Ein „Engel“ in der Müllnot

Klingt kitschig – trifft es aber  ganz gut – lach.

Nach dem Termin mit dem Sozialkaufhaus war ich zwar froh, dass wir die die Küche und die Groß-Elektrogeräte verschenken konnten…aber vom Wohnzimmer wollten die gar nichts haben. Zu Alt-Deutsch um heute noch Abnehmer zu finden…zu wuchtig für kleine Wohnungen.  Ich war wieder mutlos…zumal mir der nette Mann auch gesagt hat, das der bestellte  10qbm Container viel zu klein wäre, für die restlichen Möbel…und der hatte noch nicht einmal das Schlafzimmer gesehen.

Nun gut…das Problem lösen wir dann Morgen. Erst einmal musste ich meinen Schatz vom Bahnhof abholen.

Ich war bereits Donnerstagabend (am Vatertag) alleine  los gefahren, weil ich ja am Freitagmorgen bereits den Termin mit einem Fahrzeug-Aufbereiter hatte und dann später den Termin mit dem Sozialkaufhaus…ach und weil ich gerade dabei war hab ich auch noch einen Termin mit der Krankenkasse und der Bank.   Mein Schatz ist am Freitag mit dem ICE nachgekommen und ich hab ihn in Dortmund vom Hauptbahnhof abgeholt. Das war dann noch mal 3/4 Std. Autofahrt bis nach Dortmund  und dann noch einmal zurück in die Kleinstadt.

Ich war nicht gut drauf….und auch die Autofahrt in Dortmund hat nicht zur Entspannung beigetragen…ich hatte HUNGER….wir machen das nicht oft, sind dann aber beim KFC eingekehrt…danach ging es mir besser…lach….FastFood essen wir fast gar nicht mehr – aber so ab und an muss es einfach sein.

Samstagmorgen im Hotel – mein Schatz stand gerade unter der Dusche – hab ich mich kurzerhand bei Ebay-Kleinanzeigen angemeldet und als Erstes die  Couch eingestellt: zu verschenken an Selbstabholer – mit dem Hinweis, dass wir noch weitere Möbel und Anderes aus einer Haushaltsauflösung abzugeben hätten. Keine 2 Minuten später bekam ich einen Anruf …..ein Mann aus Oberhausen fragte ob er die Couch haben könnte und was wir sonst noch so hätten. Hab die Möbel kurz beschrieben und er meinte er käme aus Oberhausen  und bräuchte 1,5 Stunden – ob wir ihm die Möbel solange zusichern könnten….Na klar – wenn er auch wirklich kommt… JA – er käme dann direkt mit einem Transporter…wir haben uns auf 11 Uhr geeinigt.

Ich wagte kaum zu hoffen, das jetzt tatsächlich alles ins Rollen kommen könnte – aber er kam tatsächlich. Ein netter kleiner redseliger Mann aus Kroatiern….er kam alleine mit Transporter und hat tatsächlich Couch, Tisch, Sideboard, Lampen, Bilder, Dekokram und Haushaltsartikel mit genommen….er meint er bringt alles nach Kroatien. Soll mir ja Recht sein, wenn er damit noch Geschäfte macht – Hauptsache ich bin  es los. Nur den alten Wohnzimmerschrank wollte auch er nicht…schade auch.

Beim Verladen der Möbel hat mein Schatz mit  geholfen, alleine wäre es nicht gegangen…dabei sind tatsächlich noch einige Gedenk-Münzen im Stauraum der Couch aufgetaucht, die mein Vater dort deponiert hatte…die hatte ich vorher gar nicht bemerkt.

Als wir uns mit dem Kroaten unterhalten haben, meinte er – ja den Rest müssten wir dann wohl entsorgen…Ja – der Container ist schon bestellt. Der ist bestimmt teuer – oder? JA – fast 500 EUR. Da meinte dieser geschäftstüchtige Mann: also für den Preis würde er uns die Wohnung komplett entrümpeln und die Dinge entsorgen….Meinte er das ernst? Ja- also nach einem kurzen Blick auf die Mengen im Schlafzimmer und im Keller haben wir uns auf einen Preis geeinigt und darauf das er eine Woche später mit 2 weiteren Kollegen kommt und  die Wohnung leer räumt…besiegelt mit Handschlag.

Wir waren euphorisiert….Die Küche wird nächste Woche abgeholt / Das Wohnzimmer ist fast leer /die restlichen Möbel, Müll und Einrichtungsgegenstände werden auch in der nächsten Woche abgeholt…wie geil ist das denn… Mit einem Mal ging es in riesigen Schritten vorwärts.

Den Container hab ich kurzerhand wieder abbestellt…na hoffentlich kommt der Typ auch tatsächlich sonst haben wir weder einen Entrümpler – noch einen Container um selber zu entrümpeln, wenn meine Schwester da ist.

Auf einmal hatte ich den Eindruck: jetzt wird alles gut.

 

 

 

 

Lieber verschenken – als verschrotten

Nachdem klar war das die Stadt für jedes Sperrmüll-Möbelstück  Geld verlangt und auch für weitere Müllannahmen Geld möchte,  wurde ich langsam mutlos. Zuerst war ich einmal sauer….also in Hessen kann ich 2x im Jahr kostenlos Sperrmüll anmelden und abholen lassen….und es gibt jede Menge Sondertermine für alles Mögliche.

Bei derartig vielen schweren und wuchtigen Möbeln haben wir kurz durch gerechnet: DAS wird teuer….also haben wir einen Container bestellt….aber es ging ja nicht um nur um Möbel, sondern um eine komplette Haushaltsauflösung mit viel Müll und noch mehr nicht mehr zu benutzenden Dingen des Alltags.

Ich hab mich quasi mehr als 4 Wochen mit dem Thema beschäftigt, WAS gehört in WELCHE Art von Container…die telefonischen Beratungsmöglichkeiten der Container-Mieterservices  trugen leider auch nicht zur Klärung meiner Fragen bei:

Bei einem hieß es ein Metall-Regal aus dem Keller darf nicht mit in den Sperrmüll-Container, bei einem Anbieter war das kein Problem….Kleiderbügel sollten einmal mit in den Hausmüll….oder aber in den Sperrmüllcontainer – aber nur die Holzbügel, beim Nächsten sollte es dann doch besser der Baumischabfall-Container sein….Nur in einem waren sich alle einig: KEINE Lebensmittel!!!

