Schlank und schön?

Der Blick auf den eigenen Körper ist fast nie objektiv möglich, denn was einem gefällt oder nicht gefällt, ist eine Meinung und die eigene Meinung unterliegt keiner messbaren Wertescala.

Als pummeliger unsportlicher Teenager hab ich früher immer gedacht: wenn ich soviel KG abnehme, dann fühle ich mich schlank und schön. Später als sportliche Erwachsene mit vielen Kilos leichter, hab ich mich trotzdem nicht wirklich schlank und schön gefühlt….erst mit der Zeit kam die Zufriedenheit mit dem eigenen Körper….aber richtig schlank hab ich mich trotzdem nicht gefühlt….dafür aber hab ich mich doch als „auch schön“ empfunden….aber nicht schlank.

Ich hab schon immer viel wert darauf gelegt, mich so zu kleiden, das meine Vorzüge betont und alles nicht Optimale kaschiert wird. Ich mochte nie das Kleidung zu eng sitzt, einengt und Speckröllchen an Bauch und Hüfte sichtbar hervortreten. Diesen berüchtigten Muffintop-Effekt der entsteht, wenn man sich z.B. in eine enge Jeans quetscht und dann die Speckröllchen über dem Hosenbund sichtbar hervortreten…damit sieht auch eine schlanke Frau unvorteilhaft aus. Oder wenn man Unterwäsche falsch auswählt und sich diese dann unvorteilhaft sichtbar auf das darüber auswirkt

Ich besitze seit ca. 10 Jahren (man wie die Zeit vergeht) ein Shirt mit einer raffinierten Stoffführung über den Bauch und mit Zierknöpfen an der Seite…es betont die Taille sitzt aber ansonsten locker…also nicht zu weit und nicht zu eng.

Dieses Shirt habe ich extra für einen bestimmten bodenlangen Sommerrock (den besitze ich auch noch) gekauft…und trotzdem hab ich das Shirt nur selten getragen, obwohl es mir richtig gut gefällt…weil ich immer das Gefühl hatte, man würde von hinten meine Speckröllchen sehen können (da hatte ich noch Größe 36).

Ich hab gestern meinen Kleiderschrank wieder einmal auf Frühling/Sommer-Betrieb umgestellt und mir ist das Shirt in die Hände gefallen…und ich hab es gleich einmal angezogen….und …..

Ja was soll ich sagen.. das Shirt passt prima…und interessant, es sitzt immer noch locker um Bauch und Taille obwohl ich ja zugenommen habe und inzwischen Kleidergröße 40 trage…. und noch interessanter, ich fühle mich beim Blick in den Spiegel wohl damit und …schlank !!!

Check-up

So, ein wenig Sorgen hatte ich mir schon gemacht, was für Blutwerte beim ärztlichen Checkup rauskommen werden.

Immerhin war da der niedrige Eisenwert beim Blutspenden und ich fühlte mich vorher auch schlapp.

Heute dann die Ergebnisse: Alle Werte sind im optimalen Bereich, das Cholesterin ist sogar eher niedrig, der Eisenwert ist auch wieder normal.

Was mich sehr erleichtert ist ein Vitamin D-Spiegel im hohen mittleren Bereich. Dafür hab ich mehr als 3 Jahre täglich Tabletten genommen….jetzt kann ich aufatmen, das so eine depressive Verstimmung durch einen Mangel nicht noch einmal vorkommt, denn DAS möchte ich nicht noch einmal erleben.

Also für mein Alter ist das alles gar nicht schlecht…jetzt nur nicht nach lassen…also weiter geht es mit meinen täglichen Walkingrunden, neuerdings hab ich ja noch das Trampolin, dazu „Boden-Turnen“ wie ich es nenne, also Dehnübungen und Pilates und Hantel-Training. Und sobald das Wetter wieder stabiler ist, kommt auch das Fahrrad zum Einsatz und vielleicht geht ab Spätsommer ja auch das Schwimmen wieder …wäre doch gelacht, wenn ich es nicht auch endlich schaffen würde die 4 Kg abzunehmen.

Ich hab zwar das, was man als Normalgewicht bezeichnet, aber mit ein paar KG weniger, würde ich mich noch wohler in meiner Haut fühlen und ich könnte ein paar der Klamotten aus den letzten Jahren wieder tragen….nur das klappt irgendwie überhaupt nicht, mit dem Abnehmen…mein Gewicht verharrt seit Monaten auf diesem Niveau….es pendelt leicht hin und her ….aber letztlich lande ich immer wieder genau dort.

