Wie im Zirkus oder Freiwillige Demontage

Diese Woche war hart….der Job. Ich fühle mich wie ein Zirkus-Artist  auf dem Hochseil, der versucht dabei noch mit 5 Bällen gleichzeitig zu jonglieren….immer kurz davor das entweder ein Ball runterfällt…oder man selber abstürzt.  Das kostet viel Kraft und fühlt sich auch noch blöde an.

Ich arbeite ja meinen Nachfolger ein und  feinjustiere die Einarbeitung unseres letzten Teamzugangs, dazu kommt der normale Monatsabschluss , haben noch Schwierigkeiten mit den Wirtschaftsprüfern wegen der letzten Jahresabschlüsse und machen zum 31.07. ja  NOCH einen Jahresabschluss für eine der Gesellschaften .

80% des Tages muss ich nun reden – schrecklich…und natürlich komme ich so mit meiner normalen Arbeit auch nur langsam weiter….aber es war klar, dass es nicht leicht werden wird….

Ich erkläre was wir machen, wie wir untereinander zusammen hängen, wie wir zu welchem Konzernteil gehören, wie es vorher war, welchen Einfluss das auf unsere Arbeit und das Reporting hat….usw… bis hin, wie die Programme funktionieren…Seufz.

Also in dieser Woche

        Hatte ich wieder Arbeitszeiten bis zu 14 Stunden

        Hab ich ständig Kopfschmerzen

        Halsschmerzen hab ich regelmässig ab mittags (vom vielen Reden)

        Der Haut um meine Augen kann man beim Anschwellen zuschauen , es juckt, brennt und tut einfach nur weh…okay dann eben wieder Tabletten, Salbe und Cremes helfen nicht

        Die Allergietabletten machen mich müde

Mit anderen Worten die Woche ist einfach nur ätzend…gut das jetzt erst einmal Wochenende ist…ich werde aber heute oder Morgen doch noch mal ins Büro fahren…weil  mein Team gerade zusammen-schrumpft weil

        eine Kollegin mit fast nur Tagesarbeit  jetzt 3 Wochen Urlaub hat (das darf also nicht liegen bleiben)

        eine andere Kollegin am Donnerstag  im Büro zusammen geklappt ist und jetzt erst einmal zur Beobachtung im Krankenhaus liegt

        unser letzter Neuzugang in der letzten August-Woche in Urlaub geht (seine Frau bekommt das 2. Kind)

        und ich ja weiterhin meinen Nachfolger einarbeiten muss

Also auch in den nächsten Wochen wird es nicht locker und leicht werden, sondern es bleibt genau so wie bisher: viel zu tun….wenig Freizeit….wenig Entspannung…

Und wo ich gerade beim Vergleich mit dem Zirkus bin…manchmal fühle ich mich als ob unsere Firma eine Clownsschule ist: es werden lustige Dinge gemacht – aber wenn man hinter die Fassade schaut, sieht man, das vielen eher zum heulen zumute ist…aber alle machen mit…keiner begehrt auf…und lustig geht es weiter….hinter vorgehaltener Hand glauben Viele, das wir mit einem Lachen in den Abgrund stürzen , ich hoffe nicht.

Aber was macht eine Firma wenn viele Leistungsträger unzufrieden sind und sich umorientieren, eine Firma geballtes Fachwissen  in eine andere Gesellschaft versetzt (meine Chefin)? Dazu viel Wissen in den nächsten 2-3 Jahren in Rente geht? Dabei das Geschäft weiter wachsen soll, aber Mitarbeiter auf der anderen Seite eingespart werden soll (ich hab die Planung für die nächsten Jahre mit bekommen). Man könnte es für eine Lachnummer halten….wenn es nicht so ernst wäre.

Und immer wenn ich merke mir platzt gleich mal der Kragen, versuche hektisch Dinge gleichzeitig zu regeln oder Kollegen zu sagen das ich gerade keine Zeit für sie habe….dann halte ich kurz inne …nehme mich ein Stück zurück und atme tief durch. Nein das ist es nicht wert, das ich mich aufrege…ich rede Klartext mit den Leuten (was wollen die machen? Mich entlassen?)…ich nehme mir auch Zeit für die Kollegen auch aus anderen Abteilungen…und ich kann nur eines nach dem anderen abarbeiten..dann bleibt eben was liegen. Habe meinem Nachfolger schon ein paar Dinge überlassen….das muss er übernehmen…da gibt es ein paar Dinge die werde ich bis zu meinem Weggang nicht mehr regeln können…das muss er dann machen. Alles was ich machen kann, leite ich in die Wege und dokumentiere so gut ich kann.

Und jetzt sitze ich hier und freue mich darüber das es nur noch einen Monat dauert…dann ist der Zirkus hier vorbei und ich hab es hoffentlich geschafft ohne abzustürzen.

Countdown:  noch 25 Arbeitstage

Arbeitsfrust mit Geld kompensieren?

Ich bin erstaunt wie wenig die Unruhe und Unzufriedenheit der Mitarbeiter wahrgenommen wird. Nein eigentlich erstaunt es mich doch nicht…also nicht wirklich. Es läuft ja – irgendwie.