Der Rat: Jedes Glas/jede Dose öffnen den verdorbenen Inhalt entsorgen und dann  in den Glascontainer bzw. den Gelben Sack. AHA !!!  -NEIN-das war nicht praktikabel….den gleichen Rat hab ich übrigens auch für die Medikamente erhalten: Jede Tablette aus dem Blister holen und in die Restmülltonne,  den Blister in den Gelben Sack, die Umverpackung in die Papiertonne….bei den Mengen von denen ich hier rede, hätte ich Jahre gebraucht um auf diese Art die Wohnung leer zu bekommen. Warum gibt es die Annahmestellen in den Apotheken eigentlich nicht mehr?

Und warum verpflichtet mich Deutschland noch nicht abgelaufene Medikamente zu entsorgen, anstatt diese einer Hilfsorganisation zu spenden? Es scheint in Deutschland schlichtweg verboten zu  sein Medikamente zu spenden—–DAS nenne ich mal echte Verschwendung.

Also bin ich so vorgegangen:

1.      Alle noch nicht abgelaufenen Lebensmittel hab ich der Tafel gespendet. Die haben sich gefreut

2.      Alle abgelaufenen Lebensmittel hab ich in der Restmülltonne entsorgt (das heißt ich habe wochenlang bei meinem Vater  Woche um Woche kleinere  Mülltüten in die kleine Tonne getan und die wesentlich größeren Mengen bei mir zuhause  nach und nach in die großen Restmüllcontainer gebracht…wir sind eine Wohnanlage mit großen Müllcontainern.

3.      Alle Medikamente hab ich ebenfalls in der Restmülltonne entsorgt (egal ob abgelaufen oder noch verwendbar…da hat mir das Herz schon geblutet)

4.      Alles was als Umverpackung anzusehen war, haben wir in die gelben Säcke verpackt und auch wochenlang  im Schlafzimmer gelagert, bis wir diese nach und nach entsorgen konnten.

5.      Jede Form von Papier haben wir in Säcken und Kisten gesammelt und haben diese nach und nach zum Wertstoffhoff gebracht und dort in der Papierpresse entsorgt…einschließlich aller nicht verkauften/ verschenkten Bücher

6.      Alle leeren Gläser haben wir in die Glascontainer gebracht und alle Pfandflaschen zum Supermarkt

7.      Und dann mein Lieblingscontainer:  „Kleinelektro und Metall“  So einen Container kannte ich bisher nicht…den gibt es bei uns nicht…..hier konnte man alle Kleinelektrogeräte, Kabel, jede Form von Metall – egal ob Werkzeuge oder Töpfe und Pfannen entsorgen….hahaha….ja den Container haben wir oft benutzt.

Aber immer noch blieb das Problem der Möbel,  Groß-Elektrogeräte, Haushaltsgegenstände und vor allem die Küchenmöbel, Bilder, die Deko usw. …WOHIN damit.

Ich hab mich dann letztlich für einen Baumischcontainer entschieden, da hier auch Mineralstoffe mit entsorgt werden durften….also auch Porzellan J

Aber die Idee mit dem Sozialkaufhaus hatte sich bei mir schon festgesetzt, lieber verschenken als entsorgen….aber bevor die tatsächlich gebrauchte Möbel annehmen, müssen diese echt in gutem Zustand sein…also hab ich die Möbel, Groß-Elektrogeräte usw. geschrubbt und gewienert….Stundenlang / tagelang….

Der Vorteil wenn Dinge nie geputzt wurden – Dreck und Schmier bilden eine Schutzschicht und sind nach dem Reinigen fast wie neu ….lach…und genau das war der Vorteil….Als dann endlich das Sozialkaufhaus zur Besichtigung kam, waren die von dem guten Zustand der Möbel und Geräte überrascht….Gekommen sind die auch nur, weil ich vorab Bilder gemacht und per Mail geschickt hatte….und tatsächlich die kompletten Küchenmöbel, incl. Aller Großgeräte und auch der Waschmaschine und des Gefrierschranks wollten die uns abnehmen. Dazu extra von mir vorbereitete Vasen/Plastikdosen/ Geschirr und ein paar Dekoteile und ein paar Lampen (Anekdote: ich dachte immer die Wohnzimmerlampe sei aus Messing….nach der Putzaktion war es jedoch einfach nur blankes Metall….durch den Nikotinschleier hab ich es nie bemerkt).

…hätten aber erst in 1 Monat Zeit…..DAS war ein Schock und ich hab klar gesagt, sorry das geht nicht…die Wohnung muss jetzt kurzfristig leer werden….Und der Mitarbeiter, so ein kleiner alter Kautz….war total nett und hat es in der Verwaltung durch gesetzt, das wir „dazwischen geschoben“ werden….prima die Küche war damit schon einmal gerettet…. trotzdem war ich deprimiert….wie soll das nur weiter gehen?

So geht es mir heute

Leider geht es mir nicht so gut…nachdem ich mich 2 Monate nur um das Nötigste Im Job gekümmert habe, nur sehr wenig Überstunden gemacht und mich um den Nachlass meines Vaters gekümmert habe, bin ich nun wieder in der Realität meines eigenen Lebens angekommen.

Das Ergebnis: ich bin kurz davor alles hinzuwerfen, weil ich mich überfordert fühle. Da arbeite ich mal 2 Monate lang nicht mit 150% Arbeitseinsatz und schon schiebe ich soo eine Bugwelle vor mir her, das mir schlecht davon wird…und jeden Tag kommen  neue zusätzliche berufliche Dinge auf meinen Arbeitsalltag hinzu….immer mehr….und immer mehr neue Arbeit mit vielen Aufgaben die zusätzlich zu bewältigen sind.

