habe, finde ich das kleine Städtchen nicht langweilig, sondern gemütlich.

Eigentlich wollten wir erst mal eine Weile spazieren gehen um die Ggend zu erkunden, aber mehr als eine kleine Runde durch die Innenstadt ist es dann nicht geworden. Immerhin ist der Kollege mit 66 Jahren bereits in Rente…und es ging bei ihm an dem Tag nicht so gut mit dem Laufen…die Hüfte bereitet Probleme. Sie ist erst knapp über 60 Jahre und arbeitet noch…Beide sind sonst eigentlich fit und unternehmungslustig.

Wir sind dann am Marktplatz in ein nettes Bistro/Cafe/Restaurant gegangen…da war es so richtig kuschelig und schön…

Und schon nach kurzer Zeit war klar, den Beiden brennt etwas auf der Seele…so richtig in Urlaubsstimmung waren sie nicht mehr…mein Kollege hat auch erzählt, das er wieder Panik-Attacken und innere Unruhe hat…etwas, was er seit dem er in Ruhestand ist eigentlich nicht mehr hatte. Im Job waren das jahrelang seine Begleiter…deshalb ist er auch so früh wie irgend möglich in Rente gegangen… Er hatte zum Glück einen dieser Altverträge die eine extrem gute Altersabsicherung möglich machten….so konnte er dem Stress entfliehen.

Ich hab die Beiden ja kurz vor meinem Weggang aus Hessen in ihrem Reihenhäuschen am Rande eines Dorfes besucht…sehr beschaulich und schön mit Blick auf viele Felder…

und genau dort, direkt vor deren Nase wird nun ein riesiges Neubaugebiet mit vielen Hunderten von Häusern, Supermarkt, Kindergärten usw. gebaut…also auf die nächsten 10 Jahre wird es dort jede Menge Baulärm geben und der Blick in die Natur wird fort sein und genau an dem Morgen bekamen die Beiden den beschlossenen Lageplan wo und wie und wie groß das alles werden wird…das war verstörend für Beide.

In das Häuschen haben die Beiden viel Herzblut und Geld gesteckt…deren Zwillinge sind dort groß geworden…und nun fühlen sie sich nicht mehr wohl dort mit dem Gedanken an die Zukunft…und überlegen sich gerade wie es weitergeht:

  • verkaufen und woanders neu ein Haus kaufen
  • verkaufen und woanders neu eine Wohnung/Haus mieten
  • oder doch erst mal nur das Haus vermieten und woanders mieten
  • wohin ziehen wenn man gar nicht umziehen möchte

Beide haben immer darauf hin gearbeitet , in dem Haus bis zum Schluss wohnen zu bleiben …und jetzt, wo auch sie im nächsten Jahr in Früh-Rente gehen wird, sollte dieses Haus ihr kleines Ruhe-Paradies sein…tja – und jetzt wird auf einmal alles anders…die gesamte Planung fürs Alter wird sich nun ändern. Beide haben noch 1- 1,5 Jahre Zeit bevor es dort richtig los geht….aber nun müssen sie sich damit auseinander setzen – obwohl sie das eigentlich gar nicht wollen

Nachdem wir uns sehr ausführlich über das Thema unterhalten hatten, kam auch etwas Ruhe in die Beiden und wir hatten einen kurzweiligen Nachmittag.

Da kann man mal sehen: die einen sind froh das sie bald neue Wohnungen/ Häuser haben werden, die anderen sind mit den gleichen Wohnungen unglücklich… Es gilt mal wieder das Sprichwort: „Des einen Freud – des anderen Leid“ (sorry weiß nicht von wem das stammt).

Es gibt sie überall

Überall, in jeder Firma, gibt es ganz spezielle Kollegen und überall gibt es das gleiche Tratschen, lästern, sich über den Chef ärgern… Kollegen die einen links liegen lassen oder neugierig versuchen einen  auszufragen.