Unser GF hat mir vor einiger Zeit in einem längeren 4-Augen-Gespräch ja auch versucht seine Sicht auf die Änderungen zu vermitteln und das ihm in vieler Hinsicht (z.B. weitere Mitarbeiter  für unterschiedliche Abteilungen einzustellen) die Hände gebunden sind.

Dabei muss ich aber auch sagen, es gab Zeiten da waren ihm die Hände NICHT gebunden…und er hat trotzdem die Notwendigkeit nicht gesehen.

Eine Aussage von ihm hat sich mir aber eingeprägt, die eigentlich das ganze Dilemma der Geschäftsführung  zeigt. In etwa lautete die Aussage: Was soll ich denn noch tun um den Mitarbeiter zu vermitteln das es der Firma gut geht. Die Umsätze und die Gewinne steigen…uns geht es doch nicht schlecht.

Ja, das stimmt. Umsatz, EbITDA und auch die Gewinne steigen und ja, jeder von uns ist mit seinem Bonus am Unternehmensziel beteiligt. Soweit so gut.

Aber DARUM geht es auch gar nicht. Die Frage sollte doch lauten: WARUM sind so viele Mitarbeiter in den letzten Jahren unzufrieden geworden OBWOHL alle messbaren Faktoren nach oben gehen.

Der Kern der Unzufriedenheit ist eben nicht, das wir zu wenig Geld verdienen – sondern das wir an vielen Stellen viel zu viel Arbeit haben, die mit der Anzahl der Mitarbeiter kaum zu bewältigen ist.

Natürlich ist Geld ein wichtiger Faktor…aber eben nicht der Einzige. D.h. unser GF kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die lieber auf etwas Geld verzichten um etwas mehr Freizeit zu haben.  Nun gut – unser GF ist ein waschechter Schwabe.

Wenn 3 Abteilungsleiter und 2 Teamleiter einer Firma (das sind nur die mit denen ich mich über diese Themen unterhalte – bei den anderen hab ich keine Einblicke) unzufrieden sind, und dazu noch einige der „normalen“ Angestellten …dann ist das überproportional im Verhältnis zur Gesamt-Mitarbeiterzahl.

Wenn auf der einen Seite immer wieder darauf aufmerksam gemacht wird, das die Überstunden zurück gefahren werden müssen, das die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen nicht erlaubt ist, auf der anderen Seite dieser  zusätzliche Arbeitseinsatz nicht anerkannt /honoriert wird und trotzdem nur zögerlich Abhilfe geschaffen wird um die Arbeit innerhalb  der vorgegebenen Zeit schaffen zu können, auf der nächsten Seite bei der Planung  der nächsten 1-5 Jahre schon klar ist, wir wachsen weiter und es werden keine zusätzlichen Stellen geplant….da stimmt doch etwas nicht. Da ist doch schon vorprogrammiert das noch weitere Mitarbeiter die Reißleine ziehen oder untergehen werden.

Aber die Geschäftsleitung nimmt es nicht wirklich wahr…oder will es nicht wahrnehmen, weil es der Firma ja gut geht.  Und wenn es der Firma gut geht, dann haben die Mitarbeiter keinen Grund unzufrieden zu sein.

Was für eine Logik.

Nachdem ich jahrelang das alles eher stillschweigend mit getragen habe,  hab ich ja bereits in 2018 angefangen aufzubegehren, …was zumindest dazu geführt hat, das ich

  1. Einen zusätzlichen Mitarbeiter bekommen habe (wenn auch die Umsetzung erst mit ¾ Jahr Verzögerung statt gefunden hat)
  2. Ich eine zusätzliche finanzielle „Entschädigung“ für diese Sonderprojekt erhalten habe. Lt. Aussage meiner Chefin bin ich die Einzige.

Aber der zusätzliche Mitarbeiter und die finanzielle Sonderzahlung kamen zu spät…viel zu spät – meine innere Unzufriedenheit konnte das auch nicht mehr kompensieren und ich hab ja für mich die Konsequenzen gezogen.

Und  diese 1. Arbeitswoche nach dem Urlaub hat mir mal wieder gezeigt, es ist absolut die richtige Entscheidung…es geht munter weiter mit den Änderungen „mal eben“….

Nach einem Gespräch mit unserem verantwortlichen Westeuropa-Manger  weiß ich, auch den anderen Landesgesellschaften geht es nicht besser, die kämpfen mit den gleichen Nachwirkungen des Konzernumbaus (Nur die brauchten eben KEINE zusätzlichen Jahresabschlüsse – das war etwas speziell nur für die Deutschen Gesellschaften) und auch dort wächst das Frust-Potential – obwohl die an vielen Stellen wesentlich mehr Leute zur Verfügung haben. Und auch er hofft jeden Tag, das nicht noch mehr neue Anforderungen an unsere Arbeit gestellt werden.

