So dies und das – normales Leben eben

So dies und das – normales Leben eben

Es passte gerade nicht wirklich, das mit dem Schreiben…dabei schreibe ich gerne und lasse meinen Gedanken oft freien Lauf oder erzähle gerne von meinem Tag.

Schreiben bedeutet für mich auch immer, etwas zu Verarbeiten und mir meines Lebens sehr bewusst zu sein….und trotzdem passte es in der letzten Zeit nicht so wirklich. Dabei hab ich schöne kleine Ausflüge gemacht, mich mit Schwester+Schwager getroffen und geniesse auch meine Walkingrunden, vor allem bei den schönen Sonnenauf- und Untergängen, denn das ist meine liebste Zeit…oder wie wie so oft in dieser Woche, auch erst knapp nach Sonnenuntergang, wenn der Himmel wunderbare Welten schafft, manchmal wirkt es so surreal.

Ich unterhalte mich viel mit Kollegen und Nachbarn. Wenn ich im Büro bin, gehe ich auch mittags mit raus zum Essen und finde es herrlich, arbeite andererseits oft und intensiv im Homeoffice, um alles immer noch rechtzeitig fertig zu bekommen ohne das ich gestört werde, was im Moment gar nicht so leicht ist…lerne weiterhin Dänisch, kümmere mich um meine Wohnung und um die Bepflanzung des Balkons und um alles was sonst noch passiert…normales Leben eben.

Direkt nach Feierabend bin ich dann erst einmal ziemlich müde…und es dauert eine Weile bis ich mich zu etwas Aufraffen kann. Vielleicht ist das jetzt die Frühjahrsmüdigkeit, nach dem Ende des Winterschlafs und dem Überwinden der Müdigkeit durch die neuen Medikamente…wenn ich dieses Nachmittagstief dann überwunden habe, dann ist auch alles okay…aber an manchen Tagen fällt es mir schon sehr schwer und die Couch-Anziehungskraft ist gerade sehr groß.

Ich musste mich beruflich und privat immer wieder mit den Tücken der Technik auseinander setzen und mit unverschämten Preisen der Stromanbieter.

Beruflich wird der Ton einsilbiger und an manchen Stellen rauer….aber damit hab ich seit dem Dezember-Meeting in DK schon gerechnet…aber ich muss mich erst wieder an so etwas gewöhnen. Man sagt ja: „In einem Krieg ist das erste Opfer die Wahrheit“, Im Job kann man es nennen: „Bei einem erfolgreichen Firmenaufstieg zum Konzern, ist das erste Opfer die Freundlichkeit“. Der Ton wird rauer, Mails werden schärfer formuliert, auf Antworten muss man länger warten, die kleinen Gesten der Freundlichkeit werden weniger und jeder ist jetzt mehr mit sich selbst beschäftigt.

Genau das konnte ich den den letzten 3 Jahren Stück für Stück beobachten. Das ist jetzt noch nicht dramatisch, das kenne ich auch noch viel ausgeprägter….aber es hat sich doch schon jetzt gravierend verändert. Der Charme der aufstrebenden kleinen Firmengruppe hat sich verzogen..

Und eine der gravierendsten Veränderungen: es gibt jetzt überall so viele neue Kollegen, die man nicht mehr kennt und kaum noch zuordnen kann. Jetzt rächt sich die dänische Methode, das man die Kollegen, auch in Mails, fast immer nur mit dem 1.Vornamen benennt…bei so vielen Mitarbeitern ist es aber natürlich, das es inzwischen 2 – 5 verschiedene Kollegen mit den gleichen Vornamen gibt….das kann dann schon mal zu „lustigen“ Verwechslungen kommen. Bei der Frage „Wer kümmert sich um das Thema xy“ kann die Antwort z.B. „wende Dich an Rikke“ zu einem echten Problem führen….und es dauert auf diese Weise lange bis man den richtigen Ansprechpartner gefunden hat…denn das ist ein Vorname der in DK und damit auch in unserer immer größer werdenden Zentrale, öfter vorkommt. Also hilft nur Nachfragen und ausprobieren.