Die gesamte Bandbreite der menschenlichen Egos  findet man auch in diesem Micro-Kosmos „Job“…..lach…und auch wenn der Personalvermittler meinte: jeder ist in dieser Firma glücklich und zufrieden-..so kann ich nach 3 Wochen sagen: nein- ganz und gar nicht.

  • da sind mindestens 3 Kolleginnen die so absolut unzufrieden sind…womit? Natürlich mit allem: Arbeit ist heute blöde / früher war alles besser / zuviel Arbeit / zuwenig Verantwortung / zu eintönig /ständig Veränderungen. Jede Aktion die nicht rund läuft, wird gleich auf sie persönlich bezogen…na klar: die Chefin hat eine Transaktion entzogen und das führte zu Problemen…jetzt wurde es zurück gedreht…und prompt war jemand der Meinung so eine blöde Chefin, das hätte sie doch wissen müssen…
  •  Dann sind da 2-3 Kolleginnen die ständig  über andere lästern…nicht nur über andere Kollegen, sondern überhaupt. Jede noch so alltägliche Situation wird seziert und über alles wird gehässig hergezogen.
  •  Dann sind da insgesamt 3-4  Kollegen die immer und ständig labern…und bei dem einen frage ich mich, wann schafft er es eigentlich noch dazwischen zu arbeiten…Er hat zu allem und jedem Thema etwas zu sagen und er wechselt die Themen so schnell, da schlackern mir die Ohren…also geistig fit scheint er zu sein…
  •  Dann sind da mehrere Kolleginnen die ständig mit einander flüstern, was bei einem 15köpfigen Team in vier ineinander-übergehenden (also halb-offenen) Räumen auch sehr unauffällig ist
  • Dann sind da die 2-4 Kollegen die nie Lust auf die Arbeit haben, immer müde sind und schon Morgens um 9 Uhr lautstark die Stunden bis zur Pause und bis zum  Feierabend zählen…
  •  Dann ist da die Kollegin die sich unterlegen fühlt und versucht es mit einer leicht überheblichen Art zu überspielen …und dann kommt wieder so ein merkwürdiger Seitenblick: hoffentlich merkt keiner das ich es nicht weiß
  • Dann sind da auch die Spaßmacher…die sich gegenseitig mit dem Blödsinn anstacheln und das auf Kosten der Anderen.

Und dann gibt es in dem ganzen Gewusel tatsächlich noch ein paar wenige Kollegen  die gerne ihre Arbeit machen, die Verantwortung übernehmen, die sich kümmern und die einfach nett und normal sind…mit denen man sich auch ganz normal unterhalten kann.

Wer genau mit gezählt hat wird feststellen das manche Kollegen mehrere der oben genannten Attribute auf sich vereinen…

Die meisten Kollegen gehen auch zusammen zum Frühstück und auch zum Mittagessen…und viele sitzen dann nur stumm vor ihren Handys…und die anderen unterhalten sich…ich kann den meisten Unterhaltungen nicht folgen, denn es sind oft keine ganzen Sätze, sondern oft nur Bruchstücke die sich auf vorherige Unterhaltungen beziehen, die ich nicht mit bekommen habe…lach…das ist nicht schlimm…allerdings ist es für mich nicht so der Hit den Unterhaltungen zu folgen. Aber ich beteilige mich an normalen Unterhaltungen, höre zu…mache Scherze, …erzähle auch von mir,  wenn mich  jemand fragt…frage auch die Kollegen…mit anderen Worten ich unterhalte mich ungezwungen.

Diese gemeinsamen Frühstück- und Mittagessen sind eigentlich nicht mein Fall…aber natürlich ist es gerade in der Anfangsphase nicht gut, sich gleich abzukapseln…also werde ich auf jeden Fall noch ein paar Wochen bei diesen gemeinsamen Essen mit machen… Allerdings würde ich auch gerne wieder mittags spazieren gehen….aber das muss eben bis zum Feierabend warten.