Nun gut, ich nehme es aktuell hin….eine Diät kommt für mich eh nicht in Frage….aber ich brauche wieder mehr Disziplin beim Essen, vorallem bei Dingen wie Keksen und anderen Süßigkeiten….das „zwischendurch Snacken“: mal hier einen Keks, mal da ein Stück Schokolade….das hab ich jetzt wieder konsequent abgestellt.

Es gibt 3 Mahlzeiten am Tag und wenn es nicht anders geht, noch eine kleine gesunde Knabberei zusätzlich. Eine kleine Süßigkeit gibt es auch am Tag, aber immer nur in Verbindung mit einer Mahlzeit…Nicht extra, so das immer mehrere Stunden ohne Nahrungsaufnahme dazwischen liegen….Das hat früher schon gut bei mir geklappt.

Aber selbst wenn es nicht klappt, dann ist das halt so….davon lasse ich mich nicht runterziehen…und nun überlege ich schon mal, welches Ziel ich kommendes Wochenende, bei dem angesagten schlechten Wetter in Schleswig-Holstein, für einem Tagesausflug anvisiere…

Frauen und die Gewichtsfrage

Ich hab mich entschieden: Ziege

Es ist schon ein paar Jahre her, da hat eine Kollegin von mir einen wunderbaren Ausdruck geprägt….

„Irgendwann im  Leben muss sich jede Frau entscheiden ob sie Kuh oder Ziege sein möchte“

Sie sagte es einmal sehr schnippisch und um das zu verstehen muss man wissen das diese Kollegin  unglaublich Dick war, dabei aber Storchenbeine besaß. Despektierlich gesagt: eine Tonne auf Stelzen. Aber sie war (fast) immer gut drauf, hatte unglaubliche Energien, ein Plappermaul und hat die ganze Abteilung mitgerissen. Sie hatte sich für „Kuh“ entschieden….dick aber liebenswert und wollte  niemals  Ziege sein (was in diesem Fall auf eine große schlanke  ältere Kollegin zielte, die  nicht sehr freundlich war).

Aber sie hatte ein gestörtes Verhalten zum Essen…und auch zu Lebensmitteln. Sie hat immer ihr Schwarzbrot einfach auf ein Stück Papier auf den Tisch gelegt, aus der Schublade eine Scheibe  fettreduzierten Käse gezogen und immer mal wieder davon abgebissen…Süßigkeiten und Kuchen hat sie dann abends zuhause vertilgt…

Mit dem Ende meines Sports als Turniertänzer hatte ich endlich wieder Zeit für Muße und gleichzeitig kamen auch die Wechseljahre. Also wesentlich weniger Bewegung, dafür Zeit für´s Faulenzen und Zeit um mehr zu kochen und zu backen….Und mein Gewicht ging hoch.

Irgendwie war ich jetzt lange davon überzeugt das ist so und das wird sich auch nicht mehr ändern, weil die Wechseljahre mir einen Strich durch meine Figur machen…oder so ähnlich…ich hab es als gegeben hingenommen…ist ja auch eine nette Erklärung. Und so sind in den letzten 2 Jahren tatsächlich 2 Kleidergrößen dazu gekommen: von 36 auf 40/42. Ich hab mich dem ergeben, es erst hingenommen und dann als unausweichlich akzeptiert.

Aber seit ich so einige Dinge in meinem Leben verändert  habe und 3x in der Woche Fitnesstraining mache , wesentlich weniger Zucker und auch wesentlich weniger Süßstoffe  (Pepsi light) zu mir nehme, bin ich nicht nur leistungsstärker und wacher…sondern  auf einmal purzeln auf die Pfunde….langsam….aber stetig und so hab ich in den letzten 2 Monaten schon fast 4kg verloren…OHNE Diät…nur mit Ernährungsumstellung, ich esse worauf ich Lust habe und ich esse jeden Tag Eis…Ich hab aber fast überhaupt kein Verlangen nach Süßem….vor allem hab ich keine Heißhunger-Attacken.

Jeder vorherige Versuch mit moderater Trainings-Intensität (nur nicht zu sehr schwitzen) und etwas „zusammen reißen“ beim Essen hat NICHTS gebracht.