Ich bin kurz davor durch zu drehen….und hab mich jetzt für 14 Tage in den Sommerurlaub gerettet….nicht ohne vorher mitten im Monatsabschluss für alle  mehr oder weniger sichtbar durchzudrehen…

Soll ich mir das tatsächlich noch 15 Jahre lang antun? Oder sollte ich mir nicht doch etwas anderes suchen, was weniger stressig ist- aber auch weniger Gehalt bedeutet? Finanzielle  Sicherheit ist mir sehr wichtig, aber nicht  wenn ich daran kaputt gehe.

Meine Hoffnung ist jetzt, das der Urlaub mich wieder etwas zurück ins Gleichgewicht bringt…ich hab darüber auch schon mit unser HR-Kollegin gesprochen, sie meinte ich solle mich im Anschluss zum Arzt gehen und mich krankschreiben lassen, damit es mal gesehen wird. Nein – das kann ich nicht.

Bevor ich vor meiner Chefin in Tränen ausbrach hab ich ihr bereits eine Woche vorher gesagt: Sorry- so geht es nicht weiter….es geht nicht NOCH MEHR…und sie meinte ja dann suchen wir eben noch einen neuen Mitarbeiter….ruderte aber bereits etwas später zurück, weil kein Platz mehr bei uns frei ist…ja prim.

Sie denkt tatsächlich immer noch alles lässt sich regeln und ich schaffe das dann schon….irgendwie.

Okay, ich weiß es nicht aber  – jetzt versuche ich erst einmal wieder emotional ins Gleichgewicht zu kommen und die letzten Monate aufzuarbeiten…deshalb schreibe ich mir mal wieder alles von der Seele und versuche dann mich wieder zu positionieren….allein die Logik sagt mir, das es nicht funktionieren wird….es geht ja jetzt schon nicht ohne permanente Überstunden.

Ich weiß das ich eine Tendenz zum Burnout-Syndrom habe….und ich versuche es abzubiegen…fühle mich aber gleichzeitig als Versager, weil ich es offensichtlich nicht mehr schaffe. Mit meinem tränenreichen Auftritt vor meiner Chefin hab  ich meiner Chefin aber signalisiert das es wirklich nicht mehr geht und ich glaube sie macht sich wirklich Sorgen….DAS zumindest wäre ein Fortschritt – auch wenn ich weiß das die Sorgen nicht meine Person gelten – sondern meiner Leistungsfähigkeit als Fach-und Führungskraft…lach….sorry aber so realistisch bin ich nun einmal.

Das Problem ist, mit jeder neuen Eskalationsstufe bin ich eher bereit mich von dieser Firma zu lösen, zumal die Zukunftsaussichten für uns auch nicht so rosig aussehen…falls wir tatsächlich vor einer  Fusion mit einem zum Verkauf stehenden Teilkonzern stehen, dann werden wir als der kleinere Standort davon negativ betroffen sein….Ich werde also doch einmal anfangen nach soooo vielen Jahren in dieser Gesellschaft meine Bewerbungsunterlagen zu aktualisieren….auch wenn das überhaupt nicht meine Intention war…..

Enttäuschungen

Die menschlichen Enttäuschungen, die mit dem Tod meines Vaters einhergehen, sind größer als gedacht. Und wieder einmal bewahrheiten sich gleich zwei gängige Sprüche: „Freunde sucht man sich aus, Familie hat man“ und „bei Geld hört die Freundschaft auf“.

1. Enttäuschung: die beiden noch lebenden Geschwister meines Vaters haben sich geweigert mit ihren Familien an der Beerdigung teil zu nehmen, weil wir keinen Gottesdienst mit Pfarrer geplant haben: nun gut, mein Vater hat sich schon vor Jahren von der freichristlichen und evangelischen Kirche los gesagt, nicht einmal zur meiner Konfirmation ist er mit in die Kirche gegangen. Ich finde es respektlos das die Beiden Ihren Glauben über den Willen meines Vaters gestellt haben. Persönlich ist es mir sogar lieber gewesen, das die nicht dabei waren.

2. Enttäuschung: die besten Freunde (ein Ehepaar)  meines Vaters seit mehr als 50 Jahren haben sich weder schriftlich, noch persönlich bei uns gemeldet, um ihr Beileid zu bekunden…sie haben schlichtweg nicht einmal auf unseren Brief geantwortet, nicht einmal um für die Beerdigung abzusagen…Dabei handelt es sich auch  um meine Patentante.

3. Enttäuschung:  ein heute sehr guter Freund meines Vaters hat versucht uns beim Verkauf einiger Bücher über den Tisch zu ziehen….Eine umfassende Bertelsmann-Lexikothek : über den Preis hatten wir uns vorab geeinigt, der war viel niedriger als mein Vater gedacht hatte – aber wir wollten nicht erst lange nach einem Käufer suchen und : er hatte mir am Telefon gesagt, dass er diese für seinen Sohn kauft. Als er dann kam um diese abzuholen, meinte er „sein Kunde“ sei nicht bereit den Preis zu zahlen und ER müsste ja noch seine Fahrt berechnen….also 100 EUR weniger …. NEIN! Da hab ich mich auf keine Diskussion eingelassen. Der Preis bleibt und wieso überhaupt sein „Kunde“ – ich dachte es wäre für den Sohn….da hat er mir irgendetwas erzählt….ich hab kaum zugehört – es klang mir sowieso zu konstruiert. Okay also der Preis blieb so und ich hab mit angepackt die schweren Bücher einzupacken…es waren viele schwere Bücher….und auf einmal sehe ich das er viel mehr einpackt, als dazu gehört….ACH – das ist ihm gar nicht aufgefallen…na, das sieht man doch – die Bücher habe eine ganz andere Größe und auch einen ganz anderen Umschlag…. Tztzttztz . Dann meinte er später noch, er wäre noch an weiteren Büchern interessiert…ich weiß – ich hatte seine gierigen Blicke gesehen und ihm gesagt ich würde mich in 1-2 Wochen bei ihm melden. Wusste aber genau – DAS werde ich nicht tun…lieber werfe ich alle weiteren Bücher in den Papiercontainer…ich war wütend über dieses Verhalten.