Wenn ich mich selber frage, wie ich mich fühle, muss ich sagen…ich fühle mich gut – denn ich hab echt Glück gehabt mit meinen beiden Schreibtisch-Kolleginnen…

Wenn ich tief in mich hinein lausche fühle ich mich wohl in der Firma, aber eben nicht freundschaftlich verbunden…dafür ist es definitiv viel zu früh… gerade bei mir dauert das sowieso sehr lange. Es überwiegt also eine Art  wohliges Gefühl des Alleine-Seins…aber eben NICHT im negativen Sinne…sondern positiv. Ich hab auch beim Arbeiten eine gewisse Ruhe …man lässt mir meine Ruhe…

Und wenn der Feierabend da ist, dann gehe ich ruhig und entspannt und freue mich auf meine freie Zeit…ich bin auch immer irgendwie beschäftigt….Langeweile hab ich noch keine gespürt.

 

 

 

 

4.Arbeitstag – da kommt es langsam durch

Heute nun konnte ich zum ersten Mal meine neuen Kollegen differenzierter wahr nehmen. Zum einen werde ich aufmerksamer und merke wer nun wer mit wem besser oder schlechter kann und zum anderen legen die Kollegen ihre anfängliche General-Freundlichkeit ab…

…das ist gar nicht böse gemeint, sondern eine natürliche Reaktion.

Beachtlich fand ich heute das subtile Verhalten einer Kollegin, die heute erst aus dem Urlaub gekommen ist, wir uns also erst heute kennen gelernt haben.

Sie ist etwas älter als ich, arbeitet in einer der Teil-Abteilungen, kam freundlich auf mich zu und ich bin ihr freundlich begegnet. Es ist eine von den Frauen die versuchen ton-angegend  zu sein und versuchen  auch die Meinungen anderer beeinflussen, das merkt man durch ihr gesamtes Verhalten…Das stört mich eigentlich nicht – damit kann ich gut umgehen.

Während der Frühstückspause musterte sie mich dann auch immer wieder eingehend…und bereits zur Mittagspause hatte sie sich scheints ein Urteil gebildet, welches nicht zu meinen Gunsten ausfiel….lach…ich weiß allerdings nicht wieso. Vielleicht weil ich nicht nur stumm da saß, sondern mit geredet habe…nach jedem meiner Sätze schaute sie missbilligend…während ich ihr freundlich ins Gesicht lächelte, blieb ihr Blick starr auf mich gerichtet.

Es ist wie immer im Leben, man kann es nicht allen recht machen und man kann auch nicht mit jedem gleich gut befreundet sein. Ich begegne ihr weiterhin freundlich und mit einem Lächeln und bin weiterhin so, wie ich immer bin. Vielleicht liest sie aus meinem Lächeln auch leichten Spott…das  ist eine Reaktion die ich manchmal nicht ganz unterdrücken kann, wenn andere versuchen mir mit Blicken ihr Missfallen zu übermitteln.

Witzige Anektote:  In der Mittagspause hat sich ein Mann mit an unseren  Tisch gesetzt und sich gleich mal bei mir mit Vor-und Zunamen vorgestellt …mir sagte der Name nichts und hab mich ebenfalls vorgestellt (Laufe sowieso mit so einem Namensschild herum – damit mich alle als „NEUE“ erkennen) und irgendwie hab ich ihn gleich geduzt – da sich hier sowieso fast alle Duzen und wir haben uns locker über seinen Familien-Urlaub unterhalten.

Später hat mir die  Kollegin, die mich aktuell  anlernt, verschämt  zugeraunt das es sich bei dem Herren um einen Abteilungsleiter  handelt…ja – das hatte ich während unseres Gesprächs inzwischen auch gemerkt. Sie fühlte sich aber scheinbar unwohl, weil ich den Herren geduzt hatte und nur deshalb hab ich mir im Nachhinein Gedanken gemacht und bin nach der Pause zu ihm gegangen und habe gefragt ob ich mit meinem vorschnellen Duzen  jetzt über das Ziel hinaus geschossen bin, er blieb locker und gelassen, lachte und meinte – nein, das sei von seiner Seite doch gar kein Problem, er duzt doch so viele hier…wir können gerne dabei bleiben.

