Das 1.Treffen – ehemalige Kollegen

Die ehemalige Kollegin war als erstes am Treffpunkt und es war toll sie wieder zu treffen. Über das Blumengesteck hat sie sich sehr gefreut.

Müde sah sie aus…und es geht ihr auch nicht so gut…die Arbeit zermürbt sie…und sie denkt über Konsequenzen nach…aktuell muss die allgemeine Stimmung wohl besonders schlimm sein. Die Unzufriedenheit unter den Mitarbeitern nimmt beständig zu.

Obwohl es der Firma finanziell super gut geht, wird überall gespart, die Ziele für die Boni wurden so hoch gehängt und Teile davon willkürlich ausgesetzt, das merken alle Mitarbeiter der Tochtergesellschaften. Die Ungleichbehandlung zwischen Mutter- und Tochtergesellschaften ist wohl sehr offensichtlich….das hat natürlich keiner gerne. Außerdem gönnt keiner dem Anderen auch nur den Geringsten Vorteil…etwas über das ich lachen muss, denn es geht um Firmenwagen und deren Ausstattung und wer nun was für ein Auto bekommt. Echt jetzt?

Das war dann auch später an diesem Abend mehr als einmal Thema zwischen meinen beiden ehemaligen Kollegen. Es scheint einen echten Kampf in der Firma zu geben und von der Geschäftsführung wird kein Machtwort gesprochen…die beiden Kollegen stecken also in einer Zwickmühle. Nur mal kurz zur Erinnerung: Die Firme zahlt echt gut und es gibt seit vielen Jahren eine Regelung zu dem Thema.

Und obwohl Beide jünger sind als ich, rechnen sie auch schon, wann sie in Rente gehen können…die Firma hat ein Programm mit Langzeitarbeitskonten, in das Boni und sonstige Zusatzleistungen „eingezahlt“ werden können…darüber wollen Beide noch ein paar Jahre früher aus dem Berufsleben ausscheiden….aber je weniger Boni gezahlt werden, umso weniger können sie dort ansparen. Dabei würden Beide gerne lieber heute, als Morgen dort weg.

Je mehr ich von den Beiden über die Firma gehört habe, umso erleichterter bin ich, das ich nicht mehr dabei bin. Puhhhh – gut das ich den Absprung rechtzeitig geschafft habe.

Den Kollegen hatte ich, wie schon vorher mal erwähnt, seit meinem Weggang vor 6 Jahren, nicht mehr gesehen und ich habe mich riesig gefreut, als er kam….er sieht noch genauso aus, wie früher…nur die Haare sind inzwischen grau…und auch er war der Meinung, er hätte mich jederzeit überall erkannt…ich hätte mich auch gar nicht verändert.

Wir hatten einen lustigen und schönen Abend…und natürlich gab es auch andere Themen, als nur die Firma und die allgemein schlechte Stimmung dort. Wir waren alle Drei der Meinung es fühlte sich so an, als ob wir uns vor ein paar Wochen das letzte Mal getroffen hätten…gar nicht fremd oder irgendwie komisch. Ich habe den Abend genossen.

Es war schon fast 23 Uhr als ich vorschlug den Abend zu beenden, denn die Beiden mussten am nächsten Tag nach Siegen fahren…Meetings, Meetings, Meetings – der neue Volkssport im mittleren Management. Und ich musste ja auch noch zurück nach Hanau.

Ich hatte es schon bei meinem Weggang damals geahnt, das sich vieles ändern wird. Der damalige GF ist in Rente gegangen, meine Chefin hat einen Monat nach mir die Firma gewechselt, inzwischen ist der Firmeninhaber nur noch im Aufsichtsrat, die Geschäftsführung liegt jetzt bei Externen und die Hauptfirma ist inzwischen eine „SE+Co.KGaA“. Ein Global Player wollte man werden – Glückwunsch – das habt ihr geschafft.

Leider erinnert nichts mehr an die schöne Zeit als „Mittelständler mit Ambitionen“. Heute werden (obwohl es ein deutsches Unternehmen ist) alle Meetings auf Englisch abgehalten…etwas mit dem die langjährigen Kollegen nun so ihre Probleme haben – es war halt nie gefordert Englisch können zu müssen.Heute gar nichts mehr ohne.