Eine liebe Kollegin hat gerade massive Beziehungsprobleme mit ihrem Mann und auch noch, seit einigen Wochen, körperliche Einschränkungen durch einen Unfall….das Genesen dauert ihr zu lang, das kann ich gut verstehen…..das Ganz hat mich emotional sehr mitgenommen, ist sie doch sonst ein fröhlicher, positiver und liebenswerter Mensch. Sie will über das alles noch nicht sprechen…und ich hab ihr angeboten, das sie bei Bedarf gerne auf mich zurück greifen kann.

Und so vermisse ich gerade mal wieder die unbeschwerte Leichtigkeit, die ich sonst so gerne in meinem Leben habe….aber das ist jammern auf ganz hohem Niveau…denn mir geht es soweit ja gut und ich bin froh und dankbar für mein relativ sorgloses Leben und freue mich über den Frühling und das Leben im Allgemeinen..

Das Leben und die Risiken

Montag im Homeoffice wartete ich also auf Nachricht, wie meine Schwester die Herzkatheter-Untersuchung überstanden hat, ob die tatsächlich Stents gesetzt haben oder was dabei herausgekommen ist.

Aber es kam keine Nachricht. Dabei hatte sie am frühen Morgen den Termin…ich wurde unruhig…Erst nach dem Mittag kam von meinem Schwager die Nachricht: Ihr geht es gut – aber es wurden keine Stents gesetzt…sie kann gleich nach Hause – alles andere später.

Nun – ich kann nicht behaupten, dass mich diese Aussage beruhigt hat…und bereits 2 Stunden später sollte sich das auch bestätigen…denn es kommt noch schlimmer.

Wir hatten bereits vor Tagen ausgemacht, ich komme auf jeden Fall an diesem Tag nach Flensburg, egal ob sie Zuhause oder im Krankenhaus ist….und so hab ich später nur kurz mit ihr telefoniert und mich bereits am frühen Nachmittag ins Auto gesetzt und mit knappen 1,5 Stunden war ich dann auch Vorort.

Auf den Bildern vom Herzen, kann man eindeutig erkennen, bei ihr ist eine der Herzvenen komplett verkümmert und an den beiden Anderen gibt es Engstellen…wahrscheinlich alles schon seit ihrer Geburt….da können Stents nicht mehr helfen. Es geht wohl nur über eine 3fach Bypass-Operation. Die Wahrscheinlichkeit das es am offenen Herzen und nicht minimal-invasiv gemacht wird, ist relativ hoch – aber noch ist es nicht ganz entschieden….jetzt wartet sie auf einen freien Termin im Krankenhaus.

Einer der Ärzte meinte dann auch zu ihr, sie kann froh sein, eine so gute körperliche Fitness zu haben und einen so guten Lebensstil zu führen, ansonsten wäre sie wohl schon längst tot. Na das ist ja eine tolle Aussage.

Wir waren alle Drei geschockt und jetzt mit ein paar Tagen, die bereits ins Land gegangen sind, gewöhnen wir uns an den Gedanken. Ja klar, auch das ist inzwischen eine Routine-Operation, aber trotzdem ist es eine Operation, die gefährlich werden kann. Ca. 1% stirbt bei der OP (das heißt aber auch 99% überleben), und ca. 5% bekommen während der OP einen Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Auch wenn die Chancen also sehr gut aussehen, dass sie anschließend die nächsten 20 Jahre gut und fast ohne Einschränkungen damit leben kann, muss man sich bewusst sein, das es auch anders kommen könnte.

Jetzt heißt es also abwarten und Ruhe bewahren, bis die Klinik sich meldet wann es einen OP-Termin gibt.