Wenn es wirklich etwas bringen soll, dann muss man Sport einfach intensiv machen…der Körper muss gefordert werden. Raus aus der Wohlfühl-Zone…Es hat tatsächlich eine ganze Weile gedauert bis ich mich wieder an diese hohe Intensität gewöhnt hatte…aber jetzt klappt es gerade sehr gut…Als aktive  Standardtänzerin hab ich meinen gesamten Körper ja auch mehrfach in der Woche gepowert…und es hat immer gut getan…jahrelang konnte ich dann essen was ich wollte, ich hab mein Gewicht gut halten können.

Also jetzt schau ich wieder in den Spiegel und bin zufrieden….hab jetzt (wieder) das untere Ende auf meiner Wohlfühl-Skala erreicht…aber schön wären noch ca. 4kg…dann wäre ich wieder auf meinem langjährigen normalen  Gewicht und wieder ganz oben auf der Wohlfühl-Skala.

Also ich lerne daraus: Gewichtszunahme in den Wechseljahren hat NICHTS mit „unausweichlich“ zu tun, sondern nur mit dem Überwinden der eigenen Trägheit und dem Überwinder der Resignation…auch mit fast 50 Jahren kann man seinem Leben eine andere Wendung geben….

Ich glaube ein Teil meiner eigenen Resignation meinen Körper betreffend, resultierte aus  der Schwermut heraus, die mich in den letzten Monaten immer wieder bestimmt hat (oder war es anders herum, meine Resignation förderte die depressive Verstimmung? – das ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei – ist aber auch egal).

Ich hab zumindest wieder Lust auf Mode, gepflegte Fingernägel und rasierte Beine…lach…und meine Beine – auf die kann ich inzwischen wieder stolz sein und ich zeige sie gerne in kurzen Hosen und Röcken….wenn nicht jetzt…wann dann?

Vergänglichkeit der Schönheit

Liebes Alter…schön, dass du so langsam bei mir ankommst….denn das heißt das ich lebe. Manchmal vergesse ich das, das Leben und beschwere mich über die Unwägbarkeiten, Wehwehchen , Müdigkeit, Stress und andere Menschen die sich blöd verhalten.

Viel zu selten freue ich mich darüber gesund zu sein, arbeiten zu dürfen und einen Schatz zu haben der mich liebt. Wie schön ist es zu leben…das WIE man lebt, hat man ja doch selber in der Hand und sollte es nicht immer als gegebenes Schicksal begreifen. Jeder ist seines Glückes Schmied.

Natürlich gibt es Dinge die einem das Leben vorgibt….aber wie man damit umgeht kann man selber bestimmen…es ist eine Sache der inneren Einstellung und deshalb begrüße ich heute das Alter als einen Neuen Bekannten, der nun ein Teil meines Lebens ist.

Na klar ist es nicht schön an Gewicht zuzunehmen und aufgrund seines Alters von vielen Männern einfach übersehen zu werden….früher war es für mich normal ständig viele positive Blicke zu erhalten….von Männern und Frauen, heute bin ich zwar noch attraktiv und auch gut gekleidet, habe eine gute Haltung….aber trotzdem werde ich von den meisten Menschen nicht mehr wahr genommen.

Aber das ist meine eigene Eitelkeit die das bemerkt…ich mache meine Zufriedenheit nicht davon abhängig wie viele bestätigende Blicke ich bekomme….ABER ich bemerke es eben, das die jüngere Frau vor mir (nicht mal besonders adrett gekleidet)  die Blicke auf sich zieht und ich eben nicht mehr…. Es kränkt mich nicht….aber mit einem Schmunzeln nehme ich es wahr und ein wenig Wehmut spiegelt sich in meinem Gesicht wider.

Ich bin unzufrieden mit meiner optischen Körpermitte und meinen nicht mehr so straffen Beinen, aber ich schaue in den Spiegel und begrüße das Alter, das sich mir im Spiegel zeigt und ich versuche es anzunehmen – nicht ergeben, nicht passiv, sondern freudig und versuche die Veränderungen positiv zu bewerten.

Mit nun 49 Jahren kann ich ruhig zulassen, dass ich eben nicht mit 30-40jährigen konkurriere, auch nicht mehr unbewusst, sondern wir alle unseren Platz im Leben haben. Ich muss nicht die Schönste sein, Hauptsache ich finde mich gut so, wie ich bin…auch wenn das heißt, das ich mehr Schlaf und größere Kleidung benötige.

Ausstrahlung ist das, was ein gewisses Alter schön macht und die hat nur mit eigener Zufriedenheit zu tun, die nach außen strahlt…und nicht mit dem straffen Busen oder der Kleidergröße.