Ich hab mich früher gefreut, wenn ich mal Kontakt in Englisch zu den anderen Ländern hatte. Im Normalfall war das echt die Ausnahme. Ja so ändern sich die Zeiten.

Alles braucht einen Namen

Wie richtig ich lag, das sich die Unzufriedenheit des Controllers verstetigt hatte, zeigte sich diese Woche.

Im Laufe der Woche hat er mir erzählt, das er am 1. Tag nach seinem Urlaub ein Teams-Meeting mit unseren oberen und obersten Chefs aus der Zentrale hatte. In der Tasche seine Kündigung und einen neuen Arbeitsvertrag…und wenn sich nicht jetzt endlich etwas ändern würde, würde er Beides Unterschreiben und fortgehen.

Überraschend für ihn, kamen die Zugeständnisse dann sehr schnell und damit auch die Genehmigung eine weitere Person für unser Hamburger Büro einzustellen. Er bleibt also und ist vorläufig zumindest froh, das er bleiben wird….so ganz geheuer war ihm ein Wechsel in ein „echtes“ Controlling dann doch nicht….

Unsere dänische Berufsbezeichnung ist zwar „Controller“, aber letztlich sind wir Buchhalter mit einem Teil des nachgelagerten operativen Projekt-Controlling. Also eigentlich weit entfernt von einem richtigen Controller.

Einer meiner Lieblingssätze lautet dann auch: Controller sind die natürlichen Feinde des Buchhalters.

Während ein Finanz-/Bilanzbuchhalter alle Geschäftsvorfälle ordnungsgemäß erfasst, ALLES was in Geldeswert dargestellt werden muss und bis auf 2 Stellen hinter dem Komma genau, um daraus die wirtschaftliche Lage mittels Gewinn-und Verlustrechnung (Ergebnis) und Bilanz (Vermögens-Schulden-Darstellung) für einen zurückliegenden Zeitraum / Zeitpunkt zu ermitteln, um so auch eine Vorschau auf die kommenden Zeiträume zu ermöglichen…Ausserdem dafür Sorge trägt, das alles immer und rechtzeitig zu gesetzlichen und internen Terminen fertig ist und das Geld immer fließt wo es fließen muss….

…ist der Controller dafür da, aus der Datenbasis der Buchhalter Budgetplanungen Nachzuverfolgen, neue Budgets zu Erstellen, mittels weiterer Daten aus dem Unternehmen, Rückschlüsse auf Produktivität, Auslastung der Produktionsmittel, Erfolg des eingesetzten Kapitals, Erreichung der Geschäftsziele, Marktanalyse und Neu-Ausrichtung des Unternehmens, zu ziehen, diese aufzubereiten und Handlungsvorschläge für die Geschäftsleitung zu präsentieren. Dabei kommt es dem Controller nicht auf den einzelnen EURO an.. Er rechnet im Großen Stil – in Tausendern.

Ich bezeichne mich daher auch weiterhin als Buchhalter und das steht auch in meinem deutschen Vertrag….aber in jeder meiner Mails und auch in Briefen steht „Controller“ unter meinem Namen….ein Umstand den meine ehemalige Chefin etwas pikiert kommentierte…immerhin hat sie dafür studiert.

Wenn sich Unzufriedenheit verstetigt

Und obwohl sich nach unserem 1. Corona-Fall im Büro, keine weiteren Fälle ergeben haben, musste sich der Controller nun in Quarantäne begeben…in seinem engsten Familienkreis gibt es einen positiven Fall.

Mist – das heißt meine Homeoffice-Tage entfallen….ich muss in der Zeit ins Büro fahren. Denn einer von uns Beiden muss ja die Post verteilen und für den jeweils Anderen einscannen….okay, aber einen Tag in dieser Woche gehe ich trotzdem ins Homeoffice. Das entscheide ich einfach so.

Etwas erschreckend fand ich die Aussage des Kollegen, das er (3x geimpft) jetzt doch gerne Corona hätte…so mit wenig bis keinen Nebenwirkungen…damit er mal eine Woche FREI hat.

Das ist jetzt eindeutig der Höhepunkt seiner „ich hab keinen Bock mehr-Phase“ und zeigt eigentlich wie kurz davor er ist, alles hinzuwerfen. Er fühlt sich von den Chefs und der Zentrale allein gelassen…weil keiner Entscheidungen treffen will.