Vorher hatte er uns nämlich noch wissen lassen, das so einige der Bücher über Pilze IHM gehören…da ich weiß das mein Vater schon seit Jahrzehnten im Besitz einiger sehr alter Pilzbücher ist  und ich gerade eines dieser alten Bücher behalten wollte, war ich empört, ….als er dann wegen der Lexikothek kam und wieder meinte er hätte meinem Vater ja viele Bücher geliehen, hab ich ihm quasi ALLE Pilzbücher vor die Nase geworfen und gesagt er solle einfach alle nehmen, damit er endlich Ruhe gibt….mit so einer Reaktion hatte er nicht gerechnet und wenigstens einen Moment war es ihm unangenehm…gut so. Also so eine Gier ….unglaublich

4. Enttäuschung: der Nachbar über ihm, ungefähr so alt wie ich …. Hat sich gut mit meinem Vater verstanden, die haben viel Zeit und so einige Biere zusammen vernichtet….und ebenfalls ein Freund von Enttäuschung Nr. 3. Nun dieser  hier – also Nr. 4 hat den Wohnungsschlüssel meines Vaters gehabt, genau wie die Nachbarin schräg drüber.

Bei einer meiner ersten Räumaktionen hab ich ihm Barfach meines Vaters eine noch versiegelte Flasche Eierlikör gesehen….hatte mich noch gewundert und die Flasche untersucht, es war keine mir bekannte Marke und ich hab kein Mindesthaltbarkeitsdatum gefunden…gesucht und gesucht – nichts…und dann hab ich die Flasche wieder ins Barfach zurück gestellt….na lieber nicht öffnen ….wer weiß wie alt das Zeug schon ist. Beim nächsten Mal als ich das Barfach dann tatsächlich leerräumen wollte, fand ich eine ½ volle Flasche Eierlikör einer sehr bekannten Marke… Stutz…..NANU….wo kommt die denn her….und wo ist die volle Flasche? Und zusätzlich hatte ich mich beim Reinkommen in das Wohnzimmer gewundert, das ein Fach vom Schrank leicht geöffnet war…ich war mir sicher alle Fächer waren geschlossen als ich gegangen bin…immerhin hatte ich als letzten Akt den Schrank fotografiert und bin dann gegangen…und auch auf den Bildern waren alle Fächer geschlossen…na gut…aber komisch ist das schon.

Irgendwann meinte er dann, das Auto meines Vaters würde nicht anspringen…Ach ja? Woher weisst Du das denn…er hätte es probiert….WARUM? ….darauf wusste er nicht wirklich etwas zu sagen…ich hatte den Wagen eine Woche zuvor problemlos anbekommen und mein Schatz hat es auch geschafft…ich hab dem Nachbarn gesagt, was wir uns schon um das Auto kümmern…das bräuchte er nicht.

Aus dem anfänglich sehr anhänglichen Nachbarn wurde ein scheuer Geselle…er hat es vermieden uns zu begegnen….und als ich ihn nach ein paar Wochen nach dem Wohnungsschlüssel fragte (das war schon ganz am Ende unserer Räumaktion) da hat er beide Hände nach vorne gehalten und gesagt: Iiiiichh?  Ich hab überhaupt keinen Wohnungsschlüssel, nur den  Autoschlüssel und den könnte ich ja gerne wieder haben…Ja Bitte. Als er mir ein paar Minuten später den Autoschlüssel brachte…was baumelte da mit dran….GRINS ….na klar – der Wohnungsschlüssel. 

Dabei geht es mir überhaupt nicht um eine Flasche Eierlikör oder ein paar Bücher…wir wollten ja sowieso die Wohnung so unkompliziert wie möglich leer bekommen…und verschenken wäre mir für die meisten Teile die liebste Lösung gewesen…aber klammheimlich oder uns für dummverkaufend….neee das geht gar nicht.

5. Enttäuschung ist die Enttäuschung über meine Schwester und meinen Schwager….bereits vor Eintritt des Todes meines Vaters haben wir die Schränke durchforstet um die Papiere zusammen zu bekommen…so war zumindest mein Plan …es wurde jedoch durch die Äußerungen von Schwester und Schwager klar was DIESE eigentlich suchten: Wertsachen: Geld, Münzen und Briefmarken…Mein Vater hat uns erzählt, das er sein Geld nicht auf der Bank aufbewahrt…aber mir war klar, mein Vater erzählt gerne mal Seemannsgarn und darauf verlassen kannst Du dich einfach nicht…meine Schwester hat jedoch daran geglaubt und hat gesucht wo mein Vater gesagt hat …und nichts gefunden…und war enttäuscht….und so wurde gesucht und gesucht…und ich musste immer wieder darauf aufmerksam machen, WAS wir eigentlich suchen sollten : PAPIERE !!!!!! Geburtsurkunde / Stammbuch / Scheidungsurteil / Schwerbehinderten-Ausweis / Vereinbarung mit dem Bestatter usw. mein Schatz war extrem genervt von dem ausgebrochenen Jagdfieber …und über die primitiven Freudenausbrüche meines Schwagers wenn wieder ein paar Münzen zum Vorschein kamen „Jackpot“ oder „Hier ist der Schatz“. Geld haben wir an diesem Tag keines gefunden.

 

 

Papierberge

Habt Ihr Euch schon mal überlegt wie es wäre alle Unterlagen, die man so im Leben besitzt (Rechnungen, Verträge, Bescheide, Versicherungsunterlagen, Medzinberichte, Zeugnisse, Urkunden, Rezepte, Notizen, Fotos usw.) NICHT in Ordner oder Kisten zu lagern…sondern einfach so irgendwie irgendwo in die Schränke zu packen.

ICH kann es mir jetzt vorstellen…denn ich habe es erlebt.  Mein Vater ist 78 Jahre alt geworden und besaß keinen einzigen Ordner…KEINEN. Alles an Papierkram war entweder wild in irgendwelchen Klarsichthüllen grob sortiert oder (und das war es hauptsächlich) einfach zurück im Umschlag und dann auch noch Umschlag in  größere Umschläge zusammen gefasst, verteilt auf 3 verschiedene Schränke im Wohnzimmer…

Jetzt sollte man an dieser Stelle noch wissen, mein Vater war Beamter…es also von berufswegen gewohnt mit Papieren und Bescheiden zu hantieren…alles noch im „Vor-Computer-Zeitalter“,  also als es noch üblich war,  einzelne Vorgänge in Hängeregistraturen oder Aktendeckeln zu ordnen,  zu beschriften und abzulegen.