Heute wurde auch (in meinem Beisein) zum ersten Mal über andere Kollegen aus der gleichen Abteilung leise gelästert. Ich hab versucht meine Ohren auf Durchzug zu stellen…davon möchte ich nichts mit bekommen. Da halte ich mich raus…

…und ich habe heute auf Nachfrage heraus bekommen, das ich mir am Freitag von einer Kollegin, die diese Woche in Urlaub ist, Arbeit habe „aufhalsen“ lassen…die so gar nicht zu mir gehört…das habe ich mir am Freitag bereits gedacht, es….und die Reaktion der Kollegin heute hat mir auch gezeigt, das macht sie wohl gerne mal –  auch bei den anderen…

Ja so langsam erkenne ich nicht nur Strukturen in der Arbeit, sondern auch die feinen fast unsichtbaren Strukturen in der Abteilung selbst…aber da geht noch mehr…das spüre ich jetzt schon…da wird noch einiges zu Tage treten…das finde ich äußerst spannend

 

 

 

 

 

Erste Arbeitstage im neuen Job

So richtig nervös bin ich eigentlich erst am frühen Morgen des 1.Oktober geworden. Mein Arbeitsstart sollte ja erst um 9 Uhr sein. Als Frühaufsteher ist das schon sehr spät für mich.

Meine neue Chefin hat mich in Empfang genommen und mir meinen Arbeitsplatz gezeigt. Ich konnte gerade noch meine Jacke ausziehen und meine Tasche abstellen….und das erste Mal das ich mich tatsächlich an meinem Arbeitsplatz niederlassen konnte war am Nachmittag…

Es ging Schlag auf Schlag…wir sind durch die beiden Abteilungen gegangen, die mich betreffen, wurde vorgestellt…hab dutzende Hände geschüttelt, Namen und Funktionen genannt bekommen und gute Wünsche zum Start….danach Einweisung in der IT, anschließend Pflichttermine in der „Academy“ mit Sicherheitsunterweisungen und Firmen-Auftritt durch die Leiterin des Personalwesen… zum Glück war ich nicht alleine, sondern eine Dame aus der Steuerabteilung ist auch erst seit einem Monat da, die hat mich dankenswerterweise an-die-Hand genommen.

Dann war auch schon fast Mittag, ich wurde gleich mit in ein UST-Thema einbezogen, wo eine Klärung ausstand, dann ab in die Kantine mit der Chefin, danach ging es weiter..

Alle sind sehr nett und zuvorkommend. Der Umgangston ist friedlich und freundlich und auch wenn von Stress und Zeitdruck die Rede ist, merkt man das den Kollegen nicht wirklich an, da ist keiner hektisch oder laut….aber das ist natürlich nur die Oberfläche, die ich aktuell sehe…

Es war am 1. Tag schon sehr….komisch…weil die Arbeitsweise unglaublich stark aufgesplittet ist…nicht nur auf verschiedene Personen, sondern auch auf verschiedene Abteilungen…da brauche ich eine Weile um das System zu verstehen. Durch diese starke Unterteilung muss man sich ständig mit Kollegen austauschen, hast Du schon…machst Du noch…wie weit ist das schon….wann wirst Du fertig… es wirkt wie ein Ameisenhaufen für mich…alles hat seine Ordnung – aber ich erkenne das System noch nicht.

Am 2. Tag war es dann schon viel besser…ich hab Strukturen erkannt und konnte diese direkt einordnen…hab schon Arbeiten die man mir einmal gezeigt hat gleich für eine andere Gesellschaft selbständig übernommen…meine Fragen wurden immer direkt beantwortet…ich schreib vieles auf, damit ich das beim nächsten Mal sofort selber machen kann…und ich hab von der Chefin auch gleich Rückstellungsbuchungen bekommen, nachdem sie gemerkt hat, das ich ihr  Buchungssystem verstanden habe und auch die Excel-Listen kenne ich in ähnlicher Form auch schon.