Als ich in die Firma kam, hab ich ihm ja einen großen Teil der Projekte abgenommen….und noch zusätzlich neue Gesellschaften dazu bekommen. Das hat ihn aber nur kurzzeitig zufrieden gestellt…dann kam die Unzufriedenheit zurück….im Herbst hab ich ihm dann 2 weitere Firmen abgenommen, aber auch das konnte seine Unzufriedenheit nicht aufhalten.

Dann kam im Januar eine neue Kollegin, die ihm einen großen Teil der allgemeinen Verwaltungsaufgaben abgenommen hat und immer noch steigert sich seine Unzufriedenheit.

Das zeigt, das es wesentlich tiefer geht und ich befürchte das es sich nicht mehr so einfach kitten lässt. Denn wenn weder Entlastung durch weniger Arbeit, noch Anerkennung und mehr Gehalt diese tiefe Unzufriedenheit stoppen können, dann hilft i.d.R. nur noch den Arbeitsplatz zu wechseln…das kenne ich aus eigener Erfahrung.

Ob er den Schritt macht, weiß ich nicht…aber ich könnte es mir vorstellen, das er aktiv darüber nachdenkt. Er hatte es im letzten Sommer schon mal erwähnt. Es ist ja gerade für unsere Qualifizierung heutzutage leichter den Arbeitgeber zu wechseln, auch wenn man die 50 überschritten hat….Fachkräfte für unseren Bereich werden immer gesucht.

Inzwischen hab ich mich an den Gedanken gewöhnt, das er evtl. gehen könnte…das wäre zumindest besser für ihn, als sich immer weiter in die Unzufriedenheit hineinzusteigern und sein Umfeld langsam damit zu vergiften…denn er strahlt eine permanent negative Aura aus….das macht das Zusammenarbeiten nur deshalb erträglich, weil wir eben durch die Pandemie nicht im selben Büro sitzen, ansonsten hätte es bestimmt schon mal zwischen uns geknallt.

Entscheidung – falsch abgebogen

Kennt Ihr das auch? das Ihr Entscheidungen in Eurem Leben entweder zu spät trefft oder dabei die falsche Richtung eingeschlagen habt?

Es gibt Menschen die haben auch einfach ein schlechtes Timing bei Entscheidungen….dafür kann niemand etwas. Es gibt so viel unvorhersehbares im Leben, wie die Pandemie, so etwas KANN man bei Entscheidungen einfach nicht berücksichtigen, man weiß es schlichtweg nicht …es ist einfach fehlendes Glück….also Pech. Dadurch nicht weniger bedauerlich….

Ich hab mich Freitagabend noch über einen Telefonanruf meiner ehemaligen Chefin aus Hessen gefreut….wir haben lange Jahre gut zusammen gearbeitet und ihre Entscheidung innerhalb des Konzern zu wechseln, war ja ein Entscheidungskriterium für mich, meine eigene berufliche Zukunft in der Firma zu überdenken…..letztlich hab ich dann sogar noch einen Monat vor ihrem Wechsel auf einen anderen Posten an einem anderen Standort, die Firma komplett verlassen.

Sie wiederum, mit Mann und 2 kleinen Kindern, hat sich versetzen lassen, um endlich dem Druck aus allen Richtungen zu entgehen (hohe Führungsposition) um endlich weniger Stress zu haben, um sich mehr um ihre Familie kümmern zu können. Sie ist ehrgeizig und absolut pedantisch und hat immer eine genaue Vorstellung davon wie etwas gemacht werden muss….mit Geburt der Kinder in relativ kurzem Abstand hintereinander, musste sie als Erstes lernen, das mit Kindern NICHTS nach Plan läuft….und ausgerechnet in der Zeit nahm der Stress im Konzern für uns Beide zu…..Niemandem wurde sie mehr gerecht und ich kann nur ahnen wie schwer das für sie war…ihre Unbeherrschtheit in dieser Zeit, die ich oft abbekommen habe, zeigte aber viel von ihrem inneren Druck.

Also hat sie den Standort gewechselt und auch das Aufgabengebiet…kann zwar öfter von Zuhause aus arbeiten, aber wenn sie ins Büro muss, sind das jetzt nicht mehr 100km sondern 320km. Der Kollege der eigentlich in Rente sollte, wollte dann auf einmal nicht mehr und ihr Start dort war schwierig….und anstatt einer Führungsposition mit viel Verantwortung, wurde sie erst einmal ausgebremst….