Warum mein Vater es mit seinem eigenen Kram nicht geschafft hat ,ist mir unerklärlich, zumal er immer etwas anderes erzählt hat…alle Papiere wären zusammen getragen und für den Falle seines Todes leicht und geordnet an einer Stelle gesammelt…. Hier merkt man wieder den Anspruch den er eigentlich an sich selbst hatte und die mangelnde Ausführung auf der anderen Seite.

Dabei war mein Vater durch seine vielen Krankheiten und als Privatpatient mit Papieren schon durch die Arztrechnungen und Krankenkassenbescheide und Beihilfebescheide schon mehr mit Papieren gesegnet, wie ein normaler gesunder Mensch es üblicherweise ist.

Wir hatten zu viert (mit meiner Schwester und meinem Schwager) alle Papiere zusammen zu tragen und ich hab dann sortiert…es hat Tage gedauert alles grob zu sortieren …denn so kam es das  Arztrechnungen aus 2008, neben einem Mietvertrag aus 1966 und einer Versicherung aus 2014 nebeneinander lagen. Und jedes Stück Papier hat den Geruch von Qualm ausgedünstet….Ich bin Nichtraucher und manchmal ist mir schlecht davon geworden.

In großen Einkaufstaschen hab ich die Papiere mit nach Hause gebracht und sortiert wie beim Goldwaschen….grob sieben, feiner sieben, noch feiner sieben ….genau so hab ich sortiert….und noch einmal und noch einmal….immer feiner den Wust an Papieren der notwendig ist, noch benötigt wird oder aufhebenswert ist geordnet…ich hatte mich ja bereit erklärt den Nachlass  unseres Vaters zu übernehmen…also den ganzen Verwaltungskram.

Nach 2 Monaten mit so manchem verzweifelten Abend auf dem Boden vor den Unterlagen hockend,, hab ich fast alles geschafft…Anträge über Anträge gestellt, mich um die Bankkonten gekümmert, Rechnungen  bezahlt, Geldeingänge überwacht, Einsprüche eingelegt und mit Versicherungen und Vereinen kommuniziert, Briefe geschrieben…Jetzt sind so ca.80% aller Dinge erledigt…. Und immer noch werden Dinge abgebucht, die schon längst bestätigt hatten dass  alles gestoppt wurde…jajaja…

Zwanghafte Disorganisation (Messi-Syndrom)– oder das Leben meines Vaters

Je mehr ich mich mit der Wohnung meines Vaters beschäftigen musste, umso sicherer kommt die Erkenntnis…es kann nicht sein, das ich zu diesem Teil der Familie gehöre. Ich bin ein Mensch der Ordnung nicht nur liebt, sondern einfach zum Leben benötigt….für mich bedeutet Ordnung eine Struktur zu haben die mich beschützt und mir Vertrauen für mein Leben gibt.

Innere Ordnung durch äußere Ordnung…also wenn ich Stress hab oder ich klar denken muss, räume ich erst einmal ein paar Dinge auf meinem Schreibtisch gerade…ich mag dabei große freie Flächen. Dann kann ich gut Denken. Wenn ich emotional durchdrehe, dann räume ich erst einmal meine Wohnung auf…

Nun bei meinem Vater dagegen kommt man in die Wohnung und wird erst einmal davon gefangen genommen, das es unendlich nach Zigarillo-Qualm riecht…also eher stinkt und das er überall große schwere Eiche-Rustikal-Möbel stehen hat…und das überall so kleines Nippes-Zeug rum steht….Ansonsten sieht es erst einmal aufgeräumt aus….

Was ich nicht wusste ist, dass mein Vater eine Art „Schrank-Messi“ war… Mit jedem Schrank den ich geöffnet habe, mit jeder Schublade die ich ausgeräumt habe, kamen Unmengen von Sachen zum Vorschein die ein normaler Mensch eigentlich eher im Müll erwarten würde. Und das waren nicht nur appetitliche Sachen….

Vor allem in der Küche kamen Dinge zum Vorschein die belegen, dass er  – TROTZ PUTZFRAU – schon längst nicht mehr hätte alleine leben sollen…er ist quasi vermüllt und hat es nicht mehr geschafft der Dinge Herr zu werden….er hat immer wieder gleiche Sachen neu gekauft, aber die alten nicht verbraucht, oder nur teilverbraucht und auch nichts weg geschmissen….so hab ich nicht nur erst kürzlich abgelaufene und verdorbene Lebensmittel entsorgt, sondern auch wirklich alte Sachen gefunden.

Mein Vater war stolz darauf, das in den Haus die Müllmengen sooo niedrig waren und sie deshalb Entsorgungskosten sparen konnten….lach…..nun weiß ich auch warum die Mengen so klein waren…weil er einfach alles in den Schränken aufbewahrt hat….eine meiner ersten Maßnahmen war also unendlich viele Müllsäcke zu kaufen……

Bisher hieß es bei ihm immer: ich habe im Krieg gehungert und deshalb wird nichts vergeudet und weggeworfen….Nun das kann ich jetzt so nicht mehr stehen lassen…Dinge wurden gekauft und nicht verbraucht, das ist massive Vergeudung.

Und ich rede dabei nicht davon das ein paar Lebensmittel ein paar Wochen oder ein paar Monate über dem Mindesthaltbarkeitsdatum lagen…ich rede davon das viele Lebensmittel bereits viele Jahre abgelaufen waren…und direkt daneben die gleichen Lebensmittel fast neu standen….