Als sie beim Erklären auf eine Ungereimtheit stieß und etwas ratlos wirkte, wie sie das jetzt in  SAP  herausfinden soll, hab ich gesagt wie ich in SAP suchen würde…und sie hat es dann auch so übernommen und gefunden…LOL. Hoffe sie nimmt das nicht als Angriff auf ihren Status…ich muss aufpassen, weiß  ja noch nicht, wie sie auf so etwas reagiert..Bei anderen Dingen hab ich dann aber lieber meinen Mund gehalten…

soooo….also nach dem 2. Tag hab ich berechtigte Hoffnung mich in dieser Firma wohlfühlen zu können, wenn ich den Ameisenhaufen überblicke…und mein Aufgabengebiet übernommen habe…ich weiß aber schon wo die Reise hingeht…das ist gut so.

Kommunikation und Balkonfreude

Ich sitze (jetzt endlich wieder mit dem Laptop) bei 13 Grad und Sonnenschein auf meinem Balkon und trinke Kaffee…eingepackt bin ich mit Fleece-Jacke und Schal und einer Decke über den Beinen und geniesse den Vormittag.

Zugegebenermaßen wollte ich um diese Uhrzeit bereits unterwegs sein…durch ein längeres Telefonat bin ich in meinem Zeitplan jedoch etwas verschoben. Macht aber überhaupt nichts, es soll den ganzen Tag sonnig bleiben.

Gestern Abend hab ich bereits lange mit einem meiner Mädels telefoniert, mit der 2. Heute Morgen ausgiebig gechattet und mit der 3. eben gerade sehr lange telefoniert, wir sind jetzt also wieder gut upgedated…gegenseitig.

Alle wollten natürlich wissen, wie meine ersten beiden Tage in der neuen Firma gewesen sind…und ich wollte wissen wie es bei den Dreien so läuft (privat und beruflich).

Das hat gut getan und es gab auch viel zu lachen. Telefoniert hab ich natürlich drinnen, ich bin kein Fan davon auf dem Balkon zu telefonieren, mag es auch bei anderen nicht…mich würde es stören immer die Telefonate anderer Menschen unfreiwillig mit zu bekommen. Also sitze ich jetzt hier noch ein paar Minuten für den 2. Kaffee und dann erst packe ich meinen Fahrrad-Rucksack…mein Ziel ist heute HH-Blankenese.

Zuerst mit dem Auto hin und dann in Blankenese mit dem Fahrrad weiter fahren. es ist sonnig und windstill und mit bis zu 15 Grad auch fast ideal mit den Temperaturen.

Kollegen besucht

Heute hab ich meine bald Ex-Kollegen in Salzgitter besucht…

Diese Kollegen hatten noch einmal bei meiner Verabschiedung die schriftliche Einladung, jederzeit auf einen Kaffee vorbei kommen zu können, erneuert….also hab ich das heute ohne Vorankündigung gemacht…

hab in der früh einen Kuchen gebacken und mich für 220km ins Auto gesetzt…mit mehreren Staus hat es fast 3,5 Stunden gedauert…und dann noch einmal ein paar Minuten bis ich wusste WO auf diesem riesigen Gelände ich überhaupt hin muss…ich war 2012 das letzte Mal dort…also Tor 1 und Tor 6 lagen fast neben einander…wo zum Henker ist Tor 5 ? Ein freundlicher Mensch an Tor 1 hat mir dann einen Lageplan übergeben und mich zur Tor 4 (?????) geschickt….okay…mit dem Plan funktionierte es dann auch….und ach…da ist ja auch ein Hinweisschild unser Firma.

Der Instandhaltungsleiter mit dem ich oft mehrmals am Tag telefoniert hatte nahm mich überrascht in Empfang…und zusammen mit dem Werksleiter und allen Kollegen die gerade etwas Zeit hatten, sassen wir dann in deren Küche zusammen und haben bei Kaffee und Kuchen lebhafte 2 Std. verbracht. Mir hat es Spaß gemacht und auch die Kollegen haben sich gefreut….die sind ja sonst sehr weit weg von der Zentrale und ich hab eben sehr viel angenehmen Kontakt zu ihnen gehabt.