….und jetzt, wo sich alles in die richtige Richtung entwickelte, kam Corona….viel Homeoffice mit 2 kleinen lebendigen Kindern….ihre Nerven liegen schon seit langem blank, und dann kommt auf einmal eine Verantwortung, die sie so nicht erwartet hätte…sie ist heute dafür zuständig das in ganz Deutschland und den umliegenden Ländern immer genügend Produkt dort vom Wettbewerb zugekauft wird, wo die Produkte benötigt werden…und auf einmal gibt es im Gase-Bereich Produkt-Engpässe wo man es ohne Pandemie nie erwartet hätte….

Anstatt also endlich mal vom Stress weg zu kommen, hat sich dieser wieder potenziert und schwappt über ihr gesamtes Leben…..wieder muss sie mehr Arbeiten, wieder wird erwartet, das sie ihre Arbeitszeiten hochschraubt….wieder gefährdet sie ihre eigene Gesundheit und ihr Familienleben…..

….und in ihrer typisch burschikosen Art sagt sie mir am Telefon zu meinem Fallschirmsprung: „Du bist echt bescheuert, das warst Du schon immer“…. und ich weiß genau, das es nicht als negative Aussage gemeint ist…sondern das Gegenteil bedeutet…und in dem Moment wo der Satz aus ihr herausbricht, tut sie mir leid.

Sie hat sich immer dafür entschieden das zu machen, was andere von ihr erwarten…niemals das ,was sie gerne machen möchte….und immer sagt sie: Ich muss doch….ich kann doch nicht….die Familie erwartet das….die Firma erwartet das…

Oft denkt sie an mich, sagt sie…und ich glaube ihr das, nehme ich mir doch jetzt wieder die Freiheit die ich brauche um eine tiefe Zufriedenheit in meinem Leben zu bekommen….Sie hätte diese Freiheit auch gerne und schon oft hab ich gedacht, wie lange hält sie wohl durch….aber ja sie ist unglaublich zäh und macht immer weiter, egal wie….Hauptsache weiter machen….aber zufrieden ist sie damit nicht.

Wie im Zirkus oder Freiwillige Demontage

Diese Woche war hart….der Job. Ich fühle mich wie ein Zirkus-Artist  auf dem Hochseil, der versucht dabei noch mit 5 Bällen gleichzeitig zu jonglieren….immer kurz davor das entweder ein Ball runterfällt…oder man selber abstürzt.  Das kostet viel Kraft und fühlt sich auch noch blöde an.

Ich arbeite ja meinen Nachfolger ein und  feinjustiere die Einarbeitung unseres letzten Teamzugangs, dazu kommt der normale Monatsabschluss , haben noch Schwierigkeiten mit den Wirtschaftsprüfern wegen der letzten Jahresabschlüsse und machen zum 31.07. ja  NOCH einen Jahresabschluss für eine der Gesellschaften .

80% des Tages muss ich nun reden – schrecklich…und natürlich komme ich so mit meiner normalen Arbeit auch nur langsam weiter….aber es war klar, dass es nicht leicht werden wird….

Ich erkläre was wir machen, wie wir untereinander zusammen hängen, wie wir zu welchem Konzernteil gehören, wie es vorher war, welchen Einfluss das auf unsere Arbeit und das Reporting hat….usw… bis hin, wie die Programme funktionieren…Seufz.

Also in dieser Woche

        Hatte ich wieder Arbeitszeiten bis zu 14 Stunden

        Hab ich ständig Kopfschmerzen

        Halsschmerzen hab ich regelmässig ab mittags (vom vielen Reden)

        Der Haut um meine Augen kann man beim Anschwellen zuschauen , es juckt, brennt und tut einfach nur weh…okay dann eben wieder Tabletten, Salbe und Cremes helfen nicht

        Die Allergietabletten machen mich müde

Mit anderen Worten die Woche ist einfach nur ätzend…gut das jetzt erst einmal Wochenende ist…ich werde aber heute oder Morgen doch noch mal ins Büro fahren…weil  mein Team gerade zusammen-schrumpft weil

        eine Kollegin mit fast nur Tagesarbeit  jetzt 3 Wochen Urlaub hat (das darf also nicht liegen bleiben)

        eine andere Kollegin am Donnerstag  im Büro zusammen geklappt ist und jetzt erst einmal zur Beobachtung im Krankenhaus liegt

        unser letzter Neuzugang in der letzten August-Woche in Urlaub geht (seine Frau bekommt das 2. Kind)

        und ich ja weiterhin meinen Nachfolger einarbeiten muss

Also auch in den nächsten Wochen wird es nicht locker und leicht werden, sondern es bleibt genau so wie bisher: viel zu tun….wenig Freizeit….wenig Entspannung…