Wir hatten uns am Abend Essen kommen lassen und gemütlich im Wohnzimmer zusammen gesessen und einfach nur geredet…das tat uns Dreien gut….meine Schwester versucht sich ihrer Angst zu stellen, indem sie wieder und wieder darüber redet, meinem Schwager tut es gut, sich überhaupt einmal darüber zu unterhalten, auch über seine Kündigung und auch mir tat das Reden gut.

Der Stachel…

Der Stachel…

Neben dieser Leichtigkeit mit der mein Leben gerade verläuft, bleibt immer auch der Gedanke das es eine temporäre Leichtigkeit ist. Ich bin mir sehr bewusst das ich bisher viel Glück gehabt habe, jetzt ein so unbeschwertes Leben haben zu dürfen.

Meine körperliche Konstitution, meine Gene und meine Lebensweise mit jahrelangem Sport und einigermaßen gesunder Ernährung und einer gehörigen Portion Glück haben es mir ermöglicht, nur leicht beschädigt über 50 Jahre alt zu werden.

Mit Fleiß und Disziplin und auch hier mit einer guten Portion Glück an den richtigen Stellen und auch mit einigem Mut hab mich im Laufe von 30 Jahren beruflich so etabliert, das ich relativ gut verdiene und mich  auch durch Corona nicht einschränken muss.

Wäre da nicht der Krebs bei meinem Ex-Freund auf so hinterhältige Art erneut ausgebrochen, könnte ich mein Leben tatsächlich komplett unbeschwert geniessen…

… so aber ist es wie ein Stachel, der immer mal wieder piekst….so ein beständiges kleines unangenehmes Erinnern, wie fragil doch unsere Leben sind. Wie schnell sich alles ändern kann…wie ungerecht die Welt ist…und doch vergesse ich es immer wieder und dann ist da dieser kleine Stachel…der mich wieder daran erinnert…unangenehm erinnert…

…und ich atme tief ein und spüre das Leben….bin dankbar und versuche alles andere zu verdrängen…bis es wieder unvermittelt da ist…das miese kleine pieksen …dieser kleine Stachel mit Widerhaken…

 

 

Ein Leben Verpacken – vom Suchen und Finden

Gerade erst jagten sich 3 Eichhörnchen die Bäume rauf und runter….und nun sind sie bei mir auf dem Balkon…jeder  lauert auf den Anderen und auf das Futter….und auf einmal ist es wieder sehr still…man hört nur noch leise Fressgeräusche…jeder in einer anderen Ecke des Balkon.

So gegen Ende des Monats werde ich das Füttern  der Vögel und Eichhörnchen langsam reduzieren…damit sie sich daran gewöhnen, noch mehr andere Futterquellen anzusteuern.

Von den insgesamt 4 Eichhörnchen werden sowieso nur 1-2 hier blieben….ich hab gelesen das dieses spiralförmige um die Bäume jagen territoriale Kämpfe sind….und die Nicht-Gewinner werden sich bald ein anderes Revier suchen. Ach diese kleinen frechen Racker werde ich vermissen.

Das mit den Umzugskartons gestern hat geklappt…Nun hab ich 30 Kartons die so langsam gefüllt werden wollen…und obwohl ich es anders geplant hatte, hab ich auf einmal ganz langsam angefangen, die ersten Kisten aufzubauen und zu packen…. Bücher, CDs, Deko-Kram….alles was ich nicht zum täglichen Leben brauche…und gleichzeitig  reduziere ich immer mehr.

Ich bin ja in meinem Leben schon sehr oft umgezogen. Allein in Hessen ist das hier in Schnöselhausen die 8. Wohnung  in 17 Jahren…davon habe ich fast 10 Jahre in einer kleinen Wohnung ohne Balkon in Frankfurt-Rödelheim gelebt…und als Kind  „wurde ich oft umgezogen“…mein Vater war damals bei der Marine und da hieß es öfter: Kisten packen und los und auch als Jung-Erwachsene bin ich nach dem Auszug zuhause 5 Mal umgezogen…so insgesamt bin ich in meinem Leben 16-18 Mal umgzogen….so ganz bekomme ich die Umzüge aus meiner Kleinkinderzeit nicht mehr zusammen.