Ein Beispiel gefällig? Honig hat einen sehr hohen Zuckeranteil und ist quasi fast nicht zum Verderben zu bringen….aber ein 1/2  verbrauchtes Glas Honig aus dem Jahr 2007 (wir leben in 2018) war schimmelig …Daneben Zuckerrübensirup der von der Konsistenz eher Teer glich….Speck im Kühlschrank aus Anfang 2017…..dabei ist der Kühlschrank in 2017 ausgetauscht worden. Asiatische Lebensmittel  noch originalverpackt aus dem Jahr 2010-11….Im Mehl und anderen Dingen hatten sich mal die Motten durch gefressen….überall  klebte es in den Schränken und der Schmier war Zentimeterdick….Um die Schränke zu säubern half mir nur noch ein Metallschrubber…was man normalerweise für Edelstahltöpfe benutzt…. Aber zuerst ging es um die Mengen in den Schränken….er scheint seit den 60er Jahren NICHTS mehr an Tassen, Teller und Plastikdosen weg geworfen zu haben….dabei ist er Anfang der 90er Jahre erst in diese Wohnung gezogen und ich weiß das wir damals einen Müllcontainer hatten weil er sich ja mit dieser Wohnung verkleinert hatte. 

Es ist ja gar nicht schlimm, wenn man etwas aufbewahrt…aber wenn man es dann verrotten lässt…in den Schränken dann kann das auch kein Liebhaber alter Stücke gewesen sein…die Gläser und Tassen im Wohnzimmerschrank waren derartig vergilbt, die sind bestimmt seit seinem Einzug nicht mehr benutzt worden…und wurden seitdem auch bestimmt nicht mehr gesäubert…und wozu benötigt er 10 Pfannen….eine älter und dreckiger als die Andere.

Allein um den Kleiderschrank im Schlafzimmer auszuräumen brauchte ich 18Stück 120l-Mülltüten nur für die Kleidung  und das war noch nicht alles ….dabei  hab ich Dinge in den hinteren Teilen des Schrankes gefunden, die bestimmt seit dem Einzug vor 23 Jahren nicht mehr benutzt worden sind und das Schlimmste waren 3 Kopfkissen im Schrank die verschimmelt waren…wozu ein einzelner Mann 8 Bettdecken und 5 Wolldecken benötigt ist mir auch ein Rätsel…..aus dem Schrank hab ich allein 103Paar Woll-Stricksocken gefunden…und das waren nur die, die ich gezählt habe….es gab noch viel mehr….aber die lagen nicht  ordentlich in einer Schublade oder einer Ecke…nein quer über den ganzen Schrank verteilt….Ich habe Handtücher gefunden, die waren sooo dünn das man fast durchsehen konnte, die stammen tatsächlich aus MEINER Kindheit und ich bin gerade  50 Jahre alt geworden.

Und immer wieder dazwischen einige moderne neue Stücke,  aber alles war im Schrank wild durch einander gewürfelt… Ich hab die Aufnahmekapazität der städtischen Kleidersammelcontainer gesprengt…musste quer durch die Stadt fahren um überhaupt noch Platz zu finden….Auch die Glascontainer haben Unmengen von Zeugs aufnehmen müssen…weil mein Vater auch leere Einmachgläser gehortet hat ….

Nach meiner ersten Räumaktion 3 Tage am Stück um das Schlafzimmer mit allen Schränken leer zu bekommen, hat mein Schatz bei unser nächsten Aktion erst einmal die Schlafzimmermöbel zerlegt, so dass wir einen Raum hatten um all die Dinge die ich nicht sofort weg werfen konnte dort zu lagern.

Da mein Vater ja fast 300km entfernt von mir wohnt, haben wir2 Monate gebraucht….jedes Wochenende und auch ein paar der Feiertage genutzt…hinfahren, räumen, putzen, räumen, putzen…aussortieren, putzen, zurück fahren und dann war das Wochenende auch schon vorbei….haben jede Menge Geld für Sprit und Übernachtungen ausgegeben um voran zu kommen….aber erholen oder gar trauern…nein – Fehlanzeige.

Deutschland und die Bürokratie

In den letzten 1,5 Monaten habe ich viel gelernt…über die Bürokratie in Deutschland.

Wenn ALLES normal funktioniert merke ich die Bürokratie nicht wirklich, ich lebe in geordneten Bahnen und bin mit einem gewissen Maß an Bürokratie groß geworden…bin es gewohnt das alles klappt, weil ich mich an Alles halte…Ich KENNE also meine notwendige Bürokratie (nicht bei Rot über die Ampel fahren, Steuererklärung jährlich abgeben, Personalausweis beantragen wenn dieser abläuft) und fühle mich nicht davon eingeengt.

Aber wenn ein Pensionär stirbt, bekommt man die volle Breitseite an Bürokratie zu spüren…und als Kind eines Beamten im Ruhestand ist man doppelt gestraft, vor allem wenn man weder selber Beamter ist, noch Privatpatient.

Ich hab mich also mit dem Prinzip Private Krankenkassen-Abrechnungen, Beihilfe, Testamentseröffnung, Erbschein, Sterbegeld, Bankvollmacht und die Folgen im Erbfall beschäftigt. Und mit jedem weiteren Formular, mit jeder weiteren Bescheinigung, mit der nächsten beglaubigten Abschrift aus dem Stammbuch, den Scheidungsurteilen, Geburts- und Heiratsurkunden wächst in mir die Frage wozu besitze ich eigentlich einen Personalausweis der doch meine Identität bescheinigt, wenn die Echtheit meines Daseins doch nur über beglaubigte Abschriften von allen Urkunden bewiesen werden kann?

Krass finde ich auch wie man als Kind eines verstorbenen Beamten an das Sterbegeld kommt. Jeder Deutsche Rentner der stirbt bekommt 3 Monate seine Rente weiter gezahlt….Bei einem pensionierten Beamten läuft das anders. Der bekommt nur den aktuellen Monat seine Rente und dann noch 2 Monate Sterbegeld…die müssen aber beantragt werden …UND  !!!! alle Erben müssen sich einig sein und schriftlich zustimmen das das Sterbegeld an einen der Erben ausgezahlt wird….!!!!! UND dieser Erbe – der das Sterbegeld ausgezahlt bekommt muss das mit Steuerklasse 6 auch noch versteuern. (Steuerklasse 6 ist für Nebenjobs und hat einen sehr hohen Steuerabzug)….und das was dann dabei übrig bleibt muss dann ja auf alle Erben aufgeteilt werden….