Und wo ich gerade beim Vergleich mit dem Zirkus bin…manchmal fühle ich mich als ob unsere Firma eine Clownsschule ist: es werden lustige Dinge gemacht – aber wenn man hinter die Fassade schaut, sieht man, das vielen eher zum heulen zumute ist…aber alle machen mit…keiner begehrt auf…und lustig geht es weiter….hinter vorgehaltener Hand glauben Viele, das wir mit einem Lachen in den Abgrund stürzen , ich hoffe nicht.

Aber was macht eine Firma wenn viele Leistungsträger unzufrieden sind und sich umorientieren, eine Firma geballtes Fachwissen  in eine andere Gesellschaft versetzt (meine Chefin)? Dazu viel Wissen in den nächsten 2-3 Jahren in Rente geht? Dabei das Geschäft weiter wachsen soll, aber Mitarbeiter auf der anderen Seite eingespart werden soll (ich hab die Planung für die nächsten Jahre mit bekommen). Man könnte es für eine Lachnummer halten….wenn es nicht so ernst wäre.

Und immer wenn ich merke mir platzt gleich mal der Kragen, versuche hektisch Dinge gleichzeitig zu regeln oder Kollegen zu sagen das ich gerade keine Zeit für sie habe….dann halte ich kurz inne …nehme mich ein Stück zurück und atme tief durch. Nein das ist es nicht wert, das ich mich aufrege…ich rede Klartext mit den Leuten (was wollen die machen? Mich entlassen?)…ich nehme mir auch Zeit für die Kollegen auch aus anderen Abteilungen…und ich kann nur eines nach dem anderen abarbeiten..dann bleibt eben was liegen. Habe meinem Nachfolger schon ein paar Dinge überlassen….das muss er übernehmen…da gibt es ein paar Dinge die werde ich bis zu meinem Weggang nicht mehr regeln können…das muss er dann machen. Alles was ich machen kann, leite ich in die Wege und dokumentiere so gut ich kann.

Und jetzt sitze ich hier und freue mich darüber das es nur noch einen Monat dauert…dann ist der Zirkus hier vorbei und ich hab es hoffentlich geschafft ohne abzustürzen.

Countdown:  noch 25 Arbeitstage

Arbeitsfrust mit Geld kompensieren?

Ich bin erstaunt wie wenig die Unruhe und Unzufriedenheit der Mitarbeiter wahrgenommen wird. Nein eigentlich erstaunt es mich doch nicht…also nicht wirklich. Es läuft ja – irgendwie.

Unser GF hat mir vor einiger Zeit in einem längeren 4-Augen-Gespräch ja auch versucht seine Sicht auf die Änderungen zu vermitteln und das ihm in vieler Hinsicht (z.B. weitere Mitarbeiter  für unterschiedliche Abteilungen einzustellen) die Hände gebunden sind.

Dabei muss ich aber auch sagen, es gab Zeiten da waren ihm die Hände NICHT gebunden…und er hat trotzdem die Notwendigkeit nicht gesehen.

Eine Aussage von ihm hat sich mir aber eingeprägt, die eigentlich das ganze Dilemma der Geschäftsführung  zeigt. In etwa lautete die Aussage: Was soll ich denn noch tun um den Mitarbeiter zu vermitteln das es der Firma gut geht. Die Umsätze und die Gewinne steigen…uns geht es doch nicht schlecht.

Ja, das stimmt. Umsatz, EbITDA und auch die Gewinne steigen und ja, jeder von uns ist mit seinem Bonus am Unternehmensziel beteiligt. Soweit so gut.

Aber DARUM geht es auch gar nicht. Die Frage sollte doch lauten: WARUM sind so viele Mitarbeiter in den letzten Jahren unzufrieden geworden OBWOHL alle messbaren Faktoren nach oben gehen.

Der Kern der Unzufriedenheit ist eben nicht, das wir zu wenig Geld verdienen – sondern das wir an vielen Stellen viel zu viel Arbeit haben, die mit der Anzahl der Mitarbeiter kaum zu bewältigen ist.