Ich finde es faszinierend wenn jemand in meinem Alter noch nie seine Stadt verlassen hat um woanders zu wohnen…und beneidenswert wenn von Freundschaften aus Kindertagen geredet wird…während ich quer durch die Republik von Norddeutschland, nach NRW, nach Hessen und jetzt zurück nach Norddeutschland meinen Hausstand verlagere.

Obwohl ich kein Freund von Veränderungen bin, habe ich diese doch immer wieder gesucht…und es gibt in all meinen Umzügen eigentlich nur 2, die ich im Rückblick als unnötig und belastend  empfinde (Gambach und Sachsenhausen).

Ich sag zwar ich bin kein Freund von Veränderungen, aber irgendwie stimmt das ja auch nicht…ich bin nicht nur oft umgezogen, ich habe meinem Leben schön öfter komplett neu-geordnet.

        Erst gab es die Zeit da musste ich mich beruflich finden und festigen: einmal Karriere hin und zurück

        Dann war ich auf der Suche nach Mir selbst: Was und Wer bin ich eigentlich außerhalb meines Jobs

        Dann gab es die Zeit da war ich auf der Suche nach Halt und Geborgenheit:  auf der Suche nach Liebe, Freundschaften und dem Gefühl irgendwo hin zu gehören

        Und jetzt bin ich auf der Suche nach der Balance zwischen Job, Gesundheit und Freizeit

Die Erkenntnisse aus dem Rückblick auf mein Leben:  Ich brauche nicht mehr viel zu suchen, denn ich hab fast alles gefunden…es fehlt jetzt nur noch die Balance und die hole ich mir mit dem nächsten Umzug.

Interessant ist, so einiges was ich gesucht und gefunden habe, brauche ich heute nicht mehr…lach aber das ist eine Erkenntnis des zunehmenden Alters.

Pause – beendet

Mein internes Reparaturprogramm hat gewirkt und so konnte ich meine Kommunikationspause beenden OHNE  gleichzeitig meine Beziehung zu beenden. 

Nicht dass es mir jetzt schlagartig gut geht, aber es geht mir besser….und ich hab wieder das Gefühl zu Leben. Das ist mir gerade sehr wichtig.

Vor ein paar Wochen hab ich erfahren das eine liebe Kollegin mit 52 Jahren gestorben ist…ich wusste zwar das sie krank ist, nicht aber das es dieses Mal etwas anderes ist. KREBS ….und es hat nur 4 Wochen gedauert von der Diagnose bis zum Tod….

Es traf mich unvorbereitet und hat mich erschüttert.

Sie arbeitete an einem anderen Standort der mehr als 2 Stunden mit dem Auto entfernt ist und wir haben uns vor ein paar Monaten zum Weinfest im Taunus verabredet und es war ein schöner Abend. Obwohl wir uns nur selten getroffen haben,  haben wir uns immer  gut verstanden.

ABER ….ich hab auch ein echt schlechtes Gewissen…sie hat mir noch eine firmenbezogene E-Mail geschickt…und ich hab diese nicht beantwortet….hab nur gedacht…jaaaaa – das mache ich noch…und dann ist es unter gegangen. Und nun ist es zu spät. Das tut mir im Nachhinein sehr leid, wenigstens DANKE hätte ich sagen können, das sie mir diese Mail weiter geleitet hat, obwohl sie schon krank war.

Sie hat mir bei unserem letzten Zusammentreffen einen „Sorgenfresser“ geschenkt …so ein Kuscheltier mit riesigem Reissverschluß als Mund.

