Zwanghafte Disorganisation (Messi-Syndrom)– oder das Leben meines Vaters

Je mehr ich mich mit der Wohnung meines Vaters beschäftigen musste, umso sicherer kommt die Erkenntnis…es kann nicht sein, das ich zu diesem Teil der Familie gehöre. Ich bin ein Mensch der Ordnung nicht nur liebt, sondern einfach zum Leben benötigt….für mich bedeutet Ordnung eine Struktur zu haben die mich beschützt und mir Vertrauen für mein Leben gibt.

Innere Ordnung durch äußere Ordnung…also wenn ich Stress hab oder ich klar denken muss, räume ich erst einmal ein paar Dinge auf meinem Schreibtisch gerade…ich mag dabei große freie Flächen. Dann kann ich gut Denken. Wenn ich emotional durchdrehe, dann räume ich erst einmal meine Wohnung auf…

Nun bei meinem Vater dagegen kommt man in die Wohnung und wird erst einmal davon gefangen genommen, das es unendlich nach Zigarillo-Qualm riecht…also eher stinkt und das er überall große schwere Eiche-Rustikal-Möbel stehen hat…und das überall so kleines Nippes-Zeug rum steht….Ansonsten sieht es erst einmal aufgeräumt aus….

Was ich nicht wusste ist, dass mein Vater eine Art „Schrank-Messi“ war… Mit jedem Schrank den ich geöffnet habe, mit jeder Schublade die ich ausgeräumt habe, kamen Unmengen von Sachen zum Vorschein die ein normaler Mensch eigentlich eher im Müll erwarten würde. Und das waren nicht nur appetitliche Sachen….

Vor allem in der Küche kamen Dinge zum Vorschein die belegen, dass er  – TROTZ PUTZFRAU – schon längst nicht mehr hätte alleine leben sollen…er ist quasi vermüllt und hat es nicht mehr geschafft der Dinge Herr zu werden….er hat immer wieder gleiche Sachen neu gekauft, aber die alten nicht verbraucht, oder nur teilverbraucht und auch nichts weg geschmissen….so hab ich nicht nur erst kürzlich abgelaufene und verdorbene Lebensmittel entsorgt, sondern auch wirklich alte Sachen gefunden.

Mein Vater war stolz darauf, das in den Haus die Müllmengen sooo niedrig waren und sie deshalb Entsorgungskosten sparen konnten….lach…..nun weiß ich auch warum die Mengen so klein waren…weil er einfach alles in den Schränken aufbewahrt hat….eine meiner ersten Maßnahmen war also unendlich viele Müllsäcke zu kaufen……

Bisher hieß es bei ihm immer: ich habe im Krieg gehungert und deshalb wird nichts vergeudet und weggeworfen….Nun das kann ich jetzt so nicht mehr stehen lassen…Dinge wurden gekauft und nicht verbraucht, das ist massive Vergeudung.

Und ich rede dabei nicht davon das ein paar Lebensmittel ein paar Wochen oder ein paar Monate über dem Mindesthaltbarkeitsdatum lagen…ich rede davon das viele Lebensmittel bereits viele Jahre abgelaufen waren…und direkt daneben die gleichen Lebensmittel fast neu standen….

Ein Beispiel gefällig? Honig hat einen sehr hohen Zuckeranteil und ist quasi fast nicht zum Verderben zu bringen….aber ein 1/2  verbrauchtes Glas Honig aus dem Jahr 2007 (wir leben in 2018) war schimmelig …Daneben Zuckerrübensirup der von der Konsistenz eher Teer glich….Speck im Kühlschrank aus Anfang 2017…..dabei ist der Kühlschrank in 2017 ausgetauscht worden. Asiatische Lebensmittel  noch originalverpackt aus dem Jahr 2010-11….Im Mehl und anderen Dingen hatten sich mal die Motten durch gefressen….überall  klebte es in den Schränken und der Schmier war Zentimeterdick….Um die Schränke zu säubern half mir nur noch ein Metallschrubber…was man normalerweise für Edelstahltöpfe benutzt…. Aber zuerst ging es um die Mengen in den Schränken….er scheint seit den 60er Jahren NICHTS mehr an Tassen, Teller und Plastikdosen weg geworfen zu haben….dabei ist er Anfang der 90er Jahre erst in diese Wohnung gezogen und ich weiß das wir damals einen Müllcontainer hatten weil er sich ja mit dieser Wohnung verkleinert hatte. 

Es ist ja gar nicht schlimm, wenn man etwas aufbewahrt…aber wenn man es dann verrotten lässt…in den Schränken dann kann das auch kein Liebhaber alter Stücke gewesen sein…die Gläser und Tassen im Wohnzimmerschrank waren derartig vergilbt, die sind bestimmt seit seinem Einzug nicht mehr benutzt worden…und wurden seitdem auch bestimmt nicht mehr gesäubert…und wozu benötigt er 10 Pfannen….eine älter und dreckiger als die Andere.

Allein um den Kleiderschrank im Schlafzimmer auszuräumen brauchte ich 18Stück 120l-Mülltüten nur für die Kleidung  und das war noch nicht alles ….dabei  hab ich Dinge in den hinteren Teilen des Schrankes gefunden, die bestimmt seit dem Einzug vor 23 Jahren nicht mehr benutzt worden sind und das Schlimmste waren 3 Kopfkissen im Schrank die verschimmelt waren…wozu ein einzelner Mann 8 Bettdecken und 5 Wolldecken benötigt ist mir auch ein Rätsel…..aus dem Schrank hab ich allein 103Paar Woll-Stricksocken gefunden…und das waren nur die, die ich gezählt habe….es gab noch viel mehr….aber die lagen nicht  ordentlich in einer Schublade oder einer Ecke…nein quer über den ganzen Schrank verteilt….Ich habe Handtücher gefunden, die waren sooo dünn das man fast durchsehen konnte, die stammen tatsächlich aus MEINER Kindheit und ich bin gerade  50 Jahre alt geworden.

Und immer wieder dazwischen einige moderne neue Stücke,  aber alles war im Schrank wild durch einander gewürfelt… Ich hab die Aufnahmekapazität der städtischen Kleidersammelcontainer gesprengt…musste quer durch die Stadt fahren um überhaupt noch Platz zu finden….Auch die Glascontainer haben Unmengen von Zeugs aufnehmen müssen…weil mein Vater auch leere Einmachgläser gehortet hat ….

Nach meiner ersten Räumaktion 3 Tage am Stück um das Schlafzimmer mit allen Schränken leer zu bekommen, hat mein Schatz bei unser nächsten Aktion erst einmal die Schlafzimmermöbel zerlegt, so dass wir einen Raum hatten um all die Dinge die ich nicht sofort weg werfen konnte dort zu lagern.

Da mein Vater ja fast 300km entfernt von mir wohnt, haben wir2 Monate gebraucht….jedes Wochenende und auch ein paar der Feiertage genutzt…hinfahren, räumen, putzen, räumen, putzen…aussortieren, putzen, zurück fahren und dann war das Wochenende auch schon vorbei….haben jede Menge Geld für Sprit und Übernachtungen ausgegeben um voran zu kommen….aber erholen oder gar trauern…nein – Fehlanzeige.

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