Natürlich ist Geld ein wichtiger Faktor…aber eben nicht der Einzige. D.h. unser GF kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die lieber auf etwas Geld verzichten um etwas mehr Freizeit zu haben.  Nun gut – unser GF ist ein waschechter Schwabe.

Wenn 3 Abteilungsleiter und 2 Teamleiter einer Firma (das sind nur die mit denen ich mich über diese Themen unterhalte – bei den anderen hab ich keine Einblicke) unzufrieden sind, und dazu noch einige der „normalen“ Angestellten …dann ist das überproportional im Verhältnis zur Gesamt-Mitarbeiterzahl.

Wenn auf der einen Seite immer wieder darauf aufmerksam gemacht wird, das die Überstunden zurück gefahren werden müssen, das die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen nicht erlaubt ist, auf der anderen Seite dieser  zusätzliche Arbeitseinsatz nicht anerkannt /honoriert wird und trotzdem nur zögerlich Abhilfe geschaffen wird um die Arbeit innerhalb  der vorgegebenen Zeit schaffen zu können, auf der nächsten Seite bei der Planung  der nächsten 1-5 Jahre schon klar ist, wir wachsen weiter und es werden keine zusätzlichen Stellen geplant….da stimmt doch etwas nicht. Da ist doch schon vorprogrammiert das noch weitere Mitarbeiter die Reißleine ziehen oder untergehen werden.

Aber die Geschäftsleitung nimmt es nicht wirklich wahr…oder will es nicht wahrnehmen, weil es der Firma ja gut geht.  Und wenn es der Firma gut geht, dann haben die Mitarbeiter keinen Grund unzufrieden zu sein.

Was für eine Logik.

Nachdem ich jahrelang das alles eher stillschweigend mit getragen habe,  hab ich ja bereits in 2018 angefangen aufzubegehren, …was zumindest dazu geführt hat, das ich

  1. Einen zusätzlichen Mitarbeiter bekommen habe (wenn auch die Umsetzung erst mit ¾ Jahr Verzögerung statt gefunden hat)
  2. Ich eine zusätzliche finanzielle „Entschädigung“ für diese Sonderprojekt erhalten habe. Lt. Aussage meiner Chefin bin ich die Einzige.

Aber der zusätzliche Mitarbeiter und die finanzielle Sonderzahlung kamen zu spät…viel zu spät – meine innere Unzufriedenheit konnte das auch nicht mehr kompensieren und ich hab ja für mich die Konsequenzen gezogen.

Und  diese 1. Arbeitswoche nach dem Urlaub hat mir mal wieder gezeigt, es ist absolut die richtige Entscheidung…es geht munter weiter mit den Änderungen „mal eben“….

Nach einem Gespräch mit unserem verantwortlichen Westeuropa-Manger  weiß ich, auch den anderen Landesgesellschaften geht es nicht besser, die kämpfen mit den gleichen Nachwirkungen des Konzernumbaus (Nur die brauchten eben KEINE zusätzlichen Jahresabschlüsse – das war etwas speziell nur für die Deutschen Gesellschaften) und auch dort wächst das Frust-Potential – obwohl die an vielen Stellen wesentlich mehr Leute zur Verfügung haben. Und auch er hofft jeden Tag, das nicht noch mehr neue Anforderungen an unsere Arbeit gestellt werden.

 

Arbeit und die Folgen

Und kaum KÖNNTE ich mal wieder durchatmen, mal wieder normale Stunden am Tag arbeiten, um alles für das Jahr 2018 vorzubereiten (Der Januar ist ja schon fast vorbei und bisher hab ich ausschließlich für den Jahresabschluss 2017 gearbeitet) – da macht mir die Grippewelle einen Strich durch die Rechnung…und nicht nur die.

Montagmorgen – Mein Viererteam:

1 in Urlaub / 1 krank / 1 Kind krank / ICH bin da…..und so bleibt es bis Mittwoch

1 Kollegin wollte noch länger Urlaub – musste ich leider ablehnen / 1 krank / 1 krank mit Kind / ICH bin da….und so bleibt es noch den Rest der Woche…

Dumm nur das ich ja eigentlich Donnerstag und Freitag frei machen wollte, um mich endlich mal wieder zu erholen.