Ich würde den Sorgenfresser hoffnungslos überfüttern, wenn ich all meine Sorgen auf Zettel schreiben und das Kuscheltier damit füttern würde…

Von Tag zu Tag werde ich unausgeglichener, reizbar wie zu meinen „Besten Zeiten“ und reagiere impulsiv agressiv auf meine Umgebung. Nun konnte ich mich endlich in den Urlaub retten…

Ein Leben wie eine Tüte Schokobons

Ein Thema über das ich aktuell viel nachdenke, aber kaum zu schreiben wage, ist der Gedanke was wäre wenn…

Wenn ich jetzt wüsste, das ich nicht mehr lange zu leben habe, wie würde ich das organisieren, das restliche Leben….was würde ich heute in mein Testament schreiben (ich habe bereits eines vor ein paar Jahren zusammen mit einer Patientenverfügung aufgesetzt.)

Was würde ich meinem Freund sagen, was meiner Familie, wer sollte NICHT benachrichtigt werden und wer schon…. Was soll mit meinen Sachen geschehen.

Ich weiß das klingt alles so schrecklich düster und negativ und trotzdem empfinde ich es nicht so.

Vielleicht haben mich die Krebsnachrichten aus meiner Umgebung in dieses Nachdenken zurück gebracht…

Wenn wir mit unserem Leben  den Tod beeinflussen können, beeinflusst der (zukünftige)  Tod auch unser (jetziges) Leben?

Wir haben das Sterben so sehr aus unserem Leben ausgestoßen, das es nicht mehr dazu gehört….wie einen missratenen Sohn. Darüber wird nicht mehr geredet….und wenn nicht darüber geredet wird, dann existiert es auch nicht.

Aber wenn wir immer so Leben, als ob es immer ein Morgen geben wird, nehmen wir uns da nicht die Chance bewusster zu Leben.

Eine Tüte Schokobons z.B. essen wir mit Freude und Heißhunger und futtern einfach drauf los…aber erst wenn nur noch 2-3 Stück in der Tüte sind, wird uns bewusst, dass der Genuss bald vorbei ist und die restlichen Stück essen wir langsamer und gaaanz bewusst.

Wäre es nicht klüger die gesamte Tüte bewusst und langsamer zu essen und so den Genuss viel intensiver länger zu erleben?

Das Leben sollte man wie eine Tüte Schokobons geniessen, denn die Wenigsten wissen wie lange sie das noch können.

Ich wünsche uns ALLEN einen schönen  fröhlich-entspannten Sonntag

Entscheide DU – eine interessante Frage

Ich habe heute in der Mittagspause über eine wirklich interessante Frage diskutiert:

Wenn Du wählen könntest: Eine Milliarde EUR erhältst Du, hast ab jetzt aber nur noch die Hälfte deiner Rest-Lebenszeit oder Du bist bettelarm lebst dafür aber die gesamte Rest-Lebenszeit. Wie würdest Du Dich entscheiden?

Mein Kollege, 2 Jahre jünger als ich, meinte er müsste gar nicht überlegen und wüsste sofort was er wählen würde. Ich hab auch gesagt, ich brauch gar nicht überlegen, ich würde SOFORT die gesamte Rest-Lebenszeit wählen.

Interessant ist aber, dass mein Kollege genau die andere Variante wählen würde.

Ich muss zugeben das hat mich sehr überrascht, auf die Idee das tatsächlich jemand freiwillig auf die ½ Rest-Lebenszeit verzichten kann, nur um jetzt nicht mehr arbeiten zu müssen und nur noch die Dinge zu machen, die ihm gefallen, wäre ich überhaupt nicht gekommen.

Denn auch mit soooo viel Geld heißt es ja nicht, das man glücklicher ist…und überhaupt weiß doch keiner wie lange eigentlich seine Rest-Lebenszeit ist.

Wir haben rein hypothetisch angenommen, das die durchschnittliche Rest-Lebenszeit ca. 30 Jahre für ihn beträgt. Also er ab heute nur noch 15 Jahre zur Verfügung hätte  und er hat eine Frau und eine noch nicht erwachsene Tochter.