 

Arbeit und die Folgen

Und kaum KÖNNTE ich mal wieder durchatmen, mal wieder normale Stunden am Tag arbeiten, um alles für das Jahr 2018 vorzubereiten (Der Januar ist ja schon fast vorbei und bisher hab ich ausschließlich für den Jahresabschluss 2017 gearbeitet) – da macht mir die Grippewelle einen Strich durch die Rechnung…und nicht nur die.

Montagmorgen – Mein Viererteam:

1 in Urlaub / 1 krank / 1 Kind krank / ICH bin da…..und so bleibt es bis Mittwoch

1 Kollegin wollte noch länger Urlaub – musste ich leider ablehnen / 1 krank / 1 krank mit Kind / ICH bin da….und so bleibt es noch den Rest der Woche…

Dumm nur das ich ja eigentlich Donnerstag und Freitag frei machen wollte, um mich endlich mal wieder zu erholen.

Ich bin wütend – nicht auf die kranken Kolleginnen – sondern auf die Tatsache dass ich einfach keine normalen Arbeitszeiten in diesem Laden hin bekomme. IMMER ist irgendetwas. Und so wird es auch in den nächsten Jahren bleiben.

Inzwischen ist klar das in diesem Jahr noch 2 Großprojekte starten werden – und wir dazu voraussichtlich noch eine weitere Tochtergesellschaften gründen….na super – ich schaffe das jetzt schon nicht mehr mit 3 Gesellschaften – wie immer wird davon gesprochen :

1. Es wird alles gaaanz klein und simpel gehalten / das wird nicht viel Arbeit sein

2. Es wird schon für Abhilfe gesorgt werden

Na toll – noch eine Teilzeitkraft mehr – immer nur ½ Sachen und keine wirkliche Entlastung…denn das würde ja echt teuer werden – gute Leute kosten eben Geld.

Ich wollte bewusst in dieser Firma NICHT in eine Führungsposition….bin aber letztendlich trotzdem dort gelandet– weil es sich organisatorisch sonst sehr schwer gestaltet hätte…und nun hab ich das Dilemma…inzwischen sind es 3 Mitarbeiter….und das sind schon mehr als ich wollte. Wir wachsen und mein zeitlicher Einsatz ist wieder auf einem Level den ich nie wieder erreichen wollte….okay okay es macht ja auch Spaß und ich verdiene gutes Geld….und ICH hab eben ja gesagt….also ist es mein selbst gewähltes Schicksal….

Und hier wieder raus zu kommen, müsste ich wieder einmal mein Leben radikal auf den Kopf stellen. Ich müsste kündigen – mir einen Job als Alleinbuchhalter suchen oder eben einen Job ganz ohne Verantwortung…und damit auch mit wesentlich weniger Geld ….. aber Ich ziehe Verantwortung an – weil es in meiner Natur liegt mich verantwortlich zu fühlen….und würde woanders eben auch Verantwortung übernehmen – auch wenn ich das dann nicht vergütet bekäme….

Also mein Dilemma heißt: Akzeptiere ich endlich die ständige Verantwortung die ich in meinem Job quasi natürlich übernehme – immer mit der Gefahr das es mehr und mehr wird und ich immer weiter hineingezogen werde …. Oder steige ich komplett aus diesem Hamsterrad aus?

Wahrscheinlich würde ich jetzt mit fast 50 tatsächlich noch einmal das Hamsterrad anhalten und aussteigen …. WENN ….. wenn ich noch alleine wäre…bin ich aber nicht….ich trage ja auch Verantwortung in und für meine Beziehung…und mein Job ist eben ein sicherer Hafen.

Meine Chefin ist auch überlastet und krank und hat kleine Kinder und wohnt auch noch gut 100km entfernt vom Büro – pendelt also mehrmals die Woche – und ist auf der Karriereleiter ziemlich weit oben…..und damit immer im Fokus der männlichen Führungsriege….immer im Kampfmodus……aber sie ist 36 Jahre und sie hat sich dieses Leben ausgesucht…. ihre Mitarbeiter bekommen ihre Unzufriedenheit sehr oft zu spüren…das macht es mir auch nicht gerade leichter.

Mein einziger aktueller Vorteil ist eine erstaunliche Gelassenheit …lach….na sagen wir mal es ist eher ein innerer Schutz nicht durchzudrehen das ich denke: mehr geht eben nicht – und jetzt eines nach dem Anderen – ich versuche mich gerade nicht aufzuregen und auch nicht hektisch zu werden….und es gelingt mir….dann bleibt die Arbeit eben liegen…ach ja …und ich hab mir trotzdem Freitag und Montag frei genommen…dann bleiben die Plätze eben unbesetzt…auch wenn ich davon ausgehen muss, das am Montag der Krankenstand immer noch genauso hoch ist, wie heute…dann ist das eben so…ist nicht zu ändern.

Nach 9 Stunden Arbeit ist aktuell auch Schluss bei mir…der Rest muss eben warten. Ich arbeite nach dem Ordnungs-Prinzip: „Vom Dringenstens zum Wichtigsten“. Es nutzt ja keinem etwas, wenn ich jetzt hektisch werde oder gar Durchdrehe…also nehme ich mir meine Auszeit und dann schaue ich mal weiter….