Keine Viertelstunde nach meiner Abreise habe ich bereits von meiner Kollegin aus dem HR die Rückmeldung bekommen wie sehr die sich gefreut haben, das ich tatsächlich vorbei gekommen bin….lol…da hat sofort jemand zum Telefonhörer gegriffen und es erzählt.

…und ich hab auch noch einmal eine Werksführung bekommen…so konnte ich ein paar der Teile, über die wir öfter gesprochen hatten, noch einmal in Natura anschauen…

…Hmmmm leider musste ich aber auch erfahrenen das mein Nachfolger bereits den 3. Tag mit Kopfschmerzen und Übelkeit krank ist und sich auch so gar nicht meldet ….das macht mir gerade Sorgen…und nicht nur mir…auch mein Team wird unruhig…das sind die nicht gewohnt…ein Teamleiter muss sich ja wenigstens darum kümmern, das die wichtigsten Aufgaben umverteilt werden…. na hoffentlich ist das kein schlechtes Zeichen…🤔

Flucht in ein neues Leben

Mit Beginn meiner Balkon-Gärtnerei hab ich mich mit einem meiner Team-Mitglieder immer über Garten, Gartenarbeit, Blumen-Zucht und Gemüse-Anbau unterhalten. Sie hat mir viele Tipps gegeben….ich mag ja Gärtnern, habe aber keine natürliche Begabung…muss mir alles anlesen.

Sie ist etwas älter als ich, ein herzensguter Mensch…hatte nach einer schwierigen Ehe  2 Kinder alleine groß gezogen und hat es im Leben nie leicht gehabt.  Der Vater der Kinder ist seit der Trennung (da waren die Kinder noch ganz klein)  im Ausland geblieben, aus dem sie sich bei Nacht und Nebel geflüchtet hat – nachdem sie ihre Pässe vom Ehemann hatte stehlen müssen. 

Ich habe vor vielen Jahren mal ein sehr populäres Buch gelesen: „ Nicht ohne meine Tochter“ von Betty Mahmoody, darin ging es um die Flucht einer deutschen Frau, verheiratet mit einem Perser, die mit ihrer Tochter aus dem Iran flüchten muss, weil der Ehemann das Kind nicht zurück nach Deutschland lassen wollte.. So dramatisch wie in dem Buch war die Flucht meiner Kollegin NICHT, aber auch ihr ausländischer Ehemann wollte sie und die Kinder nicht gehen lassen, hatte ihre Pässe an sich genommen und sie eingesperrt.

In Deutschland ist sie erst einmal in ein Frauenhaus geflüchtet, bevor sie anfing ihr Leben mit den Kindern neu zu ordnen. Seitdem hat sie immer gearbeitet, wollte nie jemandem auf der Tasche liegen, nicht dem Staat und nicht ihrer Familie…und sie hat es geschafft.

Beide Kinder sind inzwischen Ende 20…beide haben studiert…stehen im Leben und sie kann stolz sagen, das hat SIE möglich gemacht.

Sie hat auf schmerzhafte Art gelernt sich durch zu boxen, auf eine stoische, ruhige Art…irgendwie MUSS es ja weiter gehen…sie MUSSTE ja immer funktionieren…schon alleine für ihre Kinder. 

Sie ist in ihrer ganzen Art sehr ehrlich, manchmal etwas verpeilt (bei uns Zuhause hiesse das: dappich)… und manchmal  etwas zu gutmütig ….so, dass ich ihr in den letzten Jahren immer wieder den Rücken gestärkt habe, um sich nicht zu viel gefallen  zu lassen, egal ob von Kollegen oder ihrem Lebensgefährten.

Aber auch ohne meine moralische Unterstützung  würde sie sich nicht unterkriegen lassen, aber meine  Unterstützung macht es ihr heute leichter 🙂.