Hmmm neeeee, also ich bin lieber arm und lebe bescheiden, hab dafür aber noch viele Jahre…wer weiß was das Leben noch so bereithält.

Interessant war das ein junger Kollege in den Zwanzigern überhaupt keine Entscheidung treffen konnte. Das Thema war ihm viel zu abstrakt und zu weit weg.

..Und wie würdest DU entscheiden? 

Fahrt in die alte Heimat

Mein Vater hatte am Wochenende Geburtstag und als brave Tochter hab ich ihn besucht…allerdings erst am Montag. Für so einen Besuch geht immer ein ganzer Tag „drauf“, 260 km eine Strecke das geht nicht „mal eben“.

Mit dem Auto um kurz vor 8 Uhr morgens losgefahren, den obligatorischen Stau in Frankfurt überwunden und dann lief es auch schon flüssig… Während der Fahrt lief dann auch mein Kopf …und es fühlte sich wie eine Fahrt in die Vergangenheit an.

Je länger die Fahrt dauerte, umso bewusster wurde es mir mal wieder wie lange ich schon fort bin…es sind im nächsten Monat schon 15 Jahre.  Ich staune über diese Zahl.

Ich hab seitdem mehrfach mein Leben neu ausgerichtet und auch aus heutiger Sicht war die Entscheidung vor 15 Jahren richtig und notwendig.  Mein heutiges Leben wäre so nicht möglich, wenn ich nicht alle Entscheidungen so getroffen  hätte, wie ich sie getroffen habe.

Und ich liebe mein heutiges Leben, genauso wie es ist…auch wenn es nicht immer einfach ist…

Auf dieser Fahrt in mir auch wieder klar geworden, was im Leben ich alles verpasst hätte, wenn ich damals geblieben wäre…keine Clique und keine Freundschaften,  keine durchfeierten Nächte, kein Leistungssport mit Erfolgen. Ich habe alles nachgeholt was Jugendliche und Jungerwachsene so machen… lach, aber keine Drogen …da bin ich extrem konservativ.

Und das Wichtigste: Ich hätte nicht die wirkliche Liebe in einer Beziehung  kennen gelernt….und auf die möchte ich nicht mehr verzichten…auch wenn mich diese manchmal in den Wahnsinn treibt…

Welch ein Zufall ….. das es soetwas gibt

WAS für eine schlechte Dramaturgie das Leben doch manchmal für uns bereit  hält…es gibt schon komische Zufälle und  so ein Zufall hat mich am Sonntag ganz schon überrascht.

Jetzt wo ich mein neues Auto habe, muss ich mein Altes ja noch verkaufen. Also hab ich eine Anzeige aufgegeben und ich habe mich mit einem Mann für Sonntag verabredet. Er war sehr freundlich am Telefon….ausländischer Akzent…ich hätte auf Osteuropa und einen Händler getippt…und wir hatten bereits den Preis verhandelt….

Also an diesem Sonntag wollte er aus Bremen (Norddeutschland) zu uns in den Taunus kommen (Frankfurt) um meinen 10 Jahre alten verbeulten Wagen zu kaufen. Er hat mir sofort seinen deutschen Pass per Whatsapp geschickt und am Sonntag kam er auch tatsächlich….mit seiner Frau.

Es stellte sich heraus es war ein syrisches Ehepaar…etwas Ende 30 Jahre alt, sehr nett und das Auto sollte für die Frau sein. Also kein  Händler.

Und wir sitzen also gemütlich auf dem Balkon trinken Kaffee, verhandeln noch etwas, werden uns einig und da sagt die nette Frau sie müssten jetzt los, da sie jetzt noch nach Dortmund fahren müssen…..