Ich bin wütend – nicht auf die kranken Kolleginnen – sondern auf die Tatsache dass ich einfach keine normalen Arbeitszeiten in diesem Laden hin bekomme. IMMER ist irgendetwas. Und so wird es auch in den nächsten Jahren bleiben.

Inzwischen ist klar das in diesem Jahr noch 2 Großprojekte starten werden – und wir dazu voraussichtlich noch eine weitere Tochtergesellschaften gründen….na super – ich schaffe das jetzt schon nicht mehr mit 3 Gesellschaften – wie immer wird davon gesprochen :

1. Es wird alles gaaanz klein und simpel gehalten / das wird nicht viel Arbeit sein

2. Es wird schon für Abhilfe gesorgt werden

Na toll – noch eine Teilzeitkraft mehr – immer nur ½ Sachen und keine wirkliche Entlastung…denn das würde ja echt teuer werden – gute Leute kosten eben Geld.

Ich wollte bewusst in dieser Firma NICHT in eine Führungsposition….bin aber letztendlich trotzdem dort gelandet– weil es sich organisatorisch sonst sehr schwer gestaltet hätte…und nun hab ich das Dilemma…inzwischen sind es 3 Mitarbeiter….und das sind schon mehr als ich wollte. Wir wachsen und mein zeitlicher Einsatz ist wieder auf einem Level den ich nie wieder erreichen wollte….okay okay es macht ja auch Spaß und ich verdiene gutes Geld….und ICH hab eben ja gesagt….also ist es mein selbst gewähltes Schicksal….

Und hier wieder raus zu kommen, müsste ich wieder einmal mein Leben radikal auf den Kopf stellen. Ich müsste kündigen – mir einen Job als Alleinbuchhalter suchen oder eben einen Job ganz ohne Verantwortung…und damit auch mit wesentlich weniger Geld ….. aber Ich ziehe Verantwortung an – weil es in meiner Natur liegt mich verantwortlich zu fühlen….und würde woanders eben auch Verantwortung übernehmen – auch wenn ich das dann nicht vergütet bekäme….

Also mein Dilemma heißt: Akzeptiere ich endlich die ständige Verantwortung die ich in meinem Job quasi natürlich übernehme – immer mit der Gefahr das es mehr und mehr wird und ich immer weiter hineingezogen werde …. Oder steige ich komplett aus diesem Hamsterrad aus?

Wahrscheinlich würde ich jetzt mit fast 50 tatsächlich noch einmal das Hamsterrad anhalten und aussteigen …. WENN ….. wenn ich noch alleine wäre…bin ich aber nicht….ich trage ja auch Verantwortung in und für meine Beziehung…und mein Job ist eben ein sicherer Hafen.

Meine Chefin ist auch überlastet und krank und hat kleine Kinder und wohnt auch noch gut 100km entfernt vom Büro – pendelt also mehrmals die Woche – und ist auf der Karriereleiter ziemlich weit oben…..und damit immer im Fokus der männlichen Führungsriege….immer im Kampfmodus……aber sie ist 36 Jahre und sie hat sich dieses Leben ausgesucht…. ihre Mitarbeiter bekommen ihre Unzufriedenheit sehr oft zu spüren…das macht es mir auch nicht gerade leichter.

Mein einziger aktueller Vorteil ist eine erstaunliche Gelassenheit …lach….na sagen wir mal es ist eher ein innerer Schutz nicht durchzudrehen das ich denke: mehr geht eben nicht – und jetzt eines nach dem Anderen – ich versuche mich gerade nicht aufzuregen und auch nicht hektisch zu werden….und es gelingt mir….dann bleibt die Arbeit eben liegen…ach ja …und ich hab mir trotzdem Freitag und Montag frei genommen…dann bleiben die Plätze eben unbesetzt…auch wenn ich davon ausgehen muss, das am Montag der Krankenstand immer noch genauso hoch ist, wie heute…dann ist das eben so…ist nicht zu ändern.

Nach 9 Stunden Arbeit ist aktuell auch Schluss bei mir…der Rest muss eben warten. Ich arbeite nach dem Ordnungs-Prinzip: „Vom Dringenstens zum Wichtigsten“. Es nutzt ja keinem etwas, wenn ich jetzt hektisch werde oder gar Durchdrehe…also nehme ich mir meine Auszeit und dann schaue ich mal weiter….