Sie hat eine unglaubliche innere Stärke, da man bei ihr nicht vermuten würde, denn nach außen wirkt sie mit ihrer sehr korpulenten  Statur, der ruhigen Art und den manchmal stockenden Sätzen eher unsicher.

Sie  ist in einem Kleingarten-Verein und hat einen großen Garten mit vielen Obstbäumen, vielen Büschen, Blumenbeeten, Gemüsebeeten,  mit einem Gewächshaus, einem Gartenhäuschen…mit etwas Rasen und soooooooo viiiiieeel Arbeit. Der Garten ist in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung und es ist ihr Rückzugsgebiet, ihre Trutzburg…und ich kann es verstehen…ihr Garten ist so abgeschirmt, so gemütlich verwildert…so  liebevoll verwildert…da hab ich mich gleich wohl gefühlt.

Freitag haben wir um 15 Uhr Feierabend gemacht, wir hatten  uns verabredet das sie mal schaut,  welche der Pflanzkübel und sonstigen Planzgefäße  sie  für  ihren Balkon und Garten gebrauchen kann… ich hab zu viele und kann nicht alle mit in die neue Wohnung nehmen…und  ehe ich die weg werfe, gebe ich sie lieber meiner lieben Kollegin.

Zuerst die Arbeit: die hat sich für die großen Planzgefäße entschieden…dazu noch ein paar der Kleineren…und mein riesiges Schwerlast-Regal aus Holz….ich bin froh das ich es nicht zum Sperrmüll geben muss, sie ist froh sich kein neues kaufen zu müssen…also ist uns beiden geholfen.

Nachdem wir alles in unsere  beiden Autos verfrachtet hatten (sie hat nur so einen wirklichen Kleinwagen…lach.. da passte das Regal nicht hinein)….haben wir uns auf meinem Balkon mit Kaffee und Kuchen niedergelassen und  uns ausgiebig unterhalten. Im Büro hat man ja nicht immer die Zeit dazu…wir  gehen zwar öfter auch Mittags zusammen in die Pause…aber auch da ist es zeitlich limitiert oder die Anderen sind dabei.

Fast erschrocken haben wir dann fest gestellt wie schnell die Zeit vergangen ist….und es war schon nach 20 Uhr als wir dann  zu ihrem Garten gefahren sind  um die  Sachen dort auszuladen.

Das war ein schöner Nachmittag und Abend…

Kollegen rücken zusammen

Diese ganze Unruhe in der Firma bringt aber auch etwas sehr Schönes…der Zusammenhalt unter den Kollegen nimmt zu…abteilungs-übergreifend.

Die Stimmung der Kollegen untereinander ist an vielen Stellen erstaunlich gut geworden. Vor ein paar Jahren noch haben einige Abteilungen gegeneinander gearbeitet…was ich immer unverständlich fand…aber jetzt ist das kollegiale Miteinander viel besser…das finde ich klasse.

Mit dem „ großen Unbekannten von Außen – Projekt: Bigfoot“  J (ist nur ein Synonym-das Projekt heißt in Wirklichkeit anders) und auch den teilweise unübersehbaren Konsequenzen die sich daraus  im letzten Jahr hätten ergeben können, rücken die Kollegen enger zusammen. Das ist eine natürliche Reaktion des Menschen: Bei Unsicherheit und drohenden Gefahren verbündet sich der Mensch mit denen die er kennt.

Lt. Shakespeares Hamlet:  „…das wir die Übel die wir haben, lieber ertragen, als zu unbekannten fliehen, so macht Gewissen feige aus uns allen, der angeborenen Farbe der Entschließung wird des Gedankens Blässe angekränkelt…“

Natürlich gibt es immer noch persönliche Differenzen zwischen dem Einen und Anderen…aber die gibt es überall.

Trotzdem, auch innerhalb vieler Abteilungen hat die Freundlichkeit der Kollegen untereinander  zu genommen…lach…es hat ja auch genügend personelle Änderungen gegeben.

Wie immer kann man über positive Dinge nicht so ausführlich berichten, wie über die Negativen….trotzdem wollte ich es nicht unerwähnt lassen.