Seufz….ja,ja die Bürokratie hört aber da noch lange nicht auf. Weil die Erben für den Verstorbenen auch noch bis zum Todestag die Steuererklärung abgeben müssen….und das Recht auf Erstattung der Arztrechnungen wir mit vererbt, d.h. wir müssen bei Krankenkasse und Beihilfe die Rechnungen zur Erstattung reinreichen….Was ja positiv ist, weil wir nicht auf den Kosten sitzen bleiben….

Nun inzwischen fühle ich mich etwas sicherer im Umgang mit diesen Themen und reagiere auch etwas gelassener und routinierter beim Ausfüllen der Anträge…lach….aber geheuer ist mir das Ganze immer noch nicht. Es geht um viel Geld… (solche Krankenhausrechnungen gehen schnell man in die Tausende und wenn dann die Beihilfe oder auch die Krankenkasse Beträge kürzt, dann muss man Widerspruch einlegen, Begründungen schreiben….manchmal dachte ich, ich verliere den Überblick und an einigen Tagen war ich einfach nur noch verzweifelt, weil nichts voran ging. Immerhin verbringen wir auch noch die Wochenende in der Wohnung meines Vaters und eigentlich brauche ich auch noch viel mehr Zeit für meinen Job….zum Glück kann ich gut organisieren…und noch hab ich alles im Griff.

Aber es kostet eine Menge Zeit und Lauferei und ich hab so viel telefoniert, wie in den letzten Jahren nicht….

Abschied

Sein ganzes Leben war mein Vater Fan des Hamburger SV…und kaum ist er tot, steigt der HSV erstmals aus der 1. Bundesliga ab.

Natürlich bin ich mir bewusst, das es keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen gibt….und trotzdem….nehme ich es so wahr…

 

Der Tod hat gleich zweimal zugeschlagen

Mein Vater ist Ostersonntag gestorben 1.4. früh morgens….also eigentlich in der Nacht.

Seit der OP haben wir mit Ärzten, Pflegern und Sozialstation gesprochen, immer im ständigen Wechsel…reihum… und Donnerstagabend ist er auf die Palliativ-Station des Krankenhauses verlegt worden….Er hat alles verweigert: Nahrung, Trinken, Medikamente, er wollte keinen Zugang gelegt bekommen…kein Antibiotikum gegen die Sepsis….nichts wollte er mehr…anfangs nicht einmal Schmerzmittel. Die Ärzte wussten sich keinen Rat mehr  – auf der Station konnte er nicht bleiben, denn dort wollte man ja heilen, durfte aber nicht.

Also ist er auf die Palliativstation verlegt worden. Karfreitag sind meine Schwester und mein Schwager aus dem hohen Norden nach NRW gekommen…mein Schatz und ich aus dem Taunus….und haben unseren Vater im Krankenhaus besucht. Ich war ja bereits am Mittwoch bei ihm…aber da war er überhaupt nicht ansprechbar.

Und er war noch mehr zusammengefallen, sogar das Streicheln der Hand war ihm unangenehm…aber er hat uns erkannt….hat mich mit meinem Kosenamen aus Kindheitstagen angesprochen…auch unsere Männer hat er mit den richtigen Namen angesprochen…aber mehr als 1 Minute konnte er nicht wach bleiben….immer wieder ist er eingeschlafen….

Das letzte und klärende Gespräch mit dem Arzt hat uns dann vor Augen geführt wie es um ihn stehen könnte! Auch der Arzt würde ihm gerne helfen, aber durch die Patientenverfügung sind ihm die Hände gebunden und würde er trotzdem Antibiotika geben, so würde sich der Arzt strafbar machen…und er meinte auch: unser Vater könnte leben – wenn er nur wollte und die notwendige Behandlung zulassen würde. Aber bei manchen Patienten würde der Körper auch ohne Medikamente die Blutvergiftung überstehen.

Ich weiß nicht warum, aber ich war davon überzeugt das unser Vater, dieser zähe Hund – der sooo viel in seinem Leben überlebt hat, auch das hier schaffen würde….Wir sind bis Samstagnachmittag in der Stadt geblieben, haben bei ihm zuhause gewaschen, geputzt, Papiere gesucht und zusammen getragen….und waren noch ein paar Mal im Krankenhaus…Dann sind wir wieder nach Hause gefahren….aber der Abend war noch nicht ganz vorüber das kam die Nachricht aus dem Krankenhaus: 39 Grad Fieber – aber nichts Lebensbedrohendes…

Ich war total durch den Wind  und mein Schatz und ich sind dann ca .1 ½ Stunden an der frischen Luft gewesen und haben geredet…vorher noch mit meiner Schwester abgestimmt…ich fahre erst morgen früh….wir müssen ja auch mal schlafen – und ich würde dann Ostersonntag wieder hin fahren und bleiben und ihn begleiten bis zum Schluß…so mein Plan….

Nun gut – kurz nach 3 Uhr nachts kam der Anruf meiner Schwester, das unser Vater tot ist… zu spät – jetzt brauch ich mich auch nicht mehr zu beeilen….so hab ich für mich entschieden ich bleibe Ostersonntag hier…weil wir bei meiner Quasi-Schwiegermutter eingeladen waren…und ihr Mann liegt ja zuhause auch im Sterben…gegen Abend hieß es ….das dauert jetzt nicht mehr lange….aber irgendwann musste ich nach Hause…ich  hatte für den nächsten Tag 11 Uhr bereits den Termin mit dem Bestatter….in NRW…..und wollte dann insgesamt 3 Tage bleiben für die  Formalitäten usw….

Nun der Mann meiner Quasischwiegermutter hat noch einen Tag durch gehalten und ist Ostermontag gegen Mittag gestorben….mein Schatz war bei seiner Mutter als sie auf den Arzt und später auf den Bestatter gewartet haben, während ich allein in der Wohnung meines Vaters war um etwas Ordnung in sein Chaos zu bringen….das allein sein tat gut

„Frohe Oster“ werde ich so schnell nicht mehr sagen können ohne an Ostern 2018 zu denken.

Das ist jetzt erst einmal die reine Geschichte, die Fakten…das Verarbeiten, hinterfragen und reflektieren kommt erst später…JETZT muss ich funktionieren….und das tue ich – ich funktioniere – kläre / mache / tue – räume aus / bringe weg / die Maschinerie der Nachlassverwaltung ist angelaufen…das Verarbeiten und trauern – das kommt später  –  jetzt muss ich handeln….