Dortmund?  Und ich sage so…ach Dortmund, ich  komme aus einem Ort 50 km entfernt und nenne den Namen und sie guckt und sagt….ja sie kommt aus einem Örtchen 3 km davon entfernt und ihr Mann kommt aus dem gleichen Ort wie ich…und es stellt sich heraus der Mann war auf der gleichen Schule wie ich…nur 10 Jahre später…

Das ist krass. Das liegen unsere Wohnorte hunderte km auseinander und doch kommen wir quasi aus der gleichen Kleinstadt in  NRW….lach

Also wäre das  in einem Film so dramaturgisch dargestellt worden, hätte ich gesagt, ja klar doch…..na klar gibt es solche Zufälle…ganz gestimmt…… im Film!!!…aber nicht im wahren Leben.

Lach ….doch auch solche Zufälle gibt es….

Job und Leben

Am 1. April 2016 hab ich 10jähriges gefeiert. 10 Jahre  arbeite ich nun schon für diesen Konzern. Dabei wollte ich bereits nach 3 Tagen unbedingt wieder weg. Ich fand es fürchterlich.

Aus einer Position mit viel Verantwortung und 130%igem Einsatz, war ich auf einmal auf einem Posten der nur ca. 4 Tage im Monat etwas Arbeit bot. Den Rest der Zeit wollte mir aber niemand etwas Arbeit abgeben und schon gar nichts erklären.

Ich war definitiv fehl an diesem Platz, da weder mein Engagement, noch mein Fachwissen benötigt wurde. Da meine Fragen auch etwas unfreundlich abgewehrt wurden, habe ich auch das Reden eingestellt….und habe mich zu Tode gelangweilt.

Eine schreckliche Situation…blöde Umgebung, blöder Job…. Erst ein paar Monate später bekam ich die Anfrage aus einer anderen Abteilung ob ich nicht helfen könnte…das hat es dann leichter gemacht.

Und nach ca. 1 Jahr bekam ich das Angebot in eine Schwestergesellschaft zu wechseln, die gerade im Aufbau war….und genau hier war ich richtig. Genau mein Ding….Aufbau-Arbeit, Strukturen schaffen…herrlich. Viel Arbeit….viiiiiiiieeeel  Arbeit und eine große Herausforderung.

Jaaa und nun sind insgesamt 10 Jahre vergangen und aus der anfänglichen Aufbauarbeit, die insgesamt fast  7 Jahre dauerte…. Ist inzwischen ein großes Unternehmen, mit 3 Gesellschaften geworden, welches sich vorbildlich in den Konzern integriert hat.

Inzwischen sind wir so gut organisiert und strukturiert, das wir sogar zertifiziert sind…und  wir sind in ein starres Korsett der Muttergesellschaft gezwängt in dem die Anwälte mehr zu sagen haben, als andere Abteilungen und  aus unserer anfängliche Stärke der schnellen Entscheidungen in flachen Hierarchien und der abteilungsübergreifenden Arbeit ist  inzwischen ein so großer Apparat geworden, das es mir manchmal wie eine Behörde vorkommt. Alles muss dokumentiert sein, alles muss beweisbar sein….vorbei die Zeiten wo man pragmatische Lösungen gefunden hat, für Dinge die einem auf Zuruf aufgetragen wurden. Unsere Flexibilität und Schnelligkeit war ein enormer Vorteil.

Trotzdem liebe ich den Job. Nach all der Aufbauarbeit in vielen Jobs, habe ich hier endlich den Aufbau überstanden….habe mein eigenes Büro und Mitarbeiter die einen Teil der Arbeit machen. Endlich hab ich mal Zeit und bin nicht nur gehetzt und gestresst. Meine Chefs, Kollegen und Mitarbeiter vertrauen mir….

Und mit Erschrecken erkenne ich das ich inzwischen schon 30 Jahre arbeite….ununterbrochen….mit Ausnahme des einzigen Monats in meinem Leben, in dem ich Unterstützung vom Arbeitsamt benötigte…und das ist auch schon wieder 13 Jahre her….