Zuviel Leben in zu kurzer Zeit und der Tod ist präsent

Die letzten Wochen waren nicht leicht.

Manchmal scheint das Leben zu stagnieren und dann passiert so viel auf einmal, das es auch für ein paar Jahre reichen würde…Mir ist es im Moment einfach zu viel…und ich wünsche mir wieder etwas mehr Routine und Banalität zurück.

Ich habe mich mit dem besten Freund meines Schatzes überworfen…auf die Nerven ist der mir schon eine Weile gegangen, aber vor ein paar Wochen ist das echt eskaliert, weil ich ihm mal sehr deutlich und klar gesagt habe was mir auf der Seele brannte…mein armer  Schatz stand dazwischen, aber ich hab ihm gesagt, er soll sich ja da raus halten, sich auf keine „Seite“ schlagen, also auch nicht auf meine…ich kann meine Disputs immer noch alleine austragen.

Der Mann meiner Quasi-Schwiegermutter ist sehr schwer an Krebs erkrankt und wird jetzt in den nächsten Tagen zum Sterben nach Hause geschickt. Er leidet sehr stark unter Schmerzen und meine Quasi-Schwiegermutter benötigt jetzt mehr Hilfe und seelischen Beistand. Mein Freund und ich reden jetzt ständig über Patientenverfügungen, Vollmachten, Testament nach Berliner Model, Erbrangfolge, Witwenrente und über das Sterben und den Tod.

Während der Autosuche hatten mein Schatz und ich auch noch einen Autounfall mit seinem alten Auto…es ist niemand von uns zu Schaden gekommen, aber das Auto ist jetzt ein wirtschaftlicher Totalschaden und mit dem neu gelernten Wort „irreführendes Blinken“ hat mein Schatz auch noch Teilschuld….nun gut – also muss das neue Auto jetzt sehr schnell angeschafft werden, schneller als geplant, damit auch teurer und vor der geplanten Zeit. Damit entfällt eine Teilfinanzierung über eine Bank, da mein Schatz ja erst Anfang des Monats den Job gewechselt hat….Seufz….aber auch dafür haben wir eine Regelung getroffen. Aber es bleibt eine Menge Papierkram mit den Versicherungen, Gutachter und mit dem Autohaus ….Das alte Auto steht jetzt leider noch in Garage – das neue Auto muss zwischenzeitlich eben draußen stehen….

Mein Stresslevel ist damit schon ziemlich hochgekocht, da kommen noch die Zahnarzttermine:  mein Schatz benötigt ein Implantat und noch so einiges anderes…und die Zahnärztin hat bei mir fest gestellt, das meine gesamt Kaumuskulatur sehr stark verkrampft ist und ich durch zu viel Druck meine Zähne zermalme…Ein Zeichen von Stress oder zu starken Muskeln im Kiefer.  Wenn ich mir jetzt noch meine leider wieder akuten Magen-Darm-Beschwerden eingestehe (über die ich nie rede, die aber seit Jahren immer wieder auftauchen) dann muss ich leider sagen: es ist der Stress…

…dann hat es uns Beide auch noch mit einem 2. Grippe-Schub erwischt…und trotzdem sind wir arbeiten gegangen.  Meine Schwester hat unseren Vater in der letzten Woche mehrfach nicht erreicht und die Krankenhäuser in seinen Wohnort abtelefoniert und tatsächlich – er war im Krankenhaus und hat nicht einmal Bescheid gegeben und auch nicht, als er entlassen wurde.  Polypen wurden entfernt.

und in dieser Woche hab ich eigentlich Urlaub, da erreicht mich die Nachricht das mein Vater mit einem  Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht wurde….Komplett dehydriert, in körperlich sehr schlechtem Zustand, er hat wohl mindestens einen Tag gelegen ohne das es jemand mit bekommen hat. Er war nicht ansprechbar, hat eine beginnende Lungenentzündung  und die Ärztin sprach von einem Magengeschwür Ich bin also hingefahren (270km) Mein Vater war überhaupt nicht ansprechbar und hat sich vor Schmerzen gewunden. Erst im Laufe der Untersuchungen ergab sich eine so stark entzündete Gallenblase das die Ärztin von einer Blutvergiftung sprach…

Meinem Vater wurde also sehr kurzfristig die Gallenblase heraus operiert…Er brauchte mehrere Bluttransfusionen und bisher geht es im noch nicht viel besser…so richtig ansprechbar ist er immer noch nicht.  

Da mein Vater nicht ansprechbar war, konnte er sich bei der Einlieferung nicht richtig anmelden, auch nicht der OP zustimmen…und auf einmal muss ICH entscheiden….Meine Schwester und ich sind laut der Patientenverfügung berechtigt für ihn zu entscheiden, wenn er es nicht mehr kann….und auf einmal musste ich schnell Entscheidungen treffen – was ich auch tat…hab mich aber per Telefon mit meiner Schwester abgestimmt… Puh – das ist schon ein immenser Druck den ich da gespürt habe, die Verfügung so zu interpretieren das es dem Willen meines Vaters auch tatsächlich entspricht .

Ich hab im Krankenhaus auch mit der Sozialstation gesprochen – die sind dort total nett und helfen uns nun: die stellen jetzt bei der Krankenkasse den Antrag auf Einstufung in einen Pflegegrad….und helfen uns bei der Entscheidung  ob ein ambulanter Pflegedienst, eine Kurzzeitpflege oder eine Pflegeheim für unseren Vater vernünftig wäre. Alleine Leben wird so nicht mehr funktionieren – ich hab in seiner Wohnung mal den Kühlschrank auf gemacht….und mich in der Wohnung umgeschaut….hmmm wofür bezahle ich eigentlich die Putzfrau, nur fürs Fensterputzen?

Ich bin durch all das sehr schnell gereizt, fühle mich schnell angegriffen und  gehe leicht in die Luft…da auch im Job aktuell vieles passiert und eigentlich meine volle Aufmerksamkeit erforderlich ist…ich bin gerade sehr dünnhäutig ..